La Ballade

Geschichten und Musik

Kategorie: Odenwälderei

Repair-Café in Reichelsheim

Repair Café in Reichelsheim

Der Patient

Gestern habe ich eine neue Institution kennengelernt: das Repair-Café in Reichelsheim. Ich habe nämlich ein neues Spielzeug bekommen, das schon einige Abenteuer hinter sich hat. Das sieht vielleicht schlimm aus, aber das Innenleben des guten Stückchens scheint noch ganz intakt zu sein. Daher suchte ich einen Menschen, der bereit wäre, es zu reparieren, ohne mir nebenbei ein neues aufzuschwatzen. In der Zeitung stand der Hinweis auf das oben genannte Repair-Café, das immer am dritten Samstag im Monat stattfindet – praktischerweise gestern. Daraufhin habe ich den Patienten eingepackt und bin einmal hingefahren.

Wann und wo

Veranstaltungsort ist das Haus der Vereine in der Bismarckstraße. Auf der Suche danach ist mir auch gleich wieder eingefallen, dass bei den Märchentagen auf dem dazugehörigen Parkplatz ein Metstand untergebracht ist. Geöffnet ist das Repair-Café ab 14.00 Uhr, und es kommt offenbar gut an. Wie in dem Zeitungsartikel angekündigt, hatte ich gemütlich Zeit, einen Kaffee zu trinken. Sehr appetitanregend aussehenden Kuchen gab es ebenfalls, den habe ich mir aber heldenhaft verkniffen, weil ich abens noch zu einem Geburtstag eingeladen war.

Sowohl beim Publikum als auch bei den Helfer*innen waren verschiedene Altersgruppen vertreten. Neben freundlichen Menschen, die sich um Elektrogeräte in allerlei Formen und größen kümmerten, gab es auch eine Nähstation, an der neue Reißverschlüsse eingebaut und Strümpfe gestrickt wurden.

Nachdem ich eine Weile das Kommen und Gehen beobachtet und dabei eine Bekannte getroffen hatte, konnte ich einem jungen Mann mein Problem schildern und bekam Tipps, wie weiter vorzugehen wäre. Auf diesem Weg bin ich jetzt. Wenn alles klappt, wird aus dem Spielzeug demnächst ein Werkzeug.

Neues Spiel, neue Erfahrung

Es hat mir aber auch so schon einen gewissen Aha-Effekt beschert. Denn ich übersetze zwar Computerspiele, ich spiele aber keine. Der Herr, der mir das Gerät überlassen hat, musste aber vorher noch eins installieren. Das Ding macht leider süchtig, folglich habe ich das lädierte Display beim Schnecken abschießen noch ein bisschen weiter eingedrückt. Dafür habe ich jetzt einen Eindruck davon, wo diese Marketing- und Ingame-Texte am Ende landen. Sie sind in der Tat genauso nervig, wie sie beim Übersetzen wirken. Trotzdem kann ich die Finger kaum davon lassen.

Das Repair-Café werde ich wahrscheinlich bald wieder besuchen. Im Lauf der Veranstaltung sagte jemand: „Schade, dass ich nichts zu reparieren habe.“ Dieses Gefühl kann ich auch nach einem Besuch schon ganz gut nachvollziehen.

 

 

Maitour – Klangwanderweg Hammelbach

Das Abenteuer Instagram ist beendet, bevor es richtig angefangen hat. Also kommen die Bilder von der Maitour auf dem Klangwanderweg Hammelbach hier herein.

Klangwanderweg Hammelbach - Kirchenruine

Kirchenruine in Hammelbach

Den Klangwanderweg bei Hammelbach hatte ich schon länger im Auge, da war der 1. Mai eine willkommene Gelegenheit, ihn einmal zu besuchen. Um es gleich vorwegzusagen: Wir sind den Weg „falsch“ herum gegangen. Das hat allerdings nicht weiter gestört. Ich fand die Auf- und Abstiege bei dieser Variante recht angenehm verteilt. Die Strecke ist rund 8 km lang, wir haben etwa drei Stunden gebraucht.

Die erste Station, wo ein Plan aufgebaut ist und Prospekte zu haben sind, befindet sich an der Tapasbar Don Quijote . (Wäre eine günstige Gelegenheit zum Mittagessen gewesen, wir sind nach Abschluss der Tour trotzdem weitergezogen.)

Klangwanderweg Hammelbach

Waldmarimba

Die ersten beiden Klangspiele, die an dieser Straßenecke aufgebaut sind, bieten schon mal einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt: vor allem Metall mit wenig Klang. Insbesondere die Wind-Instrumente – drei von zehn – funktionierten bei der aktuellen Wetterlage nicht. Die besten Klänge lieferte die pentatonisch gestimmte Waldmarimba mit Klangstäben aus Eichenholz und dahinter angebrachten Resonanzröhren.

Ansonsten handelt es sich einfach um einen schönen, abwechslungsreichen Wanderweg mit Wald und Wiesen, gelegentlich auch mal einem Feuchtgebiet quer über dem Weg. Wenn man der Markierung – blaues Ohr auf weißem Grund – richtig herum folgt, kommt man vermutlich mit der passenden Menge Hunger und Durst an der Waldgaststätte Alt-Lechtern vorbei, um dort eine Rast einzulegen.

Die letzte Klangstation für uns war die Weschnitzquelle. Die ist laut Plan dafür vorgesehen, sich „auf diese besinnliche Runde“ einzustimmen. Wenn man relativ früh am Tag aufbricht, kann das funktionieren. Wir kamen allerdings an einem Feiertag bei schönem Wetter gegen Mittag an. Da herrschte unterwegs ein wenig Menschenauflauf; auch an der Quelle war eine größere Gruppe versammelt. Das ortsansässige Ungeheuer ließ sich davon jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen.

Klangwanderweg Hammelbach - Weschnitzquelle

Das Ungeheuer der Weschnitzquelle

Fazit: Ein schöner Wanderweg; als Klangerlebnis wirkt er möglicherweise bei schlechterem Wetter, vor allem mehr Wind, besser.

Brauchtumstage im Lindenfelser Museum

Handwerksvorführung im Museumshof

Steinmetz bei der Arbeit

Neben der Online-Buchmesse finden auch im echten Leben noch Dinge statt. Am Wochenende zum Beispiel die Lindenfelser Brauchtumstage. Bei dieser Gelegenheit werden die Werkstätten im Museum in Betrieb genommen, und im Hof wird ebenfalls eifrig gearbeitet, unter anderem werden Kartoffeln gedämpft und Äpfel gekeltert. Im Bürgerhaus gegenüber gibt es Verkaufsstände und weitere Verpflegung. Das Wetter hat in diesem Jahr wunderbar mitgespielt und es haben sich viele Besucher eingefunden.

Web-Aktivitäten

Ich habe ein paar Stunden im Museum am Webstuhl verbracht. Das ist oft eine ziemlich meditative Tätigkeit. Der aktuelle Läufer hat allerdings ein etwas kleinteiliges Muster, da war nicht viel Gelegenheit, sich in den Flow zu arbeiten – obwohl der Webstuhl in diesem Jahr ohne Panne funktionierte. Immerhin kamen im Lauf des Tages 60 Zentimeter Teppich zusammen. Die Kette ist aus Baumwolle, der Schussfaden pflanzengefärbte, handgesponnene Schafwolle.

Handgewebter Läufer

Webarbeit am Sonntag im Museum

Alpakas!

Am Tisch hinter mir wurde Alpakawolle kardiert, von den Odenwald-Alpakas in Reichelsheim. Die gibt es seit über zehn Jahren, das ist traditionell genug für meine Zwecke. Die Wolle ist weich und flauschig, nach dem Kämmen verarbeiten sie die Spinnerinnen nebenan, teilweise zusammen mit Seide. Daraus wird mit Sicherheit kein Bettvorleger. Als Pullover oder Schal ist dieses Material viel besser aufgehoben.

Lindenfelser Ökomarkt 2018

Mein Blog hat offensichtlich ein ganzes Jahr überlebt, denn hier kommt der zweite Bericht vom Lindenfelser Ökomarkt. Der fällt leider deutlich kürzer aus als 2017. Es waren weniger Händler da, wodurch sich der Kruscht-Anteil erhöht hat. Die anwesenden interessanten Händler waren größtenteils alte Bekannte.

Cannamoda zum Beispiel. Trotz Anbau auf dem Balkon habe ich noch genügend Hanfsamen in der Vorratsdose, da musste ich keinen Nachschub holen. Dafür gab es Hanf-Dinkel-Nudeln und einen Hanf-Brombeer-Tee. (Sabines Suppenmanufaktur fehlte in diesem Jahr leider, also keine Emmernudeln.)

Daneben gab es einen neuen, schön bunten Seifenstand von Marion Thiel aus Lampertheim.

Handgesiedete Seifen

Auch Odenwälder Feine Brände aus Litzelbach waren wieder zur Stelle. Bei ihnen habe ich einen Pfirsich- und einen Brombeer-Limetten-Secco erworben, zum gemütlichen Probieren zu Hause.

Für einen längeren Aufenthalt in der Burgstraße war das Wetter dieses Jahr leider wenig einladend – trüb, kalt und zugig. Der tapferen Frau Rusch von Cannamoda ist während des Aufbaus sogar der Stand davongeflogen. Folglich habe ich nur schnell bei den Schäfern Wüstenhagen und Pollmann aus Hetzbach eine Lammsalami und bei Imker Hillenbrand den nötigen Vorrat an Met und Wikingerblut eingekauft. Bei Herrn Hillenbrand gab es noch je ein Fläschchen Holunderbeer- und Löwenzahnsirup. Ich bin gespannt, wie diese beiden sich mit Hochprozentigem oder Perlendem mixen lassen.

Einkäufe beim Ökomarkt 2018

 

Lindenfelser Ökomarkt

Gestern war Ökomarkt in Lindenfels, wie schon seit etlichen Jahren am ersten Sonntag im September. Die Händler standen nicht gerade dicht an dicht, es hätten noch einige Platz gehabt. Dafür war erfreulich wenig Kruscht im Angebot, bei dem man sich fragt, was er ausgerechnet auf einem Ökomarkt zu suchen hat. Die Buchhandlung Lichtblick aus Zwingenberg hatte neben einigen Tischmetern Esoterik auch handfeste Praxisbücher zu Selbstversorgung und Selbermachen dabei. Ansonsten gab es statt Krempel Pflanzen und handgesiedete Seifen, Großes und Kleines aus Holz, Textilien und Keramik. Und natürlich echtes Essen, aus der Region und von weiter her.
Kräuter und ZierpflanzenMein ursprünglicher Plan für den Sonntag lautete, auf dem Markt eine Kleinigkeit essen, dann Schwimmen gehen. Aber dann habe ich so viel feine Sachen entdeckt, dass ich so schnell nicht weggekommen bin.
Die „Kleinigkeit“ waren chilenische Empanadas, eine gefüllt mit Tomaten, eine mit Spinat und Käse. Merke: Man muss den Teig nicht unbedingt aus Vollkorn-Dinkelmehl machen, nur weil man auf dem Ökomarkt steht. Die Weizen-Variante war eindeutig knuspriger geraten. Stand SchöllkopfhofGleich gegenüber, am Löwenbrunnen, gab es frisches Gemüse. Damit hatte ich mich leider schon vorher eingedeckt, aber zwei Pfund Kartoffeln – eins rot, eins blau – waren noch drin. Die halten sich ja bekanntlich etwas länger. Beim Stand nebenan wurde es ein Glas Kokosmus. Nicht gerade kalorienarm, dieser Brotaufstrich, und direkt vor der Haustür wachsen die Nüsse auch nicht. Aber bei „hin und wieder mal ein bisschen“ hält das Glas hoffentlich eine Weile vor.

Eine spannende Neueröffnung steht für Ende Oktober in Reichelsheim bevor: El Gusto bietet mediterrane Feinkost an. Das Olivenöl aus Katalonien gehört sozusagen zur Familie.
Eine Hanfplantage kann ich mir jetzt auch anlegen. Cannamoda aus Sachsenheim hatte nicht nur Kleidung und Taschen aus Hanf dabei, sondern auch Ess- und Trinkbares sowie Kosmetik. Mindestens eine Pflanze für den Balkon wird bei dem reichlichen halben Pfund Körner fürs Müsli oder zum Keimen wohl herauskommen …

Taschen aus HanfBei den feinen Bränden aus Litzelbach habe ich mich mit dem Probieren eher zurückgehalten, ich war ja noch der Meinung, ich müsste noch Auto fahren (zur Odenwald-Therme, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden). Dabei wirkte die Auswahl an Hochprozentigem sehr interessant, vor allem die Liköre mit ihren Nibelungen-lastigen Namen. Meine Alkoholvorräte habe ich dann ein paar Stände weiter bei Imker Stefan Hillenbrand ergänzt, da gab es nämlich Met.

Stand Odenwälder Feine Brände

Ein hilfreiches Angebot für Tage, an denen es schnell gehen muss, hatte Sabines Suppenmanufaktur aus Mutterstadt dabei. Wie der Name schon sagt, gibt es dort Suppen im Glas, ohne Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker. Da ich meistens doch eher Frisches koche, wurden es hier zwei Päckchen Nudeln, eins davon aus Emmermehl. Ich bin gespannt, wie die sich als Grundlage für Gemüse machen.

Stand Bio-Keller

Bisher macht das Ganze einen sehr vegetarischen, abgesehen vom Honig auch veganen Eindruck, ohne dass dafür besondere Verrenkungen nötig wären. Bei dem Thema liegt das ja nahe. Fleisch gab es aber auch, zum einen in etlichen von Sabines Suppen, zum anderen geräucherte Wurst und Schinken vom Schaf (und die andere Hälfte des Standes lag voll mit kuschelig aussehenden Fellen, so richtig einladend zum Reinlegen).
Insgesamt ein buntes Angebot an leckeren und angenehmen Dingen, von denen die meisten nicht erst um die halbe Welt reisen müssen, damit wir sie vor Ort kaufen können. Hin und wieder lohnt sich eine kleine Entdeckungstour wie diese. Ich bin gespannt auf den Markt im nächsten Jahr.

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