La Ballade

Geschichten und Musik

Kategorie: Geschichten Seite 2 von 7

Lesestoff – Im Keller 1

Hier kommt ein wenig Lesestoff, der 1. Teil meiner Kurzgeschichte „Im Keller“. Die Fortsetzungen folgen in unregelmäßigen Abständen. Mehr zum Lesen findet sich auch unter Geschriebenes. Ich wünsche gute Unterhaltung.

Lesestoff - Im Keller

 

Inga sah von ihrem Zimmer hinaus ins Moor, wo sich die letzten Farben des Sonnenuntergangs im Dämmergrau auflösten. Wie jeden Abend. Irgendwann würde sie den Mann wiedersehen, der ihr vor ein paar Tagen auf der Straße begegnet war. Er hatte sie angesprochen und ihr angeboten, sie nach Hause zu begleiten. Das war seltsam genug, aber er gefiel ihr. Ein bisschen fremdartig vielleicht, aber keiner der schrecklichen „Ausländer“, vor denen ihre Mutter immer solche Angst hatte. Seine Augen wirkten groß in dem schmalen, blassen Gesicht. Sie leuchteten grün. Oder blau? Oder eine verwirrende Mischung aus beidem?

Die beiden waren kaum drei Schritte gegangen, da drängte sich Karsten Helms zwischen sie. „Mit dem willst du nicht gehen, Inga.“

„Doch“, erwiderte sie und griff nach der Hand des Fremden. Sie fühlte sich kühl und glatt an.

Karsten warf sich gegen ihre Hände, sie fuhren auseinander.

„Leb wohl für heute“, sagte der Fremde, vielleicht auch nur in Ingas Kopf. „Wir sehen uns wieder.“ Das klang einladend und warm. Inga würde Ausschau nach ihm halten.

„Mit dem willst du nichts zu tun haben“, wiederholte Karsten. „Weißt du denn nicht, was das ist?“

„Ihr immer mit eurer Panikmache hier“, empörte sich Inga. „Ich bin froh, wenn das Semester wieder anfängt …“

„Ach so, du bist ja jetzt auch eine von den Studierten, die alles besser wissen.“ Er wandte sich ab. „Wer nicht hören will, muss eben fühlen.“

Inga blickte ihm kopfschüttelnd nach. Dann erst schaute sie dorthin, wo der der Fremde verschwunden war. Sie sah ihn nicht mehr. Draußen vor dem Dorf schimmerte ein Licht, und es schien ihr zu sagen, dass sie ihm folgen sollte.

Sie setzte einen Fuß in die Richtung und hielt inne. Ein Licht, das sie ins Moor leiten wollte … Karstens bissige Bemerkung über die Studierten sank ihr in den Magen. Sie würde ihm beweisen, dass sie es tatsächlich besser wusste. Oder jedenfalls mit mehr Verstand an die Sache herangehen konnte als die Bauernlümmel hier. (Was hatte Karsten noch gleich gelernt? Landmaschinenschlosser. Kein Kommentar.)

Sie würde den Fremden – das Irrlicht, sie konnte es ruhig beim Namen nennen – besitzen. Ihr fielen einige Geschichten ein von Menschen, die mit Feenwesen zusammenlebten. Meistens waren es Männer, die eine Feenfrau überlisteten. Inga würde es umgekehrt machen, und die Bauern sollten staunen.

 

Bild: Clément Eustache via Wikimedia, CC BY-SA 4.0

Tag der Tage

Der 21. März hat, zumindest in diesem Jahr, offenbar eine Menge Bedeutungen.

Tag der TageZunächst mal ist Frühlingsanfang. Dafür stürmt es draußen noch ganz ordentlich, in den nächsten Tagen sind Minusgrade zu erwarten, und für “höhere Lagen” war auch von Schnee die Rede. Aber mit mehr Tageslicht kann es nur besser werden. Außerdem ist die Tagundnachtgleiche der Anlass für das persische Neujahrsfest Nuroz (oder wie man es schreiben will).

Unter anderem ist Early Music Day, der zur Zeit vor allem online stattfinden muss. Deshalb gibt es – weil das Konzert mit Servir Antico nur am besagten Datum zur Verfügung stand – zum Nachhören das Ensemble La Traditora.

Ebenso ist heute Indiebookday. Dazu habe ich im Zusammenhang mit #Bücherhamstern schon das eine oder andere geschrieben. Heute habe ich es geschafft, einen weiteren Einkauf aus dieser Aktion herunterzuladen: Das Gesetz der Flamm von Leann Porter, Fantasy mit Puffins aus dem Dead Soft Verlag. (Vorauskasse heißt: Erst überweisen, dann runterladen. Das ist manchmal zu kompliziert für mein Siebhirn.)

Das war der gemütliche Teil. Heute sind auch noch zwei weniger unterhaltsame, dafür aber wichtige “Tage”:

Zum einen hätten wir den World Down Syndrome Day. Dazu tragen eine Menge Leute im Rahmen der #Sockenaufforderung/#LotsOfSocks zwei verschiedene, möglichst bunte Socken. Das bringt etliche hübsche Bilder in den Sozialen Medien und bietet vielleicht einen Anstoß, sich zu diesem Thema zu informieren (hier auf Deutsch).

Zum anderen ist der 21. März der internationale Tag gegen Rassismus. Dieser Artikel hier ist zwar schon etwas älter, aber das zugrunde liegende Problem ist inzwischen noch nicht wirklich gelöst. Ein Tag im Jahr könnte dazu auch ein bisschen knapp bemessen sein.

Update: Inzwischen bin ich noch auf den Tag des Waldes aufmerksam geworden. Den gibt es auch schon eine ganze Weile, und auch er befasst sich mit einem Problem, das heutzutage eher noch dringender ist als vor 50 Jahren.

Na gut, Tag des Glücks war gestern, aber das nehmen wir heute immer noch, und morgen die nächste Portion …

#Bücherhamstern – “Tod einer Andentaube”

Tod einer Andentaube

Hamsterbücher – Achtung, Werbung!

Gestern sind meine gedruckten Hamsterbücher eingetroffen, die meisten elektronischen sind schon etwas länger hier. “Tod einer Andentaube” von Sabrina Železný aus dem Burgenwelt-Verlag habe ich auch schon gelesen. Würde das Abenteuer in Europa spielen, wäre es ein Mittelalter-Krimi mit übersichtlichen knapp 60 Seiten.

Wir befinden uns zwar im späten 13. Jahrhundert, aber in Peru. Es ist also keine neugierige Begine zu erwarten, die Ermittlungen übernimmt ein Priester aus dem Colca-Tal. Wer in der Altamerikanistik nicht allzu beschlagen ist, kann das Ganze vielleicht als Fantasy-Krimi ansehen, auch wenn keine Spur von Magie oder dergleichen vorkommt.

Die Ausgangssituation ist exotisch genug: Das Opfer wird getötet, kurz bevor es der zuständigen Gottheit geopfert werden soll. Das wäre eine Ehre für sie gewesen, und darauf beruhen die Motive der meisten Verdächtigen. Liebe spielt natürlich ebenso eine Rolle wie politische Intrigen. Schließlich versuchen die Inka, das Tal ihrem Imperium einzuverleiben. Nicht ganz unbeteiligt ist außerdem das Alpaka des mürrischen Ermittlers.

Ich höre rechtzeitig auf, bevor ich doch noch bei einem Spoiler lande. Wer auf dem vertrauten Vehikel Krimi eine detailreich vorgestellte andere Welt kennen lernen möchte, ist mit “Tod einer Andentaube” jedenfalls gut bedient. Und wer dabei seine Vorliebe für Inkas entdeckt, kann anschließend mit “Feuerschwingen” von derselben Autorin aus dem Verlag OhneOhren ins All aufbrechen.

 

Virtuelles Konzert Nr. 2

Virtuelles Konzert Nr. 2

Es ist St. Patrick’s Day, und (nicht nur) in Irland haben sämtliche Pubs geschlossen. Also kann man sich am besten zu Hause auf dem Sofa niederlassen, einen Irish Coffee in Griffweite, und sich die frisch upgedateten irischen Märchen aus dem Machandelverlag zu Gemüte führen: Taxi mit Elfe und Wer Elfen vertraut, ist selbst schuld.

Dazu gibt es noch ein wenig irische Musik, mal mehr, mal weniger upgedatet: Turlough O’Carolan (1670 – 1738) passt nicht nur auf die Harfe.

Carolan’s Welcome auf dem Fagott

Lord Galway’s Lamentation auf der Traversflöte

Mr. O’Connor auf der Concertina

Mrs. MacDermott Roe im Ensemble

Planxty Irwin auf der Tenorgambe

Aber eins wird jetzt doch noch geharft: Ode to Whiskey

#Bücherhamstern

Diese Woche hätte die Leipziger Buchmesse stattfinden sollen. Sie wurde wegen des Coronavirus abgesagt, was äußerst sinnvoll ist, denn in den vergangenen Jahren haben sich die Buchmessen als Verteilzentren für Krankheitserreger sehr bewährt. Andererseits reißt der Ausfall einer Veranstaltung dieser Größe ein ziemliches Loch in alle möglichen Pläne. Also wird schleunigst umdisponiert. Buchmenschen sind schließlich kreativ und lassen sich nicht so leicht unterkriegen.

… und sie lesen doch

Erstens gab und gibt es da noch kleinere Veranstaltungen, wie die Kleine Buchmesse im Neckartal oder den WELTENwerker Konvent in Gießen, die Gelegenheit zum persönlichen Treffen bieten.

Zweitens finden manche Lesungen, die bei “Leipzig liest” außerhalb der Messe auf dem Programm standen, trotzdem live und am geplanten Ort statt – siehe diese Liste des MDR. Andere spielen sich jetzt eben virtuell ab, zum Beispiel im Rahmen der Aktion Live statt Leipzig oder beim Leipziger Buchfieber. Da gibt es nicht nur Lesungen, sondern auch andere Möglichkeiten, neue Bücher zu entdecken und mit den Menschen dahinter in Kontakt zu kommen. Wer also an den Messetagen frei hat, kann da noch auf seine/ihre Kosten kommen.

Update: Die Verleihung des SERAPH 2020 ist am Freitag, 13. März, ab 17.30 Uhr per Twitch zu verfolgen. Der dotierte Preis für deutschprachige phantastische Literatur wird in drei Kategorien vergeben: Bestes Buch, Bestes Debüt und Bester Independent-Titel. Weitere Infos gibt es bei der Phantastischen Akademie.

#Bücherhamstern

#Bücherhamstern

Und dann gibt es noch das #Bücherhamstern. Von Nudeln und Klopapier allein kann man schließlich nicht leben. Dabei werden dem geneigten Publikum bestimmt einige gute Geschichten durch die Lappen gehen, denn das entspannte Stöbern an den Ständen oder in der Messebuchhandlung fällt nun einmal aus. Aber etliche Bücher gibt es ja auch schon, und andere sind immerhin für die Messe angekündigt.

Ich hatte es insbesondere auf drei Bücher abgesehen:

Zum einen lauere ich auf eine Neuerscheinung, die ab dem 14. März zu haben ist: Das gefälschte Herz von Maja Ilisch, zweiter Teil der Neraval-Sage. Nach dem fiesen Cliffhanger im ersten Teil wird es dafür höchste Zeit.

Dann wären da noch zwei, die es schon gibt:

Das Gesetz der Flamm von Leann Porter, abenteuerliche Fantasy mit Puffins und dem ansprechenden Motto “Besser ein lebendiger Feigling als ein toter Held”.

Kurt – In göttlicher Mission von Sascha Raubal. Das habe ich zwar schon als E-Book, finde es aber ausgesprochen verschenkbar.

Katzen

Im Machandel Verlag schleichen jetzt außerdem die Katzen los, von denen ich hier schon das eine oder andere Mal geschrieben habe. Die Reihe – 52 Bücher/Büchlein in 52 Wochen – ist schon offiziell gestartet mit dem Comic “Der letzte Freund” von Jenny Jinya. Dicht auf den Fersen ist ihm “Misa – Die Geisterkatze von Stralsund” von Janika Hoffmann, und diese Woche folgt noch “Höllenpfoten” von Lisa Dröttboom. Man darf gespannt sein, welcher Stubentiger als nächstes aufbricht und mit welcher Beute er wieder nach Hause kommt …

 

 

Bild: C. cricetus von Agnieszka Szeląg, CC BY-SA 3.0

 

Dörrpflaumen

Es wird mal wieder Zeit für etwas zu essen, das letzte Rezept kam ja schon vor Ostern. Zu diesem hier gibt es außerdem eine Geschichte: Sie trägt den Titel

„Dörrpflaumen“,

ist schon etwas älter, passt aber ganz gut in die Jahreszeit.

Am Hof des Königs der Hohen Nomen bereitete man sich auf das Fest der Sommersonnenwende vor. Loma, die Schülerin des Hofzauberers Karas, wollte ihre Handlangerarbeiten so schnell wie möglich hinter sich bringen. Es war kein Tag, um im Haus herumzusitzen.

Sie warf ihr schmutzigweißes Zaubergewand über und rannte über den hof zu Karas‘ Turm. Auf der Treppe, als sie noch mit ihrem Gürtel kämpfte, fiel ihr siedenheiß ein: Sie hätte schon gestern Abend anfangen müssen. Etwas einweichen? Schnippel und trocknen lassen? Es war eben viel spannender gewesen, bei den Vorbereitungen für das große Feuer zu helfen. Loma hatte ein paar Kracher zwischen den Scheiten versteckt. Die würden heute Nacht aus den Flammen hüpfen wie die Frösche.

Karas war noch nicht da, als Loma das Studierzimmer betrat. Sehr gut. Auf dem Lesepult lag das Rezept, das sie vorbereiten sollte. Ein Liebeszauber, der in Form von Törtchen verabreicht wurde. Oh ja, sie hätte gestern schon Dörrpflaumen in Branntwein einweichen müssen. Kein Problem, wenn Aduniel auch für dieses Fest wieder ihren üblichen Sparkuchen buk. Loma lauschte, ob sich Karas schon rührte.

Stille.

Sie huschte die Treppen wieder hinunter. Im Hof machte sie sich unsichtbar – das heißt, sie brachte die Leute dazu, an ihr vorbeizuschauen.

Aus der Küche drangen allerlei Düfte, die auf ein Festmahl für den Abend hindeuteten. Loma musste warten, bis der Gärtner mit einer hoch beladenen Gemüsekarre kam. Er öffnete die Küchentür bis zum Anschlag und klemmte sie fest, so dass Loma unbemerkt hineinschlüpfen konnte. Bei den vielen Leuten, die in der Küche umherliefen, war es schwierig genug durchzukommen, ohne jemanden anzurempeln.

Schließlich erreichte Loma den großen Backofen, wo Aduniel regierte. Nicht weit von ihr standen abgedeckte Schüsseln. Loma wartete, bis Aduniel den Ofen ausräumte und ihr dabei den Rücken zukehrte. Dann lüpfte sie die Abdeckungen und fand bald die kleingeschnittenen Dörrpflaumen in Branntwein. Sie nahm die Schüssel und machte sich auf den Rückweg.

Wieder jeden Zusammenstoß in der Küche vermeiden, warten, bis jemand mit einer großen Last die Tür aufsperren musste, über den Hof, ohne verdächtige Fußspuren in Pferdeäpfeln zu hinterlassen. An der Tür des Zaubererturms wurde sie wieder sichtbar, um hinein zu gelangen, und schlich hinaus ins Studierzimmer.

Dörrpflaumen

Die Zutaten für Liebestörtchen

Karas war noch immer nicht da. Loma atmete erleichtert aus und stellte ihre Beute auf den Arbeitstisch. Sie wandte sich zum Lesepult, um zu sehen, wie es weiterging.

Dort stand Karas.

„Gut, dass Roven-Asa gewissenhafter ist als du“, sagte der Zauberer. „Nicht nur, dass du zu spät mit deinen Vorbereitungen begonnen hast, du hast auch deine Lektionen nicht gelernt.“

Loma grübelte. Alles Wichtige hatte sie bestimmt behalten, zum Beispiel diesen praktischen Unsichtbarkeitszauber.

„Liebestörtchen“, schnaubte Karas. „An so was glauben doch nur die Küchenmädchen. Und du, offenbar. Aber da du wenigstens die Unauffällige Gestalt beherrschst, will ich nicht so streng sein. Wenn du auch noch das Flammenlose Feuer hinbekommst, haben wir gleich ein sehr gutes zweites Frühstück.“

… und hier das versprochene

Rezept
  • 100 g gemischtes Trockenobst
  • 50 g Rosinen
  • 3 EL Rum
  • 250 g Butter
  • Prise Salz
  • 150 g Honig
  • 5 Eier
  • 100 ml saure Sahne
  • 1 ½ TL Zimt
  • 200 g Weizenvollkornmehl
  • 50 g Hirse, fein gemahlen
  • 3 TL Backpulver
  • 100 g Mandeln, gehackt
  • Butter und Mehl für die Form

Trockenobst und Rosinen unter warmem Wasser kurz abspülen und trockentupfen. Die Früchte sehr fein schneiden und mit den Rosinen in eine Schüssel geben. Den Rum darübergeben und zugedeckt quellen lassen.

Den Backofen auf 180 °C vorheizen.

Die Butter mit Salz und Honig schaumig schlagen und einzeln die eier einrühren. Saure Sahne und Zimt unterheben. Weizen- und Hirsemehl mit dem Backpulver mischen und diese Mischung mit der Buttermasse verrühren. Das Trockenobst und die Rosinen samt Rum sowie die Mandeln unterheben.

Eine Kranzform einfetten und mit Mehl ausstreuen.

Den Teig in die Form füllen und diese auf der untersten Schiene des Ofens 50 min. backen. Mit einem Holzspieß probieren, ob der Kuchen fertig ist.

Den Kuchen in der Form kurz abdampfen lassen, dann auf einen Draht stürzen und vollständig abkühlen lassen.

Mehr Geschichten, auch eine von meinen, gibt es zum Beispiel hier.

Phantastische Heldinnen III

Mein Beitrag zur Blogreihe über phantastische Heldinnen befasst sich mit Frauen in eher heimatlichen Gefilden in nicht allzu ferner Vergangenheit – mit ein paar Eigenheiten.

Phantastische Heldinnen III

Als dieses Buch erstmals bei Heyne erschien, hat es mich als jugendliche Karl-May-Leserin sehr angelacht. Glücklicherweise habe ich den Kauf bis zur Neuausgabe über zehn Jahre später verschoben; so hatte ich deutlich mehr davon.

Ich lese Carl Amery gern wegen der Sprache(n und Dialekte), und weil sein Humor auf meiner Linie liegt, nicht wegen der handfesten Frauen in seinen Romanen. Die sind eher selten und außerdem ungleichmäßig verteilt. In Das Königsprojekt treten vor allem Deko-Frauen auf. In Der Untergang der Stadt Passau verteidigt eine Tapfere aus dem Gefolge des Schäffs ihre mechanische Nähmaschine bis zum letzten Kapitel. In Das Geheimnis der Krypta ist die Schwester des Helden immerhin die Gewährsfrau dafür, dass das Gold nach jeder Katastrophe wieder in den Händen der Banker landet. An den Feuern der Leyermark hat dafür gleich Frauen in größeren Rollen zu bieten – gKall, dTéres und bMaxi (hatte ich schon mal was von „Dialekt“ erwähnt?). Nach ihnen sind die drei Teile des Buches benannt, das außerdem „den Müttern und Großmüttern“ gewidmet ist.

Zum Inhalt

Wir befinden uns im Jahre 1866 nach Christus. Die Leyermark – Bayern, für die Bewohner*innen der hiesigen/jetzigen Realität – ist unter einem griechenbegeisterten König Radwig (I.) ungefähr bei Napoleon falsch abgebogen. In Amerika ist vor Kurzem der Bürgerkrieg zu Ende gegangen, in Deutschland bahnt sich der „Bundeskrieg“ gegen Preußen an. Ein aufstrebender Jurist im Kriegsministerium, einer der wenigen Englisch-Könner weit und breit, bestellt aus US-Armeebeständen 546 Godfrey Rifles, „excellently manned and serviced“. Die kommen mitsamt ihrer Bemannung und mischen den Laden ordentlich auf.

Bisher sind die Geschlechterrollen traditionell verteilt: Die Männer führen Krieg, bauen Maschinen, sind künstlerisch tätig und vor allem wichtig. Die Frauen kochen (gKall), singen im Kirchenchor und gehen beichten (dTéres) oder halten Po und Busen in die Kamera, äh, vor die Leinwand (bMaxi). Männer bündeln, Frauen bleiben für sich.

Das kann man als historisch-realistisch ansehen, muss man aber nicht. 1865 fand in Leipzig eine erste gesamtdeutsche Frauenkonferenz statt, bei der die Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins beschlossen wurde. Davon findet sich in der vorliegenden Geschichte keine Spur. (Was damit zu tun haben könnte, dass reale Ereignisse bzw. Personen in der Regel als Vorlage für satirische Verfremdung dienen. Das wäre im Fall der „Leipziger Frauenschlacht“ nicht gerade originell.)

bMaxi

Die Frauen planen keine Revolution, sie nutzen jeweils die Möglichkeiten ihrer persönlichen Situation, um sich weiterzuentwickeln. Die stärkste Rolle hat in diesem Zusammenhang bMaxi, die am ehesten „modern“ wirkt. Nachdem sie vom angesagten Historienmaler in München entdeckt wurde, arbeitet sie sich weiter nach oben. Gutes Aussehen und lockere Moralvorstellungen mögen dabei helfen, aber bMaxi lernt – gute Umgangsformen und Französisch – und arbeitet – als Galeristin, die den eigenen Laden putzt -, um gesellschaftlich voranzukommen. Ihre serielle Monogamie wird als nicht weiter bemerkenswert dargestellt. Eine negative Bemerkung zum Thema dient vor allem dazu, den Sprecher als rückständigen armen Tropf zu charakterisieren. Sie hat ihren großen Auftritt als symbolische Anführerin der Revoluzzer-Delegation, die zwar nicht zum König vordringt, aber größten Eindruck macht.

dTéres

dTéres legt sich mit der Kirche an, der sie ihr Leben lang treu gefolgt ist. Aber nachdem sie die Reaktion mancher Würdenträger beobachtet, wenn nicht alles seinen gewohnten Gang geht, widersetzt sie sich. Letzten Endes auch ihrem Verlobten, dem sie ebenso lang gegen den Widerstand ihres Vaters die Treue gehalten hat. Die beiden trennen sich wegen weltanschaulicher Differenzen. dTéres wird zum Gegenstand einer kirchenrechtlichen Abhandlung (deren Inhalt im Off bleibt) und fördert damit die Karriere ihres früheren Beichtvaters. Ihre Zukunftsaussichten am Ende des Abenteuers werden über ihren Kopf hinweg von ebendiesem Beichtvater und einem freimaurerisch orientierten Pädagogen diskutiert. Die geneigte Leserin kann allerdings vermuten, dass dTéres ihren eigenen Weg zwischen den sich neu eröffnenden Möglichkeiten findet.

gKall

gKall kommt von den drei Frauen am schlechtesten weg. Ihre Abnabelung vom großen Bruder beruht auf Geld und einer Heirat. In ihrer neuen Rolle ist sie eher stille Teilhaberin als Gestalterin des Unternehmens. Der Autor schreibt ihr zwar „die revolutionärste Idee von allen“ zu, die wird aber in nur einem Absatz im großen Schlusstableau abgehandelt und erscheint, jedenfalls aus heutiger Perspektive, zu kurz gedacht.

Über den Roman ließe sich noch einiges schreiben, mindestens ein Artikel zum Thema Rassismus dürfte noch drinstecken, eventuell auch etwas zum Autor und zum gesellschaftlichen und spekulativ-literarischen Umfeld der Entstehungszeit. Hier geht es allerdings demnächst weiter mit Torchy Burns und ihren musikalischen Widersacherinnen in der Songkiller-Saga von Elizabeth Ann Scarborough.

Literatur:

Ute Gerhard, Unerhört – Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung, Rowohlt 1990

Ein halbes Pfund Belegexemplar

Ein halbes Pfund BelegexemplarDieses halbe Pfund Belegexemplar ist gestern bei mir eingetroffen. Ich freue mich, dass die Geschichte immer noch draußen herumgeistert und hoffentlich Leute ihre Freude daran haben. Insbesondere gefällt mir das Cover, auch wenn sich da ein c statt dem k eingeschlichen hat. Es wird in dieser Form wohl eher nicht im regulären Buchhandel auftauchen, dafür aber beispielsweise im Supermarkt (und das E-Book gibt es nach wie vor bei dotbooks).

Vor lauter Begeisterung habe ich gestern für meinen anstehenden SP-Roman Die Weinfestengel nicht nur einen Klappentext geschrieben, sondern gleich drei. Das ist zwar sicher nicht die empfohlene Marketing-Methode, aber ich neige stark dazu, die auch alle drei zu verwenden. Für das Cover habe ich jetzt ebenfalls eine Idee, die ich mit meinen aktuellen GIMP-Kentnissen vermutlich umsetzen kann. Also steht einer Veröffentlichung Anfang Juni nicht mehr viel im Weg. (Edit im Juni: Und hier ist es.)

Jahrmarkt-Ausschreibung

Außerdem läuft noch bis zum 15. Juni die Ausschreibung des Burgenwelt-Verlags unter dem Motto „Jahrmarkt der Mysterien“. Da sind meine Spielleute doch eigentlich prädestiniert, mitzumischen. Das aktuelle Plotküken scheint mir aber eher ein Strauß werden zu wollen als ein Hühnchen. Also bin ich noch auf der Jagd nach etwas weniger Kompliziertem. Der Aufwand für die Recherchen sollte sich in Grenzen halten, deshalb wird der Schauplatz mit hoher Wahrscheinlichkeit Heidelberg.

Möglicherweise habe ich mich einfach zu sehr auf das Stichwort Jahrmarkt eingeschossen. Laut Ausschreibung sind auch andere Festivitäten erwünscht, wenn es dabei nur mysteriös wird. Vielleicht kann ich meinem Lotterpfaffen Baldwin ein Solo-Abenteuer spendieren. Der macht zwar keine Marktmucke, aber etwas zu feiern gibt es bestimmt auch in dem einen oder anderen Kloster. Im Kalender stehen genug Feiertage. Es könnte auch jemand Hochzeit halten oder der Kurfürst wird mit großem Gepränge empfangen.

Ich lese mich noch ein bisschen durch die bereitliegenden Bücher zum Thema, dann wird sich schon die eine oder andere Idee einfinden.

(Näheres zum Thema Werbung gibt es hier.)

Fantastisches Europa – Startschwierigkeiten

Fantastisches Europa - Startschwierigkeiten

Nicht das Neueste von Peter Schaap

Da Europa gerade eins der brandheißen Themen ist, hielt ich das für den passenden Anlass, einen guten Vorsatz vom PAN-Branchentreffen gleich in die Tat umzusetzen: Phantastik aus anderen Ecken Europas vorzustellen. Als Ausgangspunkt wollte ich einen Autor nehmen, dessen Erstlingswerk mir schon … ist bald nicht mehr wahr … Ende des vorigen Jahrhunderts gefallen hat, Peter Schaap.

Klar, die Bücher von damals gibt es immer noch. Davon stehen auch einige in meinem Regal. Soweit ich das bisher feststellen konnte, lebt der Autor noch, schreibt und singt auch weiterhin. Im Sommer 2018 ist sein neuester Roman De Helden van Sidian erschienen, beim Verlag Zilverspoor in Naaldwijk (Zuid-Holland). Der Klappentext klingt so weit gut.

Ich folge also dem Bestell-Link und stelle fest: Ein Versand außerhalb der Niederlande ist nicht vorgesehen. Na gut, Belgien ginge noch, aber das hilft mir nicht allzu viel. Von einer E-Book-Ausgabe ist nirgends die Rede. Auch beim Buchhändler meines Vertrauens finde ich den Titel nicht. Beim großen A ist er derzeit nicht verfügbar. Immerhin könnte ich mir von der französischen Abteilung einen anderen Fantasy-Roman des Autors schicken lassen. Darüber denke ich noch nach.

Vielleicht starte ich auch einfach mit einem kurzen Überblick über das, was ich schon hier habe – De Schrijvenaar van Thyll zum Beispiel. Wenn ich mich recht erinnere, könnte die Geschichte auch nach dreißig Jahren noch das eine oder andere zu sagen haben.

Oder ich suche mir einen anderen Autor bzw. eine Autorin oder gehe vorerst in ein anderes Land auf Entdeckungsreise. In Spanien gibt es ebenfalls fantastische Bücher, und soweit ich das überblicke, auch allerlei Preise innerhalb des Genres. Da dürfte sich also etwas Spannendes finden lassen, von den spanischsprachigen Autor*innen aus anderen Ländern mal ganz zu schweigen.

Also – sobald die Leyermark mit ihren Heldinnen erschöpfend behandelt ist, kann die Europareise weitergehen.

 

Die von Meara Finnegan gestartete Blogreihe über Heldinnen der Phantastik hat einen neuen Beitrag, seit gestern bei Gwees Bücherwelt. Es geht diesmal um eine gestaltwandelnde Automechanikerin mit dem passenden Namen Mercedes. Wer bei Urban Fantasy nicht unbedingt Romantik erwartet, ist bei der Autorin Patricia Briggs offenbar an der richtigen Adresse.

Die deutsche Übersetzung stammt von Vanessa Lamatsch – wenn wir schon beim Sichtbarmachen häufig unbeachteter Heldinnen sind.

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