La Ballade

Geschichten und Musik

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Weltenbau – Über Spiele

Hier in der Nähe bahnt sich ein größeres Spiele-Event – inklusive Meisterschaftsfinale – an, deshalb gibt es heute einen Weltenbau-Artikel zu diesem Thema.

Weltenbau und Spiele

Inspiration aus Aventurien …

Im Gegensatz zu Essen oder Musik, die vor allem innerhalb der Welt eine Bedeutung haben, können Spiele auch von außen her Einfluss nehmen. Seit mindestens dreißig Jahren gibt es Fantasy-Rollenspiele, anfangs Pen & Paper, später elektronisch. Viele Autor*innen des Genres haben Spielrunden geleitet bzw. tun das immer noch, andere zocken online oder entwickeln Computerspiele. Da bleibt es kaum aus, dass die Spielwelten gewisse Auswirkungen auf die Romanwelten haben – sei es durch Anspielungen, Parodien oder direkte Gegenentwürfe, von mehr oder weniger bewussten Übernahmen ganz zu schweigen.

Die Welt, in der Die Göttin der Helden spielt, verdankt ihre Existenz einer DSA-Parodie, die zu einer Ausschreibung der Story-Olympiade entstand: Kann man die intensive Buchführung rund um die Entwicklung aventurischer Held*innen in eine Romanwelt übertragen? Wie könnte das aussehen? Mehrere Geschichtenfragmente und zahlreiche Eingebungen aus anderen Quellen später beschreibe ich jetzt sozusagen die Anfänge der Abenteuer-Bürokratie. Ich habe zwar gewisse Vorstellungen, wie sich das weiter entwickeln könnte, aber vielleicht stellt sich beim Schreiben auch heraus, dass das System nicht wie gedacht funktioniert. Dann schrumpft der kulturelle Einfluss aus Aventurien eben wieder.

… und aus einer ganz anderen Ecke

Ein zweites Spiel, das diese Welt nachhaltig beeinflusst hat, ist für das Genre eher untypisch. Vor einigen Jahren habe ich den „historischen“ Ableger eines Computerspiels aus der Ecke Mädchen – Pferde – Abenteuer übersetzt. Es ging dabei um eine Sammelqueste einmal rund um die Erde im frühen 21. Jahrhundert. Dieses Grundgerüst habe ich für meinen NaNoWriMo-Roman in dem betreffenden Jahr in die Welt der Regenbogengötter und auf einen technisch nicht ganz so fortgeschrittenen Stand versetzt. (Im Vergleich zu Die Göttin der Helden sind wir trotzdem mehrere Jahrhunderte weiter.) Dadurch, dass die Geschichte eben in allen Teilen der Welt spielte, habe ich eine Menge über diese und ihre Bewohner erfahren, was ich jetzt gut gebrauchen kann. Also – ein Hoch auf rosa Halfter und Turnierschleifen.

Was spielen unsere Helden?

Jetzt zur anderen Seite, Spiele innerhalb der Welt. Schach ist eine beliebte Vorlage für allerlei fantastische Spiele, ebenso Glücksspiele. Dabei eignen sich die Schach-Derivate eher als gesellschaftliche Etiketten und Elemente zur Figurencharakterisierung. Es kommt selten vor, dass die taktischen Feinheiten oder die kulturellen Aspekte solcher Spiele bis ins Detail ausgeführt werden. Das Spielmaterial, die Regeln und Konventionen dazu so zu präsentieren, dass das Ganze zur Spannung beiträgt, wird umso schwieriger, je geringer die Parallelen zum terranischen Vorbild sind.

Als Gegenbeispiel kann Die Spiegel von Kettlewood Hall dienen. Da steht ein Schachspiel im engeren Sinn im Mittelpunkt der Handlung, inklusive einer Regel, die genau im richtigen Jahr offiziell eingeführt wurde. Das geht, weil der Roman in England spielt und echte Schach-Nerds – und auch alle anderen misstrauischen Leser*innen – diese Entwicklung nachprüfen können. In einer Fantasy-Welt sähe das viel stärker nach Willkür der Autorin aus, die sich die Regeln zurechtschnitzt, wie sie sie gerade braucht.

Mehr Glück, als die Polizei erlaubt

Glücksspiele sind meist weniger kompliziert und deshalb leichter nachvollziehbar, auch wenn man die Einzelheiten nicht kennt. Entsprechend lassen sie sich einfacher handlungsrelevant einbauen. Sie bieten außerdem Konfliktpotenzial, zum Beispiel durch Falschspiel oder gewagte Einsätze. Spielschulden können die Figuren zu allerlei Taten motivieren, die den Plot voranbringen. Die Ambivalenz, dass die Obrigkeit das Glücksspiel einerseits reglementiert bis verbietet und andererseits daran verdient, reicht mindestens bis ins Mittelalter zurück. Auch mit diesem Aspekt kann man in einer Fantasy-Welt für Komplikationen sorgen.

Ich muss zugeben, dass „spielen“ in meinen Fantasy-Welten bisher mehr mit „Instrumente spielen“, notfalls noch „Theater spielen“ zu tun hatte. Höchste Zeit, das zu ändern. In Die Göttin der Helden gibt es da eine Figur, die sich als Spieler eignet, und die eine oder andere Gelegenheit für ein Lebendschach – wie auch immer die Regeln dazu aussehen werden. Außerdem müssen die Mittel für ein großes Bauvorhaben aufgebracht werden. Da wäre vielleicht eine Lotterie angebracht …

Literatur

  • Bornet, Philippe, und Maya Burger. Religions in Play – Games, Rituals, and Virtual Worlds. Pano Verlag, 2012.
  • Birkhan, Helmut. Spielendes Mittelalter. Böhlau Verlag, 2018.

Bild: DerRaoul über Wikipedia, CC-BY-SA 3.0

Weltenbau – Ein Beispiel

Um mal wieder die Kurve zum Weltenbau zu kriegen, folgt hier eine kurze Rezension eines meiner Meinung nach gelungenen Beispiels: Der letzte Winter der ersten Stadt von Rafaela Creydt.

Verschiedene Kulturen

In dem Roman spielt das Zusammentreffen zweier verschiedener Kulturen eine große Rolle, die beide sinnvoll ausgearbeitet sind, ohne dass terranische Parallelen beim Lesen sofort ins Gesicht springen. Beides sind menschliche Kulturen, fantasy-typische oder auch untypische „Fremdrassen“ treten nicht auf. Vorurteile hegen die Efoni und Tagoren gegeneinander, da braucht es weder Orks noch Elfen.

Die beiden Völker haben eine gemeinsame Geschichte mit Krieg, Eroberung, Widerstand und Zusammenraufen in unterschiedlicher Ausprägung. Kaiserhaus (Tagora) und Königshaus (Efon) sind miteinander verwandt/verschwägert und intrigieren eifrig zum Wohl der einen oder anderen Seite. Wobei dahingestellt ist, welche Seite das sein könnte und wie viele überhaupt im Spiel sind. Was die gewöhnlichen Bürger davon halten, deren Leben nachhaltig davon beeinflusst wird, steht nochmal auf einem anderen Blatt. Oder genauer auf mehreren anderen Blättern, denn natürlich sind unterschiedliche Gruppen unterschiedlich betroffen. Also ganz, wie man es aus der terranischen Geschichte kennt.

Exotische Früchte oder Grütze?

Ein Punkt, in dem sich die Kulturen erkennbar unterscheiden, ist das Essen. Krai, die Hauptfigur, hat unter anderem die Aufgabe, die Königin zu verpflegen. Auf Staatsbesuch am Kaiserhof stößt er dabei auf Schwierigkeiten von der Beschaffung der Zutaten bis zum Unverständnis des Küchenpersonals und überhaupt der höfischen Organisation.

Gesang für höhere Mächte

Mehr Gemeinsamkeit kommt bei der Musik auf. Die Efoni ziehen in der tagorischen Hauptstadt Atai mit Trommeln, Flöten und Zimbeln ein, die Königin tanzt zu den gleichen Instrumenten. Später verschwinden die Zimbeln, Trommeln begleiten den allgemeinen Tanz am hohen Feiertag Ana gebiert die Welt, dazwischen erklingen Flöten. Im Großen und Ganzen wird zu diesem Tanz jedoch gesungen, nämlich das Lied der Sterne, das auch jeden Morgen die aufgehende Sonne begrüßt. Ebenso singt Krai, um sich mit den Geistern zu verständigen.

Nach Aussagen des Verlags und der Autorin spielt der Roman in derselben Welt wie Die Stadt am Kreuz – übrigens auch sehr empfehlenswert. Beim Lesen fällt das nicht besonders auf. Die Bücher können ohne Weiteres alleine stehen. Auch das spricht in meinen Augen für einen gelungenen Weltenbau. Weit von einander entfernte Regionen und verschiedene Epochen müssen sich nicht unbedingt berühren, beim typischen Stand der Technik von Fantasy-Welten wäre eher das Gegenteil erstaunlich.

Noch zwei Zitate zum Abschluss:
Neschka: „Wir sind alle mehr als ein Mensch, in uns drin, oder nicht?“

Krai: „Solange wir den gleichen Weg gehen, willst du mir vorwerfen, wenn ich tanze und ihr marschiert?“

Weltenbau – Über Essen

Standesgemäß ist in der Reihe Weltenbau jetzt mein nächstes großes Thema dran, echtes Essen. Ähnlich wie bei den Musikinstrumenten besteht auch hier wieder die Neigung zu Shmeerps. Dazu kommt allerdings eine naturwissenschaftliche Komplikation: Kann ich etwas, das nicht biologisch-genetisch als Solanum tuberosum zu identifizieren ist, Kartoffel nennen? Möglicherweise ist das für Hard-SF-Schreiber*innen ein größeres Problem als in der Fantasy. Dort schnappt eher die aus dem historischen Regal bekannte „Ritterkartoffel“-Falle zu. „Damals“ gab es in Mitteleuropa noch keine Kartoffeln, und das ist bekanntlich das Maß aller Dinge, auch für Fantasy-Welten.

Weltenbau Essen

Spezialität aus einer anderen Welt

Ohne Essen geht es nicht

Ist Essen denn überhaupt so spannend, dass sich solche Überlegungen lohnen? Muss in einem Fantasy-Abenteuer wirklich detailliert aufgeführt werden, was es bei Heldens zum Frühstück gibt? Ausgefeilte Kochrezepte, die sich mit dem Angebot eines hiesigen Supermarkts und der üblichen Kücheneinrichtung ohnehin schwer nachkochen lassen, sind vielleicht wirklich nicht dringend nötig. Es gibt allerdings auch praxistaugliche Fantasy-Kochbücher, Nanny Ogg’s Cookbook oder einiges aus dem Zauberfeder-Verlag.

Aber das ist schon der nächste Schritt. Hier soll es erst einmal um die Geschichte gehen. Und ja, Essen kann spannend sein und direkte Auswirkungen im Abenteuer haben – von der Held*innengruppe, die sich unterwegs verpflegen muss, bis zur kräftigen Sauce, die den Geschmack eines Giftes verdecken soll. Ob am Ende wirklich alles in Butter ist, wenn beim traditionellen Festmahl unter der Eiche eine gewisse Person nicht mitfeiert?

Entspannt genießen

Andererseits braucht eine gute Geschichte auch mal Entspannung. Die Held*innen haben ein Zwischenziel erreicht, sind – wahrscheinlich – in Sicherheit und können sich – vorübergehend – wohlfühlen. Dazu gehört eine entsprechende Mahlzeit. Und während man die regionalen Spezialitäten genießt, kann man sich wunderbar unterhalten, Informationen einholen, Gerüchte ausstreuen, Leute kennenlernen, etc.

Hier kommt ein weiterer Punkt ins Spiel, wenn die Welt aus mehr als Kulissen besteht. Warum ist genau dieses Gericht die regionale Spezialität? Wie würde die Palastküche diese blassgelbe Knolle zubereiten? Wissen die Held*innen überhaupt, was sie da essen, und wie reagieren sie darauf?

Am Essen hängt eine Menge kultureller Hintergrund. Es kann nicht nur den gesellschaftlichen Status in einer übersichtlichen Gemeinschaft widerspiegeln, sondern auch weiträumige wirtschaftliche und politische Beziehungen. Wer baut wo die erwähnten Knollen an und wer kontrolliert den Handel damit? In der Welt der Regenbogengötter könnte die Knolle wegen ihrer schönen gelben Farbe dem Herrn des Streites heilig und umgekehrt bei den Anhängern des blauen Hauses verpönt sein. Die züchten dann eben ihre eigene Sorte …

Weltenbau Essen 2

Die heilige Knolle des blauen Hauses

Weltenreise mit Eintopf

Das Problem ist, solche Informationen einigermaßen kurz und schmerzlos einzuarbeiten. Spielt das Abenteuer im Deutschland des frühen 21. Jahrhunderts, machen Schlagwörter wie „vegan“ oder „halal“ ziemlich viel klar – wenn auch bei unterschiedlichen Leser*innen ziemlich Unterschiedliches. Mir ist bisher noch kein kulinarisch-fantastisches Äquivalent begegnet, das in drei, vier Buchstaben die richtige kulturelle Ladung von einer Welt in die andere transportiert. Das einzige Gericht, das offenbar in allen denkbaren Romanwelten serviert wird, ist „undefinierbarer Eintopf“. Die Aufgabe besteht also darin, ihn zu definieren.

In Die Göttin der Helden habe ich mit Rineke eine wichtige Figur, die in einem Gasthaus aufgewachsen ist. Ihr werden die Eigentümlichkeiten der Küche(n) unterwegs gewiss auffallen, wenn sie ins große Abenteuer aufbricht, und sie wird beim Kommentieren kein Blatt vor den Mund nehmen. Jetzt muss ich nur noch etwas in der Speisekammer haben, was sie denn kommentieren und mit dem „guten, richtigen“ Essen zu Hause vergleichen kann. Dazu werde ich mich mal in die angegebene Literatur und meine Sammlung diverser Kochbücher mit Rezepten aus diversen Jahrhunderten und Gegenden vertiefen und probieren, was sich davon verwenden lässt.

Literatur:

Fotos (beide CC BY-SA 3.0):

  • oben: Kartoffelsalat aus Pellkartoffeln, Heiner Otterstedt
  • unten: Blue Salad Potato, MarkusHagenlocher via Wikipedia

Puffin-Zweisamkeit

Puffin-Zweisamkeit

Ich habe einen Liebesroman gelesen. Das ist nicht gerade mein üblicher Lesestoff, ich bin normalerweise eher auf der Suche nach Abenteuern. Da schleichen sich in letzter Zeit auch ständig Liebesgeschichten ein … aber dazu bei anderer Gelegenheit mehr.

Diesen Roman – Das Glück ist einen Flügelschlag entfernt von Stefanie Lahme – habe ich nicht durch einen unbedachten Facebook-Kommentar gewonnen, sondern ich wollte ihn lesen, weil mir die Fantasy-Romane der Autorin (Leanne Porter) gefallen. Außerdem spielt die Geschichte in Irland und der auf dem Cover zu sehende Puffin taucht im Roman tatsächlich auf.

Ich würde sagen, Experiment gelungen. Für mich waren das einige Stunden Lesevergnügen mit einem sympathischen, durchaus kantigen Pärchen. Die Heldin macht jedenfalls den Eindruck, als ob sie auch nach dem obligatorischen „Kriegen“ nicht in seinem Schatten verschwinden wird.

Das tragische Schicksal, das in letzter Zeit immer mal herhalten muss, damit die beiden sich nicht spätestens auf Seite zehn kriegen, kommt recht gedämpft daher. Es gibt heldenhafte Einsätze, ohne gleich die Welt zu retten, aber keine Sexszenen. Dafür jede Menge Alkohol, Diddeldididdeldi, ausgewogene Ernährung zwischen Pub Grub und Selbstverpflegung im Hostel, Wetter und Wolkentheater aller Art. Irland halt.

Inwiefern der Roman routinierten Liebesroman-Leser*innen zusagt, kann ich nicht beurteilen. Ich empfehle ihn jedenfalls als herzerwärmendes Lesefutter für Irland-Fans.

Das Korrektorat hat sich vornehm zurückgehalten, was aber wohl vor allem eingefleischten Erbsenzähler*innen auffällt.

Die 600+ Seiten, die tatsächlich zum Roman gehören, sind gut angelegt. Ob die anschließende Leseprobe für ein Buch einer anderen Autorin wirklich so lang ausfallen müsste, erscheint mir dagegen fraglich. Es könnte einfach damit zusammenhängen, dass Platz im E-Book nicht wirklich kostet.

Foto: Atlantic Puffin at Latrabjarg, Iceland von Aconcagua via Wikipedia, Cc-by-sa-3.0

Weltenbau – Über Musik

Musik spielt in vielen phantastischen Welten eine große Rolle. Manche entstehen sogar erst, indem die zuständige Schöpfergottheit singt bzw. spielt. Das tun die Regenbogenleute nicht, die landen eines Tages auf der fertigen Welt Derevindia und machen sich dort breit. Wenn es so weit ist, liegt die Musik auf der Grenze zwischen dem blauen und dem Indigo-Haus.

Mehrere Jahrtausende Musikgeschichte

Aber natürlich wurde in Derevindia schon vorher gesungen und gespielt. In den alten Zeiten, als die Drachenreiterin die Orks vor dem drohenden Ende der Welt warnte, gab es die Mondaresse von Sulihah, eine Schule für Künstlerinnen. Dort wurden unter anderem Sängerinnen und Spielerinnen eleganter, langhalsiger Zupfinstrumente unterrichtet. Da ich aus diese Zeit bisher noch nicht mal ein Viertel Abenteuer geschrieben habe, kann ich darüber auch kaum etwas erzählen. Vielleicht wird Der Schlüssel zum Abenteuer eines Tages fertig, dann kommen auch die Mondaresse und ihre Schülerinnen zu Ehren.

Mehrere Tausend Jahre später ist Gorja, die Hauptfigur in Die Göttin der Helden, eine Musikerin aus dem fahrenden Volk der Danzy. Sie spielt eine Art Laute und hat eine sehr spezielle Stimme.

Shmeerps

Wie „eine Art Laute“ und die „eleganten, langhalsigen Zupfinstrumente“ zeigen, sind Musikinstrumente die idealen Kandidaten für Shmeerps. Das bezieht sich auf einen Ausspruch, der dem amerikanischen SF-Autor James Blish zugeschrieben wird: Wenn das Wesen aussieht wie ein Kaninchen und sich verhält wie ein Kaninchen, wird es nicht dadurch zum Alien, dass man es Shmeerp nennt.

Nun wurden auf dieser unserer Welt im Laufe der Jahrtausende schon eine Menge Musikinstrumente erfunden, mit einem Namen versehen, weiterentwickelt, von anderen Kulturen übernommen, auf ferne Kontinente exportiert und zwischendrin immer mal wieder mit einem neuen Namen versehen. Die Wahrscheinlichkeit ist also recht gering, dass mir ein völlig neues Instrument einfällt, das sich auch noch sinnvoll in seine Roman-Umgebung einfügt. Selbst das Brontosaurophon gibt es schon.

Ich statte also meine Figuren mit Instrumenten aus, die (ähnlich) bei Hornbostel und Sachs beschrieben und benannt sind. Wenn ich dafür einen neuen Namen erfinde, habe ich ein Shmeerp. Verwende ich den Namen, der unter Terranern dafür gebräuchlich ist, hole ich mir damit ein Päckchen Kultur in die Geschichte, und muss mir überlegen, ob es das richtige ist.

Weltenbau - Musik

Es könnte sich hier um ein Shmeerp handeln

Wie soll es denn nun heißen?

Nehmen wir an, Gorjas Laute sei dreieckig und habe zudem drei Saiten. Wenn ich das Gerät „Laute“ nenne, fällt das Wort beim Lesen nicht auf, das Aussehen gerät in Vergessenheit und stört, wenn es später doch einmal erwähnt wird. Schreibe ich stattdessen „Balalaika“, werden viele nicht nur beim ersten Lesen darüber stolpern und eventuell nach weiteren Russland-Klischees Ausschau halten. Die sind aber nicht vorgesehen.

Also wird es wahrscheinlich doch ein Shmeerp, mit der Erklärung, dass die Danzy eben solche Instrumente und folglich einen Namen dafür haben, die Sesshaften dagegen nicht. Damit habe ich die Sesshaften als „die Normalen“ definiert, nach deren Standards der Rest der Welt einsortiert wird. Das ist ganz nützlich, um sich beim Lesen in der Romanwelt zu orientieren, aber es muss nicht immer so sein.

Jetzt habe ich eine Menge Wörter über diesen einen Punkt zum Thema Musik und Weltenbau verloren und von vielen anderen noch gar nicht angefangen. Auf die werde ich wohl noch zurückkommen, sei es bei diesem Projekt oder bei anderen, die neue Perspektiven auf das Thema mit sich bringen.

Bild: Wilhelm Amandus Beer, Russischer Knabe mit Balalaika

Weltenbau – Über Orks

Beim PAN-Branchentreffen geht es dieses Jahr um Weltenbau. Das nehme ich zum Anlass, mir über den einen oder anderen Punkt zu diesem ziemlich vielseitigen Thema Gedanken zu machen. Als Beispiel verwende ich die Welt, in der Die Göttin der Helden spielt (erscheint voraussichtlich im Dezember 2019). Die wächst seit über zehn Jahren vor sich hin, entwickelt mit Inspirationen aus allerlei Quellen eine umfangreiche Geschichte und ist gerade dabei, mit Waypoint FiftyNine ins All aufzubrechen.

Aber zurück zu den Anfängen.

So könnten Orks aussehen

Ich weiß nicht, wie seriös die Zuordnung dieses Bildes zur Überschrift „Ork“ ist, der Gute sieht „meinen“ Orks allerdings ähnlicher als die meisten Standard-Fantasy-Abbildungen zum Thema; Quelle: Wikipedia

Über Orks

Ein Markenzeichen der Fantasy sind die „Völker“, die sich auf den einschlägigen Welten tummeln. Nicht auf allen natürlich, und ich bin selbst eher zurückhaltend, wenn es um den Einsatz von Elfen, Zwergen und dergleichen geht. Allermindestens kriegen sie neue Namen, und das führt in der Regel dazu, dass sich das ganze Volk vom klassischen Vorbild wegentwickelt. Was meistens sinnvoll ist. Warum habe ich also auf der oben erwähnten Welt trotzdem Orks herumfliegen?

Es lebe das Klischee

Vor vielen Jahren habe ich eine Fantasy-Kurzgeschichte geschrieben, die dann auch veröffentlicht wurde (erinnert sich noch jemand an INTRAG?). Als Aufhänger hatte ich ein rotes Stoffnilpferd und das Thema der Ausschreibung, Traumland. Meine Hauptfigur träumte also von einer unbekannten Welt, in der sie als große Heldin alle Abenteuer besteht. Sie war mit einer etwas begriffsstutzigen einheimischen Drachenreiterin unterwegs, um die wichtigen Leute dieser Welt vor der herannahenden Katastrophe zu warnen. Die Drachenreiterin – wie gesagt, etwas begriffsstutzig – wollte auch eine Horde primitiver Unsympathen warnen.

Wie mache ich als Autorin kurz und schmerzlos diesen kulturellen Hintergrund klar? Ich lasse die Drachenreiterin zu „den Orks“ fliegen.

Damit wusste ich also, dass es die in der besagten Welt gibt, neben allerlei anderen Völkern und Organisationen mit coolen Namen. Ich bin allerdings nicht davon ausgegangen, dass die Sache noch größere Formen annimmt.

Andockmanöver der Welten

Lange Zeit tat sich auf dieser Welt nichts, dann wollte ich einen Anlauf zum Hohlbein-Preis nehmen. Zu diesem Zweck nahm ich mir ein Buch vor, das ich als Jugendliche gern gelesen habe, und machte mich daran, es in einen Fantasy-Roman umzuarbeiten (beginnend mit: „Ich unterziehe die Hälfte der Belegschaft einer Geschlechtsumwandlung“ – aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden). Dazu gehörte für mein Empfinden eine Portion Magie, und damit sich das Ganze noch in etwa wie die Vorlage anfühlte, bekamen meine HeldInnen ein Fluggerät, das Teil eines weltweiten Verkehrssystems war.

Unterweges sollte einer der strahlenden Helden zeigen, wie vorurteilsfrei er doch ist. Also brauche ich wieder einen Instant-Unsympathen – einen Ork. Der tauchte diesmal an einem internationalen Flughafen auf und ein Mitarbeiter dort machte sich darüber lustig, dass die Pelzviecher doch eigentlich zum Mond wollten, das aber nicht schafften.

Die noch nicht näher definierte Welt hatte nun also nicht nur Orks, sondern fliegende Orks mit Mondfahrt-Programm. Wie gesagt gehe ich mit Fantasy-Völkern eher sparsam um. Deshalb war es nicht mehr weit zu der Erkenntnis, dass das neue Abenteuer wohl in der Welt des „Traumlands“ spielt, nur ein paar Tausend Jahre später. Der eine pelzige Flieger hat mir also ein ganzes Paket an Vor- und Frühgeschichte sowie eine Organisation mit coolem Namen angeliefert.

Weg von den Instant-Schurken

Jetzt arbeite ich an Die Göttin der Helden. Chronologisch liegt dieses Abenteuer zwischen der Drachenreiterin und dem Ork-Flieger. Ein langjähriger Krieg zwischen den Orks und den benachbarten Menschen ist gerade zu Ende gegangen, verschiedene Interessengruppen machen sich daran, die Welt neu zu sortieren. In dieser Situation bekommen die Orks mehr Raum – sie heißen aber immer noch so, es sei denn, mir fällt ein guter eigensprachlicher Name ein – und es wird vermutlich klar, wie sie zu ihrem Ruf als primitive Unsympathen gekommen sind. Wie berechtigt er ist, und wie viel sympathischer und zivilisierter die Menschen sind, bleibt abzuwarten.

Der Mond und die dazugehörige Göttin spielen bereits eine große Rolle. Wahrscheinlich wird es auch um die Ursprünge des Mondfahrprogramms gehen. An die wichtigen Leute und die Organisation mit coolem Namen denkt in ihrer Welt inzwischen niemand mehr.

Vor ein paar Jahren entstand im NaNoWriMo ein weiteres Romanprojekt mit einem Ork als Helden. Der fliegt zwar nicht, sondern er singt, hat aber immer noch mit vergleichbaren Vorurteilen zu kämpfen wie seine beiden Vorgänger. Eventuell tritt er demnächst in diesem Theater in einem Artikel zu den Musikern seiner Welt auf.

Aufbruch ins neue Jahr

Die Sternsinger waren da, die Weihnachtspause ist beendet. Es wird Zeit, ins neue Jahr aufzubrechen.

In meiner Übersetzerwerkstatt hat sich schon das erste größere Projekt für dieses Jahr eingefunden: ein Computerspiel, in dem wieder einmal tapfere Helden ausziehen, um ihre Welt zu retten. Der aktuelle Abschnitt ist recht dialoglastig und es gibt eine Handlung, die über Monster plätten, Truhen öffnen und bombastische Spielwerte einkassieren hinausgeht. So macht das Spaß.

Aufbruch ins neue Jahr mit Buntspecht und Anton

Wer trifft wen wo und wann?

Außerdem überarbeite ich gerade einen meiner Romane vom vergangenen November, Buntspecht und Anton – siehe Bild. Der Text hat zur Zeit etwas mehr als 50.000 Wörter. Etliches davon ist gut zu wissen, trägt aber nicht unbedingt zur Geschichte bei und kann daher verschwinden. Dafür sind ein paar Szenen neu zu schreiben, um das Ganze mit einem Anfang und dem dazu passenden Schluss zu versehen. Eigentlich sollte die Überarbeitung schon im Dezember fertig werden, jetzt peile ich Ende Januar an.

Danach ist wieder eine Veröffentlichung bei BOD vorzubereiten, nämlich Das Erbe des Horst Stroh, eine fantastische Kurzgeschichte mit Einhorn, Blumenfeen und Bagger. Ich überlege, ob ich sie eventuell auch als Print anbieten soll. Geplanter Erscheinungstermin ist der 1. März.

Im März und April tun sich noch weitere interessante Dinge, sowohl literarisch als auch musikalisch – siehe Terminkalender. Da der Anmeldeschluss näher rückt, weise ich besonders auf die Renaissancemusikwoche an Ostern hin. In diesem Jahr findet sie in der Karwoche statt, mit Kursen für Streicher und Bläser.

Damit neben dem Überarbeiten das Schreiben nicht zu kurz kommt, gibt es eine neue Ausschreibung des Leseratten-Verlags: „Waypoint Fifty-Nine – die schrägste Kneipe der Galaxis“. Herausgeber sind Jörg Fuchs Alameda und Günther Kienle. Wer nicht sofort ein passendes Plotküken einfangen kann, hat noch ein wenig Zeit: Einsendeschluss ist erst der 31. Dezember 2019.

Weihnachtsbücher

Weihnachtsbücher

Das war die Buchausbeute an Weihnachten 2018. Der E-Reader enthält außerdem noch Feuerschwingen von Sabrina Železný, Abominable Science! – Origins of the Yeti, Nessie, and Other Famous Cryptids von Daniel Lockston/Donald R. Prothero, The Bullet Journal Method von Ryder Carroll sowie meine Jahresbestellung bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft.

Dieser Lesestoff reicht vermutlich bis zur Leipziger Buchmesse.

Neuerscheinung: Fantasy-Roman Silberschimmer

Fantasy-Roman Silberschimmer

Im Oktober hatte ich es optimistisch für Anfang Dezember angekündigt, jetzt es es tatsächlich so weit: Es gibt etwas Neues von mir zu lesen. Seit heute ist bei BOD mein Fantasy-Roman Silberschimmer als E-Book erhältlich, für zwei Wochen zum Sonderpreis.

Die Geschichte ist ursprünglich für eine Ausschreibung entstanden, mit freundlicher Unterstützung einer Plotgruppe im Tintenzirkel. Seitdem hat sie allerlei Wendungen genommen, angefangen damit, dass meine adligen Herrschaften unbedingt mit dem Schießgewehr auf die Jagd gehen wollten statt mit der Armbrust. Der Held musste ein paar Tausend Kilometer nach Osten umziehen, die Heldin auf einige Verehrer verzichten und dafür sonderbare Vorfahren in Kauf nehmen.

Außerdem hat sich ein Trupp junger Katzen in den Vordergrund gespielt, denn nur Katzen können problemlos zwischen den Welten wandern. Wenn Menschen das versuchen, kann es zu Nebenwirkungen kommen. Für die Menschen steht einiges auf dem Spiel, deshalb tun sie es trotzdem …

Aber es wird nicht nur geschossen, sondern auch gesungen und getanzt. Es gibt Pizza und Weizengrütze, zum Trinken nicht nur hausgemachte Limonade.

Und jetzt lade ich alle ein, mit auf die Reise nach Arraon zu gehen.

 

 

 

 

Lebenszeichen

Diese Woche erstmals eine Auftragsanfrage erkennbar über diesen Blog gekommen, für eine nette kleine Übersetzung aus dem Niederländischen. Da werden Kindheitserinnerungen wach … Das nehme ich zum Anlass, wieder aus der Versenkung aufzutauchen.

Außerdem ist der NaNoWriMo beendet. Der hat mir zwei nicht ganz fertige Rohfassung eingebracht, zum einen für den Katzenroman Nr. 2, inzwischen mit dem Arbeitstitel „Anton“, und zum anderen für einen All-Age-Fantasyroman (Arbeitstitel „Ida“), der bei näherem Hinsehen doch nicht für eine Agenturbewerbung taugt. „Anton“ ist zum Überarbeiten im Dezember vorgesehen.

NaNoWriMo-Sieger 2018

2 x. 50.000 Wörter in 30 Tagen

Drittens ist morgen der 1. Advent, es wird also Zeit, einen Adventskalender zu starten. Nein, ich werde nicht täglich fragen, ob Advent nun „Ankunft“, „Abfahrt“ oder „Fahrplan“ bedeutet, dafür Kontaktdaten sammeln und zweifelhafte Goodies verlosen. Es gibt eine Fortstezungs-Kurzgeschichte und dazwischen allerlei anderes, was mit Advent und Weihnachten zu tun hat.

Hier ist Türchen 1.

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