La Ballade

Geschichten und Musik

Kategorie: Geschichten Seite 1 von 5

Ein halbes Pfund Belegexemplar

Ein halbes Pfund BelegexemplarDieses halbe Pfund Belegexemplar ist gestern bei mir eingetroffen. Ich freue mich, dass die Geschichte immer noch draußen herumgeistert und hoffentlich Leute ihre Freude daran haben. Insbesondere gefällt mir das Cover, auch wenn sich da ein c statt dem k eingeschlichen hat. Es wird in dieser Form wohl eher nicht im regulären Buchhandel auftauchen, dafür aber beispielsweise im Supermarkt (und das E-Book gibt es nach wie vor bei dotbooks).

Vor lauter Begeisterung habe ich gestern für meinen anstehenden SP-Roman Die Weinfestengel nicht nur einen Klappentext geschrieben, sondern gleich drei. Das ist zwar sicher nicht die empfohlene Marketing-Methode, aber ich neige stark dazu, die auch alle drei zu verwenden. Für das Cover habe ich jetzt ebenfalls eine Idee, die ich mit meinen aktuellen GIMP-Kentnissen vermutlich umsetzen kann. Also steht einer Veröffentlichung Anfang Juni nicht mehr viel im Weg.

Jahrmarkt-Ausschreibung

Außerdem läuft noch bis zum 15. Juni die Ausschreibung des Burgenwelt-Verlags unter dem Motto „Jahrmarkt der Mysterien“. Da sind meine Spielleute doch eigentlich prädestiniert, mitzumischen. Das aktuelle Plotküken scheint mir aber eher ein Strauß werden zu wollen als ein Hühnchen. Also bin ich noch auf der Jagd nach etwas weniger Kompliziertem. Der Aufwand für die Recherchen sollte sich in Grenzen halten, deshalb wird der Schauplatz mit hoher Wahrscheinlichkeit Heidelberg.

Möglicherweise habe ich mich einfach zu sehr auf das Stichwort Jahrmarkt eingeschossen. Laut Ausschreibung sind auch andere Festivitäten erwünscht, wenn es dabei nur mysteriös wird. Vielleicht kann ich meinem Lotterpfaffen Baldwin ein Solo-Abenteuer spendieren. Der macht zwar keine Marktmucke, aber etwas zu feiern gibt es bestimmt auch in dem einen oder anderen Kloster. Im Kalender stehen genug Feiertage. Es könnte auch jemand Hochzeit halten oder der Kurfürst wird mit großem Gepränge empfangen.

Ich lese mich noch ein bisschen durch die bereitliegenden Bucher zum Thema, dann wird sich schon die eine oder andere Idee einfinden.

(Näheres zum Thema Werbung gibt es hier.)

Fantastisches Europa – Startschwierigkeiten

Fantastisches Europa - Startschwierigkeiten

Nicht das Neueste von Peter Schaap

Da Europa gerade eins der brandheißen Themen ist, hielt ich das für den passenden Anlass, einen guten Vorsatz vom PAN-Branchentreffen gleich in die Tat umzusetzen: Phantastik aus anderen Ecken Europas vorzustellen. Als Ausgangspunkt wollte ich einen Autor nehmen, dessen Erstlingswerk mir schon … ist bald nicht mehr wahr … Ende des vorigen Jahrhunderts gefallen hat, Peter Schaap.

Klar, die Bücher von damals gibt es immer noch. Davon stehen auch einige in meinem Regal. Soweit ich das bisher feststellen konnte, lebt der Autor noch, schreibt und singt auch weiterhin. Im Sommer 2018 ist sein neuester Roman De Helden van Sidian erschienen, beim Verlag Zilverspoor in Naaldwijk (Zuid-Holland). Der Klappentext klingt so weit gut.

Ich folge also dem Bestell-Link und stelle fest: Ein Versand außerhalb der Niederlande ist nicht vorgesehen. Na gut, Belgien ginge noch, aber das hilft mir nicht allzu viel. Von einer E-Book-Ausgabe ist nirgends die Rede. Auch beim Buchhändler meines Vertrauens finde ich den Titel nicht. Beim großen A ist er derzeit nicht verfügbar. Immerhin könnte ich mir von der französischen Abteilung einen anderen Fantasy-Roman des Autors schicken lassen. Darüber denke ich noch nach.

Vielleicht starte ich auch einfach mit einem kurzen Überblick über das, was ich schon hier habe – De Schrijvenaar van Thyll zum Beispiel. Wenn ich mich recht erinnere, könnte die Geschichte auch nach dreißig Jahren noch das eine oder andere zu sagen haben.

Oder ich suche mir einen anderen Autor bzw. eine Autorin oder gehe vorerst in ein anderes Land auf Entdeckungsreise. In Spanien gibt es ebenfalls fantastische Bücher, und soweit ich das überblicke, auch allerlei Preise innerhalb des Genres. Da dürfte sich also etwas Spannendes finden lassen, von den spanischsprachigen Autor*innen aus anderen Ländern mal ganz zu schweigen.

Also – sobald die Leyermark mit ihren Heldinnen erschöpfend behandelt ist, kann die Europareise weitergehen.

 

Die von Meara Finnegan gestartete Blogreihe über Heldinnen der Phantastik hat einen neuen Beitrag, seit gestern bei Gwees Bücherwelt. Es geht diesmal um eine gestaltwandelnde Automechanikerin mit dem passenden Namen Mercedes. Wer bei Urban Fantasy nicht unbedingt Romantik erwartet, ist bei der Autorin Patricia Briggs offenbar an der richtigen Adresse.

Die deutsche Übersetzung stammt von Vanessa Lamatsch – wenn wir schon beim Sichtbarmachen häufig unbeachteter Heldinnen sind.

Erkenntnisse aus dem PAN Branchentreffen 2019

… alias #pan19

Erkenntnisse zu Inspirationsquellen
Erkenntnisse aus #pan19

Ein inspirierender Organismus?

Erkenntnis Numero 1 kommt nicht wirklich überraschend, gehört aber zu den Dingen, auf die immer mal wieder hingewiesen werden sollte: Die Möglichkeiten, Inspirationen zu finden, sind praktisch unbegrenzt. Ich hangele mich mal am Programm entlang.

In vor- und unmittelbar nachsintflutlichen Zeiten gibt es noch eine Menge Platz für fantastische Welten. Ein Steinzeit-Krimi um Ötzi ist inzwischen nur noch antiquarisch zu haben, also wird es vielleicht Zeit für eine Neuinterpretation. Die Welt war auch damals schon ziemlich groß und die Menschheit unterwegs. Alle Neuentwicklung einer einzelnen, blonden & blauäugigen Heldin zuzuschreiben kommt möglicherweise nicht mehr ganz so gut, und es stehen vermutlich allerlei andere in den Startlöchern, um ihre Welt zu verbessern. Ebenso gab es, laut Dr. Michael Lagers vom LWL-Landesmuseum Herne, bereits in der Steinzeit Produktpiraterie. Das könnte ein ganz neuer Ansatzpunkt für eine Krimihandlung sein.

Des Weiteren sind Trolle eine ausgesprochen vielseitige Spezies, auch dann noch, wenn man die Schlumpf- oder Gartenzwergähnlichen abzieht. Skandinavische Märchen bzw. isländische Sagas halten verschiedene Aspekte dieses Volkes bereit, die in der Phantastik noch nicht allzu weit verbreitet sind. Der Vortragende, Professor Rudolf Simek, hat zudem weitere mittelalterliche Monster im Angebot, denen sich vermutlich nachzugehen lohnt. (Für meine Burgenwelt-Geschichte bleibt es aber erst mal beim Totengeist.)

Das war jetzt schon wieder vor allem Historisches und Kulturelles. Dabei gibt es in anderen Ecken der Wissenschaft mindestens so geniale Vorbilder für Feinheiten des Weltenbaus – siehe auch hier. Hier gab es entscheidende Einblicke in das Leben des Kleinen Leberegels (zu bewundern oben links) und des großen afrikanischen Elefanten im Workshop von Anika Beer. Die muss ich aber noch ein bisschen sacken lassen, bis sie irgendwo andocken und eine Geschichte daraus wird.

Erkenntnise zu weiteren Projekten

Aus dem „prähistorischen“ Vortrag von Dr. Meret Fehlmann stammt die Erkenntnis, dass Phantastik nicht nur auf Englisch oder Deutsch geschrieben wurde und wird. Da liegt also ein weiteres Projekt und wartet darauf, dass ich Zeit und den richtigen Aufhänger dafür finde. Es reizt mich schon seit vielen Jahren, es könnte also langsam erntereif sein.

In Sachen „unbedingt mal wieder lesen“ gab die Podiumsdiskussion am Donnerstag einen wichtigen Hinweis: Karen Nölle übersetzt Romane von Ursula K. Le Guin neu. Bisher noch gar nicht übersetzt und, wenn ich das richtig verstanden habe, derzeit auch nicht dafür vorgesehen, ist eins meiner Lieblingsbücher von dieser Autorin, Always Coming Home. Trotzdem ist auch das ein Anstupser, mal wieder reinzuschauen.

Erkenntnisse zur Freizeitgestaltung

Diese Erkenntnis hat nicht so viel mit phantastischer Literatur zu tun, sondern vor allem damit, dass es im Hotel kein Schwimmbad gab. (Das ist kein Kriterium dafür, dort zu wohnen oder nicht; das Branchentreffen hate eben ein neues Domizil.) Es gab aber einen Fitnessraum, und damit hatte ich Gelegenheit festzustellen, dass so ein Stepper eine feine Sache sein kann. Außerdem sollte ich wohl die Wörterbuch-Gymnastik wieder aufnehmen. Der dicke Van Dale hat sich da schon bewährt, wenn ich mich recht erinnere.

Dann gab es noch einen Hinweis auf einen Ausflug: Bei Orgelbau Klais in Bonn gibt es die Möglichkeit, an Betriebsführungen teilzunehmen.

Weltenbau – Über Steine

Kurz vor dem Abflug zum PAN-Branchentreffen kommt hier der letzte Weltenbau-Artikel. Diesmal geht es, zumindest ansatzweise, um die „Steine“, die geographischen Grundlagen.

Weltenbau - Über Steine

Was hieraus wohl entsteht?

Wie bereits erwähnt: Ich bin Lingu, Naturwissenschaft ist nicht meine starke Seite. Aber ganz ohne geht es auch nicht. Dabei gibt es zum Glück Genre-spezifische Abkürzungen. Wer nicht gerade eine Space Opera schreibt, kann mit einer ziemlich erdähnlichen Welt auskommen. Kann, muss aber nicht. Für Fantasy-Welten gibt es da ebenfalls viele Möglichkeiten. Insbesondere, wenn der Kontrast zur gewöhnlichen Umgebung der Held*innen und/oder Leser*innen betont werden soll, kann es helfen, zum Beispiel zwei Sonnen scheinen zu lassen. Oder zu definieren, dass die Welt eine Scheibe ist.

Evidenzbasierte Spinnerei

Allerdings gibt es für Fantasy-Welten im engeren Sinn mehr „Regelwerke“ zur Auswahl als in der SF. Das S steht schließlich für „Science“, also sollte ein Bezug zu den bekannten Naturgesetzen zumindest erkennbar bleiben. Da ändert sich nur der Stand der Wissenschaft im Lauf der Jahrzehnte, und es kann spannend sein, die Zukunftsvisionen von „damals“ mit den tatsächlichen Entwicklungen zu vergleichen. Die Phantastische Bibliothek Wetzlar nutzt das Potenzial der evidenzbasierten Spinnerei im Projekt Future Life systematisch, um mögliche zukünftige Entwicklungen zu erkennen bzw. anzustoßen. Vermutlich sind etliche real existierende Erfindungen auf Ideen aus Literatur oder Film zurückzuführen.

Welteis oder Wall aus Reisbrei

Für eine Fantasy-Welt ist es aber durchaus zulässig, wenn nicht sogar erwünscht, auf längst widerlegte Theorien zurückzugreifen oder sich gleich von der Mythologie inspirieren zu lassen. Die Flachwelttheorie hat eine beachtliche Karriere hingelegt, eine Höhlenwelt gibt es auch schon, womöglich lässt sich sogar aus der Welteislehre was machen. Göttliche Schöpfungen sind ohnehin an der Tagesordnung. Vielleicht muss man es auch gar nicht so genau wissen, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Wie funktioniert zum Beispiel das Schlaraffenland? Da es bereits Sachbücher zur Biologie von Drachen gibt, wäre eine Abhandlung zur Statik von Reisbrei-Wällen auf jeden Fall denkbar.

Zurück zu den Steinen

Aber nun zurück zu den Steinen und anderen grundlegenden Bestandteilen der fiktiven Welt. Sie haben beachtliche Auswirkungen auf die weiteren Aufbauten der Welt und die Geschichten, die dort spielen. Das betrifft zum einen alltägliche Fragen wie die nach Kleidung oder Essen: Welche Rohstoffe gibt es? Was brauchen die Bewohner der Welt, um über die Runden zu kommen? Wo fängt der Luxus an?

Reiserouten

Oft reisen die Held*innen stellvertretend für die Leser*innen einmal quer durch die Welt und es wäre zu beschreiben, mit welchen Mitteln sie das tun, auf welche Schwierigkeiten sie stoßen, wie sich Landschaft und Jahreszeiten auswirken. (Welche gibt es überhaupt?) Natürlich kann man die Abkürzung nehmen und Flugreisen anbieten. Aber auch für die muss ein Rahmen definiert werden. Meistens braucht man dazu magische Methoden, allermindestens einen kooperationswilligen Drachen. Der setzt wiederum einen geeigneten Lebensraum mit dem nötigen Futter-Angebot voraus.

Reale Vorbilder

Für die meisten Details kann man sich an den terranischen Gegebenheiten orientieren. Da gibt es genügend Auswahl an Welten-Bausteinen und Anpassungen an diese. Darauf basieren zum Beispiel die oben erwähnten Drachen-Sachbücher. Auch Menschen haben sich in allerlei Umgebungen eingerichtet und Mittel und Wege gefunden, sich dort mit allem Nötigen zu versorgen. Sie können dem einen oder anderen Elfendorf vermutlich ein paar Life Hacks verraten.

Und was ist mit Magie?

Kein direktes Vorbild gibt es für Magie. Im Gegenteil, da finden sich jede Menge gute Erklärungen, warum es nicht funktioniert, mal eben einen Menschen in einen Frosch zu verwandeln. In vielen Fantasy-Welten spielt sie trotzdem eine Rolle und erfordert ihre eigenen Naturgesetze. Wie mächtig kann Magie werden? Wodurch wird ihre Anwendung begrenzt?

Möglicherweise werden Rohstoffe gebraucht, die nachwachsen oder auch nicht. Vielleicht ist der Umgang mit Magie ein Talent, das ausgebildet werden kann bzw. muss. Da in einer Welt mit Zauberei auch unorthodoxe Lehren zutreffen könne, ist eventuell der Stand der Gestirne für die Wirkung eines Zaubers von Bedeutung. Sind die Voraussetzungen erst einmal definiert, lassen sich ihre Auswirkunge auf die Welt und ihre Bewohner unter Zuhilfenahme von etwas Fantasie dann wieder in Geschichtsbüchern oder in der Zeitung nachlesen.

Wie weit diese Überlegungen ins Detail gehen müssen, hängt von der jeweiligen Welt und ihren Geschichten ab. Je märchenhafter das Ganze werden soll, desto mehr Isso lässt sich unterbringen. Oft entwickeln Welten auch, ähnlich wie Figuren, ein Eigenleben mit immer mehr geographischem und sonstigem Unterbau. Viel Spaß bei der Recherche!

 

Phantastische Heldinnen

Heute startet bei Meara Finnegan eine Blogreihe über phantastische Heldinnen, an der ich mich ebenfalls beteiligen werde. Zum Auftakt schreibt Heike Korfhage einen Gastbeitrag über Lúthien.

Geplant ist ein Beitrag pro Woche, in dem wir jeweils eine Heldin vorstellen, von der wir gern gelesen haben. Kriegerinnen sind ebenso vertreten wie Magierinnen und diverse andere, auch recht unphantastische Berufe. In den von mir geplanten Beiträgen treten zum Beispiel Bäuerin, Sängerin und Model auf.

Bücher mit phantastischen Heldinnen

Auch wenn auf der Liste etliche Romane stehen, die schon vor Jahrzehnten erschien sind, und Heldinnen, von denen vermutlich alle schon mal gehört haben – siehe oben -, dürfte noch der eine oder andere Geheimtipp dabei sein.

Für Nachschub an phantastischen Heldinnen startet übrigens demnächst bei Feder & Schwert ein neues Imprint mit dem vielversprechenden Namen Wicked Queen Editions. Frau darf gespannt sein.

Zu meinen eigenen Heldinnen geht es hier.

 

Weltenbau – Über Sprachen

Weltenbau - Über Sprachen

Quenya oder Sindarin?

Ich bin Lingu, also muss ich auch ein paar Worte über das Thema Sprachen verlieren. Außerdem besteht die klassische Weltenbaumethode bekanntlich darin, mindestens eine Sprache zu entwickeln und sich dann Völker auszudenken, die sie sprechen. Diesen Ansatz habe ich einmal verfolgt und bin heute noch froh über meine Aufzeichnungen von damals, denn die machen es leichter, Namen zu erfinden, sei es für Leute, Orte oder Dinge. Ich habe eine Vorstellung davon, wie diese Sprache funktioniert, und kann sie ohne großen Aufwand in die Geschichte einbauen.

Jetzt kommt natürlich die übliche Frage: Brauche ich das überhaupt? Und die Antwort ist ebenfalls die übliche: Ja, nein, vielleicht. Natürlich kann man eine fremde Welt ganz und gar in seiner Muttersprache ausstaffieren und die Energie, die andere auf Phonetik, Grammatik und so weiter einer Kunstsprache verwenden, lieber zum Plotten oder Recherchieren nutzen. Das schadet der Geschichte mit Sicherheit nicht. Vermutlich stößt man früher oder später aber doch an Grenzen. Sei es beim Namen verteilen, beim Fluchen oder wenn mehrere Völker aufeinandertreffen.

Wie soll es heißen?

Sprechende Namen sind ja schön und gut, und ein „Großer Fluss“ kommt auch in der real existierenden Geographie hin und wieder vor. Nur beschwört „Anduin“ vermutlich andere Bilder herauf als „Guadalquivir“ oder „Rio Grande“. Personennamen kann man nach dem Modell Fürchtegott, Sonne-von-links oder Ähnlichem bauen. Die sind leichter zu lesen als die nach dem gängigen Klischee aus lauter y und Apostrophen zusammengeleimten Fantasynamen, wirken aber in größerer Häufung mitunter anstrengend. Also lohnt es sich vielleicht doch, einige Überlegung zumindest auf ein Namenssystem und die Grundlagen der Phonetik zu verwenden, um weder in die eine noch in die andere Falle zu tappen.

Wie ein Mensch zu seinem Namen kommt, sagt außerdem einiges über die Gesellschaft aus, in der er sich bewegt. Das gleiche gilt für die Frage, wer die Macht hat, den Namen eines Ortes zu prägen – weiß jemand, wo Zarizyn liegt?

Wer beschimpft wen, wie und warum?

Beim Thema Fluchen spielt unter anderem die Frage eine Rolle, wie derb es denn werden soll, und was in dieser Gesellschaft als derb gilt. Fäkalsprache ist wohl universell, deshalb wird es schwieriger, damit eine andere Wirkung zu erzielen, als sie nun einmal auf die jeweiligen Leser hat. Gottheiten dagegen lassen sich leicht austauschen und tragen eher zum fantastischen Ambiente bei, ebenso wie diverse andere Möglichkeiten: Gilt es als tödliche Beleidigung, jemanden zu einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu zählen? Oder sind Tiernamen das absolut Letzte? Wenn ja, welche Tiere und was ist an ihnen so schrecklich? Außerdem dürften die Meinungen über die (Un-)Angemessenheit von Schimpfwörtern in verschiedenen gesellschaftlichen Kreisen auseinander gehen.

Fiktionale Kreolistik

Wenn mehrere Völker aufeinandertreffen, und sei es nur, dass eine Touristin von der Erde sich durch ein Portal verirrt, sollten Sprachprobleme auftreten. Das muss sich nicht unbedingt lesen wie bei Edwin Morgan, es geht auch weniger kompliziert.

Die „gemeinsame Sprache“ ist ein beliebter Kniff. Trotzdem ist anzunehmen, dass die Beteiligten jeweils mit einem eigenen Akzent reden, typische Fehler machen oder Ausdrücke verwenden, die ihr Gegenüber erst einmal seltsam findet.

Vielleicht lohnt es sich auch, darüber nachzudenken, welche Sprachen an der „gemeinsamen“ beteiligt sind, wann und warum sie entstanden ist. Es gibt allerlei historische Beispiele, die als Vorbild dienen können. Der Tourist von der Erde wird sich folglich trotzdem mit Händen und Füßen verständigen müssen bzw. es mit Zeichnen oder einer anderen Methode versuchen. Rasend schnelles Lernen erscheint dabei oft weniger erklärungsbedürftig als ein Babelfisch-Äquivalent.

Bild: Voynich-Manuskript, gemeinfrei

Reisemarketing im Mittelalter

Tourismus-Marketing im Mittelalter

Derzeit laufen hier wieder musikalische Vorbereitungen, in denen neben Titeln wie Brötchentüten-Navigator auch eine Cantiga de Santa Maria ihr Unwesen treibt. Davon gibt es über 400, gespielt wird im neudeutschen Mittelalter nur eine Handvoll, noch seltener werden sie gesungen. Vielleicht kommt es daher, dass sich die eine oder andere Band fragt, um wen es sich bei der im Liedanfang erwähnten „Virgen“ wohl handeln könnte – selbst wenn sie einen der Tophits der Sammlung am Wickel haben (CSM 353). Hier geht es allerdings um ein Stück, das noch nicht zum Schlager geworden ist – Razon an de seeren (CSM 218) .

Heilung im zweiten Anlauf

Die Geschichte mit ihren 12 Strophen erzählt von einem deutschen Kaufmann, der zur Buße für seine Sünden nach Compostela pilgert. Der Heilige Jakobus konnte ihm aber nicht helfen, denn die Sünden des Kaufmanns wogen zu schwer. Also machte sich der Kaufmann mit der Hilfe anderer freundlicher Pilger immer noch krank auf den Rückweg. Unterwegs erblindete er sogar, und die Helfer wagten es nicht mehr, ihn noch weiter mitzunehmen. Bei der Muttergottes von Villasirga unternahm der Mann noch einen Versuch, seine Sünden doch noch loszuwerden, und sie heilte ihn.

Konkurrenzkampf um die Pilger

Derlei Geschichten von Rivalitäten zwischen Pilgerzielen und ihren kamen im Mittelalter häufiger vor. A. R. Bell und R. S. Dale betrachten in ihrem Artikel „The Medieval Pilgrimage Business“ das Pilgerwesen vom wirtschaftlichen Standpunkt. Dabei geht es ihnen nicht nur um das Reisen im engeren Sinn, wie etwa manche Historiker die venezianischen Händler, die Pilger auf ihren Schiffen ins Heilige Land transportierten, als die ersten Organisatoren von Pauschalreisen ansehen. Bell und Dale beschreiben auch die Wallfahrtsorte als eine Art Franchise-Betriebe, die unter der Dachmarke der katholischen Kirche agierten.

Dienstleistungen und Sonderangebote

Dabei ist das Marketing eine Aufgabe für die Manager – meist ein Kloster – vor Ort. Sie sind zwar einerseits gehalten, Pilger aufzunehmen und zu versorgen, insbesondere auch Arme und Kranke, und die unterwegs Verstorbenen zu begraben. Andererseits können sie aber für ihre geistlichen Dienstleistungen – Wunder und Ablässe – reichliche Spenden in Form von Geld, Schmuck oder Wachs (wie in CSM 166  zum Beispiel) erwarten. Für Ablässe gab es an manchen Orten regelrechte Preislisten und Sonderangebote zu bestimmten Festtagen oder in heiligen Jahren.
Wunder dagegen wurden offenbar nicht auf Bestellung gewirkt. Man zeichnete sie aber sorgfältig auf, sodass sie lesekundigen Menschen als eine Art „Werbebroschüre“ für den Ort und seine Heiligen dienen konnte. Für die anderen entstanden eben Lieder, die sich unter den Pilgern ausbreiteten. Nach Ansicht von Bell und Dale (S. 613) war das eine der effektivsten Möglichkeiten für ein Pilgerziel, seine Position im Wettbewerb zu stärken: Die Wunder des/der eigenen Heiligen als mächtiger darzustellen als die der anderen. Wenn man eine Jungfrau Maria in seinen Mauern hat, fällt es mit Sicherheit leichter, auch einen Apostel zu überbieten, als etwa mit der Heiligen Kunera von Rhenen .

Fußnote

zu „Weltenbau und Musik“:
Anfang Juni soll mein Urban-Fantasy-Roman Die Weinfestengel erscheinen. Er ist vor einigen Jahren im NaNoWriMo entstanden und verdankt wesentliche Bestandteile dem hohen Anteil von Marienliedern und anderer religiöser Musik auf meiner Festplatte. Ich habe nämlich beim Plotten mehrfach das MP3-Orakel befragt und an den entscheidenden Stellen Antworten wie A Virgen muy Groriosa, Ave Donna Santissima und ähnliches erhalten. Bis zum 30. November war dann nicht nur eine Jungfrau in die Geschichte eingezogen, sondern auch gleich die Heilige Ursula mit ihren 11.000 Gefährtinnen …

Literatur
  • Bell, Adrian R., und Richard S. Dale, „The Medieval Pilgrimage Business“, in Enterprise & Society, Vol. 12, No. 3, Cambridge University Press, September 2011, S. 601-627; https://www.jstor.org/stable/23701445
  • Ohler, Norbert. Pilgerstab und Jakobsmuschel – Wallfahren in Mittelalter und Neuzeit. Artemis und Winkler, 2000.

Weltenbau – Über Historisches

Weltenbau historisch

Weltenbau im Spätmittelalter

Muss man für die Vergangenheit, also für historische Geschichten im engeren Sinn, wirklich eine eigene Welt bauen? Die spielen doch auf dieser, wohlbekannten und erforschten Welt. Schließlich zeichnen sich Autor*innen historischer Romane gegenüber den Phantastik-Schreiber*innen dadurch aus, dass sie gründlich recherchieren und sich nicht einfach alles ausdenken …

Recherchieren oder fantasieren?

Ich hoffe, im Lauf meiner bisherigen Weltenbau-Artikel hat sich gezeigt, dass Recherche auch für Phantastisches eine Rolle spielt. Jetzt geht es darum, wie viel Phantasie im Historischen Platz hat – nämlich eine Menge.

Je weiter die Epoche zurückliegt, desto lückenhafter sind die Quellen, desto mehr Weltenbau wird nötig. Selbst wenn man nur im engeren Sinn historische Zeiträume in Betracht zieht, also solche, aus denen es schriftliche Aufzeichnungen gibt, wird der Hintergrund zunehmend abenteuerlich.

Am anderen Ende gelten Epochen als historisch, von denen keine Zeitzeugen mehr leben. Wie ich bei einem Gespräch am Rande der Leipziger Buchmesse erfahren habe, zählen dazu inzwischen auch die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Zeitzeugen oder nicht, darüber lassen sich Dokumente aller Art finden, die zu einer Vorstellung von dieser Romanwelt beitragen.

Quellen und der Umgang damit

Im Mittelalter sieht die Sache schon anders aus. „Damals“ wurde ohnehin weniger von dem produziert, was man heute gut als Quelle nutzen könnte. Von diesen geringeren Beständen ist inzwischen eine Menge verloren gegangen. Wie viel und was von diesem Rest wissenschaftlich aufbereitet wurde und allgemein zur Verfügung steht, ist mehr oder weniger Glückssache. Außerdem gehen die einzelnen Fachbereiche offenbar verschieden an die Quellen heran und bewerten sie unterschiedlich. Wer Grabungsfunde betrachtet, kommt zu anderen Ergebnissen als eine Germanistin (und in der Romanistik sieht es mit Sicherheit wieder anders aus …), Urkunden beschreiben andere Sachverhalte als die Dichtung. Und im Laufe der Zeit kommen neue Untersuchungsmethoden ins Spiel und führen zu neuen Erkenntnissen: Nicht alle Skelette, die Waffen als Grabbeigaben erhalten haben, waren einmal Männer.

Roman oder Doktorarbeit?

Wer also gründlich über die Epoche seines Romans recherchiert hat, muss sich früher oder später entscheiden. In einer Seminararbeit zum Thema könnte man alle Quellen zusammentragen, sie bewerten und sich mit Konjunktiven aus der Affäre ziehen. Im Roman kommt das weniger gut an. Vielleicht soll am Ende der ganzen Recherche nur eine beiläufige Bemerkung stehen, keine Abhandlung über mehrere Seiten. Möglicherweise passt auch ein Fund viel besser in die Handlung/zu den Figuren als ein anderer. Das wäre ein überzeugender Grund, der entsprechenden Theorie zu folgen, auch wenn sie wissenschaftlich nicht hundertprozentig anerkannt ist.

Recherchieren und fantasieren

Dann gibt es eben noch die oben erwähnten Lücken, die man beim wissenschaftlichen Arbeiten als solche benennen und dazu feststellen kann, dass weitere Forschung in diese Richtung „wünschenswert“ sei. Im Roman müssen sie gefüllt werden, und das einigermaßen plausibel. Also behaupte ich aufgrund einer Urkunde aus Stadt A, dass zwanzig Jahre später in Stadt B in einer entsprechenden Situation genauso vorgegangen wurde. Das wird mir ein History-Nerd sicherlich um die Ohren hauen. Wenn er dann eine passendere Quelle angeben kann, umso besser, dann habe ich eine heiße Spur für meinen nächsten Roman.
Letzten Endes entscheidet trotz allem die Autorin, welche Art von Welt sie in ihrem Roman haben möchte. Genau wie heute verschiedene Leute das Zeitgeschehen unterschiedlich betrachten, gibt es auch eine Vielzahl von möglichen Bewertungen der Vergangenheit.

Und jetzt gehe ich weiter über das Ablasswesen im 14. Jahrhundert recherchieren …

Bild: gemeinfrei

Weltenbau – Über Prognosen

Zur Leipziger Buchmesse habe ich auf meiner Facebook-Seite ein paar Worte verloren. Aus einem Gespräch, das dort nicht erwähnt ist, habe ich ein hartnäckiges Plotküken mit nach Hause genommen. Es ging nämlich um die aktuelle Ausschreibung des Eridanus-Verlags.

Zukunft statt Vergangenheit

SF lese ich zwar mitunter ganz gern, beim Schreiben ist das eher nicht mein Genre. Zu diesem speziellen Thema spukt mir allerdings schon länger eine halbgare Idee im Kopf herum. Es wird keine Space Opera, sondern spielt in naher Zukunft in Deutschland. Da muss ich meine Lieblings-Weltenbau-Methode, die auf historischen Kuriositäten beruht, abwandeln.

Also versuche ich, von aktuellen Kuriositäten auszugehen. Von denen gibt es glücklicherweise genug, und seit ich an dieser Idee wieder aktiv herumdenke, kommt immer wieder Brauchbares vorbeigeschwommen.

Weltenbau - Über Prognosen

BlessU-2 bei der Weltausstellung Reformation in Wittenberg 2017

Wie entwickelt sich die Welt weiter?

Aber dann beginnt der schwierigere Teil: Ich muss eine halbwegs glaubhafte zukünftige Welt extrapolieren. Ich habe nicht vor, morgen die Außerirdischen landen zu lassen oder übermorgen eine weltumspannende Katastrophe auszulösen. Gesellschaft und Technik sollen sich in erwartbarem Rahmen weiterentwickeln. Meine Heldin wird wohl in den Nachrichten von der einen oder anderen untergehenden Insel hören oder mit Wetterkapriolen zu tun bekommen, auch wenn die Küsten in Europa noch weitgehend dort sind, wo sie waren.

Technik und Gesellschaft

Die Apparate, die in meiner Geschichte auftauchen, brauche ich zum Glück nicht funktionsfähig nachzubauen, nicht einmal zu bedienen. Möglicherweise komme ich sogar ohne allzu detaillierte Beschreibungen aus. Trotzdem muss ich irgendwo definiert haben, was alles möglich ist und was nicht. Wie sehen die Gesetze aus, die dazu passen? Vielleicht passen sie auch gar nicht und die Gesetzgebung hängt den technischen Möglichkeiten meilenweit hinterher. So etwas soll ja vorkommen.

Vermutlich sind auch nicht alle Menschen bzw. Organisationen mit Gerät der neuesten Generation ausgestattet. Das könnte zum Beispiel am Geld liegen. Vermögen und Besitz werden in meiner Geschichte ohnehin eine große Rolle spielen, also halte ich Ausschau nach Theorien, wie diese in Zukunft verteilt sein könnten, und suche mir die passendste heraus. Es wird wohl in die Richtung gehen: „Wer da hat, [der] wird gegeben, und [sie] wird die Fülle haben.“

Trotz SF und techniklastiger Ausschreibung bin ich doch wieder bei gesellschaftlichen Fragen angekommen, denen ich nachrecherchiere und die mich auf Ideen bringen. Wahrscheinlich wird auch KI-Musik eine Rolle spielen und die Frage nach echtem Essen auftauchen – schließlich ist es meine Geschichte.

Bild-Info: BlessU-2, Foto Jörn via Das Nord-Süd-Gefälle; CC-BY-SA 4.0-Lizenz

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