Geschichten und Musik

Schlagwort: Kurzgeschichten Seite 1 von 8

Lesestoff – Lieferungen 9

Es folgt eine neue Portion Lesestoff, „Lieferungen“, Teil 9 der phantastischen Kurzgeschichte mit feinem Gebäck, manipulierter Lotterie und rosa Ballkleid. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8.

Lesestoff - Lieferungen

Der Dämonenbeschwörer!“, rief Ondar. „Was ist denn aus ihm geworden?“

Getanzt hat er, er konnte gar nicht anders.“ Suso sang: „… und der Schwarzbart in der Kutte musste auch mit, musste auch mit in das Höllenloch hinein.“ Seine Stimme brach. „Verzeih“, sagte er zur Prinzessin. „Ich bin noch etwas heiser von diesem Streich.“

Estarelo fragte nicht mehr. Aus dem Wirt würde er keine vernünftige Antwort herausbekommen.

Dann kann er uns auch nicht verfolgen?“, wollte Ondar wissen.

Nein“, antwortete Suso. „Der kommt so schnell nicht wieder.“

Wie sieht es inzwischen in der Stadt aus?“ Sie schaute zur Tür, wo Cachi stand, als hätte sie den Raum nie verlassen.

Es scheint alles ruhig“, erwiderte das Mädchen. „Graf Nakhmir wird bald das Fest eröffnen und alle Geladenen empfangen.“

Aber der Fürst …“, begann Estarelo.

Ist vorübergehend unpässlich“, antwortete die Cachi. „Der Graf wird ihn vertreten, bis die Familie eine Lösung gefunden hat.“

Die Familie.“ Das Gespräch wanderte weiter, Estarelo hörte nicht mehr zu. So war es nicht geplant gewesen. Sie hätten beim Fest, mitten unter allen Gästen, Ihre Hoheit befreien und den Fürsten gefangen nehmen sollen. Dann wäre ein Aufstand losgebrochen, und der Kardinal wäre in die Stadt einmarschiert, um die Sicherheit der Prinzessin zu gewährleisten.

Estarelo schaute den Wirt an. Der lehnte an der Wand und grinste wie ein Schwachsinniger ins Leere. Suso hatte sie zu früh in den Palast geschickt. Suso hatte die Prinzessin befreit. Susos Leute hielten den Fürsten versteckt.

Nur die Anwesenheit Ihrer Hoheit hielt Estarelo davon ab, den Kerl einfach zu erschlagen.

E N D E

Bild: Adriaen van Ostade, gemeinfrei

Lesestoff – Lieferungen 8

Es folgt eine neue Portion Lesestoff, „Lieferungen“, Teil 8 der phantastischen Kurzgeschichte mit feinem Gebäck, manipulierter Lotterie und rosa Ballkleid. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7.

Lesestoff - Lieferungen

Estarelo klappte den Mund wieder zu. Die ganze Gesellschaft in ihrem Zimmer, Ihre Hoheit dabei …

Er verbeugte sich. „Wenn Ihr mit unserer Kammer vorlieb nehmen wollt …“

Wenn wir uns für eine Unterredung dorthin zurückziehen können, bin ich euch dankbar.“

Sehr wohl.“

Estarelo stieg allen voran die Treppe hinauf. Sein Kopf war leer. Er wollte sich nicht ausmalen, was alles schiefgegangen war. Wo der Tyrann steckte und was er jetzt plante. Wann der Kardinal mit seinen Truppen einmarschieren würde.

* * *

Er räumte hastig Torves Nachtwäsche vom stabilsten vorhandenen Stuhl und bot ihn der Prinzessin an. Der Wirt setzte sich rittlings auf den nächsten, die Schankmaid ließ sich auf das Bett fallen. Torve ebenfalls. Er könnte wenigstens eine Armlänge Abstand zu dem Mädchen halten. Ondar ließ sich zu Füßen der Prinzessin auf dem Boden nieder. Nur Estarelo blieb stehen.

Bitte, Herr Wirt, lasst uns Eure Geschichte hören“, forderte die Prinzessin ihn auf.

Suso fuhr sich durch die schweißverklebten Haare. „Verzeihung, ich kann noch nicht viel reden. Cachi, vielleicht kannst du unsere Gäste beruhigen …“

Die Schankmaid kicherte. „Ach so, die Sänfte. Die haben Tikin und die Jungs. Samt Inhalt.“

Wer ist Tikin?“, platzte Estarelo heraus.

Ein Verbündeter.“ Von unten rief jemand, Cachi sprang auf und lief mit einer Entschuldigung aus dem Zimmer.

* * *

Ich glaube, mein bisheriger Gastgeber ist dort sehr gut aufgehoben“, sagte die Prinzessin.

Wir nehmen ihn mit“, widersprach Estarelo.

Bis nach Diardán?“, rief die Prinzessin. „Das schafft ihr nicht.“

Zum Kardinal“, erklärte Estarelo. „Er muss sich verantworten …“

Das lasst unsere Sorge sein“, unterbrach Suso. „Bringt Ihre Hoheit sicher zurück, wie es euer Auftrag ist.“

Deine Sorge?“ Estarelo fuhr auf. „Geh Teig kneten, davon verstehst du etwas.“

Die Prinzessin lachte. „Ich möchte nicht mit einem Wertpaket reisen, das nicht nur Räuber anlockt, sondern ganze Armeen.“

Aber …“

Der Fürst und sein Dämonenbeschwörer haben die Menschen hier geplagt. Deshalb sollen sie hier vor Gericht stehen.“

Wie Ihr wünscht, Hoheit.“ Estarelo blieb nichts anderes übrig.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: Adriaen van Ostade, gemeinfrei

Lesestoff – Lieferungen 7

Es folgt eine neue Portion Lesestoff, „Lieferungen“, Teil 7 der phantastischen Kurzgeschichte mit feinem Gebäck, manipulierter Lotterie und rosa Ballkleid. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, 3, 4, 5 und 6.

Lesestoff - Lieferungen

Estarelo hörte nicht länger zu. Er manövrierte seine sperrige Last an den Leuten vorbei, um Torve und Ihre Hoheit mit der Sänfte zu erreichen. Aber im Gewimmel auf den Straßen hatte er sie längst aus den Augen verloren.

Ausrufer waren unterwegs, die Leute liefen zusammen. Im Laufen hörte Estarelo Wortfetzen von „Ball fällt aus – der Fürst – Fremde – Mörder“. Der Palast hatte schnell reagiert. Sie mussten mit ihrer Fracht aus der Stadt, am besten sofort.

Wo steckte Torve mit der Prinzessin?

Weiter!“, drängte Ondar. „Wir müssen mit dem Ding von der Straße.“

* * *

Endlich erreichten sie Susos Herberge. Der Wirt war nirgends zu sehen, vielleicht versuchte er noch, Pasteten für das Fest abzuliefern, das nicht stattfand.

Die Schankmaid vertrat ihnen den Weg. „Habt ihr den Meister dabei?“

Estarelo wollte ihr ausweichen, aber der Teppich unter seinem Arm rutschte ab und polterte zu Boden.

Hier“, sagte die rosa Gestalt, während sie sich aus dem Stoff schälte. „Alles in Ordnung, Partuin ist weg.“

Der Mutter sei Dank“, sagte die Schankmaid und half dem Wesen auf. Es war wirklich Suso, in seiner ganzen Länge.

Ist Torve schon da?“, fragte Estarelo zusammenhanglos. „Und wo ist Ihre Hoheit?“

Ich bin hier.“ Hinter dem Schanktisch stand eine hagere dunkelhaarige Frau im grauen Kleid mit Schürze, ein Tuch in der Hand, als ob sie hier arbeitete.

Estarelo starrte sie an. Sie sah ihrer Mutter ähnlich, aber in dieser Umgebung, in dieser Kleidung …

Ondar verneigte sich. „Verzeiht, dass wir Euch nicht gleich erkannt haben.“

Es sei euch gewährt. Ich danke euch, dass ihr meinen Retter mitgebracht habt.“

Nicht der Rede Wert, Hoheit“, murmelte Suso.

Hauptmann!“ Torve stürmte zur Tür herein. „Die Sänfte … die Prinzessin …“

Was ist los?“, brachte Estarelo heraus.

Ich bin hier“, wiederholte die Prinzessin.

Der Rotschopf kam zu Atem. „Es gab einen Tumult. Auf dem Marktplatz. Ich wollte die Prinzessin in Sicherheit bringen. Dann war die Sänfte weg. Ich weiß nicht, wohin und mit wem …“

Aber ich“, antwortete die Schankmaid. „Kommt mit hinauf, dort können wir besser reden.“

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: Adriaen van Ostade, gemeinfrei

Lesestoff – Lieferungen 6

Es folgt eine neue Portion Lesestoff, „Lieferungen“, Teil 6 der phantastischen Kurzgeschichte mit feinem Gebäck, manipulierter Lotterie und rosa Ballkleid. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, 3, 4 und 5.

Lesestoff - Lieferungen

Estarelo schickte ein Stoßgebet zum Himmel. Mit einem finsteren Zauberer hatte er nicht gerechnet, aber er durfte ihn keinesfalls laufen lassen. Das sah der Kardinal sicher ebenso.

Mit Ondar betrat er den Seitenbau und stolperte fast über einen Körper am Boden. Das Wesen stöhnte und robbte in Richtung Tür. Es trug ein versengtes, mit Schleim besudeltes rosa Kleid.

Estarelo zog das Schwert. Es war still im Haus.

Ondar sprang über die Verletzte hinweg und öffnete die Tür zu einem Saal. Der Gestank von Teufelsdreck und Verbranntem drang heraus.

Alle weg“, sagte die lange, dünne Gestalt mit rauer Stimme. „Alle weg, in das Höllenloch hinein.“

Keiner da“, bestätigte Ondar.

Wer bist du?“, fragte Estarelo.

Die Gestalt kicherte nur. „Kennt mich nicht mehr.“

Egal, wir nehmen sie mit“, bestimmte Estarelo.

Ondar kam mit einem angesengten Wandteppich angelaufen. „Da rein und schnell hinter den anderen her.“

Ein Schlag mit dem Schwertknauf, dann wickelten sie das rosa Wesen in den Wandteppich und traten mit der Rolle auf den Hof.

Halt, wohin?“, fragte ein Wächter.

Ins Wolkenschloss“, erwiderte Ondar, „sagt der Herr.“

Dann los“, knurrte der Mann. „Zum Fest spielen hier alle verrückt.“

Sie eilten zum Tor. Ein Horn erklang, jemand rief: „Alarm! Alarm! Alles sammeln!“

Wächtern rannten zum Palast, Diener drängten in die Nebengebäude und zum Tor hinaus. Estarelo schob sich in eine Gruppe, die den Hof verließ.

* * *

Was ist denn los?“, fragte jemand in der Menge ärgerlich.

Nichts, wahrscheinlich“, erwiderte ein anderer. „Seit der schwarze Mönch überall seine Feuerchen anbrennt, gibt es dauernd Alarm.“

Das war aber kein Feuer“, stellte ein dritter fest.

Dann hat er eben Gespenster gesehen“, entgegnete der zweite. „Das tut er oft.“

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: Adriaen van Ostade, gemeinfrei

Lesestoff – Lieferungen 5

Es folgt eine neue Portion Lesestoff, „Lieferungen“, Teil 5 der phantastischen Kurzgeschichte mit feinem Gebäck, manipulierter Lotterie und rosa Ballkleid. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, 3 und 4.

Lesestoff - Lieferungen

Endlich entdeckte Estarelo eine Gestalt in schwarzer Robe. „Stell dich, Schurke!“

Wer bist du?“ Der andere schob die Frau hinter sich und zog sein Schwert.

Estarelo“, antwortete er. „Hast du diesen Namen schon gehört? Wohl kaum …“

Wachen! Wachen!“, brüllte der Mann. Die Frau riss sich von ihm los und floh in den hintersten Winkel des Raums.

Der Qualm ließ nach.

Die Wachen sind hin“, erklärte Torve fröhlich. „Und du auch gleich.“

Der Mann in der Robe stieß mit dem Schwert nach ihm.

Ondar“, sagte Estarelo leise.

Ein kurzer, rot gefiederter Pfeil zischte heran und grub sich in den Oberarm des Gegners.

Ha, besser schießt ihr nicht?“, rief er und griff Estarelo an.

Das genügt.“ Torve stellte ihm ein Bein und setzte mit dem Stiel der Axt nach.

* * *

Die Frau, sehr schlank und dunkelhaarig, trat vorsichtig näher.

Los, die Uniformen an“, befahl Estarelo. „Ihr auch, Hoheit.“

Und den da in die Sänfte.“ Torve machte sich ans Werk.

Der Fürst“, hauchte die Frau. „Endlich! Wer seid ihr? Und was macht ihr hier?“

Wir wollen Euch befreien, Hoheit.“

Hoheit?“ Die Frau starrte ihn an. „Wir tarnen uns als Sänftenträger, richtig?“

Sehr wohl.“

Guter Plan.“ Sie schälte einen der bewusstlosen Wächter aus seiner Rüstung, als ob sie das jeden Tag täte, und schnallte sie selbst um. „Passt nicht so ganz, aber es wird reichen.“ Ihr langes, dunkles Haar verschwand unter dem Helm, der auch ihr Gesicht zum größten Teil bedeckte.

Ein Bart noch.“ Torve hielt ihr eine Handvoll falscher Haare hin.

Dann nahmen sie die Sänfte auf und verließen den Palast zielstrebig.

* * *

Auf dem Weg zum Tor passierten sie das Nebengebäude mit den schwarzen Säulen, als der scheußliche Gestank von Teufelsdreck an Estarelos Nase drang. Das musste aus dem Haus kommen. Also doch ein Dämonenpakt.

Was ist da drin?“, fragte er die Prinzessin leise.

Partuin“, erwiderte sie. „Ich dachte schon, der hätte mich erwischt.“

Wir müssen hier raus!“, mahnte Torve von hinten.

Geh du mit Ihrer Hoheit weiter“, befahl Estarelo. „Wir kümmern uns um den Beschwörer.“

Heilige Mutter!“, seufzte die Prinzessin. Aber wie ein echter Träger griff sie nach dem zweiten Holm und marschierte weiter auf das Tor zu.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: Adriaen van Ostade, gemeinfrei

Lesestoff – Lieferungen 4

Es folgt die heutige Portion Lesestoff, „Lieferungen“, Teil 4 der phantastischen Kurzgeschichte mit feinem Gebäck, manipulierter Lotterie und rosa Ballkleid. Hier geht es zu den Teilen 1, 2 und 3.

Lesestoff - Lieferungen

Suso der Wirt war in der Tat gut vorbereitet. Am nächsten Morgen brachte er seinen Gästen Wollkittel und Hosen, wie die einfachen Leute in der Stadt sie trugen, dazu wallende Bärte aus Pferdehaar. Die Waffen ließen sich in einem Korb verbergen.

Ondar beeilte sich auf seiner Mission zum Rathaus und schloss sich dann der Körbe tragenden Schar an. „Ich habe drei Lose für uns. Sind anscheinend nicht viele Fremde hier zurzeit.“

Umso besser“, murmelte Estarelo.

Sie folgten dem Pastetentross durch lange Korridore bis in die Tiefen des Palastes. Die Schankmaid, die sie am Abend zuvor bedient hatte, kam immer wieder in ihre Nähe und teilte ihnen nützliche Dinge mit. „Sie bringen die Dame aus dem Wolkenschloss“, sagte sie. „Die hat noch niemand in der Stadt gesehen. Wenn man da einen Blick auf sie werfen könnte …“

Kann doch so schwer nicht sein“, murmelte Torve.

Bei der nächsten Gelegenheit ließen sie ihre Körbe stehen und trennten sich von der Gruppe.

* * *

Als sie sich den Räumen des Fürsten näherten, bogen zwei Träger mit einer Sänfte um die Ecke, dicht gefolgt von einer Handvoll Wächter.

Ondar fluchte. „Zum Fürsten?“

Estarelo nickte. „Hinterher.“

Sie folgten dem kurzen Zug durch den Korridor. Dann hielt die Sänfte an, die Wächter öffneten eine Tür, aus der dicker, nach nassem Holz stinkender Rauch quoll. Die Sänftenträger traten ein.

Ondar schoss in schneller Folge zwei Wächter ab.

Alarm!“, rief einer.

Mitten im Rauch schrie eine Frau um Hilfe. Ein Mann fluchte.

Torve stürzte sich mit der Axt auf die nächsten beiden Wächter. Die Sänftenträger ließen ihren Kasten im Stich und rannten davon. Estarelo hatte keine Zeit für sie. Wo steckte der Kerl? Wo war die Prinzessin?

Der Mann redete beruhigend auf jemanden ein, die Frau wollte sich nicht beruhigen lassen.

Estarelo zog das Schwert und pirschte sich an die Stimmen heran.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: Adriaen van Ostade, gemeinfrei

Lesestoff – Lieferungen 3

Es folgt eine neue Portion Lesestoff, „Lieferungen“, Teil 3 der phantastischen Kurzgeschichte mit feinem Gebäck, manipulierter Lotterie und rosa Ballkleid. Hier geht es zu Teil 1 und 2.

Lesestoff - Lieferungen

„Gehen wir zum Markt“, sagte Estarelo. „Im Rathaus gibt es die Lose.“

Aber im Rathaus war niemand mehr für sie ansprechbar. Dafür zogen Leute in blauen Uniformen herum, die offenbar Lose für das einfache Volk feilboten. Ihre Sprache war so ungehobelt, dass Estarelo kaum etwas davon verstand. Auch als er einen der Kerle fragte, wann und wo er ein Los kaufen könnte, lachte der nur und warf zwischen vielen Flüchen das Wort „Rathaus“ und „morgen früh“ ein. Estarelo bedankte sich kühl und sie kehrten in ihre Herberge zurück.

* * *

Sie ließen sich ihr Abendbrot ins Zimmer bringen. Das Mädchen, das sie bediente, war sicher nach Torves Geschmack, und vielleicht auch umgekehrt. Vor lauter Verbeugungen hätte sie fast das Bier ausgeleert. Aber schließlich stand alles auf dem Tisch, wie es sollte.

„Was die hier so Bier nennen“, murrte Torve.

„Und Wein gibt es gar nicht erst“, ergänzte Ondar.

Estarelo warf ihnen einen strengen Blick zu. Er mochte das eingelegte Gemüse und die Buchweizengrütze auch nicht, aber mit dieser Kost kam man hierzulande über den Winter. Er brachte das Gespräch lieber auf den missglückten Loskauf.

* * *

„Die Lotterie muss ziemlich manipuliert werden“, sagte Torve. „Sie probieren offenbar, damit arme Leute für die Armee zu ködern.“

„Dann sind sie aber sehr verzweifelt“, warf Ondar ein.

„Sind sie“, bestätigte Torve. „Der Fürst hat wohl ein ganzes Stadtviertel niedergemacht, damit er einen Garten für seine Geliebte anlegen kann. Und einen Finsterling, der Opfer verlangt, hat er auch bei sich, sagen die Leute. Er heißt Partuin,

und morgen ist es wieder so weit.“

„Du hast ja eine Menge in Erfahrung gebracht, bei dem Bier, das so schrecklich schmeckt“, spottete Estarelo. „Hast du am Ende auch einen Plan, wie wir morgen in den Palast kommen? Ohne die manipulierte Lotterie?“

Torve nickte. „Unser schmächtiger Wirt soll für das große Fest Brot und Pasteten liefern. Alles, was hier arbeitet, rennt morgen zwischen Wirtshaus und Schloss hin und her. Suso gibt uns etwas Passendes zum Anziehen, dann können wir mitrennen.“

„Wir arbeiten aber nicht hier“, widersprach Estarelo. „Wir gehen morgen Abend als Ehrengäste aus der Fremde zum Maskenball.“

„Wenn wir vorher Gelegenheit haben, uns umzusehen, schadet das nicht“, wandte Ondar ein.

„Stimmt“, sagte Torve. „Vielleicht können wir die Sache ja auch gleich erledigen. Beim Ball ist der Palast mit Sicherheit besser bewacht als bei den Vorbereitungen dazu.“

Estarelo sah die beiden nachdenklich an. Es widerstrebte ihm, dem Wirt Handlangerdienste zu leisten. Dennoch sagte er:

„Ja, vielleicht ist das besser. Aber Lose müssen wir haben.“

„Die hole ich und stoße dann zu euch“, schlug Ondar vor.

Estarelo nickte.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: Adriaen van Ostade, gemeinfrei

Lesestoff – Lieferungen 2

Es folgt die nächste Portion Lesestoff: „Lieferungen“, Teil 2 meiner phantastischen Kurzgeschichte mit feinem Gebäck, manipulierter Lotterie und rosa Ballkleid. Hier geht es zu Teil 1.

Lesestoff - Lieferungen

Torve warf seinen schweren Leinensack auf das Bett im mittleren Zimmer. „Meint ihr, das Lied hatte etwas zu sagen?“, fragte er, als der Wirt wieder gegangen war.

Er hatte immer solche seltsamen Ideen.

Dass Ihre Hoheit irgendwo in dieser Stadt gefangen sitzt?“, erwiderte Estarelo. „Das wussten wir schon, deshalb sind wir hier.“

Torve zuckte die Schultern und setzte sich neben sein Gepäck.

Ondar schlug halbherzig vor: „Die Birke …“

Die wachsen hier überall“, unterbrach ihn Estarelo. „Die Leute trinken ihren Saft. Wir müssen uns in der Stadt umhören, damit wir an dieser Lotterie für das Mittwinterfest teilnehmen können, wie der Kardinal gesagt hat.“

Das mache ich“, bot Ondar sofort an.

Ich komme mit“, bestimmte Estarelo. „Torve bleibt als Wache hier.“

Und wehe, die Schankmaid hat hinterher etwas auszusetzen“, fügte Ondar hinzu.

Torve grinste.

Estarelo runzelte die Stirn. Dieser rothaarige Ungläubige ließ sich zu leicht ablenken. Ein hübsches Gesicht, ein starkes Getränk, und Torve vergaß jeden Auftrag. Dafür flößte allein seine Gestalt auch dem wildesten Gegner Respekt ein.

Er machte sich mit Ondar auf den Weg.

* * *

Das Wirtshaus lag in einem Viertel mit engen, gewundenen Gassen und niedrigen Fachwerkhäusern. Sie verließen es zum Fluss hin und gelangten in einen Bezirk mit weißen Steinhäusern in großzügigen Gärten.

Jenseits des Wassers, am Fuß des Berges, der als Wahrzeichen der Stadt Preton galt, erstreckte sich ein langes, flaches Gebäude mit fein ausgearbeiteten Figuren an allen Ecken. Auf dem Dach wehte eine hellblaue Fahne mit weißem Kreuz.

Das Neue Schloss, wo am kommenden Abend der Ball stattfinden würde. Zwei der breitesten Brücken, die Zugang gewährten, waren hochgezogen. Die anderen wurden von Doppelposten bewacht. Sicher hielten sich weitere Wächter in der Nähe auf.

Sie bestaunten ein wenig den prunkvollen Gebäudekomplex, wie es Gäste in einer fremden Stadt tun. An einem Anbau des Palastes waren die Figuren entfernt und durch schwarze Säulen mit goldenen Krallen ersetzt worden. Das musste eine der Neuerungen des jetzigen Fürsten sein. Vielleicht wollte er glauben machen, dass er mit den Dämonen auf gutem Fuß stand. Bei manchen Herrschern galt das derzeit als Zeichen besonderer Macht. Der Kardinal hatte allerdings keinen Beschwörer erwähnt.

Etwas höher am Berg als der Palast lag ein mit einer Kuppel gekröntes Schlösschen. Über die schneeweiße Umfassungsmauer ragten ebenso weiß die Wipfel kahler Birken. Dieser Garten zog sich weitläufig um den Berg herum.

Wie weit kommen wir morgen Abend wohl hinein?“, fragte Ondar. „Wenn wir eine Karte gewinnen, heißt das.“

Estarelo lenkte ihren Weg zurück in die Stadt. „So weit wir wollen“, knurrte er. „Wir gewinnen eine Karte, dafür ist gesorgt, und so bald wir drin sind, sorgen wir für den Rest.“

Ondar grinste. „Na, ich habe ja kleines, handliches Werkzeug …“

Torve und ich werden auch alles Nötige dabeihaben.“ Sie waren schließlich nicht zum ersten Mal in einer solchen Mission unterwegs.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: Adriaen van Ostade, gemeinfrei

Lesestoff – Lieferungen 1

Für die Sommerferien beginnt eine neue Runde Lesestoff: „Lieferungen“, Teil 1 meiner phantastischen Kurzgeschichte mit feinem Gebäck, manipulierter Lotterie und rosa Ballkleid. Mehr zum Lesen findet sich unter Geschriebenes.

 

Lesestoff - Lieferungen

Estarelo betrat das Wirtshaus als erster von den dreien. Welche Laster warteten hier wohl auf sie? Der Kardinal hatte ihnen das Haus empfohlen, aber das beruhte nur darauf, dass der Wirt ein Landsmann und damit ein Glaubensgenosse war.

Als er die Tür öffnete, hörte er Gesang, Klatschen und Stampfen. Durch den Dunst erkannte er eine hagere Gestalt mit Schürze, die mit erhobenen Armen vor dem Schanktisch herumhüpfte.

Satura, Satura, Rassatura“, sang eine hohe Männerstimme zu dünner Musik, „hinter starken Mauern welkt die Rose hin. Hinter starken Mauern blüht die Birke nicht …“

Estarelo schlug mit der Faust auf den Schanktisch. Das musste er sich nicht länger anhören.

Der Tänzer unterbrach sein Gehüpfe sofort und kam auf die drei zu. „Seid gegrüßt, werte Herren“, begann er auf Pretisch. „Womit kann ich Euch dienen?“ Er war also wohl der Wirt, Suso.

Die Mutter sei mit dir“, entgegnete Estarelo. „Wir sind Bernsteinhändler auf dem Weg nach Hause in den Süden. Hast du ein Quartier für uns und unsere Pferde?“

Gewiss.“ Der Wirt wechselte sofort die Sprache. „Wenn ihr mit einem Zimmer für euch alle drei Vorlieb nehmen wollt …“

Wir sind nicht wählerisch.“

Aber falls sich noch eine Möglichkeit auftut“, mischte sich Ondar ein. „Wir könnten dir einen schönen Stein überlassen, vielleicht mit einer Libelle darin …“

Die Augen des Wirts blitzten auf. „Eine Wasserjungfer, sozusagen. Ich will sehen, was ich für euch tun kann.“ Er führte sie durch einen schmalen Korridor aus der Gaststube.

* * *

Hinter ihnen begann der Gesang von Neuem, diesmal eine Frauenstimme: „Wo die Wolken nur Wahn, Himmelsblau nur schöner Schein. Satura, Satura, Rassatura.“

Estarelo wandte sich nicht um.

Sie bekamen ein großes Zimmer mit Tisch und Bett. Zwei Türen führten zu Nebenräumen, in denen jeweils ein weiteres Bett stand.

Na, wer sagt‘s denn“, meinte Ondar und belegte sofort das Nebenzimmer zur rechten.

Seid ihr damit einverstanden?“, fragte der Wirt, als ob die Antwort nur ja lauten könnte.

Vielen Dank“, erwiderte Estarelo. „Du kannst gehen.“

Wenn ihr etwas braucht, wisst ihr, wo ihr mich findet.“

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: Adriaen van Ostade, gemeinfrei

 

 

 

Kaffee für die Fee

Heute gibt es ein weiteres Rezept, nämlich Kaffee für die Fee. Zu diesem Thema läuft eine Ausschreibung für Kurzgeschichten beim Art Skript Phantastik Verlag. Einsendeschluss ist der 31. Dezember, es bleibt also noch reichlich Zeit, die Geschichte fertig zu bekommen.

Kaffee für die FeeMilchbecher mit Kaffee

Nein, hat nichts mit Latten irgendwelcher Art zu tun.

  • 40 g Kaffee (gemahlen)
  • 220 ml Sahne
  • 2 Eigelb
  • 40 g Zucker

 

Sahne aufkochen, den Kaffee damit bedecken und kaltstellen.

Wenn die Sahne richtig kalt ist, durchseihen.

Mit den Eigelben und dem Zucker verrühren und nochmals durchseihen. In geeignete Becher für ein Wasserbad füllen.

Wasser in einem Topf nur fast zum Sieden bringen. Die Becher hineinstellen und zugedeckt eine halbe Stunde ziehen lassen. Die Creme sollte sich verhalten wie Wackelpudding, wenn sie fertig ist.

Abkühlen lassen und bis zum Gebrauch kaltstellen.

Das Rezept stammt aus einem bayrischen Kochbuch des 19. Jahrhunderts. Ältere Rezepte gibt es unter anderem hier.

Bild: Andreas Fink via Wikimedia, CC BY-SA 2.5

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