Geschichten und Musik

Schlagwort: Kurzgeschichten Seite 1 von 2

Buchmesse zu Hause

Buchmesse zu Hause.

Dieses Jahr bin ich nicht auf der Buchmesse in Leipzig. Deshalb beteilige ich mich an der Aktion #BuchmesseZuHause, ins Leben gerufen von Amalia Zeichnerin.

Gestern habe ich schon einmal das Vorprogramm vorgestellt: die traditionelle Lesung des bissigen Verlegers Torsten Low in Delitzsch. Statt einem schönen Whisky in der Altstadt-Kneipe habe ich mir immerhin einen selbst gemachten Cassis-Cocktail gegönnt.

Übersetztes

Als nächstes steht ein Besuch bei meinen übersetzten Büchern an, soweit sie auf der Buchmesse zu sehen sind. In diesem Jahr dürfte das nur eines sein, The Elements of Baking von Katarina Cermelj.

Das ist dafür allerdings ein Prachtexemplar, das mit knapp 500 Seiten etwa 1,9 Kilo auf die Waage bringt. Die folgende Kochbuchübersetzung habe ich Ende Januar abgegeben, das Ergebnis könnte also in Frankfurt zu besichtigen sein – und an einem Backbuch sitze ich gerade wieder. Mehr davon findet sich hier.

Geschriebenes

Meine eigenen Geschichten pausieren allerdings gerade, und zwar Aus dem gleichen Grund, warum ich nicht in Leipzig bin: Ich habe einen Gipsarm. Dieser Text wurde mit Speech Note diktiert.

Immerhin ist Blaumeise Sturzflug, das Märchenabenteuer mit tapferen Schneiderlein, reichlich Whisky und Ukulele, jetzt als E-Book und als Taschenbuch erhältlich.

Das nächste anstehende Projekt sollte im Sommer erscheinen, aber voraussichtlich wird es später. Ich müsste jetzt überarbeiten und das geht gerade nicht – siehe oben.

Was ich tun kann:

– Die unverzichtbare Fantasy-Landkarte zeichnen

Dazu übe ich gerade mit Wonderdraft auf der Basis eines Fotos mit Moosen und Flechten. Diesen genialen Tipp habe ich von Rafaela Creydt. So sieht das Ganze nicht zu übertrieben europäisch aus.

– Mir einen gescheiten Titel überlegen

Er könnte etwas mit Mond zu tun haben, mit Met, Bären, Winterschlaf oder Frühlingsgefühlen.

– Motive für ein Cover suchen

Auch da wird es wohl auf ziemlich viel Mond hinauslaufen, kombiniert mit einem dekorativen Berg und möglicherweise großen Steppenlaufvögeln.

Das ist allerdings alles Deko. Ohne fertigen Text läuft da nix.

Ausblick

Direkt verfügbaren Lesestoff gibt es hier. Leute mit mehr Geduld können auch vorbestellen zum Beispiel Kleine Helden Kurzgeschichten (bis zum 22. März, evtl mit Eichhörnchen-Miniatur) oder Schweinwerfer in der NMacht.

Nachdem ich noch mit einem Sekt auf die diesjährigen Rebekka– und Seraph-Preisträger*innen angestoßen habe, kann ich mich den Vorbereitungen für die nächste, sehr viel kleinere Buchmesse widmen: am 26. April, von 10 bis 17 Uhr in der Mehrzweckhalle in Viernheim. Um 10.30 Uhr lese ich in der Kulturscheune aus der Verbante auf dem Eisernhof.

Vorbestellaktionen und ein Interview

Interview

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich Ben vom Podcast DailyKlappentext ein Interview gegeben. Es ging ums Schreiben und Kuriositäten aus der Übersetzungswerkstatt. Wer knapp eine Stunde Zeit hat, kann sich die Sache hier anhören. Dabei zeigt sich recht schnell, dass es dort noch viele andere spannende Dinge zu entdecken gibt. Jeden Tag frisch – wie der Name vermuten lässt – werden Bücher, Hörspiele und die Leute dahinter vorgestellt.

Vorbestellungen

Collage aus drei Bildern im Querformat.
Cover: Kleine Helden Kurzgeschichten. Eine Figur im grünen Kapuzenmantel reitet auf einem Eichhörnchen, das eine Nuss knabbert.
dahinter Innenillustration: Eine Figur mit langem lila Zopf unterhält sich mit einer Schnecke mit Satteltaschen und Zaumzeug
dahinter, weitgehend verdeckt, Textseite mit dem Titel "Schneckenpost"Vor etwas längerer Zeit habe ich mich an einer Ausschreibung der Kleinen Helden beteiligt und mit einigem Haareraufen eine Geschichte von ganzen 2500 Anschlägen eingereicht. Jetzt ist das Buch fertig. Darin stecken noch viele andere Geschichten, z. B. von Linda Budinger oder Thomas Finn, und nicht zu vergessen die gloriosen Zeichnungen der kleinen Helden und ihrer Reittiere. Die Vorbestellung läuft bis Ende März im Shop der Kleinen Helden. Bei mehr Vorbestellungen gibt es auch mehr Goodies dazu, und so eine Hörbuchversion hätte schon was.

Eine Geschichte mit fast zehnmal so vielen Anschlägen und einem Musikstück kann jetzt ebenfalls vorbestellt werden: Mein Märchen-Abenteuer Blaumeise Sturzflug mit tapferem Schneiderlein, reichlich Whisky und Ukulele ist in den E-Book-Shops des Vertrauens zu haben. Hier ein Beispiel-Link zu H. L. Schlapp, wie gewohnt. Für Zeilen aus dem Pinguinlied danke ich Andrea Hartenfeller und für das Foto, das Grundlage des Covers wurde, danke ich Stephan Jourdan.

Alte Geschichte frisch vertont

Nach ein paar Monaten Funkstille gibt es hier wieder einmal was Neues. Also, eigentlich eine alte Geschichte, aber die wurde frisch vertont.

»Der Tagedieb« ist schon 2018 erschienen, in der Anthologie Phantastische Sportler beim Verlag Torsten Low. (Da ist die ganze Sammlung auch immer noch zu haben.) Und jetzt, nach der märchenhaften Zeit von sieben Jahren, hat Klaus Neubauer sie für seinen Podcast Klausgesprochen eingelesen. Wer lieber hört als liest, kann sich dort umsehen. Es gibt eine Menge Geschichten aus allen phantastischen (und ein paar anderen) Genres zu entdecken. Damit verliert die nächste lange Autofahrt oder gar der Berg Bügelwäsche jeden Schrecken.

Noch etwas Hörbares kam mit einer kleinen Übersetzung zwischendurch: Die Oper Ariodante von Georg Friedrich Händel wurde von Les Arts Florissants verfilmt. Zumindest in Frankreich ist er bereits in den Kinos zu sehen. Für die deutsche Fassung kam der Trailer hier vorbei, »demnächst in Ihrem Kino« könnte es also barocke Klänge zu hören geben.

Gebräu zum Zweiten

Buchcover: Richard Hood & Nick Moyle, Brew it yourself - Selbstgebraute Getränke aus Wild- und GartenpflanzenSeit dem letzten Eintrag ist hier ein Päckchen mit Belegexemplaren eingegangen, in denen allerlei Gebräue und ihre Zutaten beschrieben werden. Meine persönliche Empfehlung in diesem Buch steht auf der allerletzten Seite – na gut, ein Register gibt es dann auch noch.  Switchel ist unkompliziert und lässt sich mit Heißem, Kaltem und bei Bedarf Höherprozentigem kombinieren.

Inzwischen habe ich eifrig weiter übersetzt, wie bereits erwähnt an einem umfangreichen Backbuch, das mich noch einige Wochen begleiten wird. Außerdem nähert sich die Waldläufer-Saga von Pedro Urvi dem furiosen Finale. Danach geht es in einer neuen abenteuerlichen Welt weiter.

Ich dachte, ich kann rechtzeitig zur Leipziger Buchmesse zwei oder sogar drei gedruckte Ausgaben meiner Geschichten vorzeigen, aber die Lieferung lässt noch auf sich warten. Wahrscheinlich schlägt das Päckchen hier auf, während ich mich in Leipzig herumtreibe – unter anderem in der Phantastik-Lounge. Ein neues kleines E-Book gibt es allerdings, die im vorigen Beitrag angekündigten Goldmärchen. Mehr dazu unter Geschriebenes.

 

Update am 31. März: Es ist genau so gekommen wie oben beschrieben. Die Probedrucke sind eingetroffen, als ich in Leipzig war. Also habe ich nach meiner Rückkehr noch mal eifrig gebastelt, und jetzt gibt es Die Weinfestengel und Das Schwert des Wilden Landes auch als Print. Der Probedruck für Gold Edition wurde gestern in Auftrag gegeben und ist schon unterwegs. Nach der Buchmesse geht so was unvergleichlich viel schneller.

Noch ein Update am 5. April: Der Probedruck war recht ansehnlich, jetzt ist Gold Edition auch als echtes Heftchen zu haben, rechtzeitig fürs Osternest.

Heute brau ich

Herzlich willkommen im neuen Jahr. Die ersten Aufträge sind schon abgeschlossen, die nächsten scharren mit den Hufen. Mögen sich die 12 Monate 2025 erfreulicher entwickeln als es von hier aus den Anschein hat.

Nach einigen Wochen ohne, in denen dafür andere mehr oder weniger seltsame Gebräue zur Entfaltung kamen, habe ich heute wieder einmal Kombucha angesetzt. Mein Rezept entspricht bestimmt nicht der reinen Lehre, aber das Ergebnis schmeckt mir, und dem Teepilz scheint es zu bekommen. Also:

  • 2 EL Schwarztee (grüner hat sich für mich weniger bewährt)
  • 2 Beutel Früchtetee
  • in 1,5 Litern Wasser 8 Minuten ziehen lassen.
  • Dann 100 g Zucker einrühren,
  • abkühlen lassen.
  • Ins Gärglas füllen.
  • Nach 3 Tagen abfüllen und in den Kühlschrank stellen.

Wohl bekomm’s.

Da wir gerade bei seltsamen Gebräuen sind: Es gibt eine neue Kurzgeschichten-Ausschreibung vom Shadodex-Verlag: Mysteriöse Spätlese. Gesucht wird weinselige, auch düstere Phantastik mit Humor. Vielleicht fällt mir noch etwas ein, vielleicht habe ich wenigstens eins der hier Vorbeilesenden auf eine Idee gebracht.

Derzeit schreibe ich an zwei Märchen mit dem verbindenden Element Gold, die im Lauf des Jahres in einer kleinen Sammlung erscheinen sollen. Rumpelstilzchen ist mit von der Partie, wie an der Überschrift vielleicht zu erkennen ist.

Nächste Woche gehe ich dann voraussichtlich zum Backen über – es gibt ein Buch mit wissenschaftlich unterfütterten Backrezepten zu übersetzen. Ich rechne mit spannenden Recherchen.

(Dies hier ist übrigens der erste Beitrag mit Strom vom Dach – aus dem Batteriespeicher. Hier waren in den letzten Monaten allerlei Handwerker im Einsatz, und Mitte der Woche wurde die PV-Anlage freigeschaltet.)

 

#SchreibWarum – Warum schreibst du Romane?

Leseprobe - Die Rooftop Singers#Schreibwarum – Warum schreibst du Romane?

Das fragt Meike Blatzheim (Textgefährtin) für ihre Blogparade. Da ich mir diese Frage in den letzten Monaten auch öfter gestellt habe, versuche ich mich hier an einer Antwort.

Ich schreibe Geschichten, weil ich gerne lese. Weil sie meine Art sind, über das Leben, das Universum und den ganzen Rest nachzudenken. Weil Wörter und Sätze mein Weg sind, die Fragen und Antworten auszudrücken, die dabei aufkommen.

Warum Fantasy?

Warum wird es dann so oft Fantasy? Die hat doch mit dieser Welt praktisch nichts zu tun.

Dazu habe ich in verschiedenen Beiträgen hier schon etwas geschrieben, und die Antwort ist das beliebte eindeutige Jein.

Einerseits kann ich in meiner Fantasywelt frei erfinden, muss mich nicht an historische Gegebenheiten (oder vorherrschende Lehrmeinungen) halten. Ich kann alle Kräuter wachsen lassen, die ich brauche, damit meine Helden gesund bleiben bzw. unauffällig vergiftet werden, und kann definieren, auf welchen Wegen die Kommunikation in welchem Tempo läuft.

Andererseits ist ein Ork eben auch nur ein Mensch. Deshalb gehe ich davon aus, dass er sich in seinem Umfeld ähnliche Fragen stellt wie ich in meinem oder die Leute, die uns lesen, in ihrem. Vielleicht führen dann die Wege, die er bei der Beantwortung geht, auf die richtige Spur.

Aufhänger Ausschreibungen

Neuerscheinung: MeerjungfrauenAls Aufhänger nutze ich gern Ausschreibungen. Damit ist ein gewisser Rahmen vorgegeben: wie lang der Text werden soll, welche Zielgruppe ungefähr angepeilt wird, ein Thema. Wenn es gutgeht, meldet sich dann mindestens eine Figur bei mir und fängt an zu erzählen. Manche lassen sich auch befragen oder beobachten. Mithilfe des erwähnten Rahmens peile ich die Richtung, in die es gehen soll. Weitere Figuren kommen dazu, Elemente aus anderen Zusammenhängen, und nach und nach entsteht eine Geschichte.

Motivation auf langen Strecken

Im nächsten Schritt, beim Überarbeiten, wird es dann oft zäh. Denn zwischen den vielen tollen Ideen, die im ersten Durchgang entstanden sind, muss ich jetzt den roten Faden herausklauben. Ich muss Entscheidungen treffen und mich auf Einzelheiten festlegen. Da bleibt es nicht aus, dass manche Ideen, die mir gefallen, aus dem Text verschwinden. Die wandern dann in eine Datei namens „Reste“. Vielleicht findet sich später eine Geschichte, in die sie besser passen.

Das ist die Phase, in der mitunter die Motivation knapp wird. Dann muss entweder das Ziel besonders erstrebenswert sein, vielleicht, weil hinter der Ausschreibung ein toller Verlag steckt, oder die Figuren und/oder ihre Welt müssen mich richtig gepackt haben.

Im ersten Fall hilft der Abgabetermin, die Sache zu Ende zu bringen. Dann gibt es immerhin einen fertigen Text. Wenn er bei der Ausschreibung nicht landen kann, wird er wieder in die Schublade gepackt und bei einer anderen günstigen Gelegenheit noch einmal hervorgeholt.

Im zweiten Fall habe ich das Gefühl, ich kann die Figuren nicht im Stich lassen. Dann macht es nichts, wenn die Geschichte nicht bis zum Termin fertig wird. Sie macht schließlich Spaß, also kann ich mich auch länger – oder immer mal wieder – mit ihr befassen.

Ideal ist natürlich, wenn beide Arten von Motivation zusammentreffen. Dann wird die Geschichte rechtzeitig fertig und macht Spaß. (Die Ergebnisse sind auf der Seite Geschriebenes versammelt.)

Karl May ist schuld

Weil das Thema gerade dran war: Karl May ist an allem schuld. Ich habe mindestens drei Abenteuer herumliegen, die auf Winnetou I basieren. Davon ist zwar noch nichts fertig, aber aus dem ersten Anlauf hat sich eine ziemlich umfassende Fantasywelt mit einigen Jahrhunderten Geschichte entwickelt. (Ein Mini-Ausschnitt aus dieser Welt findet sich in Der Weg nach Hause.)

Mein Antrieb, dazu und zu anderen, ähnlichen Abenteuern „Fanfiction“ zu schreiben, war in erster Linie, dass die Helden alle Männer sind. Das musste sich natürlich ändern, und bei näherem Hinsehen und Hinschreiben eben noch eine Menge mehr. So entstand nach und nach so viel Weltenbau, dass die eigentlichen Geschichten fast darunter verschwinden. Wahrscheinlich werden Fachleute, so sie mitlesen, trotzdem viele Elemente wiedererkennen.

Lesestoff – Verhandlungspartner 4

Heute wird der Lesestoff von gestern fortgesetzt: „Verhandlungspartner“ – Teil 4 einer SF-Geschichte aus dem vorigen Jahrhundert. Hier sind Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

* * *

Aljoscha hatte seinen Kollegen nie geglaubt, wenn sie sagten, von einem Fun­ker würden übermenschliche Fähigkeiten verlangt. Gewöhnlich verbrachte er seine Zeit im Orbit damit, mit der Pilotin Stual Schach zu spielen. Wenn Stepian auch an Bord blieb, reichte es für ein ausgedehntes Durak-Spiel. Aber heute …

Erst hatte Miriam angerufen und für „den späten Nachmittag“ ein Trans­port­shuttle mit Sirup angefordert. Das war noch normal. Die Cresdecks reagierten auf Zucker und Ähnliches wie auf eine Droge, was sie in Aljoschas Augen gleich viel sym­pa­thischer machte. Für einen Vertragsabschluß konnte diese Vorliebe natürlich sehr praktisch sein. Aber dann hatte Miriam ihm ihr soeben er­fundenes Lely-Pro­jekt er­klärt. Es kostete ihn einige Stunden, sechs Wasser­bau­ingeni­eure in der näheren Um­ge­bung von Studhor ausfindig zu machen, die grund­sätz­lich bereit waren, bei der Trockenlegung eines Meeresarms mit­zuarbeiten. Bei vieren davon hielt sich so­gar die geforderte Be­zah­lung in dem von Tenzerpharma gesteckten Rahmen. Mit den beiden anderen verhandelte Aljoscha noch.

* * *

Da meldete sich Dr. Koneïda. Das kam sehr selten vor. Sie bat um ein Trans­port­shuttle mit einer Reihe von Medi­ka­men­ten und Geräten. Aljoscha verstand nicht viel von Medizin, aber das klang nach einem größeren Unfall oder gar einem Kampf. Er gab den Technikern die nötigen Anweisungen, wobei er sich mehrfach auf den Regel 18, Notfälle, berufen mußte. Natürlich war es gegen die Vor­schrif­ten, daß er irgend jemandem Instruktionen erteilte, und einen Ungläubigen wie ihn verwiesen die Neokaledonier besonders gern auf seinen Platz.

Aber Dr. Koneïda hatte noch mehr zu berichten. Die Direktoren, mit denen Miriam und Stepian verhandelten, hatten keinen frischen Ceresch-Tang zur Ver­fü­gung, denn die Erntearbeiter auf den Tangfeldern streikten gegen harte Arbeits­be­din­gun­gen und zu niedrige Löhne. Bewaffnete Einheiten des Konsortiums ver­such­ten, den Aufstand niederzuschlagen. Auch der Sirup, den die Techniker ge­ra­de ver­lu­den, war da­zu bestimmt, die Unruhen zu unterdrücken. Die Aufständischen waren ebenfalls bewaffnet, und sie planten, das Shuttle zu überfallen und den Sirup zu vernichten.

Aljoscha mußte den Transport verhindern. Bei seinem Verhältnis zu den Tech­nikern brauchte er dazu eine Anweisung des Kommandanten. Außerdem mußten die beiden Unter­händ­ler über die neue Lage informiert werden. Er überprüfte den Auto­dol der Protokolleinheit im Sitzungssaal. Nur die gängigen Handels­spra­chen wa­ren pro­grammiert. Sehr praktisch.

* * *

„Milotschka, posluschai minutku…“

Miriam erschrak, als sie die Stimme des Funkers hörte, und als sie verstand, was er sagte, wurde sie äußerst besorgt. Sie schaute Stepian an; offenbar hörte er ge­rade die gleiche Nachricht. Er schaute sie an.
Was jetzt? Sie hatten keine Gelegenheit, sich abzusprechen, ohne von den Cres­decks verstanden zu werden. Während Miriam noch fieberhaft überlegte, wie sie die Direktoren am besten hinhalten konnten, sagte Stepian laut und deut­lich auf In­terkosmo: „Stop­pen Sie den Sirup-Transport auf der Stelle. Dies ist ein Befehl des Kom­man­dan­ten.“

E N D E

Mehr Lesestoff findet sich unter Geschriebenes.

Lesestoff – Verhandlungspartner 3

Heute wird der Lesestoff von gestern fortgesetzt: „Verhandlungspartner“ – Teil 3 einer SF-Geschichte aus dem vorigen Jahrhundert. Hier sind Teil 1 und Teil 2.

* * *

Wie Miriam erwartet hatte, reagierten die Direktoren nicht begeistert auf den Vor­schlag, frischen Ceresch-Tang zu verkaufen. Der Direktor der Tang­trock­nungs­an­la­gen fürchtete um die Arbeitsplätze seiner Belegschaft. Der Ge­ne­ral­di­rek­tor sah sogar den Frieden auf Studhor in Gefahr. Miriam erinnerte die Herren da­ran, daß Tenzerpharma bisher der einzige Interessent für Frischtang sei und al­le Lie­ferungen streng geheimgehalten werden sollten. Nach längerem Feil­schen einig­ten sie sich, daß die ersten sieben Lieferungen je­weils ein Viertel Trocken­tang ent­hal­ten sollten. Für dieses Ent­ge­gen­kom­men verlangte der Direktor der Tang­trock­nungs­anlagen hundert Liter Orña-Sirup, lieferbar noch am glei­chen Tag. Der Ge­ne­raldirektor und der Handelsdirektor gaben sich mit jeweils fünfzig Litern zufrieden.

Nachdem dieses Hindernis überwunden war, konnten sie an die Preis­ver­hand­lun­gen gehen. Üblicherweise ließen sich die Cresdecks in medi­zi­ni­schen oder tech­ni­schen Geräten oder Informationen bezahlen. Miriam unterbreitete ihre Angebote, vier Projekte, die Tenzerpharma von vielversprechenden, aber wenig fordernden Me­dizinern ausarbeiten ließ.

Die Herren Direktoren diskutierten die Vorzüge und vor allem die Nachteile eines jeden Vorschlags ausführlich. Schließlich fanden sie an jedem Projekt einen Haken, der ihnen so schwerwiegend erschien, daß sie ablehnten.

Der Handelsdirektor machte einen Gegenvorschlag: „Wir haben vor, die Bucht von Llarung trockenzulegen, um einen Raumhafen zu bauen. Dort sollen Raum­schiffe direkt landen können, so daß der aufwendige Transport entfällt. Für die erste Phase des Projekts, die Trockenlegung, wäre uns die Mitwirkung Ihrer In­ge­nieure willkommen.“

* * *

In einer Bucht mit breitem Sandstrand fand Dr. Koneïda gleich mehrere ver­letzte Cresdecks. Auf den ersten Blick schienen sie die Opfer einer Messer­ste­che­rei zu sein. Einige gesunde Cresdecks fungierten als Wachen und Krankenpfleger; sie waren zum Teil bewaffnet und ließen sich nur mühsam überreden, die Außen­welt­le­rin zu ihren Kameraden zu lassen. Dr. Koneïda fühlte ihr Mißtrauen; einige von ihnen hegten äußerst finstere Pläne mit ihr.

Trotzdem wurde sie zu den Verletzten vorgelassen. Ihre Messerwunden wa­ren bereits ordentlich versorgt, und Dr. Koneïda hütete sich, dem Cresdeck-Hei­ler außerweltliche Wundermittel anzubieten. Er beobachtete jede ihrer Bewegungen ge­nau und war offenbar zufrieden mit dem, was sie tat.

Bei der genaueren Unter­su­chung der Patienten fand sie Ner­venschäden, die durch Elektrizität her­vor­ge­rufen worden waren. Der Fall war eine Nummer zu groß für ihr Arznei­kästchen. Für eine sinnvolle Be­hand­lung müßte sie die Cres­decks an Bord der Tinka VI bringen. Die Reaktion auf diesen Vor­schlag war je­doch äußerst ungehalten. Immerhin konnte der Heiler die Wachen davon abhalten, sie zu lynchen.

„Wer hat das getan?“ fragte sie, als ein Gespräch wieder möglich erschien.

* * *

Fortsetzung folgt.

Lesestoff – Verhandlungspartner 2

Heute wird der Lesestoff von gestern fortgesetzt: „Verhandlungspartner“ – Teil 2 einer SF-Geschichte aus dem vorigen Jahrhundert.

* * *

Während Ste­pian die Cresdecks be­schäf­­tigte, be­auf­trag­te sie ein inaktives Ter­mi­nal der Pro­to­koll­einheit, regelmäßig eine han­dels­prin­tische Fas­sung aller Ge­sprä­che in die Außen­welt­­ler­quar­tiere zu schicken. Dr. Koneïda soll­te wissen, was vor­ging, auch wenn sie sich auf Befehl des Kom­man­dan­ten von den Ver­hand­lun­gen fern­hielt. Stepian mißtraute den PSI-Fähigkeiten der Ärztin. Diese Haltung war aus der Ge­schich­te seines Volkes erklärlich, aber Miriam fand sie ein­fach un­praktisch.

* * *

Dr. Koneïda ging am Strand entlang. Sie hatte die ersten Jahr­hun­der­te ihres Le­bens weit im Binnenland verbracht und die See faszinierte sie noch im­mer, der Ge­ruch nach Salzwasser und Tang, das gleichmäßigen Rol­len der Wel­len und die grau-blauen Farben, in denen Himmel und Meer ver­schwam­men.

Nur wenige Schritt hinter ihr führten steile Felsen hinauf in das Innere der In­sel. Grau und kahl sahen die Berge aus; nur an geschützten Stellen ließen sich eini­ge wenige Pflanzen entdecken. Vielleicht hatte Dr. Koneïda noch Ge­le­gen­heit zu einem Ausflug dort hinauf, wenn die Verhandlungen länger dauerten.

Als der Wind an ihren langen schwarzen Haaren zauste und winzige Wel­len um ihre braunen Zehen spülten, war sie froh, daß Stepian ihr ver­bo­ten hatte, im Sit­zungssaal zu erscheinen. Auch wenn seine Gründe dafür eher fragwürdig waren.

Mehrere Personen waren in der Nähe. Draußen im Wasser, also wohl Cres­decks. Dr. Koneïda hatte die Aufzeichnungen über die Bewohner der Meere von Stu­d­hor ge­sehen und war neugierig, einige von ihnen kennenzulernen.

Die Wesen kamen tatsächlich näher; nicht weit von Dr. Koneïda robbten sie auf den Strand. Es waren drei. Offenbar nahmen sie die Außenweltlerin jetzt erst wahr. Sie blieb ste­hen und begrüßte die drei freundlich auf Interkosmo. Die Cres­decks hielten ebenfalls an. Einer von ihnen stieß ein paar gurgelnde Töne aus. Der Auto­dol hin­ter ihrem Ohr machte daraus eine höfliche Begrüßung. Dabei fühlte sie deutlich, daß die Cresdecks neugierig aber nicht gerade freundlich gesinnt waren.

„Ein Außenweltler am Meer – das wundert mich,“ sagte der Cresdeck, der auch vorhin gesprochen hatte.

„Ich bin Ärztin. Bei den Verhandlungen brauchen sie mich nicht.“

„Warum bist du dann da?“ Der Cresdeck wackelte mit dem Rüssel, offenbar ein Zei­chen, daß er sich amüsierte. „Haben die Außenweltler solche Angst vor uns, daß sie ihren Arzt mit auf den Planeten bringen müssen? Euer Schiff mit dem Zucker ist doch noch nicht gelandet.“

„Nein, und es landet auch nicht. Alles, was wir brauchen, wird mit dem Trans­port­shuttle gebracht.“

Der Cresdeck war mit dieser Antwort nicht sehr zufrieden und beharrte: „Dann habt ihr doch Angst vor uns!“

„Große Angst,“ lachte Dr. Koneïda und setzte sich hin. „Siehst du, wie ich mich fürchte? Wer seid ihr überhaupt, daß ihr meint, mich erschrecken zu können?“

„Wir gehören zur Sicherheitsabteilung dieser Insel.“

Das war gelogen. Die drei hatten die Wachen eher zu fürchten. „Keine Angst,“ sagte Dr. Koneïda, „ich verrate euch nicht. Ihr solltet jetzt eigentlich bei der Arbeit auf den Tangfeldern sein, stimmt’s?“

„Du kannst Gedanken lesen,“ sagte der Cresdeck unwillig. „Ihr Außen­welt­ler könnt einfach alles.“ Er erzählte seinen Begleitern, was er ent­deckt hatte.

„Ihr habt noch ein anderes Problem,“ fuhr Dr. Koneïda fort. „Kann es sein, daß ihr meine Hilfe braucht?“

Der Sprecher wollte nicht antworten. Aber die Gefühle eines zweiten Cres­decks waren deutlich genug. Dr. Koneïda fühlte in ihrer Tasche nach dem Arznei­käst­chen. Wenn Stepian davon wüßte, würde er sie auf Studhor zurücklassen. „Bringt mich zu eurem Kranken,“ sagte sie.

* * *

Fortsetzung folgt.

#Autor_innensonntag – Erstkontakt

Beim heutigen #Autor_innensonntag von Justine Pust ist nach dem Erstkontakt zu anderen Schreibenden gefragt. Das muss in irgendeinem Forum oder über eine Mailingliste gewesen sein, dachte ich.

Falsch. Es ging völlig analog vor sich, wie das vor 25 Jahren noch üblich war. In der Mensa des FASK in Germersheim (inzwischen umbenannt und umnummeriert) stieß ich auf die Zeitschrift Unicum und darin auf ein Kursangebot: fantastische Kurzgeschichten schreiben. Veranstaltungsort war die Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel, der Referent war Klaus N. Frick und die Gruppe teilte sich ziemlich genau hälftig in Perry-Rhodan-Fans und andere. Ich gehöre zu den anderen.
In Wolfenbüttel war ich später noch zu anderen Seminaren (und zur VdÜ-Jahrestagung; vielleicht klappt es ja nächstes Jahr wieder), die Schreibkontakte haben sich seit 1996 allerdings doch stark ins Netz verlagert.

Hier kommt noch ein Geschichten-Fragment, das damals entstanden ist, komplett mit alter Rechtschreibung.

* * *

Verhandlungspartner

Miriam Tols war mit ihrem jetzigen Auftrag zufrieden. Sie sollte auf Studhor für den Konzern Tenzerpharma frischen Ceresch-Tang einkaufen. Das war eine Neue­rung und konnte die Verhandlungen etwas ausdehnen, aber Miriam hielt sich für ausreichend vorbereitet. Sie hatte sich alle Auf­zeich­nun­gen von früheren Ver­trags­abschlüssen mit den Cresdecks an­ge­sehen und für eine Ladung Orña-Sirup gesorgt, damit sie an den richtigen Stellen schmieren konnte. Das Geschäft sollte in Zukunft regelmäßig abgewickelt werden. Das bedeutete sichere Einnahmen für die Tinka VI und ihre Mannschaft. Tenzerpharma zahlte vielleicht nicht über­mäßig gut, aber pünktlich.

Jetzt schritt Miriam gemeinsam mit dem Kommandanten Stepian Fe durch die auf der Landseite gelegene Tür des flachen Gebäudes, in dem sich die Ver­hand­lun­­gen zwi­schen dem Konsortium von Studhor und Außenweltlern für ge­wöhn­lich ab­spiel­ten. Die Luft im Sitzungssaal war außerordentlich ­feuch­t und warm. Aber Miriam hatte schon unter bedeutend un­gün­stigeren Um­stän­den verhan­delt.

* * *

Die drei Herren des Konsortiums robbten zur gegenüberliegenden Tür he­rein und begaben sich zu ihren flachen Liegen. Mit ihren lächerlich kurzen Bei­nen soll­ten sie wirklich nicht versuchen, aufrecht zu gehen. Miriam und Stepian lie­ßen sich auf den beiden Stühlen am entfernten Ende des Ver­hand­lungs­tisches nie­der. Offen­bar waren ihre Gesprächspartner nicht auf allzu große Nähe aus.

In der Regel sah für Miriam ein Angehöriger einer Fremdrasse aus wie der an­de­re, aber die drei Cresdecks stellten eine Ausnahme dar. Der auf der mitt­le­ren Lie­ge war von etwas dunklerem Grau als die beiden anderen und stellte sich gleich als Generaldirektor des Konsortiums vor. Den Namen ver­stand Miriam nicht rich­tig. Sie verließ sich darauf, daß die Pro­to­koll­ein­heit bei Bedarf die kor­rek­te Anrede ein­setzen würde. Die kurzen Flossen des Ge­neraldirektors waren bei jedem Wort in Be­wegung. Miriam staunte über die Biegsamkeit seiner dünnen Finger.

Auch die beiden anderen Herren stellten sich kurz vor. Der Han­dels­di­rek­tor brach­te mit seinem langen Rüssel besonders schöne Blubberlaute her­vor; der Di­rek­tor der Tangtrocknungsanlagen hatte leicht bräunliche Haut, die mit vielen Nar­ben bedeckt war.

Stepian stellte sich und Miriam vor, dankte dem Konsortium für den freund­li­chen Empfang und sprach seine Hoffnung auf eine allseits zu­frie­den­stel­len­de Eini­gung aus. Im Stillen amüsierte sich Miriam darüber, wie sehr er es genoß, seine Gala­uniform spa­zie­ren­zu­füh­ren und den Ster­nenadmiral zu spielen.

* * *

Fortsetzung folgt.

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