Geschichten und Musik

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NaNoWriMo – Schnipsel 6

Bevor es weitergeht mit NaNoWriMo-Schnipsel Nr. 6 möchte ich noch auf eine Ausschreibung hinweisen. Einsendeschluss ist im nächsten Frühjahr, das Thema eignet sich aber wunderbar, um in dieser Jahreszeit geschrieben zu werden: Bei FaKriRo (wieder so eine tolle Abkürzung: Fantasy, Krimi, Romance) werden Beiträge zu einer Adventskalender-Anthologie gesucht. Das Motto lautet “Gemeinsam mehr erreichen”.

Und jetzt geht es weiter mit Die Kartenreisende. Lea weiß bisher noch nichts von ihrem Beruf, muss aber langsam mal Vorbereitungen für ihre erste Reise treffen.

NaNoWriMo Schnipsel

„Haben Sie eine Karte von diesem Ort?“, fragte Mr. Durie.
„Bestimmt“, antwortete Lea abwesend. „Schauen Sie im Kartenzimmer nach.“ Sie fand inzwischen heraus, dass die Hauptstadt von Liechtenstein Vaduz hieß und der dazugehörige Bahnhof in der Nachbargemeinde Schaan lag.
Mr. Durie stand noch immer neben ihr und sah sie erwartungsvoll an.
„Ich weiß nicht, ob wir eine aktuelle Karte von Liechtenstein da haben“, sagte sie schließlich. „Die meisten Bestände hier sind schon älter.“
„Ihr Onkel muss eine haben.“
„Woher …“ Doch, natürlich. Mr. Durie wusste, welche Landkarten Onkel Carl privat besaß. Und Lea hatte eine Vorstellung, wo sie steckten. „Na gut“, sagte sie. „Ich zeige Ihnen unsere geheimen Vorräte. Vielleicht können Sie damit ja etwas anfangen.“
Sie holte die nötigen Schlüssel aus der Schublade und ging voran in den Keller.

* * *

Mr. Durie sah sich sehr interessiert um, wie immer. „Ist das die Pyramide, von der Sie erzählt haben?“
„Ja.“
Er ging näher heran und betrachtete das matt glänzende Gebilde. „Was ist das für ein Holz?“
„Ich weiß es nicht.“ Es war kräftig gemasert mit einem leicht rötlichen Einschlag.
„Yew“, meinte er. „Ist das nicht ein magischer Baum?“
„Kann sein.“ Lea hatte keine Ahnung, wovon er redete, und überhaupt kannte sie sich mit Holzarten nicht aus. Ein Ikea-Regal aus „Kiefer unbehandelt“ war das Höchste der Gefühle.
Dafür hatte sie einen Verdacht, in welchem der Schränke die Karten sein könnten, die sie suchten, nämlich exakt der neben dem halbhohen mit der Pyramide. Das war ein sehr schmales Modell. Bei geöffneter Tür zeigte sich, dass jemand mit wenig Sachverstand viele Fächer eingebaut hatte. Vielleicht war das gute Stück deshalb auf dem Sperrmüll und letzten Endes hier im Keller gelandet.

* * *

In den Fächern lagen in der Tat Landkarten. Ein aktueller Weltatlas, darunter Reiseführer und Detailkarten nach Kontinenten sortiert. Auch die waren so aktuell, wie sie in Zeiten von Navis und Google Maps eben noch gedruckt wurden. „Meinen Sie so etwas?“, fragte sie.
Mr. Durie, der noch immer die Pyramide inspizierte und noch mehr Möglichkeiten gefunden hatte, sie zu zerlegen, wandte sich irritiert zu ihr um.
Sie hielt ihm den Atlas hin.
„Wenn darauf Liechtenstein zu finden ist … das ist doch nicht so groß, oder?“

* * *

NaNoWriMo – Schnipsel 1

Wie versprochen kommt heute noch der NaNoWriMo-Schnipsel Nr. 1: der erste Auftritt meiner Heldin Lea, mit der ich die nächsten vier Wochen und 50.000 Wörter verbringen will.

Außerdem ein Hinweis auf zwei Ausschreibungen, die allerdings erst nächstes Jahr fällig werden: Littera Magia geht unter dem Titel Versunken unter Wasser (so wie hier, hier und hier), die Geschichtenzisterne widmet sich dagegen dem Feuer und seinen Wesen.

Für Kurzentschlossene, die keinen NaNo, aber dafür auf Niederländisch schreiben, hat bei Hebban die Möglichkeit, Aussichten auf bessere Zeiten zu entwickeln.

Aber jetzt weiter zur Geschichte: Die Kartenreisende

Im Laden war Ruhe. So gehörte sich das. Lea setzte sich mit einer großen Tasse Tee an den Computer und schaute die Bestellungen im Online-Shop durch. Auch die waren überschaubar. Seit sie die Konten selbst verwaltete, fiel es ihr immer schwerer, die Frage auszublenden, wie Onkel Carl sein Antiquariat am Laufen hielt. Und wovon er seine Reisen finanzierte.

Jetzt schlug doch die Klingel über der Tür an. Lea stand auf und machte sich auf den Weg in den Salon. Dort standen nicht ganz so viele Regale wie in den anderen Räumen unterwegs, denn es war Platz für eine Sofagarnitur und einen altertümlichen Schrank, in dem eine ziemlich neumodische Teeküche untergebracht war.

Ist niemand da?“, fragte die Kundin gleich, als sie Lea erblickte.

Wie Sie sehen …“

Der Chef, meine ich.“

Nein, Herr Mayer ist nicht im Hause. Was kann ich für Sie tun?“

Ich hatte da ein Buch bestellt. Ist das immer noch nicht da?“

Wie war denn Ihr Name?“

Die Frau schien ganz entsetzt, dass Lea sie nicht auf den ersten Blick erkannte. „Friedrich. Fernanda Friedrich.“

Lea griff ins Abholfach und zog Kalifornien, das Land der Weite heraus. Der Aufmachung nach ein Reiseführer für Möchtegern-Hippies, knapp fünfzig Jahre alt. „Bitte sehr.“

Oh. Das sieht aber zerfleddert aus. Haben Sie das nicht eingeschweißt?“

Das war damals noch nicht so üblich.“ Lea nannte den ziemlich niedrigen Preis, Frau Friedrich zahlte, immer noch leise meckernd.

Also, wenn Herr Mayer wieder da ist, muss ich mich mal mit ihm unterhalten. Da kann man doch bestimmt was machen.“ Sie schaute Lea fragend an, als ob sie mit einmal Abstauben die gebrauchten Bücher in den Regalen in druckfrische Exemplare verwandeln könnte.

Ich sage ihm Bescheid, dass Sie hier waren.“ Lea tat, als notierte sie sich etwas.

Haben Sie dazu auch eine Landkarte?“, fragte Frau Friedrich.

Von Kalifornien? Weiß ich nicht, da müsste ich nachschauen.“ Lea hatte keine große Lust, die Zimmer mit den Landkarten zu betreten. Es war ihr schon immer unheimlich erschienen.

Dann tun Sie das bitte.“ Die Kundin wurde ungeduldig.

Na schön. Eigentlich war es ja auch ihr Job, wenn Onkel Carl sich wieder in der Gegend herumtrieb. Normalerweise lautete seine Anweisung, dass sie Anfragende vertrösten sollte, bis er wieder zurückkam. So lang wie jetzt war er noch nie ausgeblieben.

Ich zeige Ihnen, was wir haben.“ Sie nahm den Schlüssel aus der Schublade und ging mit der Kundin in Richtung Amerika.

* * *

Aktuelles – Neuer Lesestoff

Eigentlich heißt diese Seite ja Aktuelles. Trotzdem hat sich seit über vier Wochen nichts Neues getan. Viele tolle Termine und Aktionen kann ich auch jetzt nicht bieten, im Gegenteil. Es ist wieder Buchmesse – die im Wesentlichen online stattfindet, auch der BuCon am Samstag – und es werden wieder rundum Veranstaltungen abgesagt. Also vermutlich wieder auf zum Bücherhamstern.

Was bisher geschah

Ich habe inzwischen die Kochbuch-Übersetzung abgegeben, die mich im August und September auf Trab gehalten hat. Das Ergebnis wird wohl im kommenden Frühjahr zu besichtigen sein. Außerdem sind ein paar weitere der 52 Katzen-Bücher erschienen und der Machandel-Verlag hat seine Website umgebaut. Also lohnt es sich vermutlich, dort einmal vorbeizuschauen.

Meine großartigen Schreibpläne für die letzten Monate haben sich leider in Luft aufgelöst. Die Geschichte, die ich fertig überarbeiten wollte, hat größere Löcher im Plot und im Weltenbau, als ich erwartet hätte. Aufgeben will ich sie trotzdem nicht, denn in solchen Löchern finden sich oft besonders interessante Details.

Um das Ganze auf die Reihe zu bringen, habe ich mich mit der neuesten Version von Papyrus Autor angefreundet. Auch das hat noch ein paar Ecken, in die ich höchstens mal hineingelinst habe. Als Nächstes werde ich wohl meinen angehenden November-Roman „Die Kartenreisende“ in dem Programm vorbereiten, damit ich am 01.11. um 0.00 Uhr pünktlich losschreiben kann.

Aktuelles - Neuer LesestoffNeuer Lesestoff

Obwohl der Plan für einen Roman im Oktober etwas zu optimistisch war, gibt es jetzt doch etwas Lesestoff von mir: Der Weg nach Hause & Kapuzinerkresse, zwei Kurzgeschichten in einem E-Book bzw. Heft, zu erwerben bei der Buchhandlung des Vertrauens (z. B. hier) oder (die Print-Version) direkt bei epubli.

Klappentext: „Nach zahlreichen Kämpfen im Namen des Kaisers gerät der Ritter Groreg auf dem Weg nach Hause in fragwürdige Gesellschaft. Wo wird er ankommen? Bedrängt von den Eroberern, macht sich Seli Besil auf, ihrer Muhme zu helfen, bewaffnet mit einem Korb voll Eingemachtem und ihrem Wissen. In welchem Garten darf die Kapuzinerkresse blühen? Zwei fantastische Kurzgeschichten mit Held*innen unterwegs.“

Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen.

 

P. S.: Mehr zum Thema Werbung und Verlinkungen unter Bibliothek.

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 13

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 13 und Schluss der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11 und 12.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

„Setz dich doch zu uns und iss etwas“, sagte einer der Männer am Lagerfeuer, „wir helfen dir dann, deinen Schatz weiter zu tragen. Wo muss er denn hin?“

„Zur Blackwater Bridge.“

„Ah, interessant. Wusstest du, dass dort ein Leprechaun wohnen soll? Pass auf, sonst verwandelt er dein Plastik hier noch in echtes Gold! Wobei … der Kerl scheint ziemlich faul zu sein, schon seit Ewigkeiten hat ihn keiner mehr gesehen. Die Bridge ist ein tolles Versteck!“

Ha, da hatte ich ja nochmal Glück gehabt. Nicht nur, dass ich mir noch einmal kostenlos den Bauch vollschlagen durfte, nein, die Kerle waren auch noch so nett, mir den Topf abzunehmen und ihn die ganze Strecke bis zur Blackwater Bridge zu tragen!

Dort verabschiedeten sie sich, ohne irgend etwas als Gegenleistung zu erbitten. Wenn die wüssten, was sie da getragen hatten! Zu viel Ale schien sich also genau wie deutsches Bier negativ auf die geistigen Aktivitäten auszuwirken.

Als ich wieder alleine unter der Brücke stand, erschien der Leprechaun mit einem lauten Knallen vor mir. Er taumelte leicht, ich hatte also recht gehabt mit der Pub-Theorie.

„Ah, da bisse ja. Und mein´ Schatz hasse auch mitgebracht. Suppa!“, lallte er.

Na toll, der Kerl war ja tatsächlich sturzbetrunken!

„Werd erstmal nüchtern, du Saufnase. Ja, ich hab deinen Schatz zurück geholt. Bedank dich aber auch bei den Meermenschen, die haben schließlich geholfen. Und hör mit der Sauferei auf, die Menschen glauben schon, du seist nicht mehr im Geschäft“, fuhr ich ihn an.

Er salutierte. „Jawoll, Madamchen!“

Er taumelte, hob seinen Zeigefinger und betrachtete ihn eine Weile. Der Finger schien ihm zu gefallen, denn er fing an, damit Kreise in die Luft zu malen. Dabei murmelte er unverständlich vor sich hin.

Ich bekam Ohrensausen, mir wurde schwindelig.

Plötzlich machte der Kobold „Oh!“, drückte mir mein Fell in die Hand, danach vollführte er weitere merkwürdige Bewegungen mit seinem Finger.

Mir wurde immer schwummriger vor Augen, ich konnte kaum noch klar sehen.

Ein leise gerülpstes „Danke“ wehte mir entgegen, dann verschwanden Brücke und Kobold vor meinen Augen.

Ich schüttelte den Kopf.

Vor mir stand mein Mann und schaute mich entgeistert an. „Geht es dir gut? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen! Dein Eis tropft, pass auf.“

Ich schaute an mir herab. In der linken Hand hielt ich mein Eis, an meinem Arm glänzte das Armband der Meermenschen. Über dem rechten Arm hing ein graubrauner Pulli, die Farbe eines Robbenfells. Mein Mann musterte mich kritisch, ihm schien jedoch nichts aufzufallen.

„Was meinst du? Sollen wir nächste Woche noch einmal den Sasae tsurikomi ashi im Training üben oder wieder zum O Goshi zurückkehren. Unsere Erwachsenen könnten mal eine Auffrischungskur gebrauchen.“ Judo, immer noch.

Ich war wieder zu Hause.

E N D E

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 12

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 12 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 und 11.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

Einer der Männer blieb zurück, dankte mir für alles und übergab mir ein kleines Geschenk seines Königs: ein Armband aus Silber, an dem kleine Anhänger baumelten. Ein Bettelarmband! Er erklärte mir, das Armband sei magisch, seine Kräfte würde ich mit der Zeit jedoch selbst ergründen. Dann winkte er mir zu und verschwand in den Tiefen der Bucht.

Ich packte mein Fell in den Topf und begann, ihn am Flussufer entlang zur Brücke zu schleifen.

In der Nähe hörte ich Stimmen, die sich auf Englisch unterhielten. Da sie das Wort „Nessie“ erwähnten, ging ich davon aus, dass sie den wenig glamourösen Abgang des schrecklichen Prinzen bemerkt hatten. Was trieben sich aber auch so viele Menschen an dieser Bucht herum!

Der Weg zurück zur Blackwater Bridge schien endlos zu sein, dieser verflixte Topf war ziemlich schwer und der Leprechaun, der ihn vermutlich mit einem Fingerschnippsen transportieren könnte, ließ sich nirgends blicken. Der war bestimmt wieder in einem Pub und genoss ein kühles Ale.

Die Nacht verschwand langsam, die Sonne ging auf, und ich war noch immer unterwegs mit diesem dämlichen Goldtopf. Da hörte ich plötzlich ein Rascheln und Lachen in den Hecken vor mir. Tatsächlich tauchten dort ein paar junge Männer auf, die wohl in der Nähe zelteten. Sie hatten ein Feuer gemacht und brieten Würstchen an langen Stöcken,umringt von leeren Ale-Flaschen.

Natürlich bemerkten sie mich sehr schnell und riefen mir Dinge auf Gälisch entgegen.

Ich antwortete nicht, schließlich hatte ich nur Kauderwelsch verstanden. Sie versuchten es erneut, diesmal auf Englisch. „Na, schöne Frau, was hast du denn vor?“

Schöne Frau, von wegen.

Die Männer erhoben sich, kamen näher und untersuchten mein klobiges Gepäckstück. „Was hast du denn mit dem Haufen Plastikmünzen vor?“, fragten sie mich.

Plastik? Ich lugte in den Topf. Nein, kein Plastik. Na, wenn sie das nicht erkannten –

„Ich … äh… bin Touristen-Guide. Aus … Deutschland. Ich … äh … mache eine Art Suche, die Gruppe muss diesen Schatz finden. Aber nun muss ich weiter. Dürfte ich bitte mal durch?“ Etwas besseres fiel mir auf die Schnelle nicht ein.

Aber es schien zu funktionieren, die Männer nickten wissend.

* * *

Fortsetzung folgt.

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 11

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 11 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 und 10.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

Geraume Zeit später kam ein Diener herbei gelaufen. Er verkündete voller Stolz, der Schatz des Leprechauns sei wieder aufgetaucht, der Prinz jedoch sei schon wieder verschwunden. Der König nickte müde mit dem Kopf. Danach straffte er sich jedoch und traf eine Entscheidung.

„Du kannst das Gold nicht transportieren, wenn du dein Fell trägst, du brauchst deine Flossen zum Steuern. Ich werde dir eine Leibgarde mitgeben, wenn du zurück an Land möchtest. Nur den letzten Abschnitt am Fluss musst du alleine schaffen, im Süßwasser können wir nicht schwimmen. Außerdem wird der Fluss zu flach, man könnte deine Begleiter sehen. Ist das in Ordnung?“

Ich bejahte. So gut es mir auch in Atlantis gefiel, mir fehlte der Wind, die Sonne, die Erde. Und ganz langsam machte ich mir auch Sorgen um mein Zuhause… Wie lange war ich nun eigentlich schon fort? Mein Mann würde mich bestimmt auch gerne einmal wieder sehen.

Also beschloss ich, unverzüglich aufzubrechen. Der König begleitete mich höchstpersönlich zurück zu dem Becken, in dem ich angekommen war.

Dort warteten schon die Meermenschen auf uns, die mich hergebracht hatten.

Zwischen ihnen stand ein großer, gusseiserner Topf, der fast bis zum Rand mit goldenen Münzen gefüllt war. Das war also der Schatz, den ich so eifrig gesucht hatte. Ich verabschiedete mich vom König und von der Stadt Atlantis, stieg in mein Fell, das schon für mich bereit lag, und stürzte mich ins Wasser. Meine Begleiter, die gemeinsam den Schatz trugen, folgten mir.

Die Rückreise durch den Kenmare River dauerte keineswegs so lange wie die ursprüngliche Suche, denn diesmal hatte ich ortskundige Führer, die mich schnell zum Ausgangspunkt meiner Reise brachten.

An der Mündung des Flusses, der mich zurück zur Brücke und zu meinem Koboldfreund bringen würde, rollte ich mich wenig elegant ans Ufer. Es war stockdunkel, der Mond ging gerade hinter den Hügeln Irlands auf.

Die Meermenschen saßen am Ufer, ihre langen Flossen trieben in der Strömung. Zwischen ihnen stand der Topf voller Gold. Er war wirklich riesig. Und er schwankte. Plötzlich kam die Oberfläche der Goldmünzen in Bewegung, ein Kopf erschien über dem Rand des Gefäßes. Der Prinz von Atlantis!

Der Rotzlöffel hatte sich im Topf versteckt! Alle erschraken fürchterlich. Nur ich reagierte blitzschnell. An den Ohren hob ich den Kleinen aus seinem Versteck und übergab ihn den Meermenschen.

Diese packten ihn an beiden Händen, während er sich vehement sträubte, und zogen ihn laut platschend zurück ins Meer.

* * *

Fortsetzung folgt.

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 10

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 10 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 und 9.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

„Entschuldigung?“, ertönte eine zaghafte Stimme an der Tür, die noch immer am Boden herum plätscherte. Ein kleines Mädchen streckte den Kopf herein. „Eure Majestät, ich glaube, ich weiß, wo das Gold ist. Euer Sohn hat uns allen Süßigkeiten geschenkt. Ich glaube, er hat es dem Zuckerbäcker der Unterstadt überlassen.“

Gequält stöhnte der König auf: „Ja, das sieht ihm ähnlich. Kannst du einen Diener des Palasts hinführen? Ich bezahle die Unkosten, aber wir brauchen das Gold zurück.“ Das Mädchen nickte und verschwand.

„Ich schätze, es wird einige Zeit dauern, bis meine Männer das Gold aufgetrieben haben. Kann ich währenddessen etwas für dich tun? Hast du Hunger oder Durst? Darf ich dir unsere Stadt zeigen?“, fragte der Monarch.

Ich überlegte nicht lange und bat um einen kleinen Imbiss. Fast sofort wurde eine lange Tafel aufgebaut, auf der sich Speisen aller Art fanden: verschiedene Fischgerichte, Algengemüse, aber auch Dinge, die mir bekannt vorkamen, etwa Nudeln, die mit einem rötlichen Gewürz bestäubt waren, Klöße und allerlei mehr. Das war nicht ganz das, was ich unter einem Imbiss verstand. Ich probierte von verschiedenen Speisen, bis ich satt war, vom Wein und den anderen alkoholischen Getränken ließ ich aber die Finger. Stattdessen trank ich Wasser, das erstaunlicherweise süß war. Auf meine Frage, was nun mit all dem Essen geschehe, lachte der König nur: „Warte ab, das verkommt schon nicht.“

Tatsächlich stromerten die Kinder, die ich im Palast gesehen hatte, zum Tisch und holten sich ihren Teil. Eifrige Diener sammelten schnell die verschiedenen Getränke ein, bevor sie sich auch noch über den Wein und Ähnliches hermachen konnten.

Der König führte mich hinaus und zeigte mir Teile der Stadt. Er ließ sich auch über technische und magische Details aus, die ich mir allerdings nicht merken konnte, das klang sehr kompliziert. Stattdessen sog ich die Farben in mich auf und schwor, dieses Erlebnis nie zu vergessen.

* * *

 

Fortsetzung folgt.

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 9

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 9 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

Unwillkürlich entschlüpfte mir: „Naja, der Leprechaun ist auch nicht gerade das, was ich freundlich nennen würde. Ihn zu verärgern ist nicht schwer, er selbst gibt sich ja auch nicht gerade Mühe, nett zu sein.“

Diese Worte zauberten das Lächeln zurück auf des Königs Lippen. „Das habe ich schon gehört. Dennoch ist er einer der heimischen Schutzgeister, die uns Zuflucht gewährt haben. Das können wir nicht einfach so schamlos ausnutzen.“

Lautes Geschrei ertönte jenseits der Tür. Diese schmolz wieder zu einer Pfütze, der Diener erschien mit einem zappelnden Paket auf der Schulter. Er schwankte beim Gehen, seine Last schien sich mit aller Gewalt gegen ihn zu wehren. Erleichtert verbeugte er sich und ließ das Paket auf den Boden herab, wo es auf eigenen Füßen zu stehen kam.

Tatsächlich handelte es sich bei dem verschnürten Ding um ein Kind! Ein kleiner Junge mit zornesrotem Gesicht, der sich wand und fürchterlich schimpfte. „Mach mich los, du ausgetrockneter Stinkfisch! Ich befehle es dir! Du Wurm am Angelhaken des Poseidon! Ich werde dich an der Schwanzflosse aufhängen lassen!“

„Genug!“, donnerte der König.

Sogar ich erschrak.

* * *

Der Junge hörte auf zu zetern und wandte sich, so grazil es mit den Fesseln ging, zu uns um. „War das dein Befehl? Musst du mich fesseln lassen, vor all meinen Freunden? Das ist entwürdigend! Nimm mir die Fesseln ab!“, forderte der Dreikäsehoch. Der Kleine wusste ja ganz genau, was er wollte. Ich war fasziniert.

„Halt den Mund. Die Fesseln werden schon nötig gewesen sein. Du benimmst dich ja immer wie ein zorniger Igelfisch.“ Der König klatschte in die Hände, woraufhin die Fesseln zu einer Pfütze schmolzen, die sich am Boden sammelte. „Sohn, hast du dem Leprechaun von Blackwater einen Goldtopf gestohlen?“

Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Das sollte der Prinz von Atlantis sein? Dieses zornige Kind? Faszinierend.

Der kleine Rotzlöffel fragte keck: „Und wenn es so wäre? Der grüne Knilch ist ein Fiesling! Ich kann ihn nicht leiden. Er soll an seinen Ohren gehängt werden!“ Mit verschränkten Armen stand er da und stellte Forderungen, der hatte vielleicht Nerven!

„Antworte. Hast du dich von Breitschnabel zur Blackwater Bridge bringen lassen und das Gold des Leprechauns gestohlen?“, fragte der König mit einem scharfen Unterton. „Du weißt genau, wie die Regeln lauten. Das geht nicht! Und über deine … Freundschaft zu diesem dahergelaufenen, räuberischen Pelikan werden wir auch noch ein Wörtchen reden müssen! Sich in seinem Schnabel herumfliegen lassen und anderer Leute Eigentum stehlen. Wie kannst du es nur wagen? Wo hast du das Gold versteckt? Sag es mir!“

Der Prinz ballte die Fäuste, stampfte mit dem Fuß auf und schrie mit rotem Kopf: „Vergiss es!“ Danach drehte er sich um und rannte zur Tür hinaus, die sich nur mit Mühe rechtzeitig verflüchtigen konnte.

Der König seufzte: „Kinder… eine wahre Landplage.“

* * *

Fortsetzung folgt.

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 8

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 8 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

Schließlich machten mich die Meermenschen auf ein sehr großes, prachtvolles Gebäude aufmerksam. Dies schien unser Ziel zu sein: der Palast von Atlantis. Steinerne Wächter, jeweils mehrere Meter hoch und sehr bedrohlich anzusehen, flankierten das Portal, durch das wir schritten. Ich kam mir sehr klein, unbedeutend und definitiv fehl am Platze vor. Wir passierten mehrere Hallen und Innenhöfe mit Brunnen, die denen der Stadt ähnelten. Überall sah ich Leute, die mich neugierig musterten, eine Horde Kinder hüpfte um unsere Gruppe herum.

Zu guter Letzt standen wir vor einer riesigen Tür. Ein Mann in einfachem, doch reich verzierterm Gewand, vermutlich ein Diener, klopfte mit einem Stab daran, woraufhin sich die Tür mit leisem Seufzen und anschließendem lauten Platschen in Wasser auflöste. Sehr imposant, dieser Special-Effect!

Die Kinder blieben mit ehrfürchtigen Mienen zurück, auch meine Begleiter ließen mich alleine vortreten, während ich mich nun dem König von Atlantis nähern durfte. Mittlerweile hätte es mich nicht mehr gewundert, wenn ich nun auf Nessie treffen würde … Aber der König war ein ganz normal gebauter Herr mittleren Alters. Er sah aus wie ein Mensch, jedoch vermutete ich einen verborgenen Nixenkörper. Tatsächlich saß er am Rande eines Brunnens und hielt die Hand ins Wasser, als ich eintrat und sich die Tür mit leisen Glucksen wieder zurecht formte.

„Ah, der Besuch ist da. Ich habe schon vernommen, du bist aus einem bestimmten Grund hier, Selkie?“, sprach er mich an. Einmal mehr erläuterte ich die Geschichte von Leprechaun, Goldtopf und Pelikan. Daraufhin verfinsterte sich die Miene meines Gegenübers, er knirschte mit den Zähnen.

„Oh, ich kann mir denken, wer das war. Wir wollen hier in Frieden leben, mehr nicht! Seit die Ozeane sich aufheizen, ist es für uns in manchen Gebieten der Weltmeere zu gefährlich. Hier haben wir ein so schönes Zuhause gefunden, wollten uns anpassen und mit den heimischen Geistern gut stellen. Nur einer ist so dreist und gefährdet diesen Frieden immer wieder.“ Er rief einen Diener herbei und befahl ihm, „ihn“ zu holen.

Oha, ein mysteriöser Fremder?

* * *

Fortsetzung folgt.

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 7

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 7 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5 und 6.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

Nun hielt ich es für angebracht, mich zurück in einen Menschen zu verwandeln. Doch war mir nicht ganz klar, wie ich das bewerkstelligen sollte.

Lachend zogen zeigte mir ein Frechdachs von Nixenmann, wo genau sich die Lasche in meinem Fell befand, mit der ich es auseinanderziehen konnte. Es fiel von mir ab und da stand ich wieder, ein Menschlein, das seine Schuhe am Ufer des Meeres vergessen hatte. Immerhin hatte ich meine Kleider noch an!

Ich rollte mein Fell zu einem kleinen Bündel, es wurde mir jedoch abgenommen, mit der Zusage, man würde sehr gut darauf aufpassen. Meine Füße fühlten sich noch etwas fremd an, ich taumelte eher, als dass ich hoheitsvoll in diese fremdartige Stadt schritt. Nun konnte ich allerdings auch wieder sprechen, das war eine Erleichterung für mich.

Tatsächlich sorgte meine Anwesenheit für ein wenig Aufruhr, aus etlichen Straßen kamen Leute zum Vorschein, auch dem Becken hinter mir entstiegen Gestalten. Meine Begleiter wandten sich zu mir um, einer richtete das Wort an mich: „So, Selkie. Nun erkläre uns, was dich zu uns verschlägt.“

Ich versuchte, den Grund meiner Anwesenheit möglichst einfach zu erklären. Die Menge um mich herum reagierte allerdings sehr besorgt, als ich ihnen die Geschichte vom Leprechaun und seinem Goldtopf schilderte.

„Das muss der König erfahren!“, beschlossen meine Begleiter. So wurde ich wieder in die Mitte genommen und durch die Straßenzügeder Stadt geführt. Nun bemerkte ich auch den Grund für die Helligkeit im Becken: Alle Gebäude waren aus einem hellen Stein gebaut, der geradezu zu leuchten schien. Verziert waren sie mit Perlmutt, sodass alles in den buntesten Farben funkelte. Auch die Barriere, die das Wasser fernhielt und für Luft sorgte, schimmerte in den Farben des Regenbogens. Das roch förmlich nach Magie.

„Wo sind wir hier eigentlich? Wie konntet ihr euch in Menschen verwandeln?“, platzten die Fragen aus mir heraus.

„Du wirst lachen, wir sind hier in Atlantis“, erklärten mir die Meermenschen, die mich zum Palast eskortierten. „Die versunkene Stadt, ganz recht. Als sie versank, sprachen Druiden einen Bann über sie, um auch unter Wasser leben zu können. Als unser Volk sich hier ansiedelte, war die Stadt bereits verlassen. Doch die alten Zauber wirken noch immer. Vermutlich gab es zu guter Letzt immer wieder Angriffe, sodass jemand den Zauber der Menschwerdung sprach. Nur in Atlantis können wir gefahrlos eine menschliche Gestalt annehmen. Die Barriere lässt nicht nur das Wasser zurückweichen, auch das Böse hat mittlerweile keinen Zugriff mehr auf die Stadt.“

Aha, so war das also. Das musste ich erst mal verdauen, darum gingen wir schweigend weiter. Ich bestaunte die kastenförmige Architektur der Stadt, Brunnen, in denen sich Kinder tummelten, Statuen und allerlei Dinge, die mir fremd waren.

* * *

Fortsetzung folgt.

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

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