Geschichten und Musik

Kategorie: Geschichten Seite 2 von 15

Lesestoff – Dämlich, aber froh 9

Es folgt die nächste Portion Lesestoff, “Dämlich, aber froh”, Teil 9 der phantastischen Kurzgeschichte mit ausgiebiger Eiersuche. Hier geht es zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7 und Teil 8.

Lesestoff - Dämlich, aber froh

Endlich bekam Harry sein Ersatzhuhn und tauschte es früh am nächsten Morgen, bevor er zur Arbeit ging, gegen die Henne mit den angeschnittenen Schwanzspitzen aus. Die brachte er in den vorbereiteten Schlag im Keller. Dort leuchtete eine Tageslichtlampe genau entsprechend dem Sonnenauf- und untergang, es gab Stroh, Erde zum Scharren und frisches Unkraut. Das Huhn gackerte aufgeregt und zappelte, als Harry es bei Kraftfutter und Wasser absetzte.

* * *

Kaum stieg er nach der Arbeit aus dem Auto, kam Emel auf ihn zu. Das war günstig, denn er wollte ihr gern für die restlichen zwei Wochen Hühnerhaltung das Eier ausheben übertragen. Er hatte das nicht mehr nötig.

„Mit Sophie stimmt was nicht“, sagte sie. So hieß eine der Marans-Hennen im Flyer von Rent-a-Chicken. Ohne die Markierung am Schwanz hätte Harry sie nie von ihrer Kollegin Fleur unterscheiden können.

In der Tat herrschte Aufruhr im Hühnervolk. Eine braune Henne wollte zum Futtertrog, die anderen hackten sie weg.

„Hat vielleicht mit dem falschen Hahn geflirtet“, sagte Harry.

„Mit welchem Hahn?“ Emel sah ihn an, als zweifelte sie an seinem Verstand.

„Oder sie hat sich auf der Stange so breit gemacht, dass die anderen runtergefallen sind.“

„Da war schon vor ein paar Tagen was an ihren Schwanzfedern. Ich glaub, die anderen mobben sie. Wir müssen was unternehmen.“

„Aha.“ Warum sah dieses Kind so genau hin? Mädchen in ihrem Alter sollten Make-up-Videos anschauen, nicht huehnerhaltung.org lesen. Er wechselte das Thema. „Andere Frage: Kannst du für den Rest der Zeit das Eier ausheben übernehmen? Wir haben jetzt eine Baustelle in Neustadt, da muss ich länger fahren …“

Emel zuckte die Schultern. „Meinetwegen. Aber erst mal brauchen wir ein Stück Zaun, noch einen Futter- und einen Wassertrog.“

„Warum das denn?“

„Damit wir Sophie von den anderen trennen können.“

„Aha“, sagte Harry wieder. „Da fragst du am besten Herrn Wels. Der kann das mit der Vermietungsfirma klären …“

Gezeter aus dem Hühnergehege. Drei weiße Hennen und eine braune jagten die andere braune quer durchs Karree.

„Die sind nicht zu Hause.“ Emel machte Hundeaugen. „Können Sie die Sachen nicht holen? Der Baumarkt hat doch bestimmt noch auf.“

„Ich schau mal, was sich machen lässt.“ Als stellvertretender Mistwart und kommissarischer Eierbeauftragter war Harry für Einkäufe nicht zuständig. Über die musste Dieter entscheiden.

Emel hielt ihm einen Geldschein hin. „Reicht das? Wenn nicht, geb ich Ihnen den Rest später.“

Für einen Moment blieb Harry der Mund offen stehen. „Bestimmt“, sagte er dann. „Ich zieh mich nur noch schnell um.“

Er warf auch einen kurzen Blick in Sophies Gehege im Keller. Anscheinend saß sie in ihrem Häuschen, sie sagte ab und zu „gack“. Das klang recht zufrieden, und Harry freute sich auf den stetigen Nachschub an goldenen Eiern.

Im Raiffeisenmarkt wusste er jetzt, durch welche Türen er gehen musste, um nicht in das Reptilienhaus oder die Freiflughalle zu kommen. Der Mann, den er dort bei seinem letzten Besuch aufgeweckt hatte, erkannte ihn trotzdem wieder. „Aha“, sagte er, als er Harrys Einkäufe scannte, „die Hühnerschar wächst. Ist doch ein schönes Hobby.“

Harry lieferte das bestellte Material ab und ging endgültig nach Hause. Er hörte noch eine Weile, wie Emel ihre Geschwister beim Hühnerpferch-Umbau herumkommandierte.

* * *

Als er am nächsten Abend nach Hause kam, lag in Sophies Nest ein goldenes Ei. Sie stand stolz daneben, den Kopf schief gelegt, als ob sie fragen wollte: „Na, hab ich das nicht toll gemacht?“

„Doch“, sagte Harry und strich ihr übers Gefieder. Dann griff er nach dem Ei, und Sophie hackte nach seiner Hand. Nur ganz leicht, es blieb kaum ein Kratzer. Und sie schaute ihn wieder so fragend an.

„Nö“, sagte er. „Das find ich jetzt nicht so toll.“

Er holte das Ei trotzdem aus dem Nest und nahm es mit nach oben zur Küchenwaage. Es war ein schönes, dickes Ei. Vielleicht würde er noch ein paar Euro mehr dafür bekommen als für das vorhergehende.

In dieser Nacht war der Albtraum weniger schlimm. War es überhaupt einer? Zwar trug Harry zur Grillparty diesmal ein Hühnerkostüm, aber er konnte ungestört ein Bier trinken und sich dann zurückziehen. Er verkroch sich in eine Ecke, wo es dunkel war und warm. Immer kleiner wurde er an diesem gemütlichen Fleckchen. Seine Arme schrumpften, seine Hände zogen sich eng an den Oberkörper zurück. Seine Beine wurden kürzer und dünner. Aber irgendwie störte das alles gar nicht mehr. Er war dämlich, aber froh, und sagte „Gack.“

E N D E

Mehr Lesestoff gibt es hier. Ab morgen gibt es hier eine Leseprobe zu “Die Rooftop-Singers“.

Bild: Simon Meyer, foto-x.ch, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Dämlich, aber froh 8

Es folgt eine neue Portion Lesestoff, “Dämlich, aber froh”, Teil 8 der phantastischen Kurzgeschichte mit ausgiebiger Eiersuche. Hier geht es zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6 und Teil 7.

Lesestoff - Dämlich, aber froh

In der jüngeren Tante Schröder hatte er sich nicht getäuscht. Drei Tage lang hob sie die Eier aus und verteilte sie auf die vier Haushalte. Dann traf sie Harry bemüht zufällig an seiner Garage, als er von der Arbeit kam.

„Ich hätt da mal ne Frage …“

„Ja?“

„Könnten Sie die nächsten paar Tage für mich die Eier ausheben? Ich muss ins Krankenhaus …“

„Sie sehen ja, wann ich von der Arbeit komme. Wenn das um die Uhrzeit noch reicht …“

„Der Herr Wels hat das doch alles genau aufgeschrieben“, sagte sie. „Hat er Ihnen das nicht gegeben?“

„Doch, doch …“

„Einmal am Tag müssen die Eier ausgehoben werden, wenn die Hühner nicht mehr in den Nestern sind. Aber die sind ja draußen, solange es hell ist.“

„Ja, dann mach ich das. Ist ja nur für ein paar Tage.“

„Eben. Vielen Dank.“

Noch am gleichen Abend rief er den Marans-Züchter an, den er ausfindig gemacht hatte, und sagte ihm, dass er ein Huhn kaufen wollte, am besten sofort. Der alte Herr war gleich einverstanden und verlangte zwanzig Euro. Das schien ein wenig übertrieben und Harry handelte ihn auf siebzehn herunter. Sie vereinbarten einen Übergabetermin Anfang der nächsten Woche. Harry hielt sich mit dem Drängen zurück, der Mann sollte nicht zu lange darüber nachdenken, warum jemand unbedingt sofort ein Huhn brauchte und so viel Geld dafür ausgeben würde.

Als Harry am nächsten Tag die Eier verteilte, fragte Dieter ein wenig verstört: „Können Sie das eventuell noch weiter machen? Ich glaube, mit der Frau Minich wird das nichts mehr.“

„Warum?“, fragte Harry dagegen. So alt war die Frau noch gar nicht.

„Wahrscheinlich kann sie nicht mehr laufen nach der OP.“

„Ach so.“ Was hatte sie eigentlich für eine Krankheit? So genau hatte Harry bei ihrem Gejammer nie zugehört.

„Frau Schröder hat mich schon angesprochen, die beiden werden das ganze Haus umbauen müssen.“

Wenn es ähnlich aufgebaut war wie das, in dem Harry wohnte, dann auf jeden Fall. Es enthielt eine Menge unnötiger Stufen. „Mhm“, sagte er. Vielleicht erwartete Dieter, dass Harry gleich seine Hilfe beim Umbau anbot. Er hatte schließlich in dieser Nachbarschaft die meiste Erfahrung. Aber wenn es nach ihm ging, sollten sich die Tanten Schröder ruhig an seinen Chef wenden und ein seriöses Angebot einholen.

* * *

Fortsetzung folgt.

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Bild: Simon Meyer, foto-x.ch, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Dämlich, aber froh 7

Es folgt die nächste Portion Lesestoff, “Dämlich, aber froh”, Teil 7 der phantastischen Kurzgeschichte mit ausgiebiger Eiersuche. Hier geht es zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5 und Teil 6.

Lesestoff - Dämlich, aber froh

Eine Zeit lang ging es für Harry weder vor noch zurück. Gelegentlich träumte er von gegrilltem Huhn, Knochen, die ihn ersticken wollten, oder Kampfhähnen, die sich auf ihn stürzten. Der Wagen von Rent-a-Chicken blieb verschwunden. Harry verkaufte sein drittes Ei, und die neue Ladung Geld auf dem Konto motivierte ihn dazu, den Hühnerstall im Keller einzurichten. Nur so, falls sich doch wieder etwas tat.

* * *

Dann kam Dieter vorbei, der auf der gegenüberliegenden Seite des kleinen, struppigen Niemandslandes wohnte. Er war Lehrer im Ruhestand und konnte noch immer nicht aufhören, Leute zu beglücken. Anscheinend waren wieder einmal Diskussionen aufgekommen, was man mit dem verwahrlosten Grundstück machen und wer sich darum kümmern sollte, und Dieter hatte Rent-a-Chicken entdeckt.
„Das wär doch was für uns!“, erklärte er begeistert. „Wir können das erst mal vier Wochen ausprobieren, also, wie viel Arbeit das macht, was es kostet, so an Futter und allem, und wie wir mit den Eiern rauskommen.“ Er winkte mit einer Handvoll Flyer. „Da steht, was es kostet und wie die Konditionen sonst sind. Sie können sich das ja mal anschauen.“ Das klang, als warte er darauf, dass Harry sofort begeistert ja rief.
Er ließ sich aber nichts anmerken und fragte vorsichtig: „Was sagen denn die anderen dazu?“
Dieter beschrieb genau das, was Harry erwartet hatte. Familie Eraydın war einverstanden – die zwei jüngeren Kinder waren hinter jedem Getier her, das kleiner war als sie und sich herumjagen ließ. Die Tanten Schröder wollten sichergestellt haben, dass der Mist nicht stinken würde und sie regelmäßig ihre Eier bekommen würden.
Harry nahm einen Flyer in Empfang und sagte achselzuckend: „Meinetwegen.“
Wenig später kam Dieter noch einmal an die Haustür, um Harrys Anteil an der Hühnermiete zu kassieren. Er hatte außerdem einen schriftlichen Vertrag dabei, in dem geregelt war, wer für welche Aufgaben zuständig sein und wie viele Eier bekommen sollte. Dieter würde das Geld überweisen und insgesamt für Rent-a-Chicken als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
„Haben Sie schon einen Eierbeauftragten?“, fragte Harry. Notfalls würde er sich freiwillig melden.
„Das macht die Frau Minich.“
Harry musste kurz überlegen. Das war die jüngere Tante Schröder. Wahrscheinlich würde sie drei Tage durchhalten und dann Harry bitten, ihre Aufgabe zu übernehmen. Sie hätte Rückenschmerzen. Oder Kopfschmerzen. Vielleicht war sie auch allergisch gegen die Futterpellets.
„Dann ist ja alles geregelt …“
„Einen Mistwart könnten wir noch brauchen“, unterbrach Dieter und schaute Harry erwartungsvoll an.
Er schluckte. „Also, den Mistwartgehilfen würd ich machen.“
„Gut, dann notiere ich mir das mal.“ Dieter rückte seine Brille zurecht und malte Haken auf seine Liste. Von einem Gehilfen stand da vermutlich nichts.

* * *

Einige Tage später kam Harry von der Arbeit nach Hause und fand die Nachbarschaft vollzählig auf dem Niemandsland versammelt, rund um den grün lackierten Wagen von Rent-a-Chicken und einen Zaun aus Hühnerdraht. Die älteste Tochter der Familie Eraydın fotografierte und filmte eifrig.
Dieter kam auf ihn zu und zog wieder einmal eine Liste aus der Brusttasche seiner grünen Latzhose. „Wir haben einen Mistwart“, verkündete er. „Die Emel macht das. Ich find das toll, dass die sich so engagiert.“
„Ich auch“, sagte Harry. „Und wie gesagt, wenn sie mal eine Vertretung braucht …“

Nun hatte er sein Ziel buchstäblich vor der Haustür und konnte seinen Plan weiter ausarbeiten. Bei gerade einmal fünf Hühnern durfte er nicht einfach eins verschwinden lassen, wenn überhaupt das richtige dabei war und er es identifiziert hatte. Drei der Hennen hatten weißes Gefieder mit schwarzen Einsprengseln, die anderen beiden glänzten rostbraun. Harry identifizierte die beiden Rassen – Sussex und Marans – und suchte Züchter, von denen er schnell ein Huhn bekommen könnte, wenn es so weit war.

* * *

Fortsetzung folgt.

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Bild: Simon Meyer, foto-x.ch, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Dämlich, aber froh 6

Es folgt eine neue Portion Lesestoff, “Dämlich, aber froh”, Teil 6 der fantastischen Kurzgeschichte mit ausgiebiger Eiersuche. Hier geht es zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5.

Lesestoff - Dämlich, aber froh

Als er früh morgens zur Kita Sieben Zwerge kam, war der Bauwagen von Rent-a-Chicken verschwunden.

Harry fluchte. Jetzt hatte er gar keine Spur mehr, die er verfolgen konnte.

Bevor hier Betrieb aufkam und doch noch jemand den Beobachter im leicht abseits geparkten Auto für einen Pädophilen hielt, tat er, was er sonst immer um diese Uhrzeit tat, er fuhr zur Arbeit. War gestern Abend nicht auch eine Nachricht vom Chef gekommen, die er vor lauter, lauter gar nicht registriert hatte?

Doch, genau. Neue Baustelle, Bürogebäude, Fassade und Innenräume. Predrag wartete schon auf ihn.

Vor Ort ging Harry mit Predrag durchs Erdgeschoss, die Lage peilen. In einem der leeren Räume lag Stroh auf dem Boden. Harry trat einen Schritt auf die Stelle zu und sah sich um, wo es hergekommen sein könnte, da sprang ihm mit lautem Gackern ein Hahn ins Gesicht.

Er riss die Arme hoch, um das Tier abzuwehren, aber es ließ sich nicht beirren.

Hinter ihm schrie Predrag und fuchtelte mit einem Rührer. Bevor Harry mit seinen nackten Unterarmen den Hahn loswerden konnte, bekam er einen Schlag auf den Kopf und ging zu Boden. Der Hahn hackte noch nach ihm, als es um ihn herum dunkel wurde.

Predrag entschuldigte sich ausgiebig, als Harry wieder zu sich kam.

„Macht nichts“, versicherte der. „Habt ihr irgendwas herausgefunden, wo das Vieh überhaupt hergekommen ist?“

Predrag zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Aber das war ein Mordskoffer.“ Er zeigte mit den Händen, wie riesig der Hahn ausgesehen hatte.

In Harrys Erinnerung war er noch größer und schien zum Teil aus Flammen zu bestehen.

„Der Chef sagt, du kannst es langsam angehen lassen“, fuhr Predrag fort. „Wir sollen hier eh keine Überstunden machen …“ Er verzog das Gesicht. „Bloß rechtzeitig fertig werden, das sollen wir.“

„Wie immer.“ Wenn Harry jetzt wenigstens das nächste goldene Ei in Aussicht gehabt hätte, wäre der Schlag auf den Kopf leichter zu verschmerzen gewesen.

* * *

Fortsetzung folgt.

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Bild: Simon Meyer, foto-x.ch, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Dämlich, aber froh 5

Hier kommt die nächste Portion Lesestoff: “Dämlich, aber froh”, Teil 5 der fantastischen Kurzgeschichte mit ausgiebiger Eiersuche. Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4.

Lesestoff - Dämlich, aber froh

 

Harry hatte sich schon überlegt, wo er unauffällig ein Huhn unterbringen konnte. Der Raiffeisenmarkt hatte noch lange genug offen und auf Harrys Konto lag das nötige Kleingeld, das er jetzt in seine baldige Rente investieren wollte.

Er fand einen legalen Parkplatz oberhalb des Marktes und ging über eine Treppe am Ende einer langen Laderampe hinauf zur Ladentür. Sie glitt zur Seite und Harry stand in einer Art Streichelzoo – Käfige und Glasbecken mit Kaninchen, Meerschweinchen und anderen flauschigen Kleintieren. Es gab auch Aquarien mit bunten Fischen und Plastikpflanzen und eine größere Voliere mit Vögeln. Das sah alles mehr nach Hobby aus als nach ernstzunehmender Tierhaltung. Harry suchte also eine Tür, die zu den anderen Abteilungen führte. Leider war kein Mitarbeiter in der Nähe, den er hätte fragen können. Er ging einfach geradeaus und hoffte auf das Beste.

Bis der Fußboden Wellen bekam wie in einem Hundertwasserhaus. Und rundum sahen Wände und Einrichtung aus wie das Exotenhaus in einem Zoo – bis obenhin verglaste Räume, eingerichtet mit Holz, Steinen und vielen grünen Pflanzen, und darin saßen Tiere aller Art. Echsen vor allem und Schlangen, lauter Getier, das Harry lieber aus der Ferne betrachtete. Deshalb schaute er nicht allzu genau hin sondern suchte möglichst schnell den Ausgang.

Durch einen Schnürenvorhang gelangte er in eine Art Freifluganlage. War er hier am Ende doch im Zoo gelandet? Hier flatterten aber nicht nur Vögel, Riesenfledermäuse oder Schmetterlinge, wie man erwarten würde. Nein, da vorne auf dem Futterplatz ungefähr in Kopfhöhe saß eindeutig ein kleiner Drache.

An einen Baumstamm gelehnt ruhte ein Mitarbeiter im hellbraunen Kittel mit gesticktem Logo auf der Brust, einen Strohhut ins Gesicht gezogen, die Hände vor dem Bauch verschränkt.

„Hallo?“, sagte Harry.

Der Mann schreckte auf. „Was ist?“, fragte er schlaftrunken.

„Ich suche Hühnerfutter.“

„Äh … da gehen Sie am besten zum Herr Schwinn. Der kann Ihnen da alles zeigen.“

„Und wo finde ich den?“

Der Mann sagte nochmal „Äh“ und stand auf. „Ich zeigs Ihnen.“

Mit jedem Schritt, den Harry in der Freiflughalle hinter dem Verkäufer herging, wurde der Fußboden ebener. Kein Kiesweg mehr, keine Bäume. Bald stand er wieder zwischen Regalen, in denen Dünger und Gartengeräte lagen. Der Verkäufer zeigte auf einen Durchgang. „Gehn Sie da weiter, durch die Tür gibts Hühner- und Hasenfutter.“

Harry lud auf, was er brauchte, und machte sich aus dem Staub. Was war das eben gewesen?

In der Nacht träumte Harry wieder von der peinlichen Grillparty beim Chef, wo er diesmal im rosa Tutu aufschlug. Wieder bekam er nur Hähnchenbeine zu essen, und er wachte hustend auf, weil ihm ein Knochen im Hals steckte. Zum Glück nur ein Traumknochen.

* * *

Fortsetzung folgt.

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Bild: Simon Meyer, foto-x.ch, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Dämlich, aber froh 4

Es folgt eine neue Portion Lesestoff, “Dämlich, aber froh”, Teil 4 der fantastischen Kurzgeschichte mit ausgiebiger Eiersuche. Hier geht es zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

Lesestoff - Dämlich, aber froh

Das Radio kam ihm zu Hilfe. Zwischen dem Gedudel, mit dem Predrag und er sich die Arbeitszeit verkürzten, wunderte sich die Moderatorin über eine Firma namens „Miete ein Huhn“. Sie werde oft von Altenheimen oder Kitas nachgefragt. Im Altenheim weißten sie gerade, da war Rent-a-Chicken schon abgezogen. Harry würde sich ab sofort bei den Kindergärten der Umgebung auf die Lauer legen.

Bevor Harry morgens zur Arbeit ging, fuhr er bei den Einrichtungen vorbei, die ihm sein Navi anzeigte. Am dritten Tag entdeckte er den Wagen mit der bekannten Aufschrift zwischen Schaukel und Klettergerüst vor der Kita Sieben Zwerge. Sehr gut. Jetzt musste er nur noch seine Arbeit so organisieren, dass er die Anlage im Auge behalten konnte.

Weil er noch Urlaub übrig hatte und im Geist ohnehin schon an seiner Kündigung schrieb, nahm er ein paar Tage frei. Am Altenheim war sowieso nicht mehr viel zu tun. Von einer neuen Baustelle für die nächste Zeit hatte Harry noch nichts gehört.

Er legte sich bei der Kita auf die Lauer. Um nicht aufzufallen, wechselte er immer wieder den Standort. Wenn das Haus am frühen Abend verlassen war, stattete Harry dem Wagen und seiner Eierklappe einen Besuch ab.

Schon am zweiten Abend tat ihm eine der braunen Hennen den Gefallen und legte das erwartete goldene Ei. Harry steckte es schnell ein. Dann verfolgte er das Huhn, und als er es zu fassen bekam, schnitt er von zwei Schwanzfedern die Spitzen ab.

„Was machen Sie denn da?“, fragte eine Frauenstimme.

„Ich?“ Harry drehte sich um. „Äh, ich dachte, die Fassade da … ich bin nämlich Handwerker, wissen Sie … da müsste man mal was machen …“

Die Frau zog die Augenbrauen hoch. „So? Und was hat das …?“

„Sie können sich ja mal mit dem Chef in Verbindung setzen“, quatschte Harry weiter. „Moment, ich hab auch einen Flyer …“ Er wollte sich umdrehen und zum Auto laufen.

„Geben Sie sich keine Mühe“, sagte die Frau, „wir wissen, dass es reinregnet, und Geld für Reparaturen haben wir sowieso keins. Also lassen Sie unsere Hühner in Ruhe.“

„Die sind mir nachgelaufen …“

„Wenn ich Sie hier noch einmal sehe, rufe ich die Polizei.“

Es war eindeutig Zeit zu verduften.

* * *

Fortsetzung folgt.

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Bild: Simon Meyer, foto-x.ch, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Dämlich, aber froh 3

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: “Dämlich, aber froh”, Teil 3 der fantastischen Kurzgeschichte mit ausgiebiger Eiersuche. Hier sind Teil 1 und Teil 2.

 

Lesestoff - Dämlich, aber froh

Am nächsten Morgen konnte Harry seine Freude besser verbergen, als er zur Arbeit kam. Ein seltsamer Traum steckte ihm noch in den Knochen. Es war um die jährliche Grillparty beim Chef gegangen. Harry war in einer altmodischen Badehose aufgetaucht und aus irgendeinem Grund immer Hähnchenbeine zu essen bekommen, egal, wie oft er Steak oder Bratwurst verlangte.

Eigentlich ja nicht so schlimm. Trotzdem hatte er darauf geachtet, sein Pausenbrot mit Käse zu belegen.

Gegen Mittag suchte er sich einen schönen Platz auf dem Gerüst am ersten Stock und aß das besagte Käsebrot. Gerade, als die Heimleiterin mit dem Juniorchef unten vorbeiging, geriet Harry etwas Hartes in die falsche Kehle. Er musste husten.

Das Ding steckte fest. Er bekam keine Luft mehr.

Jemand haute ihm kräftig auf den Rücken. Ihm flog etwas aus dem Mund, dem Juniorchef und der Heimleiterin vor die Füße. Die beiden schauten tadelnd zu Harry herauf.

„Der hat sich verschluckt!“, rief sein Kollege Predrag, der ihn gerade so gebeutelt hatte.

„Warst du beim Hähnchen-Grill?“, fragte der Juniorchef. „Da hättest du uns ruhig was mitbringen können.“

Harry schüttelte den Kopf.

Bei der nächsten Gelegenheit schaute er unter dem Gerüst nach, ob er das Ding finden konnte, das er den beiden auf den Kopf gespuckt hatte.

Es war ein Hühnerknochen.

Noch bevor die Fassadenarbeiten am Altenheim abgeschlossen waren, verschwand das Hühnermobil von seinem Standort. Harry fluchte leise. Er hatte sich schon überlegt, wie er das Geflügel weiter beobachten und das richtige Huhn für seine Zwecke entführen könnte. Jetzt musste er wieder erst diese geheimnisvolle Firma verfolgen, bevor er vielleicht das dritte Ei fand.

* * *

Fortsetzung folgt.

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Bild: Simon Meyer, foto-x.ch, CC BY-SA 3.0

 

Lesestoff – Dämlich, aber froh 2

Hier kommt die nächste Portion Lesestoff: “Dämlich, aber froh”, Teil 2 der fantastischen Kurzgeschichte mit ausgiebiger Eiersuche.

Lesestoff - Dämlich, aber froh

Maranshenne, kupferschwarz, auf Wiese

Am nächsten Tag ging Harry fröhlich zur Arbeit. Es war sein letzte Einsatztag an der aktuellen Baustelle, das das Gerüst wurde abgebaut und er konnte früher Feierabend machen. Er nutzte die Gelegenheit, sein Ei beim Juwelier prüfen zu lassen. Schließlich war nicht alles Gold, was glänzte.

Der Händler nickte sachkundig. „Ach, hat der großzügige Osterhase wieder zugeschlagen“, sagte er. „Es kommt Ihnen vielleicht unwahrscheinlich vor, aber ich möchte wetten, dass das echtes Gold ist.“

„Testen Sie es trotzdem“, erwiderte Harry. Seine ganzen schönen Pläne von gestern Abend hingen von dem Ergebnis ab. Ohne Gold kein Hühnerhof, ohne Hühnerhof kein weiteres Gold, und ohne weiteres Gold keine Frührente.

Der Test fiel positiv aus, und der Juwelier machte ein Angebot.

Harry musste an sich halten, nicht sofort ja zu sagen. Er nahm sich immerhin die Zeit, den Preis noch einmal nachzuprüfen. Nach kurzem Verhandeln stimmte er trotzdem zu.

Um seinen Fund und die zukünftigen Erfolge zu feiern, gönnte er sich eine kleine Craft-Beer-Tour. Wenn er erst Hühner hatte, konnte er nicht mehr einfach so für ein Wochenende verschwinden.

* * *

Vorerst ging er weiter zur Arbeit und hielt Ausschau nach Rent-a-Chicken. Die Firma war nicht so leicht zu finden, wie Harry gehofft hatte.

Er traf sie eher zufällig wieder, auf dem Gelände des Altenheims St. Martha. Dort sollten Harry und seine Kollegen die reichlich vergraute Fassade wieder etwas herrichten.

Auf der Grünfläche zwischen den hohen Gebäuden, wo die Senioren ungefährdet ein paar Schritte hin und her schläppeln konnten, war ein noch kleineres Stück mit elektrischem Weidezaun abgeteilt und darauf stand ein Bauwagen mit der Aufschrift Rent-a-Chicken. Etwa ein halbes Dutzend braune und weiße Hennen scharrten und pickten im Gras.

Als Harry gegen Feierabend vom Gerüst herunterkam, stand am Pferch schwankend eine alte Frau im Nachthemd. Die konnte er hier eigentlich nicht brauchen, wenn er sich mal schnell nach einem goldenen Ei umschauen wollte.

„Junger Mann“, rief sie ihm zu. „Holen Sie mir mal meine Brille da aus dem Pferch.“

„Ich hab Feierabend“, murrte er. Solche Jobs durfte man nicht mit allzu großer Begeisterung übernehmen. Trotzdem öffnete er die Einfriedung und durchkämmte das Gras nach der Brille. Schließlich entdeckte er ein dünnes Drahtgestell, in der Mitte entzweigebrochen, mit einem dicken Klecks auf dem einen Glas. Das andere hatte einen mächtigen Sprung. Er nahm sie vorsichtig in die Hand. Im Auto war doch bestimmt irgendwo Isolierband, oder? Und transparentes Abklebeband für das Glas.

Direkt neben der unglücklichen Brille lag ein goldenes Ei, schätzungsweise Größe L. Genau das, was Harry gesucht hatte. Er steckte es in die Hosentasche und brachte der Alten ihre kaputte Brille. „Ich kleb Ihnen das“, sagte er laut. Sie war ja bestimmt auch schwerhörig. „Ich muss bloß das Zeug dazu aus dem Auto holen.“

Begeistert fuhr Harry nach Hause, wog sein Ei und rechnete aus, was er dafür bekommen würde.

Großartig. Nur wollte er es diesmal auf einem anderen Weg verkaufen. Der Juwelier hatte sich letztes Mal schon so misstrauisch angehört. Egal, noch ein Ei oder so, dann könnte Harry sich länger frei nehmen und auf die Jagd nach dem richtigen Huhn gehen.

* * *

Fortsetzung folgt.

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Bild: Simon Meyer, foto-x.ch, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Dämlich, aber froh 1

Passend zu Ostern gibt es neuen Lesestoff: “Dämlich, aber froh”, Teil 1 meiner fantastischen Kurzgeschichte mit umfassender Eiersuche. Ich wünsche gute Unterhaltung.

Lesestoff - Dämlich, aber froh

Harry fuhr nach Hause. Endlich war es abends wieder hell, die Straße trocken, rechts und links nur Wiesen, freie Sicht. Da konnte er mal Gummi geben und über die Hügelkuppe schießen wie im Flug.

Dahinter waren Tiere auf der Weide, ziemlich viele, ziemlich kleine Tiere, und sie strömten auf die Straße zu.

Hühner. Nicht gerade das typische Weidevieh. Da sauste ein Grüppchen unter dem Zaun durch und kabbelte sich auf der Straße.

Harry bremste scharf, riss das Lenkrad zur Seite. Eine Hupe tönte.

Hatte es nun gekracht oder nicht?

Harry fuhr rechts ran, stieg aus und den Hügel wieder hinauf. Nein, da lag kein plattgefahrenes Federvieh auf der Straße.

Er atmete auf und merkte, wie sehr er zitterte.

Bevor er die letzten paar Kilometer in Angriff nahm, ging er lieber noch ein Stück über die Wiese. Mitten zwischen Gras und Hühnern stand eine Art Bauwagen. Vielleicht fand er dort eine Kontaktadresse, wo er sich melden konnte, falls doch etwas schiefgegangen wäre.

Er drehte langsam eine Runde um den Wagen, misstrauisch beäugt von den braun glänzenden Hennen und einer schwarz gescheckten Ziege. „Rent-a-Chicken“ stand auf der Seite des Wagens, sonst nichts. Harry fotografierte trotzdem. Er atmete noch ein paarmal tief durch und machte sich auf den Rückweg. So langsam knurrte ihm doch der Magen.

Da funkelte etwas im Gras, als die Sonne darauf schien. Harry ging hin.

Ein Ei. Aber es war nicht eierschalenfarben sondern golden. Deshalb glänzte und blinkte es so. Harry schaute sich um. Wo war die versteckte Kamera? Am Wagen entdeckte er nichts, was danach aussah. Er hob das Ei auf und steckte es ein. Es fühlte sich schwerer an als es sich für diese Größe gehörte. Vielleicht fing er auch an zu spinnen, aber darüber konnte er zu Hause nachdenken.

Als Harry in seinem kleinen Häuschen an einem ebenso kleinen, quadratischen Niemandsland angekommen war, fühlte er immer noch das Gewicht des goldenen Eis in seiner Hosentasche. Während das Nudelwasser heiß wurde, legte Harry das Ei auf die Küchenwaage. Es wog etwas über neunzig Gramm. Gold war eben schwerer als Eiweiß und Dotter.

Bis die Nudeln gar waren, hatte er das Ganze in Feinunzen umgerechnet und den aktuellen Goldpreis festgestellt. Vor ihm auf dem Tisch lagen mehr als zwei Monatsgehälter.

Natürlich musste er das Ei noch legal verkaufen, sonst hatte er nichts davon, aber das brauchte er wiederum nicht zu überstürzen. Diese Art von Ei wurde bestimmt nicht faul.

Mechanisch holte er sein Essen vom Herd, bevor es anbrannte, und schaufelte es in sich hinein, während er überlegte, was er mit all dem Geld anfangen könnte.

* * *

Fortsetzung folgt.

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Bild: Simon Meyer, foto-x.ch, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Verhandlungspartner 4

Heute wird der Lesestoff von gestern fortgesetzt: “Verhandlungspartner” – Teil 4 einer SF-Geschichte aus dem vorigen Jahrhundert. Hier sind Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

* * *

Aljoscha hatte seinen Kollegen nie geglaubt, wenn sie sagten, von einem Fun­ker würden übermenschliche Fähigkeiten verlangt. Gewöhnlich verbrachte er seine Zeit im Orbit damit, mit der Pilotin Stual Schach zu spielen. Wenn Stepian auch an Bord blieb, reichte es für ein ausgedehntes Durak-Spiel. Aber heute …

Erst hatte Miriam angerufen und für “den späten Nachmittag” ein Trans­port­shuttle mit Sirup angefordert. Das war noch normal. Die Cresdecks reagierten auf Zucker und Ähnliches wie auf eine Droge, was sie in Aljoschas Augen gleich viel sym­pa­thischer machte. Für einen Vertragsabschluß konnte diese Vorliebe natürlich sehr praktisch sein. Aber dann hatte Miriam ihm ihr soeben er­fundenes Lely-Pro­jekt er­klärt. Es kostete ihn einige Stunden, sechs Wasser­bau­ingeni­eure in der näheren Um­ge­bung von Studhor ausfindig zu machen, die grund­sätz­lich bereit waren, bei der Trockenlegung eines Meeresarms mit­zuarbeiten. Bei vieren davon hielt sich so­gar die geforderte Be­zah­lung in dem von Tenzerpharma gesteckten Rahmen. Mit den beiden anderen verhandelte Aljoscha noch.

* * *

Da meldete sich Dr. Koneïda. Das kam sehr selten vor. Sie bat um ein Trans­port­shuttle mit einer Reihe von Medi­ka­men­ten und Geräten. Aljoscha verstand nicht viel von Medizin, aber das klang nach einem größeren Unfall oder gar einem Kampf. Er gab den Technikern die nötigen Anweisungen, wobei er sich mehrfach auf den Regel 18, Notfälle, berufen mußte. Natürlich war es gegen die Vor­schrif­ten, daß er irgend jemandem Instruktionen erteilte, und einen Ungläubigen wie ihn verwiesen die Neokaledonier besonders gern auf seinen Platz.

Aber Dr. Koneïda hatte noch mehr zu berichten. Die Direktoren, mit denen Miriam und Stepian verhandelten, hatten keinen frischen Ceresch-Tang zur Ver­fü­gung, denn die Erntearbeiter auf den Tangfeldern streikten gegen harte Arbeits­be­din­gun­gen und zu niedrige Löhne. Bewaffnete Einheiten des Konsortiums ver­such­ten, den Aufstand niederzuschlagen. Auch der Sirup, den die Techniker ge­ra­de ver­lu­den, war da­zu bestimmt, die Unruhen zu unterdrücken. Die Aufständischen waren ebenfalls bewaffnet, und sie planten, das Shuttle zu überfallen und den Sirup zu vernichten.

Aljoscha mußte den Transport verhindern. Bei seinem Verhältnis zu den Tech­nikern brauchte er dazu eine Anweisung des Kommandanten. Außerdem mußten die beiden Unter­händ­ler über die neue Lage informiert werden. Er überprüfte den Auto­dol der Protokolleinheit im Sitzungssaal. Nur die gängigen Handels­spra­chen wa­ren pro­grammiert. Sehr praktisch.

* * *

“Milotschka, posluschai minutku…”

Miriam erschrak, als sie die Stimme des Funkers hörte, und als sie verstand, was er sagte, wurde sie äußerst besorgt. Sie schaute Stepian an; offenbar hörte er ge­rade die gleiche Nachricht. Er schaute sie an.
Was jetzt? Sie hatten keine Gelegenheit, sich abzusprechen, ohne von den Cres­decks verstanden zu werden. Während Miriam noch fieberhaft überlegte, wie sie die Direktoren am besten hinhalten konnten, sagte Stepian laut und deut­lich auf In­terkosmo: “Stop­pen Sie den Sirup-Transport auf der Stelle. Dies ist ein Befehl des Kom­man­dan­ten.”

E N D E

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