Geschichten und Musik

Kategorie: Geschichten Seite 1 von 14

Es geht weiter

Nach einem Monat Pause geht es wieder weiter. Ich habe einiges an der Technik verändert und mich einigermaßen daran gewöhnt. Ein neues Theme, das mir gefällt, habe ich aber immer noch nicht gefunden. Also bleibt es bei diesem. Ansonsten steht im Buchrevier ein Beitrag, der mir genau aus dem Herzen spricht.

Es geht weiterDas erste Kochbuch von diesem Jahr und das zweite aus dem vergangenen sind erschienen – siehe Bild. Am zweiten für dieses Jahr arbeite ich gerade, zur Abwechslung in OmegaT. Wenn die 100.000 Wörter verarbeitet sind, werde ich mich wohl mit den Feinheiten angefreundet haben. Das Werk fällt ein bisschen umfangreicher aus als gedacht, deshalb läuft daneben nicht allzu viel – keine Spiele und ziemlich wenig Text für hier.

Geschichten gibt es aber trotzdem bald wieder. Schließlich steht noch dreimal “optimistischer Eskapismus” aus.

Ebenso laufen, wie schon erwähnt, die Vorbereitungen zum NaNoWriMo. Der spielt sich sowieso online ab, der wird auch dieses Jahr nicht ausfallen. Ich habe zu diesem Anlass einen Plot entwickelt und verschenkt, im Gegenzug habe ich einen von einer freundlichen Mitschreiberin bekommen. Ein beachtlicher Teil davon wird Alternate History. Um daraus etwas Ansprechendes zu machen, recherchiere ich gerade zum Thema schottische Geschichte ab etwa 1700. Historische Landkarten werden eine Rolle spielen und ein Naturschutzgebiet. Über dessen potenzielle Bewohner muss ich mich auch noch schlau machen. Und hoffen, dass im November wieder genug Energie zum Schreiben da ist, denn das geht zur Zeit eher schleppend voran.

Geplant war einmal, im August und September einen High-Fantasy-Roman zu überarbeiten und für die Veröffentlichung im Oktober fertig zu machen. Damit hänge ich jetzt ungefähr bei der Hälfte des Textes in einer Reihe von Plotlöchern fest. Kaum denke ich, ich habe eins gestopft, tut sich das nächste auf. Das dauert also noch ein bisschen. Ich hoffe, dass ich damit im Dezember herauskommen kann.

Für Oktober wird es jetzt noch einmal eine Kurzgeschichte, wenn alles klappt. Die wird nicht bei BoD erscheinen, sondern bei anderen Anbietern, und ich bin noch am Sortieren, wie eine praktische Kombination aussehen könnte.

Es gibt allerdings jetzt schon etwas Neues zum Lesen: Mein Katzenabenteuer Buntspecht und Anton ist jetzt offiziell erschienen und – elektronisch oder gedruckt – in der Buchhandlung des Vertrauens erhältlich. Eine Leseprobe gibt es hier.

Es geht weiter

Leseprobe – Buntspecht und Anton 3

Hier kommt die Fortsetzung der Leseprobe zu meinem Katzenabenteuer „Buntspecht und Anton“, von dem schon das eine oder andere Mal die Rede war. Es erscheint demnächst im Machandel Verlag (ISBN 978-3-95959-205-5; wer mag, kann die Buchhandlung des Vertrauens schon einmal darauf ansetzen). Die Heldin beendet hiermit ihren ersten Auftritt.

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Leseprobe Buntspecht und AntonDa legte sich die schmutziggraue Katze mit den sonderbaren Auswüchsen quer ins Bild und schaute Steffi herausfordernd an. Steffi hob beschwichtigend die Hände und gab sich Mühe, an nichts zu denken, denn mit Denken hatte sie bei früheren Spirit-Reisen schlechte Erfahrungen gemacht. Sie betrachtete weiterhin unverwandt den Fremden, der inzwischen wieder sein Jo-Jo kreisen ließ.

Nein, das war kein Jo-Jo, das war eine Spindel. Der Mann mit den grünen Augen produzierte ein kleines Knäuel Wolle. Je länger der Faden wurde, desto blasser und durchscheinender sah der Mann aus. Nur die Hütte im Hintergrund blieb solide wie bisher. Steffi fühlte sich rücklings über den Weg geschoben, bis zurück auf ihren Platz am Fuß des Hinkelsteins.

Steffis Kopf schwamm. Bilder flossen an ihr vorüber, alles schien sich zu drehen, immer langsamer, wie ein Kreisel, der gleich umkippen wird. Aber er kippte nicht, er legte sich sanft auf die Seite.

Sie war der Kreisel.

* * *

Der Boden unter ihr war hart und kalt und roch nach Wald. Aber war da nicht ein Mann gewesen? Widerwillig hob sie den Kopf.

Nein, kein Mann.

Leiser Wind strich durch das Geäst. Steffi merkte, wie steif sie geworden war. Es wurde Zeit, aufzustehen und zu gehen. Mühsam rappelte sie sich auf und sammelte ihre Gedanken wenigstens so weit, dass sie das Ritual ordentlich abschließen konnte. Es fiel ihr schwer, und sie spürte keine Energie im Kreis, die sie mit dem Rauch hätte wegwedeln können.

Über ihr, in der Krone der Eiche, krächzte ein Vogel. Viel zu tief für einen Eichelhäher, wohl eher eine Krähe. Sie schaute hinauf. Auch nicht. Mit dem großen weißen Fleck an der Seite konnte es nur eine Elster sein.

E N D E

dieser Leseprobe. Möglicherweise bekommt vor dem Erscheinungstermin noch eine andere Figur ihren Auftritt. Alles Weitere ist im fertigen Buch nachzulesen

Leseprobe – Buntspecht und Anton 2

Hier kommt die Fortsetzung der Leseprobe zu meinem Katzenabenteuer „Buntspecht und Anton“, von dem schon das eine oder andere Mal die Rede war. Es erscheint demnächst im Machandel Verlag (ISBN 978-3-95959-205-5; wer mag, kann die Buchhandlung des Vertrauens schon einmal darauf ansetzen). Die Heldin hat hier ihren ersten Auftritt.

* * *

Leseprobe Buntspecht und AntonSteffi erwartete, dass die Ahnin sich zeigen und sie hinausführen würde. Aber vergeblich. Stattdessen saß ihr plötzlich eine schwarze Katze gegenüber und sah sie lauernd an.

Sollte dieses Tier sie heute abholen und in die Spirit-Welt führen?

Die Katze streckte sich und ging davon. Steffi folgte ihr. Es sah fast so aus, als ob das Tier einen kleinen Höcker hätte und mit Fell überzogene Hörner auf dem Kopf. War das überhaupt eine Katze? Wenn nicht, was war es denn?

Egal, nachdenken konnte sie später. Jetzt hieß es sehen und erleben.

Die Katze mit Höcker führte sie weder nach unten noch nach oben. Oder gab es in der Spirit-Welt auch so einen Buchenwald wie im realen Leben, mit breitem Schotterweg? Da stand sogar die sechseckige Schutzhütte mit rundum geschlossenen Läden und dem Schild „Grüner Baum – Ableger“ über der Tür.

Auf einem der Granitbrocken vor der Hütte saß ein Mann mit langen schwarzen Haaren und Bart. Auch sein Gesicht war dunkel verschmiert, als ob er sich ein Blackface geschminkt und es nicht ordentlich wieder abgewaschen hätte. Sein Mantel war wohl ebenfalls früher rein schwarz gewesen, hatte aber in letzter Zeit sehr gelitten. Aus vielen Löchern quoll helle Wolle. Nicht einmal Flicken saßen darauf. Eine Waffe konnte Steffi nicht entdecken. Er schien ihre Anwesenheit gar nicht zu bemerken, denn er konzentrierte sich auf das Jo-Jo, das vor ihm trudelte. Oder was immer das genau war.

Steffi lächelte betont, breitete die Hände aus und ging langsam auf die Erscheinung zu, wie auf ein Tier, das sie nicht erschrecken wollte. Als sie den Fuß auf die erste Stufe setzte, die zur Hütte hinaufführte, hob der Mann den Kopf. Er hielt sein Spielzeug an und gönnte seinerseits Steffi ein sparsames Lächeln.

Er hatte unglaublich grüne Augen.

Sie sah ihn wie gebannt an und prägte sich sein Aussehen genau ein. Hoffte sie jedenfalls. Wie sollte sie ihn sonst im Alltag wiederfinden?

* * *

Fortsetzung folgt

Leseprobe – Buntspecht und Anton

Nach einigen Tagen Pause gibt es wieder etwas zum Lesen: eine Leseprobe aus meinem Katzenabenteuer „Buntspecht und Anton“, von dem schon das eine oder andere Mal die Rede war. Es erscheint demnächst im Machandel Verlag (ISBN 978-3-95959-205-5; wer mag, kann die Buchhandlung des Vertrauens schon einmal darauf ansetzen). Es folgt der erste Auftritt der Heldin.

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Leseprobe Buntspecht und Anton

Maria Lichtmess fiel in diesem Jahr auf einen Freitag, und laut Mondkalender war sogar noch Vollmond. Für den Zauber, den Steffi vorhatte, sollte das reichen. Sie hatte ein paar Tage frei und beschloss, dass es höchste Zeit war, die Outdoor-Ritualsaison zu beginnen.

Sie zog sich warm an, packte die Trommel und die anderen Utensilien ein und machte sich auf den Weg in den Wald, zum Standing Stone. So nannte ihn zwar niemand in der Gegend, weil die Leute das gar nicht aussprechen konnten, aber Hinkelstein klang in Steffis Ohren zu sehr nach gallischem Dorf. Der über zwei Meter hohe, etwa anderthalb Meter breite Granitbrocken stand ein wenig abseits vom Weg. Hinter Bäumen und Gestrüpp sah man ihn kaum, Spaziergänger ließen ihn deshalb links liegen. Also konnte Steffi an seinem Fuß, zwischen Hasel und Eberesche und Eibe, in aller Ruhe ihre Rituale feiern. Eine Eiche in der Nähe bot die meiste Zeit des Jahres einen kräftigen Ast als Dach an. Der ideale Rahmen.

Heute wollte sie den Mann für dieses Jahr zu sich rufen, bei Gefallen auch für länger. Unterwegs überlegte sie, wer oder was ihr dabei helfen könnte. Vielleicht eine ihrer Ahninnen, die der Inquisition ein Schnippchen hatten schlagen können – weil sie eben wussten, was sie taten. Von denen gab es in ihrer Familie mehrere, und eine von ihnen hatte Steffi schon bei einer Spirit-Reise getroffen.

Sie räumte den kleinen Ritualplatz vor dem Hinkelstein auf. Der Wind in den letzten Tagen war wohl doch stärker gewesen, als es jenseits des Wohnzimmerfensters ausgesehen hatte. Schon auf dem Weg hatten teilweise recht kräftige Äste gelegen, hier war sogar eine dünne Birke umgeknickt. Anschließend baute Steffi Schneeglöckchen, Kerzen, Wasserschale und Räucherung auf. Sie rief die Himmelsrichtungen und die Elemente an, setzte sich mit dem Rücken zum Stein und begann ihre Meditation. Den Weg in jene Welt, in der die Ahnin und ihre Spirit Guides auf sie warteten, war sie schon einige Male gegangen. Sie konzentrierte sich und wollte diesem Pfad folgen, aber etwas hielt sie in ihrem Kreis fest.

* * *

Fortsetzung folgt.

Vorbereitungen zum NaNoWriMo

(Gestern muss ich wohl beim virtuellen Früschoppen gelumpt haben, deshalb kam da nichts mehr. Jetzt ist das Burgfest vorbei, also geht es auch wieder weiter.) Es ist August, also wird es höchste Zeit, Vorbereitungen für ein Event im November zu treffen, den diesjährigen NaNoWriMo. Diese Veranstaltung war schon immer größtenteils virtuell, deshalb fallen keine Corona-bedingten Änderungen an. Am 1. November um 0.00 Uhr fällt der Startschuss, bis zum 30. um 24.00 Uhr sind 50.000 Wörter an einem Roman zu schreiben.

Wo kommen die Ideen her?

Das macht umso mehr Spaß, wenn man mit ein paar Gleichgesinnten unterwegs ist und sich gegenseitig anfeuern oder die halbgaren Ideen im großen gemeinsamen Kessel fertig auskochen kann. In einer solchen Gruppe lautet die aktuelle Aufgabe, sich gegenseitig die Bausteine für eine Geschichte zu schenken. Bis Ende August soll dieses grobe Konzept fertig sein. Deshalb fahnde ich nach Ideen.

In den vergangenen Jahren habe ich oft Ideen für meine November-Romane aus Übersetzungsprojekten entwickelt. Da kämen bisher in Frage: indische Küche, eine schnelle Rundreise durch etwa tausend Jahre terranische Geschichte oder eine Welt, in der schon der zweite Evil Overlord erfolgreich beseitigt wurde. Davon springt mich noch nichts so richtig an, aber ich kann anfangen, über das eine oder andere systematisch nachzudenken.

Damit daraus eine lebendige Geschichte wird, kann ein zufälliges Element ganz nützlich sein. Ein Artikel aus der Lokalzeitung zum Beispiel (über einen verschwundenen Pinguin) oder eine der unerwünschten Werbeanzeigen, die einen im Netz von allen Seiten nerven. Vor ein paar Jahren bin ich da auf ein silbern funkelndes Saxofon und eine Ansammlung von rosalila Disney-Prinzessinnen gestoßen. Das habe ich mit den Quinoa-Rezepten des damals anliegenden Kochbuchs gemixt und habe ein Portal-Fantasy-Abenteuer herausbekommen.

Wenn auch das noch nicht genügt, hilft das MP3-Orakel weiter. Man schreibe sich einige Fragen zum angepeilten Plot und den dazugehörigen Figuren auf, schalte den Player auf zufällige Wiedergabe und interpretiere die laufenden Titel als Antwort auf die Fragen. Da kommt es allerdings auf die Vielfalt der Playlist an. In meiner steckt recht viel Mittelalterliches, und daher tritt in mehr als einem meiner November-Romane die Jungfrau Maria auf. Aussagekräftige Titel wie „Allegro“ oder „Menuett“ sind auch nur begrenzt hilfreich.

All diese gesammelten Elemente kann ich dann einmal aufkochen und in die Kochkiste packen. Da kann es ungestört vor sich hin garen, bis es gebraucht wird.

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 13

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 13 und Schluss der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11 und 12.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

„Setz dich doch zu uns und iss etwas“, sagte einer der Männer am Lagerfeuer, „wir helfen dir dann, deinen Schatz weiter zu tragen. Wo muss er denn hin?“

„Zur Blackwater Bridge.“

„Ah, interessant. Wusstest du, dass dort ein Leprechaun wohnen soll? Pass auf, sonst verwandelt er dein Plastik hier noch in echtes Gold! Wobei … der Kerl scheint ziemlich faul zu sein, schon seit Ewigkeiten hat ihn keiner mehr gesehen. Die Bridge ist ein tolles Versteck!“

Ha, da hatte ich ja nochmal Glück gehabt. Nicht nur, dass ich mir noch einmal kostenlos den Bauch vollschlagen durfte, nein, die Kerle waren auch noch so nett, mir den Topf abzunehmen und ihn die ganze Strecke bis zur Blackwater Bridge zu tragen!

Dort verabschiedeten sie sich, ohne irgend etwas als Gegenleistung zu erbitten. Wenn die wüssten, was sie da getragen hatten! Zu viel Ale schien sich also genau wie deutsches Bier negativ auf die geistigen Aktivitäten auszuwirken.

Als ich wieder alleine unter der Brücke stand, erschien der Leprechaun mit einem lauten Knallen vor mir. Er taumelte leicht, ich hatte also recht gehabt mit der Pub-Theorie.

„Ah, da bisse ja. Und mein´ Schatz hasse auch mitgebracht. Suppa!“, lallte er.

Na toll, der Kerl war ja tatsächlich sturzbetrunken!

„Werd erstmal nüchtern, du Saufnase. Ja, ich hab deinen Schatz zurück geholt. Bedank dich aber auch bei den Meermenschen, die haben schließlich geholfen. Und hör mit der Sauferei auf, die Menschen glauben schon, du seist nicht mehr im Geschäft“, fuhr ich ihn an.

Er salutierte. „Jawoll, Madamchen!“

Er taumelte, hob seinen Zeigefinger und betrachtete ihn eine Weile. Der Finger schien ihm zu gefallen, denn er fing an, damit Kreise in die Luft zu malen. Dabei murmelte er unverständlich vor sich hin.

Ich bekam Ohrensausen, mir wurde schwindelig.

Plötzlich machte der Kobold „Oh!“, drückte mir mein Fell in die Hand, danach vollführte er weitere merkwürdige Bewegungen mit seinem Finger.

Mir wurde immer schwummriger vor Augen, ich konnte kaum noch klar sehen.

Ein leise gerülpstes „Danke“ wehte mir entgegen, dann verschwanden Brücke und Kobold vor meinen Augen.

Ich schüttelte den Kopf.

Vor mir stand mein Mann und schaute mich entgeistert an. „Geht es dir gut? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen! Dein Eis tropft, pass auf.“

Ich schaute an mir herab. In der linken Hand hielt ich mein Eis, an meinem Arm glänzte das Armband der Meermenschen. Über dem rechten Arm hing ein graubrauner Pulli, die Farbe eines Robbenfells. Mein Mann musterte mich kritisch, ihm schien jedoch nichts aufzufallen.

„Was meinst du? Sollen wir nächste Woche noch einmal den Sasae tsurikomi ashi im Training üben oder wieder zum O Goshi zurückkehren. Unsere Erwachsenen könnten mal eine Auffrischungskur gebrauchen.“ Judo, immer noch.

Ich war wieder zu Hause.

E N D E

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 12

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 12 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 und 11.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

Einer der Männer blieb zurück, dankte mir für alles und übergab mir ein kleines Geschenk seines Königs: ein Armband aus Silber, an dem kleine Anhänger baumelten. Ein Bettelarmband! Er erklärte mir, das Armband sei magisch, seine Kräfte würde ich mit der Zeit jedoch selbst ergründen. Dann winkte er mir zu und verschwand in den Tiefen der Bucht.

Ich packte mein Fell in den Topf und begann, ihn am Flussufer entlang zur Brücke zu schleifen.

In der Nähe hörte ich Stimmen, die sich auf Englisch unterhielten. Da sie das Wort „Nessie“ erwähnten, ging ich davon aus, dass sie den wenig glamourösen Abgang des schrecklichen Prinzen bemerkt hatten. Was trieben sich aber auch so viele Menschen an dieser Bucht herum!

Der Weg zurück zur Blackwater Bridge schien endlos zu sein, dieser verflixte Topf war ziemlich schwer und der Leprechaun, der ihn vermutlich mit einem Fingerschnippsen transportieren könnte, ließ sich nirgends blicken. Der war bestimmt wieder in einem Pub und genoss ein kühles Ale.

Die Nacht verschwand langsam, die Sonne ging auf, und ich war noch immer unterwegs mit diesem dämlichen Goldtopf. Da hörte ich plötzlich ein Rascheln und Lachen in den Hecken vor mir. Tatsächlich tauchten dort ein paar junge Männer auf, die wohl in der Nähe zelteten. Sie hatten ein Feuer gemacht und brieten Würstchen an langen Stöcken,umringt von leeren Ale-Flaschen.

Natürlich bemerkten sie mich sehr schnell und riefen mir Dinge auf Gälisch entgegen.

Ich antwortete nicht, schließlich hatte ich nur Kauderwelsch verstanden. Sie versuchten es erneut, diesmal auf Englisch. „Na, schöne Frau, was hast du denn vor?“

Schöne Frau, von wegen.

Die Männer erhoben sich, kamen näher und untersuchten mein klobiges Gepäckstück. „Was hast du denn mit dem Haufen Plastikmünzen vor?“, fragten sie mich.

Plastik? Ich lugte in den Topf. Nein, kein Plastik. Na, wenn sie das nicht erkannten –

„Ich … äh… bin Touristen-Guide. Aus … Deutschland. Ich … äh … mache eine Art Suche, die Gruppe muss diesen Schatz finden. Aber nun muss ich weiter. Dürfte ich bitte mal durch?“ Etwas besseres fiel mir auf die Schnelle nicht ein.

Aber es schien zu funktionieren, die Männer nickten wissend.

* * *

Fortsetzung folgt.

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 11

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 11 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 und 10.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

Geraume Zeit später kam ein Diener herbei gelaufen. Er verkündete voller Stolz, der Schatz des Leprechauns sei wieder aufgetaucht, der Prinz jedoch sei schon wieder verschwunden. Der König nickte müde mit dem Kopf. Danach straffte er sich jedoch und traf eine Entscheidung.

„Du kannst das Gold nicht transportieren, wenn du dein Fell trägst, du brauchst deine Flossen zum Steuern. Ich werde dir eine Leibgarde mitgeben, wenn du zurück an Land möchtest. Nur den letzten Abschnitt am Fluss musst du alleine schaffen, im Süßwasser können wir nicht schwimmen. Außerdem wird der Fluss zu flach, man könnte deine Begleiter sehen. Ist das in Ordnung?“

Ich bejahte. So gut es mir auch in Atlantis gefiel, mir fehlte der Wind, die Sonne, die Erde. Und ganz langsam machte ich mir auch Sorgen um mein Zuhause… Wie lange war ich nun eigentlich schon fort? Mein Mann würde mich bestimmt auch gerne einmal wieder sehen.

Also beschloss ich, unverzüglich aufzubrechen. Der König begleitete mich höchstpersönlich zurück zu dem Becken, in dem ich angekommen war.

Dort warteten schon die Meermenschen auf uns, die mich hergebracht hatten.

Zwischen ihnen stand ein großer, gusseiserner Topf, der fast bis zum Rand mit goldenen Münzen gefüllt war. Das war also der Schatz, den ich so eifrig gesucht hatte. Ich verabschiedete mich vom König und von der Stadt Atlantis, stieg in mein Fell, das schon für mich bereit lag, und stürzte mich ins Wasser. Meine Begleiter, die gemeinsam den Schatz trugen, folgten mir.

Die Rückreise durch den Kenmare River dauerte keineswegs so lange wie die ursprüngliche Suche, denn diesmal hatte ich ortskundige Führer, die mich schnell zum Ausgangspunkt meiner Reise brachten.

An der Mündung des Flusses, der mich zurück zur Brücke und zu meinem Koboldfreund bringen würde, rollte ich mich wenig elegant ans Ufer. Es war stockdunkel, der Mond ging gerade hinter den Hügeln Irlands auf.

Die Meermenschen saßen am Ufer, ihre langen Flossen trieben in der Strömung. Zwischen ihnen stand der Topf voller Gold. Er war wirklich riesig. Und er schwankte. Plötzlich kam die Oberfläche der Goldmünzen in Bewegung, ein Kopf erschien über dem Rand des Gefäßes. Der Prinz von Atlantis!

Der Rotzlöffel hatte sich im Topf versteckt! Alle erschraken fürchterlich. Nur ich reagierte blitzschnell. An den Ohren hob ich den Kleinen aus seinem Versteck und übergab ihn den Meermenschen.

Diese packten ihn an beiden Händen, während er sich vehement sträubte, und zogen ihn laut platschend zurück ins Meer.

* * *

Fortsetzung folgt.

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 10

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 10 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 und 9.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

„Entschuldigung?“, ertönte eine zaghafte Stimme an der Tür, die noch immer am Boden herum plätscherte. Ein kleines Mädchen streckte den Kopf herein. „Eure Majestät, ich glaube, ich weiß, wo das Gold ist. Euer Sohn hat uns allen Süßigkeiten geschenkt. Ich glaube, er hat es dem Zuckerbäcker der Unterstadt überlassen.“

Gequält stöhnte der König auf: „Ja, das sieht ihm ähnlich. Kannst du einen Diener des Palasts hinführen? Ich bezahle die Unkosten, aber wir brauchen das Gold zurück.“ Das Mädchen nickte und verschwand.

„Ich schätze, es wird einige Zeit dauern, bis meine Männer das Gold aufgetrieben haben. Kann ich währenddessen etwas für dich tun? Hast du Hunger oder Durst? Darf ich dir unsere Stadt zeigen?“, fragte der Monarch.

Ich überlegte nicht lange und bat um einen kleinen Imbiss. Fast sofort wurde eine lange Tafel aufgebaut, auf der sich Speisen aller Art fanden: verschiedene Fischgerichte, Algengemüse, aber auch Dinge, die mir bekannt vorkamen, etwa Nudeln, die mit einem rötlichen Gewürz bestäubt waren, Klöße und allerlei mehr. Das war nicht ganz das, was ich unter einem Imbiss verstand. Ich probierte von verschiedenen Speisen, bis ich satt war, vom Wein und den anderen alkoholischen Getränken ließ ich aber die Finger. Stattdessen trank ich Wasser, das erstaunlicherweise süß war. Auf meine Frage, was nun mit all dem Essen geschehe, lachte der König nur: „Warte ab, das verkommt schon nicht.“

Tatsächlich stromerten die Kinder, die ich im Palast gesehen hatte, zum Tisch und holten sich ihren Teil. Eifrige Diener sammelten schnell die verschiedenen Getränke ein, bevor sie sich auch noch über den Wein und Ähnliches hermachen konnten.

Der König führte mich hinaus und zeigte mir Teile der Stadt. Er ließ sich auch über technische und magische Details aus, die ich mir allerdings nicht merken konnte, das klang sehr kompliziert. Stattdessen sog ich die Farben in mich auf und schwor, dieses Erlebnis nie zu vergessen.

* * *

 

Fortsetzung folgt.

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 9

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 9 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

Unwillkürlich entschlüpfte mir: „Naja, der Leprechaun ist auch nicht gerade das, was ich freundlich nennen würde. Ihn zu verärgern ist nicht schwer, er selbst gibt sich ja auch nicht gerade Mühe, nett zu sein.“

Diese Worte zauberten das Lächeln zurück auf des Königs Lippen. „Das habe ich schon gehört. Dennoch ist er einer der heimischen Schutzgeister, die uns Zuflucht gewährt haben. Das können wir nicht einfach so schamlos ausnutzen.“

Lautes Geschrei ertönte jenseits der Tür. Diese schmolz wieder zu einer Pfütze, der Diener erschien mit einem zappelnden Paket auf der Schulter. Er schwankte beim Gehen, seine Last schien sich mit aller Gewalt gegen ihn zu wehren. Erleichtert verbeugte er sich und ließ das Paket auf den Boden herab, wo es auf eigenen Füßen zu stehen kam.

Tatsächlich handelte es sich bei dem verschnürten Ding um ein Kind! Ein kleiner Junge mit zornesrotem Gesicht, der sich wand und fürchterlich schimpfte. „Mach mich los, du ausgetrockneter Stinkfisch! Ich befehle es dir! Du Wurm am Angelhaken des Poseidon! Ich werde dich an der Schwanzflosse aufhängen lassen!“

„Genug!“, donnerte der König.

Sogar ich erschrak.

* * *

Der Junge hörte auf zu zetern und wandte sich, so grazil es mit den Fesseln ging, zu uns um. „War das dein Befehl? Musst du mich fesseln lassen, vor all meinen Freunden? Das ist entwürdigend! Nimm mir die Fesseln ab!“, forderte der Dreikäsehoch. Der Kleine wusste ja ganz genau, was er wollte. Ich war fasziniert.

„Halt den Mund. Die Fesseln werden schon nötig gewesen sein. Du benimmst dich ja immer wie ein zorniger Igelfisch.“ Der König klatschte in die Hände, woraufhin die Fesseln zu einer Pfütze schmolzen, die sich am Boden sammelte. „Sohn, hast du dem Leprechaun von Blackwater einen Goldtopf gestohlen?“

Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Das sollte der Prinz von Atlantis sein? Dieses zornige Kind? Faszinierend.

Der kleine Rotzlöffel fragte keck: „Und wenn es so wäre? Der grüne Knilch ist ein Fiesling! Ich kann ihn nicht leiden. Er soll an seinen Ohren gehängt werden!“ Mit verschränkten Armen stand er da und stellte Forderungen, der hatte vielleicht Nerven!

„Antworte. Hast du dich von Breitschnabel zur Blackwater Bridge bringen lassen und das Gold des Leprechauns gestohlen?“, fragte der König mit einem scharfen Unterton. „Du weißt genau, wie die Regeln lauten. Das geht nicht! Und über deine … Freundschaft zu diesem dahergelaufenen, räuberischen Pelikan werden wir auch noch ein Wörtchen reden müssen! Sich in seinem Schnabel herumfliegen lassen und anderer Leute Eigentum stehlen. Wie kannst du es nur wagen? Wo hast du das Gold versteckt? Sag es mir!“

Der Prinz ballte die Fäuste, stampfte mit dem Fuß auf und schrie mit rotem Kopf: „Vergiss es!“ Danach drehte er sich um und rannte zur Tür hinaus, die sich nur mit Mühe rechtzeitig verflüchtigen konnte.

Der König seufzte: „Kinder… eine wahre Landplage.“

* * *

Fortsetzung folgt.

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

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