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Phantastische Heldinnen III

Mein Beitrag zur Blogreihe über phantastische Heldinnen befasst sich mit Frauen in eher heimatlichen Gefilden in nicht allzu ferner Vergangenheit – mit ein paar Eigenheiten.

Phantastische Heldinnen III

Als dieses Buch erstmals bei Heyne erschien, hat es mich als jugendliche Karl-May-Leserin sehr angelacht. Glücklicherweise habe ich den Kauf bis zur Neuausgabe über zehn Jahre später verschoben; so hatte ich deutlich mehr davon.

Ich lese Carl Amery gern wegen der Sprache(n und Dialekte), und weil sein Humor auf meiner Linie liegt, nicht wegen der handfesten Frauen in seinen Romanen. Die sind eher selten und außerdem ungleichmäßig verteilt. In Das Königsprojekt treten vor allem Deko-Frauen auf. In Der Untergang der Stadt Passau verteidigt eine Tapfere aus dem Gefolge des Schäffs ihre mechanische Nähmaschine bis zum letzten Kapitel. In Das Geheimnis der Krypta ist die Schwester des Helden immerhin die Gewährsfrau dafür, dass das Gold nach jeder Katastrophe wieder in den Händen der Banker landet. An den Feuern der Leyermark hat dafür gleich Frauen in größeren Rollen zu bieten – gKall, dTéres und bMaxi (hatte ich schon mal was von „Dialekt“ erwähnt?). Nach ihnen sind die drei Teile des Buches benannt, das außerdem „den Müttern und Großmüttern“ gewidmet ist.

Zum Inhalt

Wir befinden uns im Jahre 1866 nach Christus. Die Leyermark – Bayern, für die Bewohner*innen der hiesigen/jetzigen Realität – ist unter einem griechenbegeisterten König Radwig (I.) ungefähr bei Napoleon falsch abgebogen. In Amerika ist vor Kurzem der Bürgerkrieg zu Ende gegangen, in Deutschland bahnt sich der „Bundeskrieg“ gegen Preußen an. Ein aufstrebender Jurist im Kriegsministerium, einer der wenigen Englisch-Könner weit und breit, bestellt aus US-Armeebeständen 546 Godfrey Rifles, „excellently manned and serviced“. Die kommen mitsamt ihrer Bemannung und mischen den Laden ordentlich auf.

Bisher sind die Geschlechterrollen traditionell verteilt: Die Männer führen Krieg, bauen Maschinen, sind künstlerisch tätig und vor allem wichtig. Die Frauen kochen (gKall), singen im Kirchenchor und gehen beichten (dTéres) oder halten Po und Busen in die Kamera, äh, vor die Leinwand (bMaxi). Männer bündeln, Frauen bleiben für sich.

Das kann man als historisch-realistisch ansehen, muss man aber nicht. 1865 fand in Leipzig eine erste gesamtdeutsche Frauenkonferenz statt, bei der die Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins beschlossen wurde. Davon findet sich in der vorliegenden Geschichte keine Spur. (Was damit zu tun haben könnte, dass reale Ereignisse bzw. Personen in der Regel als Vorlage für satirische Verfremdung dienen. Das wäre im Fall der „Leipziger Frauenschlacht“ nicht gerade originell.)

bMaxi

Die Frauen planen keine Revolution, sie nutzen jeweils die Möglichkeiten ihrer persönlichen Situation, um sich weiterzuentwickeln. Die stärkste Rolle hat in diesem Zusammenhang bMaxi, die am ehesten „modern“ wirkt. Nachdem sie vom angesagten Historienmaler in München entdeckt wurde, arbeitet sie sich weiter nach oben. Gutes Aussehen und lockere Moralvorstellungen mögen dabei helfen, aber bMaxi lernt – gute Umgangsformen und Französisch – und arbeitet – als Galeristin, die den eigenen Laden putzt -, um gesellschaftlich voranzukommen. Ihre serielle Monogamie wird als nicht weiter bemerkenswert dargestellt. Eine negative Bemerkung zum Thema dient vor allem dazu, den Sprecher als rückständigen armen Tropf zu charakterisieren. Sie hat ihren großen Auftritt als symbolische Anführerin der Revoluzzer-Delegation, die zwar nicht zum König vordringt, aber größten Eindruck macht.

dTéres

dTéres legt sich mit der Kirche an, der sie ihr Leben lang treu gefolgt ist. Aber nachdem sie die Reaktion mancher Würdenträger beobachtet, wenn nicht alles seinen gewohnten Gang geht, widersetzt sie sich. Letzten Endes auch ihrem Verlobten, dem sie ebenso lang gegen den Widerstand ihres Vaters die Treue gehalten hat. Die beiden trennen sich wegen weltanschaulicher Differenzen. dTéres wird zum Gegenstand einer kirchenrechtlichen Abhandlung (deren Inhalt im Off bleibt) und fördert damit die Karriere ihres früheren Beichtvaters. Ihre Zukunftsaussichten am Ende des Abenteuers werden über ihren Kopf hinweg von ebendiesem Beichtvater und einem freimaurerisch orientierten Pädagogen diskutiert. Die geneigte Leserin kann allerdings vermuten, dass dTéres ihren eigenen Weg zwischen den sich neu eröffnenden Möglichkeiten findet.

gKall

gKall kommt von den drei Frauen am schlechtesten weg. Ihre Abnabelung vom großen Bruder beruht auf Geld und einer Heirat. In ihrer neuen Rolle ist sie eher stille Teilhaberin als Gestalterin des Unternehmens. Der Autor schreibt ihr zwar „die revolutionärste Idee von allen“ zu, die wird aber in nur einem Absatz im großen Schlusstableau abgehandelt und erscheint, jedenfalls aus heutiger Perspektive, zu kurz gedacht.

Über den Roman ließe sich noch einiges schreiben, mindestens ein Artikel zum Thema Rassismus dürfte noch drinstecken, eventuell auch etwas zum Autor und zum gesellschaftlichen und spekulativ-literarischen Umfeld der Entstehungszeit. Hier geht es allerdings demnächst weiter mit Torchy Burns und ihren musikalischen Widersacherinnen in der Songkiller-Saga von Elizabeth Ann Scarborough.

Literatur:

Ute Gerhard, Unerhört – Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung, Rowohlt 1990

Fantastisches Europa – Startschwierigkeiten

Fantastisches Europa - Startschwierigkeiten

Nicht das Neueste von Peter Schaap

Da Europa gerade eins der brandheißen Themen ist, hielt ich das für den passenden Anlass, einen guten Vorsatz vom PAN-Branchentreffen gleich in die Tat umzusetzen: Phantastik aus anderen Ecken Europas vorzustellen. Als Ausgangspunkt wollte ich einen Autor nehmen, dessen Erstlingswerk mir schon … ist bald nicht mehr wahr … Ende des vorigen Jahrhunderts gefallen hat, Peter Schaap.

Klar, die Bücher von damals gibt es immer noch. Davon stehen auch einige in meinem Regal. Soweit ich das bisher feststellen konnte, lebt der Autor noch, schreibt und singt auch weiterhin. Im Sommer 2018 ist sein neuester Roman De Helden van Sidian erschienen, beim Verlag Zilverspoor in Naaldwijk (Zuid-Holland). Der Klappentext klingt so weit gut.

Ich folge also dem Bestell-Link und stelle fest: Ein Versand außerhalb der Niederlande ist nicht vorgesehen. Na gut, Belgien ginge noch, aber das hilft mir nicht allzu viel. Von einer E-Book-Ausgabe ist nirgends die Rede. Auch beim Buchhändler meines Vertrauens finde ich den Titel nicht. Beim großen A ist er derzeit nicht verfügbar. Immerhin könnte ich mir von der französischen Abteilung einen anderen Fantasy-Roman des Autors schicken lassen. Darüber denke ich noch nach.

Vielleicht starte ich auch einfach mit einem kurzen Überblick über das, was ich schon hier habe – De Schrijvenaar van Thyll zum Beispiel. Wenn ich mich recht erinnere, könnte die Geschichte auch nach dreißig Jahren noch das eine oder andere zu sagen haben.

Oder ich suche mir einen anderen Autor bzw. eine Autorin oder gehe vorerst in ein anderes Land auf Entdeckungsreise. In Spanien gibt es ebenfalls fantastische Bücher, und soweit ich das überblicke, auch allerlei Preise innerhalb des Genres. Da dürfte sich also etwas Spannendes finden lassen, von den spanischsprachigen Autor*innen aus anderen Ländern mal ganz zu schweigen.

Also – sobald die Leyermark mit ihren Heldinnen erschöpfend behandelt ist, kann die Europareise weitergehen.

 

Die von Meara Finnegan gestartete Blogreihe über Heldinnen der Phantastik hat einen neuen Beitrag, seit gestern bei Gwees Bücherwelt. Es geht diesmal um eine gestaltwandelnde Automechanikerin mit dem passenden Namen Mercedes. Wer bei Urban Fantasy nicht unbedingt Romantik erwartet, ist bei der Autorin Patricia Briggs offenbar an der richtigen Adresse.

Die deutsche Übersetzung stammt von Vanessa Lamatsch – wenn wir schon beim Sichtbarmachen häufig unbeachteter Heldinnen sind.

Erkenntnisse aus dem PAN Branchentreffen 2019

… alias #pan19

Erkenntnisse zu Inspirationsquellen
Erkenntnisse aus #pan19

Ein inspirierender Organismus?

Erkenntnis Numero 1 kommt nicht wirklich überraschend, gehört aber zu den Dingen, auf die immer mal wieder hingewiesen werden sollte: Die Möglichkeiten, Inspirationen zu finden, sind praktisch unbegrenzt. Ich hangele mich mal am Programm entlang.

In vor- und unmittelbar nachsintflutlichen Zeiten gibt es noch eine Menge Platz für fantastische Welten. Ein Steinzeit-Krimi um Ötzi ist inzwischen nur noch antiquarisch zu haben, also wird es vielleicht Zeit für eine Neuinterpretation. Die Welt war auch damals schon ziemlich groß und die Menschheit unterwegs. Alle Neuentwicklung einer einzelnen, blonden & blauäugigen Heldin zuzuschreiben kommt möglicherweise nicht mehr ganz so gut, und es stehen vermutlich allerlei andere in den Startlöchern, um ihre Welt zu verbessern. Ebenso gab es, laut Dr. Michael Lagers vom LWL-Landesmuseum Herne, bereits in der Steinzeit Produktpiraterie. Das könnte ein ganz neuer Ansatzpunkt für eine Krimihandlung sein.

Des Weiteren sind Trolle eine ausgesprochen vielseitige Spezies, auch dann noch, wenn man die Schlumpf- oder Gartenzwergähnlichen abzieht. Skandinavische Märchen bzw. isländische Sagas halten verschiedene Aspekte dieses Volkes bereit, die in der Phantastik noch nicht allzu weit verbreitet sind. Der Vortragende, Professor Rudolf Simek, hat zudem weitere mittelalterliche Monster im Angebot, denen sich vermutlich nachzugehen lohnt. (Für meine Burgenwelt-Geschichte bleibt es aber erst mal beim Totengeist.)

Das war jetzt schon wieder vor allem Historisches und Kulturelles. Dabei gibt es in anderen Ecken der Wissenschaft mindestens so geniale Vorbilder für Feinheiten des Weltenbaus – siehe auch hier. Hier gab es entscheidende Einblicke in das Leben des Kleinen Leberegels (zu bewundern oben links) und des großen afrikanischen Elefanten im Workshop von Anika Beer. Die muss ich aber noch ein bisschen sacken lassen, bis sie irgendwo andocken und eine Geschichte daraus wird.

Erkenntnise zu weiteren Projekten

Aus dem „prähistorischen“ Vortrag von Dr. Meret Fehlmann stammt die Erkenntnis, dass Phantastik nicht nur auf Englisch oder Deutsch geschrieben wurde und wird. Da liegt also ein weiteres Projekt und wartet darauf, dass ich Zeit und den richtigen Aufhänger dafür finde. Es reizt mich schon seit vielen Jahren, es könnte also langsam erntereif sein.

In Sachen „unbedingt mal wieder lesen“ gab die Podiumsdiskussion am Donnerstag einen wichtigen Hinweis: Karen Nölle übersetzt Romane von Ursula K. Le Guin neu. Bisher noch gar nicht übersetzt und, wenn ich das richtig verstanden habe, derzeit auch nicht dafür vorgesehen, ist eins meiner Lieblingsbücher von dieser Autorin, Always Coming Home. Trotzdem ist auch das ein Anstupser, mal wieder reinzuschauen.

Erkenntnisse zur Freizeitgestaltung

Diese Erkenntnis hat nicht so viel mit phantastischer Literatur zu tun, sondern vor allem damit, dass es im Hotel kein Schwimmbad gab. (Das ist kein Kriterium dafür, dort zu wohnen oder nicht; das Branchentreffen hate eben ein neues Domizil.) Es gab aber einen Fitnessraum, und damit hatte ich Gelegenheit festzustellen, dass so ein Stepper eine feine Sache sein kann. Außerdem sollte ich wohl die Wörterbuch-Gymnastik wieder aufnehmen. Der dicke Van Dale hat sich da schon bewährt, wenn ich mich recht erinnere.

Dann gab es noch einen Hinweis auf einen Ausflug: Bei Orgelbau Klais in Bonn gibt es die Möglichkeit, an Betriebsführungen teilzunehmen.

Weltenbau – Über Steine

Kurz vor dem Abflug zum PAN-Branchentreffen kommt hier der letzte Weltenbau-Artikel. Diesmal geht es, zumindest ansatzweise, um die „Steine“, die geographischen Grundlagen.

Weltenbau - Über Steine

Was hieraus wohl entsteht?

Wie bereits erwähnt: Ich bin Lingu, Naturwissenschaft ist nicht meine starke Seite. Aber ganz ohne geht es auch nicht. Dabei gibt es zum Glück Genre-spezifische Abkürzungen. Wer nicht gerade eine Space Opera schreibt, kann mit einer ziemlich erdähnlichen Welt auskommen. Kann, muss aber nicht. Für Fantasy-Welten gibt es da ebenfalls viele Möglichkeiten. Insbesondere, wenn der Kontrast zur gewöhnlichen Umgebung der Held*innen und/oder Leser*innen betont werden soll, kann es helfen, zum Beispiel zwei Sonnen scheinen zu lassen. Oder zu definieren, dass die Welt eine Scheibe ist.

Evidenzbasierte Spinnerei

Allerdings gibt es für Fantasy-Welten im engeren Sinn mehr „Regelwerke“ zur Auswahl als in der SF. Das S steht schließlich für „Science“, also sollte ein Bezug zu den bekannten Naturgesetzen zumindest erkennbar bleiben. Da ändert sich nur der Stand der Wissenschaft im Lauf der Jahrzehnte, und es kann spannend sein, die Zukunftsvisionen von „damals“ mit den tatsächlichen Entwicklungen zu vergleichen. Die Phantastische Bibliothek Wetzlar nutzt das Potenzial der evidenzbasierten Spinnerei im Projekt Future Life systematisch, um mögliche zukünftige Entwicklungen zu erkennen bzw. anzustoßen. Vermutlich sind etliche real existierende Erfindungen auf Ideen aus Literatur oder Film zurückzuführen.

Welteis oder Wall aus Reisbrei

Für eine Fantasy-Welt ist es aber durchaus zulässig, wenn nicht sogar erwünscht, auf längst widerlegte Theorien zurückzugreifen oder sich gleich von der Mythologie inspirieren zu lassen. Die Flachwelttheorie hat eine beachtliche Karriere hingelegt, eine Höhlenwelt gibt es auch schon, womöglich lässt sich sogar aus der Welteislehre was machen. Göttliche Schöpfungen sind ohnehin an der Tagesordnung. Vielleicht muss man es auch gar nicht so genau wissen, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Wie funktioniert zum Beispiel das Schlaraffenland? Da es bereits Sachbücher zur Biologie von Drachen gibt, wäre eine Abhandlung zur Statik von Reisbrei-Wällen auf jeden Fall denkbar.

Zurück zu den Steinen

Aber nun zurück zu den Steinen und anderen grundlegenden Bestandteilen der fiktiven Welt. Sie haben beachtliche Auswirkungen auf die weiteren Aufbauten der Welt und die Geschichten, die dort spielen. Das betrifft zum einen alltägliche Fragen wie die nach Kleidung oder Essen: Welche Rohstoffe gibt es? Was brauchen die Bewohner der Welt, um über die Runden zu kommen? Wo fängt der Luxus an?

Reiserouten

Oft reisen die Held*innen stellvertretend für die Leser*innen einmal quer durch die Welt und es wäre zu beschreiben, mit welchen Mitteln sie das tun, auf welche Schwierigkeiten sie stoßen, wie sich Landschaft und Jahreszeiten auswirken. (Welche gibt es überhaupt?) Natürlich kann man die Abkürzung nehmen und Flugreisen anbieten. Aber auch für die muss ein Rahmen definiert werden. Meistens braucht man dazu magische Methoden, allermindestens einen kooperationswilligen Drachen. Der setzt wiederum einen geeigneten Lebensraum mit dem nötigen Futter-Angebot voraus.

Reale Vorbilder

Für die meisten Details kann man sich an den terranischen Gegebenheiten orientieren. Da gibt es genügend Auswahl an Welten-Bausteinen und Anpassungen an diese. Darauf basieren zum Beispiel die oben erwähnten Drachen-Sachbücher. Auch Menschen haben sich in allerlei Umgebungen eingerichtet und Mittel und Wege gefunden, sich dort mit allem Nötigen zu versorgen. Sie können dem einen oder anderen Elfendorf vermutlich ein paar Life Hacks verraten.

Und was ist mit Magie?

Kein direktes Vorbild gibt es für Magie. Im Gegenteil, da finden sich jede Menge gute Erklärungen, warum es nicht funktioniert, mal eben einen Menschen in einen Frosch zu verwandeln. In vielen Fantasy-Welten spielt sie trotzdem eine Rolle und erfordert ihre eigenen Naturgesetze. Wie mächtig kann Magie werden? Wodurch wird ihre Anwendung begrenzt?

Möglicherweise werden Rohstoffe gebraucht, die nachwachsen oder auch nicht. Vielleicht ist der Umgang mit Magie ein Talent, das ausgebildet werden kann bzw. muss. Da in einer Welt mit Zauberei auch unorthodoxe Lehren zutreffen könne, ist eventuell der Stand der Gestirne für die Wirkung eines Zaubers von Bedeutung. Sind die Voraussetzungen erst einmal definiert, lassen sich ihre Auswirkunge auf die Welt und ihre Bewohner unter Zuhilfenahme von etwas Fantasie dann wieder in Geschichtsbüchern oder in der Zeitung nachlesen.

Wie weit diese Überlegungen ins Detail gehen müssen, hängt von der jeweiligen Welt und ihren Geschichten ab. Je märchenhafter das Ganze werden soll, desto mehr Isso lässt sich unterbringen. Oft entwickeln Welten auch, ähnlich wie Figuren, ein Eigenleben mit immer mehr geographischem und sonstigem Unterbau. Viel Spaß bei der Recherche!

 

Phantastische Heldinnen

Heute startet bei Meara Finnegan eine Blogreihe über phantastische Heldinnen, an der ich mich ebenfalls beteiligen werde. Zum Auftakt schreibt Heike Korfhage einen Gastbeitrag über Lúthien.

Geplant ist ein Beitrag pro Woche, in dem wir jeweils eine Heldin vorstellen, von der wir gern gelesen haben. Kriegerinnen sind ebenso vertreten wie Magierinnen und diverse andere, auch recht unphantastische Berufe. In den von mir geplanten Beiträgen treten zum Beispiel Bäuerin, Sängerin und Model auf.

Bücher mit phantastischen Heldinnen

Auch wenn auf der Liste etliche Romane stehen, die schon vor Jahrzehnten erschien sind, und Heldinnen, von denen vermutlich alle schon mal gehört haben – siehe oben -, dürfte noch der eine oder andere Geheimtipp dabei sein.

Für Nachschub an phantastischen Heldinnen startet übrigens demnächst bei Feder & Schwert ein neues Imprint mit dem vielversprechenden Namen Wicked Queen Editions. Frau darf gespannt sein.

Zu meinen eigenen Heldinnen geht es hier.

 

Weltenbau – Über Sprachen

Weltenbau - Über Sprachen

Quenya oder Sindarin?

Ich bin Lingu, also muss ich auch ein paar Worte über das Thema Sprachen verlieren. Außerdem besteht die klassische Weltenbaumethode bekanntlich darin, mindestens eine Sprache zu entwickeln und sich dann Völker auszudenken, die sie sprechen. Diesen Ansatz habe ich einmal verfolgt und bin heute noch froh über meine Aufzeichnungen von damals, denn die machen es leichter, Namen zu erfinden, sei es für Leute, Orte oder Dinge. Ich habe eine Vorstellung davon, wie diese Sprache funktioniert, und kann sie ohne großen Aufwand in die Geschichte einbauen.

Jetzt kommt natürlich die übliche Frage: Brauche ich das überhaupt? Und die Antwort ist ebenfalls die übliche: Ja, nein, vielleicht. Natürlich kann man eine fremde Welt ganz und gar in seiner Muttersprache ausstaffieren und die Energie, die andere auf Phonetik, Grammatik und so weiter einer Kunstsprache verwenden, lieber zum Plotten oder Recherchieren nutzen. Das schadet der Geschichte mit Sicherheit nicht. Vermutlich stößt man früher oder später aber doch an Grenzen. Sei es beim Namen verteilen, beim Fluchen oder wenn mehrere Völker aufeinandertreffen.

Wie soll es heißen?

Sprechende Namen sind ja schön und gut, und ein „Großer Fluss“ kommt auch in der real existierenden Geographie hin und wieder vor. Nur beschwört „Anduin“ vermutlich andere Bilder herauf als „Guadalquivir“ oder „Rio Grande“. Personennamen kann man nach dem Modell Fürchtegott, Sonne-von-links oder Ähnlichem bauen. Die sind leichter zu lesen als die nach dem gängigen Klischee aus lauter y und Apostrophen zusammengeleimten Fantasynamen, wirken aber in größerer Häufung mitunter anstrengend. Also lohnt es sich vielleicht doch, einige Überlegung zumindest auf ein Namenssystem und die Grundlagen der Phonetik zu verwenden, um weder in die eine noch in die andere Falle zu tappen.

Wie ein Mensch zu seinem Namen kommt, sagt außerdem einiges über die Gesellschaft aus, in der er sich bewegt. Das gleiche gilt für die Frage, wer die Macht hat, den Namen eines Ortes zu prägen – weiß jemand, wo Zarizyn liegt?

Wer beschimpft wen, wie und warum?

Beim Thema Fluchen spielt unter anderem die Frage eine Rolle, wie derb es denn werden soll, und was in dieser Gesellschaft als derb gilt. Fäkalsprache ist wohl universell, deshalb wird es schwieriger, damit eine andere Wirkung zu erzielen, als sie nun einmal auf die jeweiligen Leser hat. Gottheiten dagegen lassen sich leicht austauschen und tragen eher zum fantastischen Ambiente bei, ebenso wie diverse andere Möglichkeiten: Gilt es als tödliche Beleidigung, jemanden zu einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu zählen? Oder sind Tiernamen das absolut Letzte? Wenn ja, welche Tiere und was ist an ihnen so schrecklich? Außerdem dürften die Meinungen über die (Un-)Angemessenheit von Schimpfwörtern in verschiedenen gesellschaftlichen Kreisen auseinander gehen.

Fiktionale Kreolistik

Wenn mehrere Völker aufeinandertreffen, und sei es nur, dass eine Touristin von der Erde sich durch ein Portal verirrt, sollten Sprachprobleme auftreten. Das muss sich nicht unbedingt lesen wie bei Edwin Morgan, es geht auch weniger kompliziert.

Die „gemeinsame Sprache“ ist ein beliebter Kniff. Trotzdem ist anzunehmen, dass die Beteiligten jeweils mit einem eigenen Akzent reden, typische Fehler machen oder Ausdrücke verwenden, die ihr Gegenüber erst einmal seltsam findet.

Vielleicht lohnt es sich auch, darüber nachzudenken, welche Sprachen an der „gemeinsamen“ beteiligt sind, wann und warum sie entstanden ist. Es gibt allerlei historische Beispiele, die als Vorbild dienen können. Der Tourist von der Erde wird sich folglich trotzdem mit Händen und Füßen verständigen müssen bzw. es mit Zeichnen oder einer anderen Methode versuchen. Rasend schnelles Lernen erscheint dabei oft weniger erklärungsbedürftig als ein Babelfisch-Äquivalent.

Bild: Voynich-Manuskript, gemeinfrei

Weltenbau – Über Spiele

Hier in der Nähe bahnt sich ein größeres Spiele-Event – inklusive Meisterschaftsfinale – an, deshalb gibt es heute einen Weltenbau-Artikel zu diesem Thema.

Weltenbau und Spiele

Inspiration aus Aventurien …

Im Gegensatz zu Essen oder Musik, die vor allem innerhalb der Welt eine Bedeutung haben, können Spiele auch von außen her Einfluss nehmen. Seit mindestens dreißig Jahren gibt es Fantasy-Rollenspiele, anfangs Pen & Paper, später elektronisch. Viele Autor*innen des Genres haben Spielrunden geleitet bzw. tun das immer noch, andere zocken online oder entwickeln Computerspiele. Da bleibt es kaum aus, dass die Spielwelten gewisse Auswirkungen auf die Romanwelten haben – sei es durch Anspielungen, Parodien oder direkte Gegenentwürfe, von mehr oder weniger bewussten Übernahmen ganz zu schweigen.

Die Welt, in der Die Göttin der Helden spielt, verdankt ihre Existenz einer DSA-Parodie, die zu einer Ausschreibung der Story-Olympiade entstand: Kann man die intensive Buchführung rund um die Entwicklung aventurischer Held*innen in eine Romanwelt übertragen? Wie könnte das aussehen? Mehrere Geschichtenfragmente und zahlreiche Eingebungen aus anderen Quellen später beschreibe ich jetzt sozusagen die Anfänge der Abenteuer-Bürokratie. Ich habe zwar gewisse Vorstellungen, wie sich das weiter entwickeln könnte, aber vielleicht stellt sich beim Schreiben auch heraus, dass das System nicht wie gedacht funktioniert. Dann schrumpft der kulturelle Einfluss aus Aventurien eben wieder.

… und aus einer ganz anderen Ecke

Ein zweites Spiel, das diese Welt nachhaltig beeinflusst hat, ist für das Genre eher untypisch. Vor einigen Jahren habe ich den „historischen“ Ableger eines Computerspiels aus der Ecke Mädchen – Pferde – Abenteuer übersetzt. Es ging dabei um eine Sammelqueste einmal rund um die Erde im frühen 21. Jahrhundert. Dieses Grundgerüst habe ich für meinen NaNoWriMo-Roman in dem betreffenden Jahr in die Welt der Regenbogengötter und auf einen technisch nicht ganz so fortgeschrittenen Stand versetzt. (Im Vergleich zu Die Göttin der Helden sind wir trotzdem mehrere Jahrhunderte weiter.) Dadurch, dass die Geschichte eben in allen Teilen der Welt spielte, habe ich eine Menge über diese und ihre Bewohner erfahren, was ich jetzt gut gebrauchen kann. Also – ein Hoch auf rosa Halfter und Turnierschleifen.

Was spielen unsere Helden?

Jetzt zur anderen Seite, Spiele innerhalb der Welt. Schach ist eine beliebte Vorlage für allerlei fantastische Spiele, ebenso Glücksspiele. Dabei eignen sich die Schach-Derivate eher als gesellschaftliche Etiketten und Elemente zur Figurencharakterisierung. Es kommt selten vor, dass die taktischen Feinheiten oder die kulturellen Aspekte solcher Spiele bis ins Detail ausgeführt werden. Das Spielmaterial, die Regeln und Konventionen dazu so zu präsentieren, dass das Ganze zur Spannung beiträgt, wird umso schwieriger, je geringer die Parallelen zum terranischen Vorbild sind.

Als Gegenbeispiel kann Die Spiegel von Kettlewood Hall dienen. Da steht ein Schachspiel im engeren Sinn im Mittelpunkt der Handlung, inklusive einer Regel, die genau im richtigen Jahr offiziell eingeführt wurde. Das geht, weil der Roman in England spielt und echte Schach-Nerds – und auch alle anderen misstrauischen Leser*innen – diese Entwicklung nachprüfen können. In einer Fantasy-Welt sähe das viel stärker nach Willkür der Autorin aus, die sich die Regeln zurechtschnitzt, wie sie sie gerade braucht.

Mehr Glück, als die Polizei erlaubt

Glücksspiele sind meist weniger kompliziert und deshalb leichter nachvollziehbar, auch wenn man die Einzelheiten nicht kennt. Entsprechend lassen sie sich einfacher handlungsrelevant einbauen. Sie bieten außerdem Konfliktpotenzial, zum Beispiel durch Falschspiel oder gewagte Einsätze. Spielschulden können die Figuren zu allerlei Taten motivieren, die den Plot voranbringen. Die Ambivalenz, dass die Obrigkeit das Glücksspiel einerseits reglementiert bis verbietet und andererseits daran verdient, reicht mindestens bis ins Mittelalter zurück. Auch mit diesem Aspekt kann man in einer Fantasy-Welt für Komplikationen sorgen.

Ich muss zugeben, dass „spielen“ in meinen Fantasy-Welten bisher mehr mit „Instrumente spielen“, notfalls noch „Theater spielen“ zu tun hatte. Höchste Zeit, das zu ändern. In Die Göttin der Helden gibt es da eine Figur, die sich als Spieler eignet, und die eine oder andere Gelegenheit für ein Lebendschach – wie auch immer die Regeln dazu aussehen werden. Außerdem müssen die Mittel für ein großes Bauvorhaben aufgebracht werden. Da wäre vielleicht eine Lotterie angebracht …

Literatur

  • Bornet, Philippe, und Maya Burger. Religions in Play – Games, Rituals, and Virtual Worlds. Pano Verlag, 2012.
  • Birkhan, Helmut. Spielendes Mittelalter. Böhlau Verlag, 2018.

Bild: DerRaoul über Wikipedia, CC-BY-SA 3.0

Weltenbau – Ein Beispiel

Um mal wieder die Kurve zum Weltenbau zu kriegen, folgt hier eine kurze Rezension eines meiner Meinung nach gelungenen Beispiels: Der letzte Winter der ersten Stadt von Rafaela Creydt.

Verschiedene Kulturen

In dem Roman spielt das Zusammentreffen zweier verschiedener Kulturen eine große Rolle, die beide sinnvoll ausgearbeitet sind, ohne dass terranische Parallelen beim Lesen sofort ins Gesicht springen. Beides sind menschliche Kulturen, fantasy-typische oder auch untypische „Fremdrassen“ treten nicht auf. Vorurteile hegen die Efoni und Tagoren gegeneinander, da braucht es weder Orks noch Elfen.

Die beiden Völker haben eine gemeinsame Geschichte mit Krieg, Eroberung, Widerstand und Zusammenraufen in unterschiedlicher Ausprägung. Kaiserhaus (Tagora) und Königshaus (Efon) sind miteinander verwandt/verschwägert und intrigieren eifrig zum Wohl der einen oder anderen Seite. Wobei dahingestellt ist, welche Seite das sein könnte und wie viele überhaupt im Spiel sind. Was die gewöhnlichen Bürger davon halten, deren Leben nachhaltig davon beeinflusst wird, steht nochmal auf einem anderen Blatt. Oder genauer auf mehreren anderen Blättern, denn natürlich sind unterschiedliche Gruppen unterschiedlich betroffen. Also ganz, wie man es aus der terranischen Geschichte kennt.

Exotische Früchte oder Grütze?

Ein Punkt, in dem sich die Kulturen erkennbar unterscheiden, ist das Essen. Krai, die Hauptfigur, hat unter anderem die Aufgabe, die Königin zu verpflegen. Auf Staatsbesuch am Kaiserhof stößt er dabei auf Schwierigkeiten von der Beschaffung der Zutaten bis zum Unverständnis des Küchenpersonals und überhaupt der höfischen Organisation.

Gesang für höhere Mächte

Mehr Gemeinsamkeit kommt bei der Musik auf. Die Efoni ziehen in der tagorischen Hauptstadt Atai mit Trommeln, Flöten und Zimbeln ein, die Königin tanzt zu den gleichen Instrumenten. Später verschwinden die Zimbeln, Trommeln begleiten den allgemeinen Tanz am hohen Feiertag Ana gebiert die Welt, dazwischen erklingen Flöten. Im Großen und Ganzen wird zu diesem Tanz jedoch gesungen, nämlich das Lied der Sterne, das auch jeden Morgen die aufgehende Sonne begrüßt. Ebenso singt Krai, um sich mit den Geistern zu verständigen.

Nach Aussagen des Verlags und der Autorin spielt der Roman in derselben Welt wie Die Stadt am Kreuz – übrigens auch sehr empfehlenswert. Beim Lesen fällt das nicht besonders auf. Die Bücher können ohne Weiteres alleine stehen. Auch das spricht in meinen Augen für einen gelungenen Weltenbau. Weit von einander entfernte Regionen und verschiedene Epochen müssen sich nicht unbedingt berühren, beim typischen Stand der Technik von Fantasy-Welten wäre eher das Gegenteil erstaunlich.

Noch zwei Zitate zum Abschluss:
Neschka: „Wir sind alle mehr als ein Mensch, in uns drin, oder nicht?“

Krai: „Solange wir den gleichen Weg gehen, willst du mir vorwerfen, wenn ich tanze und ihr marschiert?“

Weltenbau – Über Essen

Standesgemäß ist in der Reihe Weltenbau jetzt mein nächstes großes Thema dran, echtes Essen. Ähnlich wie bei den Musikinstrumenten besteht auch hier wieder die Neigung zu Shmeerps. Dazu kommt allerdings eine naturwissenschaftliche Komplikation: Kann ich etwas, das nicht biologisch-genetisch als Solanum tuberosum zu identifizieren ist, Kartoffel nennen? Möglicherweise ist das für Hard-SF-Schreiber*innen ein größeres Problem als in der Fantasy. Dort schnappt eher die aus dem historischen Regal bekannte „Ritterkartoffel“-Falle zu. „Damals“ gab es in Mitteleuropa noch keine Kartoffeln, und das ist bekanntlich das Maß aller Dinge, auch für Fantasy-Welten.

Weltenbau Essen

Spezialität aus einer anderen Welt

Ohne Essen geht es nicht

Ist Essen denn überhaupt so spannend, dass sich solche Überlegungen lohnen? Muss in einem Fantasy-Abenteuer wirklich detailliert aufgeführt werden, was es bei Heldens zum Frühstück gibt? Ausgefeilte Kochrezepte, die sich mit dem Angebot eines hiesigen Supermarkts und der üblichen Kücheneinrichtung ohnehin schwer nachkochen lassen, sind vielleicht wirklich nicht dringend nötig. Es gibt allerdings auch praxistaugliche Fantasy-Kochbücher, Nanny Ogg’s Cookbook oder einiges aus dem Zauberfeder-Verlag.

Aber das ist schon der nächste Schritt. Hier soll es erst einmal um die Geschichte gehen. Und ja, Essen kann spannend sein und direkte Auswirkungen im Abenteuer haben – von der Held*innengruppe, die sich unterwegs verpflegen muss, bis zur kräftigen Sauce, die den Geschmack eines Giftes verdecken soll. Ob am Ende wirklich alles in Butter ist, wenn beim traditionellen Festmahl unter der Eiche eine gewisse Person nicht mitfeiert?

Entspannt genießen

Andererseits braucht eine gute Geschichte auch mal Entspannung. Die Held*innen haben ein Zwischenziel erreicht, sind – wahrscheinlich – in Sicherheit und können sich – vorübergehend – wohlfühlen. Dazu gehört eine entsprechende Mahlzeit. Und während man die regionalen Spezialitäten genießt, kann man sich wunderbar unterhalten, Informationen einholen, Gerüchte ausstreuen, Leute kennenlernen, etc.

Hier kommt ein weiterer Punkt ins Spiel, wenn die Welt aus mehr als Kulissen besteht. Warum ist genau dieses Gericht die regionale Spezialität? Wie würde die Palastküche diese blassgelbe Knolle zubereiten? Wissen die Held*innen überhaupt, was sie da essen, und wie reagieren sie darauf?

Am Essen hängt eine Menge kultureller Hintergrund. Es kann nicht nur den gesellschaftlichen Status in einer übersichtlichen Gemeinschaft widerspiegeln, sondern auch weiträumige wirtschaftliche und politische Beziehungen. Wer baut wo die erwähnten Knollen an und wer kontrolliert den Handel damit? In der Welt der Regenbogengötter könnte die Knolle wegen ihrer schönen gelben Farbe dem Herrn des Streites heilig und umgekehrt bei den Anhängern des blauen Hauses verpönt sein. Die züchten dann eben ihre eigene Sorte …

Weltenbau Essen 2

Die heilige Knolle des blauen Hauses

Weltenreise mit Eintopf

Das Problem ist, solche Informationen einigermaßen kurz und schmerzlos einzuarbeiten. Spielt das Abenteuer im Deutschland des frühen 21. Jahrhunderts, machen Schlagwörter wie „vegan“ oder „halal“ ziemlich viel klar – wenn auch bei unterschiedlichen Leser*innen ziemlich Unterschiedliches. Mir ist bisher noch kein kulinarisch-fantastisches Äquivalent begegnet, das in drei, vier Buchstaben die richtige kulturelle Ladung von einer Welt in die andere transportiert. Das einzige Gericht, das offenbar in allen denkbaren Romanwelten serviert wird, ist „undefinierbarer Eintopf“. Die Aufgabe besteht also darin, ihn zu definieren.

In Die Göttin der Helden habe ich mit Rineke eine wichtige Figur, die in einem Gasthaus aufgewachsen ist. Ihr werden die Eigentümlichkeiten der Küche(n) unterwegs gewiss auffallen, wenn sie ins große Abenteuer aufbricht, und sie wird beim Kommentieren kein Blatt vor den Mund nehmen. Jetzt muss ich nur noch etwas in der Speisekammer haben, was sie denn kommentieren und mit dem „guten, richtigen“ Essen zu Hause vergleichen kann. Dazu werde ich mich mal in die angegebene Literatur und meine Sammlung diverser Kochbücher mit Rezepten aus diversen Jahrhunderten und Gegenden vertiefen und probieren, was sich davon verwenden lässt.

Literatur:

Fotos (beide CC BY-SA 3.0):

  • oben: Kartoffelsalat aus Pellkartoffeln, Heiner Otterstedt
  • unten: Blue Salad Potato, MarkusHagenlocher via Wikipedia

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