Geschichten und Musik

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#Autorensonntag – Antagonisten

Beim heutigen #Autorensonntag von Justine Pust geht es um Antagonisten. Das nehme ich zum Anlass, mir für zwei dieses Jahr noch anstehende Romanprojekte ein paar Gedanken zu machen.

Schurkisches Fußvolk

Projekt eins wäre Das Schwert des Wilden Landes. Das hat aufgrund seiner Vorgeschichte den generischen Fantasy-Finsterling im Hintergrund, der einfach böse ist und es auf die Weltherrschaft abgesehen hat. Im Abenteuer selbst treten allerdings nur niederrangige Schufte auf, die einfach ihren Job machen, zum Teil sogar recht gut. Reicht das als Motivation?

Na gut, einer von ihnen ist ein kleinkrimineller Zauberer, den die Stadtwache im Auge hat und bei Bedarf zur Mitarbeit „motivieren“ kann. Die anderen beiden sind bei eben dieser Stadtwache im Dienst. Sie machen die Drecksarbeit, und das wird im Laufe der Geschichte unangenehm bis lebensgefährlich.

Die Arbeit mag wohl dreckig sein, aber sie sind gut darin und haben einen gewissen Rang erreicht. Vielleicht schlägt der sich auch schon in besserer Bezahlung und mehr Prestige bei den Nachbarn nieder. Auf diese Art geraten sie ziemlich tief in den Schlamassel, bis sie nicht wieder herausfinden.

Nicht gerade die beeindruckendsten Schurken, aber ein anständiger dunkler Herrscher braucht nun mal auch Fußvolk.

Verrückte (?) Wissenschaftlerin

#Autorensonntag - AntagonistenProjekt zwei wäre der noch titellose Roman für den diesjährigen NaNoWriMo. Dafür sammeln sich nach und nach Figuren und Material aus verschiedenen Inspirationsquellen an. Es wird Portal-Fantasy, und das Ziel meiner Heldinnen ist es, in „jener Welt“ möglichst weit in die Oberschicht aufzusteigen. Am besten sollte das natürlich ohne besondere Anstrengung vor sich gehen.

Als Antagonistin favorisiere ich zur Zeit eine schon etwas ältere Frau, die versucht, die Heldinnen in dieser Welt festzuhalten. Dafür gibt es gute Gründe, aber auch weniger gute. Wie schurkisch die Dame am Ende dasteht, wird mit Sicherheit auch von den Methoden abhängen, die sie anwendet. Ausgesprochen brutal kann ich sie mir nicht vorstellen, vielleicht wird das im Lauf des Abenteuers trotzdem nötig.

Bis zum 1. November ist es noch eine Weile hin, bis dahin können sich meine Überlegungen noch ein paarmal drehen und unerwartete Seitentriebe entwickeln. Möglicherweise bringt die Existenz „jener Welt“ das Selbstverständnis der Antagonistin so durcheinander, dass sie als verrückte Professorin dort die Herrschaft übernehmen will.

Festivals und Fantasy

Heute gibt es nur einen kurzen Hinweis auf viele Festivals und eine Fantasy-Ausschreibung.

Unter dem Motto “Feier dein Festival zu Hause” organisieren etliche seuchenbedingt ausgefallene Festivals ein virtuelles Programm für den 21. bis 23. August. Es laufen verschiedene Shows, auf dem “Campingplatz” sind Challenges geplant. Damit das richtige Festival-Feeling aufkommt, kann man ein Paket mit Bändchen, T-Shirt und so weiter bestellen. Vom Erlös werden die Veranstalter*innen und Künstler*innen unterstützt, die finanziell ziemlich in die Röhre gucken.

In Sachen Fantasy wurde heute die Ausschreibung für einen neuen Preis bekanntgegeben. Er hört auf den sympathischen Namen KrePFL (Krefelder Preis für fantastische Literatur) und bringt nicht nur ein beachtliches Preisgeld mit sich, sondern auch einen Pentagondodekaeder. Wer seit dem 1. August 2018 ein Buch veröffentlicht bzw. eins für spätestens Mitte September dieses Jahres in den Startlöchern hat, kann hier sein Glück versuchen. Kurzgeschichten treten allerdings ausschließlich in der Jugend-Kategorie U18 an.

#bücherhamstern – 1x Krimi, 1x Fantasy

Immer noch unter dem Motto #bücherhamstern habe ich mir auf Empfehlung aus dem Netz 1 x Krimi und 1 x Fantasy geholt, als Lesefutter für ein paar entspannte Tage über Fronleichnam.

#bücherhamstern - 1x Krimi, 1x FantasyDie schwarze Madonna

von Noah Sow ist ein afrodeutscher Heimatkrimi, erschienen bei BoD. Damit ich mich nicht in Spoiler verstricke, fasse ich mich möglichst kurz. Wer das Genre mag, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Es gibt eine fähige Ermittlerin, die Kaufhausdetektivin Fatou Fall, bayrisches Landleben und eine ausführliche Frisuren-Session. Nach den gängigen Marketing-Theorien sind die Hauptfigur und ich uns so unähnlich, dass ich mich mit ihr ü-ber-haupt nicht identifizieren können sollte. Komischerweise stört das beim Lesen so gar nicht, im Gegenteil

Das Blut fließt in diesem Krimi nicht gerade literweise, was in meinen Augen ein Vorteil ist. Die Bösewichte sind einigermaßen erwartbar; das kann man als Manko ansehen, oder auch als eine der Genrekoventionen, mit denen gespielt wird. So kommt auch der berühmte Anruf von Scotland Yard. Auch das Familienleben der Ermittlerin wird ausführlich beleuchtet, was ein paar interessante Nebenfiguren auf den Plan ruft.

Von mir aus könnte Fatous zweiter Fall demnächst kommen.

#bücherhamstern - 1x Krimi, 1x FantasyMaresi – Das Lied der Insel

von Maria Turtschaninoff ist ein High-Fantasy-Roman mit vergleichsweise wenig epischem Gemetzel, erschienen bei Heyne. Die Originalsprache ist ausnahmsweise nicht Englisch, sondern Schwedisch, übersetzt hat Hedwig M. Binder. Die Titelheldin wächst in einem Kloster auf, und ich bin schwer beeindruckt davon, wie faszinierend dieses regelmäßige Leben beschrieben wird. Natürlich bleibt es nicht beim friedlichen Idyll, die Heldin muss schwierige Entscheidungen treffen, um ihr Zuhause zu retten. Möglicherweise sind auch hier die Schurken gar zu finster und eine Wendung etwas klischeehaft geraten. Der Kern der Geschichte ist allerdings ein anderer, und der wird genau richtig beleuchtet. Es gibt einen weiteren Band der Reihe mit dem Titel Naondel, der allerdings noch nicht auf Deutsch erschienen ist.

Beide Bücher gibt es als Print wie auch als E-Book, im stationären Buchhandel oder online. Wer Abenteuer ohne Liebesgeschichte zu schätzen weiß, ist mit beiden gut bedient.

Anfang und Ende

Beim Lektorat von Buntspecht und Anton gibt es allerhand zu tun, nicht nur an Anfang und Ende. Da ist zum Beispiel ein Instrument, das nicht so genau weiß, ob es nun schon ins Auto geladen wurde oder nicht. Kurz vorher musste es das arme Ding auch noch runterfallen. Man glaubt es kaum, aber davon gibt es kein YouTube-Video. Ich wollte auch nicht unbedingt eine befreundete Harfenspielerin bitten, das mal nachzustellen. Um die Szene passend hinzukriegen, habe ich also ein Experiment gemacht, mit dem einzigen Saiteninstrument, das ich in Griffweite habe (Saitentamburin, selbstgebaut). Jetzt stimmt die Sache hoffentlich.

Den Einstieg finden

Den Anfang habe ich dagegen nocn nicht richtig im Griff. Das geht mir ziemlich oft so, und ich greife dann gern auf die „dunkle, stürmische Nacht“ oder etwas Ähnliches zurück. Das ist nicht sonderlich originell, auch wenn ich je nach Setting auch mal „Es weht der Wind mit Stärke zehn“, oder eine Variante von „Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr.“ verwende. Die Methode hat sich für mich aber bewährt, um in die Gänge zu kommen und nicht stundenlang über der leeren ersten Seite brüten. Wenn die Sache erst läuft und ich weiß, in was ich da eigentlich einsteige, kann ich den ersten Satz immer noch umformulieren oder ganz streichen. Nur sollte ich diesen Schritt nicht unterschlagen, bevor ich abgebe …

Anfangs-Variationen

Prinzipiell mag ich gerne eher breite Anfänge, in denen die Szenerie aufgebaut wird. Zu meinen Lieblingsbeispielen gehört Bruder Cadfael, der sich zu Beginn jedes Abenteuers mit einem mehr oder weniger informierten Zuhörer über den aktuellen Stand des Bürgerkriegs unterhält. Der Kräutergarten dient dabei als jahreszeitlich-idyllische Deko.

Weniger begeistert bin ich von der Variante, bei der ein*e namenlose*r Held*in erstmal kämpft oder rennt. Es kracht und blitzt, und erst auf Seite fünf oder so wird langsam klarer, wer da unterwegs ist und mit welchem Ziel, außer dem, am Leben zu bleiben. Als besonders fragwürdig empfinde ich die Sache, wenn es um einen Trainingskampf geht oder die Figur vor dem Bildschirm zockt.

Jemanden aufwachen zu lassen mag ein Klischee sein, aber es lässt sich kaum bestreiten, dass damit etwas anfängt und eine Figur aktiv wird. Auch das kann also ein übersichtlicher Einstieg werden. Für meinen vorliegenden Fall passt er allerdings weniger, da muss ich mir etwas anderes überlegen.

Und über das Ende muss ich auch noch einmal gesondert meditieren.

#52Katzen – Update

#52Katzen - UpdateVon der Reihe #52Katzen im Machandel-Verlag war hier schon mehrfach die Rede und es wird Zeit für ein Update, denn sie läuft fröhlich weiter. Im Mai sind mehrere Zigarettenpausen-Bücher erschienen, im Juni gibt es drei etwas größere Büchlein. Bereits erhältlich (über die Buchhandlung des Vertrauens) ist Caballero Kater del Agua, eine Kurzgeschichte von Susanne Eisele. Demnächst folgt Der Kater der Magierin von Tanja Rast.

Wie auf der oben verlinkten Seite zu lesen ist, hat das Projekt sich im Laufe der Zeit immer weiter ausgebreitet. Von Katzen aller Art kann mensch schließlich nicht genug bekommen. Deshalb läuft auf den diversen Online-Kanälen des Verlags – hier zum Beispiel – die Aktion „Katze der Woche“. Dort erzählen noch etliche andere Samtpfoten, die nicht in der Reihe landen konnten, ihre Geschichte. Gutaussehend, wie sie sind, sollen sie ein eigenes E-Zine bekommen, natürlich eins, das international beachtet wird. Ein Kickstarter-Projekt soll dafür sorgen, dass eine angemessene Übersetzung ins Englische finanziert werden kann.

Wie hier schon das eine oder andere Mal erwähnt, bin ich in der Katzenreihe auch mit zwei Büchern vertreten. Von Numero 1 ist inzwischen die lektorierte Fassung zurückgekehrt. Es soll im Juli erscheinen, deshalb muss es jetzt eher schnell gehen. Trotzdem hoffe ich, bei der Überarbeitung noch den einen oder anderen aus der Blogreihe von Alpakawolken einbauen zu können. Schließlich spielt in diesem Abenteuer auch eine Art Weltraum-Kolonialismus eine Rolle, und ich zweifle immer mal wieder, ob ich in jedem Fall in die richtige Schublade gegriffen habe.

Vermutlich kommt dazu in den nächsten Tagen nochmal was, dann geht es wieder weiter mit einer Eskapismus-Geschichte.

Bild: Karl Werner

 

Instant-Fantasy

Heute geht es wieder in fantastische Gefilde, und zwar zu Instant-Fantasy. In den letzten vier Wochen habe ich zwei Romanprojekte eingereicht, die ihr Leben als solche begonnen haben. Bei einem davon liegt sogar noch die Urfassung unter dem Titel „200 g Fantasyroman, episch“ im virtuellen Tresor.

Kochrezept

Instant-FantasyDabei geht es weniger um den Inhalt als um die Zubereitungsart. Meine beiden Exemplare sind schon etwas älter, und das macht sich bei den Zutaten bemerkbar: Man nehme 1 dunklen Herrscher, der das Land unterjochen will, 1 magisches Artefakt, das ihn besiegen kann (hier dürfen es auch 3 oder 7 sein), 1 auserwählten jungen Helden, der das Artefakt sucht, und 1 Handvoll treue Gefährten. Mit 50k Wörtern aufgießen, umrühren, fertig. Wann immer eine Entscheidung zu treffen ist, nehme man die erste Lösung, die sich beim Griff in die Klischeekiste anbietet.

Sehr nützlich ist bei dieser Vorgehensweise das links abgebildete Buch: The Tough Guide to Fantasyland von Diana Wynne Jones. Es enthält eine umfassende Zutatenliste und praktische Kniffe für die Zubereitung.

War’s das schon?

Das ist allerdings erst der Anfang. Damit es nicht bei schlappem Essen in trauricher Terrine bleibt, sollte noch einiges dazukommen. Zum Beispiel an Weltenbau oder Figurenentwicklung oder an Plottwists. Ich setze in der Regel beim Weltenbau an und versuche, dem Ganzen eine Geschichte zu geben, die über die aktuelle Invasion mit Thronraub hinausgeht.

Beim zweiten meiner oben erwähnten Projekte bin ich damit noch nicht sehr weit gediehen. Noch sind die Bösen einfach böse und irgendwie mächtig. Von dem Königreich, in das sie einmarschieren, weiß man ebensowenig. Immerhin gab es da einmal einen sagenhaften Helden, mit dem das gesuchte Artefakt in Verbindung gebracht wird.

Auch die aktuellen politischen Verhältnisse sind noch nicht definiert. Gibt es neben der weltlichen auch eine geistliche Macht? Ist der Adel die tonangebende Schicht, oder hält er sich nur dafür? In welche Nachbarländer könnte der entthronte König ins Exil gehen?

Diese Fragen muss ich demnächst beim Überarbeiten beantworten, auch, um meine Figuren in ihrer Welt zu verankern. Wahrscheinlich werde ich in den nächsten Monaten noch das eine oder andere Mal von ihnen berichten.

#bücherhamstern – Katzen

Es gibt zwei neue Exemplare aus der Reihe #bücherhamstern vorzustellen, nämlich zwei Katzen in klein und groß.

Katzen in klein

#bücherhamstern - Katzen

Der Machandel-Verlag veröffentlicht derzeit eine längere Reihe von Katzenbüchern – insgesamt 52 sollen es werden. Darunter sind auch einige Mini-Büchlein, die eben jetzt im Mai erschienen sind. (Der Bibliotheksausweis zeigt ungefähr die Größenordnung.) In  Höllenpfoten von Lisa Dröttboom geht es um die hässliche kleine Straßenkatze Fussel. Aber hässlich ist bekanntlich relativ. Die Kurzgeschichte bringt es auf 90 Seiten und erzählt von Hund und Katze, struppigem Fell und der Fähigkeit zu fliegen.

Die Büchlein werden als “Zigarettenpausen-Bücher” beworben, lesen sich aber auch sehr gut, wenn man nicht raucht. Für eine lange Bahnfahrt sollte man allerdings gleich ein paar einpacken. In der gleichen Aufmachung sind erschienen: Katzen sind nun mal so und Pyrit will nur spielen von Petra Schmidt sowie Wer weiß, was wa(h)r und Die letzte Zauberin von Barbara Schinko.

Katzen in groß

#bücherhamstern - Katzen

Schon etwas länger liegt auf meinem Stapel Der Katzenschatz von Hanna Nolden. Es ist als Jugendbuch ab 12 deklariert, ich würde es schon für ältere Grundschulkinder empfehlen. Der Held Jonas stellt eines Tages fest, dass die Tiere in seiner Umgebung mit ihm reden. Das betrifft nicht nur Katzen, die ohnehin magische, fast göttliche Wesen sind, sondern auch seine beiden Ratten und einen Mini-Mops. Unterstützt von seiner Freundin Delilah (nennt sie ja nicht Tabea) und den gesprächigen Vierbeinern macht sich Jonas daran, den Katzen ihren legendären Schatz wieder zu verschaffen. Nur erhebt sich die Frage, ob er dazu auf dem richtigen Weg ist.

Woher nehmen?

Da es Bücher aus Kleinverlagen im stationären Buchhandel nicht immer leicht haben, freue ich mich besonders, dass meine nächstgelegene Buchhandlung, Buch-Valentin in Fürth (Odw.) Bücher aus dem Machandel-Verlag problemlos besorgen kann. Wer mehr auf das Glück vertraut, kann bis zum 2. Juni an einem Gewinnspiel auf katzen.de teilnehmen, bei dem es unter anderem Höllenpfoten zu gewinnen gibt.

 

Lesestoff – Mittelalterlicher Markt

Es folgt eine neue Portion Lesestoff, aus gegebenem Anlass spielt die Szene auf einem mittelalterlichen Markt, nicht auf Burg Lindenfels, sondern in der Reichsstadt Germersheim. Das Ganze gehört zu meinem unveröffentlichten Mittelalterkrimi „Der Junge aus Polen“. Mehr Abenteuer mit Alheit und Franz finden sich in der Bibliothek unter Geschriebenes.

Lesestoff - Mittelalterlicher Markt

Auf dem Marktplatz hatte ein milchgesichtiger Händler seine Bude aufgeschlagen und stellte nun Töpferwaren aus.

Gleich neben ihm jonglierten zwei Gaukler mit allerlei Gerät. Der Händler schien gar nicht zu bemerken, dass sich einer von ihnen ein Tiegelchen in passender Form und Größe nahm und wie einen seiner bunten Bälle durch die Luft wirbelte. Nach einigen Runden setzte der Gaukler es elegant wieder ab.

Da erst erhob der Händler ein Geschrei: „Bist du verrückt geworden? Das ist zerbrechliche Ware! Den Schaden zahlst du mir!“

Welchen Schaden?“, rief ein Händler der weniger reichen Sorte mit struppigem blondem Bart und dichten Locken. Er trat aus einem runden roten Zelt an der Südseite des Platzes, etwa in gleicher Entfernung von Kloster und Rathaus.

Der junge Kaufmann fuhr verwirrt herum und betrachtete seine Ware genauer.

Ein derbes Lachen erklang. Frieder der Wirt. Hier stand er auf dem Markt, in einer neuen dunkelgrünen Feiertagscotte, den Becher in der Hand, und amüsierte sich, während seine Frau zu Hause die Gäste willkommen hieß. Ob er aus dem Fässchen auf seinem Handkarren tatsächlich Wein verkaufte oder mehr davon selbst trank, mochten die Heiligen wissen. Alheit wandte sich ab.

Franz begleitete die akrobatischen Sprünge der beiden Gaukler auf der Drehleier. Es wurde Zeit für Alheit, ihn zu unterstützen. Dennoch zögerte sie, die Flöte aus dem Korb zu nehmen. Mit dem schrillen Instrument konnte sie sich nicht mehr verstecken. Aber früher oder später musste sie spielen, früher oder später musste sie Frieder entgegentreten. Sie fiel in die Tanzweise ein und nickte Else zu, kräftiger zu trommeln. Die erwiderte Alheits Blick verständnislos.

Zu Frieder und seinem Fässchen kam tatsächlich eine Kundin. Eine hagere Frau mit dunklen Augen und grauer Haube ließ sich ihren Krug füllen. Der Bärtige legte von hinten den Arm um sie. Ungerührt schenkte sie ihm ein. Offenbar kannten sie ihn schon länger. Sie blieben bei Frieder stehen und gaben, ihrer Miene nach zu urteilen, allerlei spöttische Bemerkungen zu den Menschen und dem Geschehen auf dem Marktplatz.

Die Gaukler ließen sich mit einem gewagten Sprung zu Boden fallen, Franz spielte ein Amen. Die Zuschauer riefen nach mehr. Doch der Händler mit seinen empfindlichen Töpfen schlug vor: „Aber jetzt macht ihr da drüben weiter, ja?“

Da drüben?“, fragte der größere der beiden Gaukler und wandte sich schwungvoll in die gezeigte Richtung.

Nein, da drüben.“ Sein Geselle kam ihm mit ebenso viel Schwung entgegen, und sie fielen zurück in den Staub.

Als sie sich wieder regten, stimmte Franz einen Reigen an und tanzte zwischen Buden, Brettern und Planen hindurch zu der angewiesenen Stelle. Aus dem Augenwinkel sah Alheit, dass die Gaukler ihnen mit allerlei Verrenkungen folgten.

* * *

Bild: gemeinfrei, via Wikipedia

Ausschreibungen und andere Termine

Da viele Termine im echten Leben noch für einige Monate in der Luft hängen, sammle ich hier einige, die sich vor allem online abspielen, Lesungen zum Beispiel. Außerdem gibt es tapfere Verlage, die allen Unwägbarkeiten zum Trotz Ausschreibungen veranstalten.

Lesungen

Da wäre zunächst mal die Phantastische Lesenacht , die zum nicht stattfindenden PAN-Branchentreffen 2020 gehört hätte – am 1. Mai ab 17 Uhr.

Jeden Sonntag ab 19.30 Uhr liest Rafaela Creydt aus “Der letzte Winter der ersten Stadt“. Da lohnt sich mit Sicherheit auch das nachträgliche Einsteigen.

Ausschreibungen

Ausschreibung und andere TermineDie Ausschreibungen liegen noch ein bisschen weiter in der Zukunft, sonst lohnt sich ja das Mitmachen nicht mehr.

Bis zum 1. Juni können Steampunk-Fans beim Verlag Ohne Ohren das Dampfbein schwingen. In 23.000 Zeichen soll es um Musik und Tanz gehen.

Adaptionen von chinesischen Märchen nimmt der Machandel-Verlag bis zum 31., äh, wohl doch eher 30. Juni entgegen. Jadedrachen und ähnliches dürfen sich in 5000 bis 20.000 Wörtern tummeln.

Wer von seinen vier- und mehrbeinigen oder geflügelten Mitbewohnern immer mal wieder zur Verzweiflung getrieben wird, kann sich bis zum 15. Juli beim Acabus-Verlag versuchen. In höchstens 30.000 Zeichen geht es um wundersame Haustiere und wie man sie überlebt.

Bis Ende des Jahres (31. Dezember) können sich Kaffeefeen Zeit lassen oder die Götter ihr Garn spinnen, um ihre Geschichten bei Art Skript Phantastik bzw. beim Leseratten-Verlag einzureichen.

Optimistischer Eskapismus

Unter dieser Überschrift suche ich derzeit selbst etwa drei Geschichten von 3000 bis 5000 Wörtern, die hier auf der Seite erscheinen könnten. Wenn es dabei um Musik, Essen oder ein historisches Element geht, umso besser.

Gerne können das Sachen sein, die schon mal irgendwo veröffentlicht waren, wenn nur die Rechte (wieder) bei euch liegen bzw. eine Veröffentlichung eure weiteren Pläne damit nicht stört. Eventuell könnte es auch eine Leseprobe aus einem (SP-)Roman sein.

Ruhm gibt es dabei nicht zu ernten, aber ungefähr den Gegenwert von einem Fläschchen Rum. Wer Interesse hat, melde sich bitte hier.

 

Phantastische Heldinnen IV

Nach ungefähr einem Jahr Pause gibt es etwas Neues in der Reihe „Phantastische Heldinnen“, die Folge IV – man könnte fast sagen, passend zur Jahreszeit:

Rudolstadt ist abgesagt, Winneweh ist abgesagt, Montalbâne ist auf Oktober verschoben (was mir übertrieben optimistisch erscheint). Bei dieser Lage der Dinge fühlt es sich leicht gruselig an, über die Songkiller-Saga und ihre phantastischen Heldinnen zu schreiben. Erschienen ist das Ganze 1991/92, und das Peinliche ist: Inzwischen gibt es Handys und nahezu allmächtige Computer, aber ansonsten passt noch erstaunlich viel von diesem Setting. Die Abteilung Plague & Pestilence leistet dieses Jahr besonders gute Arbeit, Stupidity & Ignorance kommen sowieso nicht aus der Mode.

Die Trilogie

Phantastische Heldinnen IVAber das eigentliche Thema sind phantastische Heldinnen, und von denen hat die genannte Trilogie der Nebula-Preisträgerin Elizabeth Ann Scarborough einige zu bieten, manche mehr, manche weniger phantastisch. In den drei Bänden Phantom Banjo, Picking the Ballad‘s Bones und Strum Again? versucht die Geschäftsleitung der Hölle, die Menschheit am Musik machen zu hindern. Denn Leute, die singen, verzweifeln nicht, und darauf arbeiten Teufels mit allen Mitteln hin. Außer den beiden oben erwähnten Abteilungen sind noch Doom & Destruction, Expediency, Accounting sowie Debauchery an dem Projekt beteiligt. Wobei Debauchery eine etwas spezielle Rolle spielt; zu Sex and Drugs gehört nun einmal Rock‘n‘Roll. Das wichtigste Werkzeug, um diese finsteren Pläne zu durchkreuzen, ist das „Phantom Banjo“ Lazarus, die aktuelle Inkarnation der Harfe aus Binnorie.

Die Heldinnen im Einzelnen

Gussie Turner ist in der Rahmenhandlung als Geschichtenerzählerin unterwegs, um wechselndes Publikum über die Teufel und ihre Pläne aufzuklären, ist aber auch an der eigentlichen Handlung beteiligt. Sie ist schon älter – hat eine erwachsene Tochter, durch die sie in das Abenteuer verwickelt wird – eher klein, ehemalige Tänzerin und Barfrau. Als solche kann nicht nur erzählen und ihr Publikum bei der Stange halten, sondern sie kann auch unauffällig verschwinden, wenn es Zeit wird, weiterzuziehen. Außerdem hat sie als Heldinnen-Werkzeug die Tasche, in der alles drin ist, was gerade gebraucht wird.

Anna Mae Gunn ist zur Hälfte Native American. Ihre Superkraft ist organisieren. Deshalb wird sie von dem Sänger Sam Hawthorne aus dem Jenseits angerufen, um das Gedächtnis-Festival für ihn und andere jüngst verstorbene Kollegen auf die Beine zu stellen. Bei dieser Veranstaltung trifft sich die HeldInnengruppe und das Abenteuer kommt ins Rollen. Sie ist eine der eher düsteren Figuren im Ensemble mit dunklem Punkt in der Vergangenheit und stark kriegerischem Einschlag. Bei der Reise in die Vergangenheit bekommt sie als Männerrolle passenderweise die Ritter und Frauenhelden.

Julianne Martin ist zu Beginn der Handlung mit einem Redshirt verheiratet. Nach seinem frühen Tod kommuniziert mit der Hilfe ihres verehrten Gurus (Lucien – noch Fragen?) weiterhin mit ihm. Abgesehen von den Balladen im zweiten Band kommt ihr Handlungsstrang einer Liebesgeschichte am nächsten. Sie ist über weite Strecken der Geschichte taub und kann sich nur mit Lazarus und allerlei Geistern verständigen. In den Balladen übernimmt sie die Rolle eines Königs, oder genauer, die Stimme seines Gewissens, der eine Riesin erlöst.

Lulubelle Baker/Torchy Burns alias Debauchery Devil, Lady Luck, Queen of Fairy, ist vermutlich die wichtigste Figur des Abenteuers. Sie hält die Handlung in Gang und die HeldInnen am Leben. Bei ihrer ersten Erwähnung im Meeting der Geschäftsleitung wird sie noch nicht als weiblich definiert. Das geschieht erst einige Kapitel später, wenn sie sich als Chefin eines heruntergekommenen Etablissements zeigt. Obwohl sie ausgesprochen wandelbar ist, tritt sie nirgends in einer männlichen Rolle auf – Gussies Tochter wird von einer brillianten Anwältin aus dem Gefängnis geholt.

Die zweite Reihe

Neben diesen Heldinnen in der ersten Reihe treten auch etliche weniger wichtige Frauen in Erscheinung. Da wäre zum Beispiel die leicht naive Ellie Randolph, die sich vor allem durch Bibliotheken wühlt und im richtigen Moment eine Taschenlampe dabei hat. Dann gibt es eine meuternde Polizistin eine beiläufig erwähnte weibliche „congressman“. Nicht zu vergessen ein Trupp Ökofeministinnen und die bei jeder Gelegenheit auftauchenden Geister, die unsere HeldInnen warnen und Julianne endgültig aus den Fängen ihres Gurus vertreiben.

Sexismus ist nicht das bestimmende Thema des Abenteuers, wird aber immer wieder angesprochen und selbstverständlich als Fehler dargestellt. Das geschieht zum Beispiel, als es darum geht, ob Ellie sich mit ins Abenteuer stürzt oder ob das „zu gefährlich“ sein könnte. Oder ob das Eingreifen des Helden mit der Knarre in der Hand nötig ist oder die Sache nur noch schlimmer macht.

Zum Thema Rassismus und/oder kulturelle Aneignung wäre vermutlich noch das eine oder andere zu sagen. Was die Darstellung und die Rollen von Frauen angeht, ist die Geschichte allerdings meiner Meinung nach ausgesprochen gut gealtert.

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