Geschichten und Musik

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Lesestoff – Am 32. Nietember IV

Hier kommt noch einmal Lesestoff, das letzte Stück des Tortenmärchens “Am 32. Nietember” (Teil IV).

 

Lesestoff - Am 32. Nietember

Da kam eine Frau in einem langen lila Kleid herein, mit einem spitzen Hut auf dem Kopf und mit einem ellenlangen Stab in der Hand, an dem ein Stern funkelte. Die Leute im Laden stoben auseinander.

Habt ihr vielleicht etwas vergessen?“, fragte die Frau.

Hattet Ihr etwas bestellt?“, fragte die Tochter zurück.

Die schönste und beste Torte von allen zu meinem Geburtstag.“

Am zweiunddreißigsten Nietember“, sagte die Tochter. „Die haben wir geliefert. Auf einen Pilz mit braunem Hut.“

Auf der Theke vor ihnen erschien die Sahnetorte.

Also, das krieg ja ich schöner hin“, murrte eine Frau weiter hinten im Laden.

Die Fee nickte ihr zu.

Ein Stück löste sich aus der Torte, als ob es jemand mit dem Messer abgeschnitten hätte. Unter der Sahne wurde einfacher heller Teig sichtbar. Zwei Lagen waren mit einer dünnen Schicht roter Marmelade zusammengeklebt.

Ihr wisst, was in eine Torte zu meinem Geburtstag gehört“, sagte die Fee streng. „Also, wo sind die Fitzelbeeren?“

Die Kinder schüttelten den Kopf. „Wir haben …“

Wo sind die Nüsse, ganz und gemahlen?“

Aber …“, begann der Sohn.

Wo ist die Schokolade, hell und dunkel?“

Hier“, sagte das Jüngste und holte Körnchen hervor, wie es sie dem Morgenvogel gebracht hatte.

Aber das ist keine Torte“, erwiderte die Fee. „Wo ist die?“

Die drei schauten einander betreten an. „Am Niederschemel“, sagte die Tochter. „Dorthin haben wir sie geliefert.“

Bunt verziert.“ Der Sohn beschrieb ausführlich, wie er die Buttercreme in schönen Farben und die Glasur aus heller Schokolade zu einer Blume angeordnet hatte.

Die haben wir zu dem Pilz mit dem breiten braunen Hut gebracht, mit der Trage. Der Morgenvogel hat uns den Weg gezeigt“, sagte das Jüngste.

Seid ihr sicher, dass die Katze nicht dabei war?“, fragte die Bäckerin.

Die Katze?“, fragte die Fee.

Die Katze?“, fragten die Tochter und der Sohn.

Die struppige Tigerkatze gehört in die Bäckerei im Nachbarort“, sagte sie. „Wo die vorbeikommt, gibt es ein Unglück.“

Dann hat der Bäcker unsere Torte geholt“, sagte das Jüngste.

Das ist mir gleich, bringt mir meine Torte. Sonst muss ich die von diesem anderen Bäcker nehmen“, sagte die Fee und zog ein Gesicht, als ob sie Ohrenschmalz essen sollte.

Die Kinder schauten einander an.

Er bringt sie bestimmt …“, begann die Tochter.

… der Wolke Nimmersatt“, fuhr der Sohn fort.

Zum Hochtisch“, ergänzte das Jüngste.

Dann schnell dorthin“, sagte die Bäckerin und schob die Teigmulde ihrer Großmutter aus der Backstube. Die drei Kinder sprangen hinein, und mit einem hellen Lachen flog die Mulde zur Tür hinaus.

* * *

Über den Kindern in ihrer Teigmulde hing dick und dunkelgrau die Wolke Nimmersatt. Als sie den Hochtisch fast erreicht hatten, fielen die ersten Goldklümpchen wie Hagelkörner.

Die drei wehrten die kleinen Geschosse ab und landeten auf dem Hochtisch.

Da stand ihre Torte, unversehrt, noch genau so schön verziert, wie sie die Bäckerei am Morgen verlassen hatte.

Die Tochter und der Sohn liefen hin, um sie zu holen.

Da ließ es die Wolke Silber regnen, in Klumpen groß wie Walnüsse.

Das Jüngste hob die Teigmulde hoch, sodass das Silber hineinfiel und nicht auf die Torte.

Aus dem Dorf hörten sie die Leute schreien, denen es die Fenster zerbrach und das Federvieh erschlug. Der Hagel fiel, in Gold und Silber und Edelsteinen, und die Körner wurden immer größer.

Über das Feld kam lachend der neidische Bäckermeister mit der struppigen Tigerkatze angelaufen und hielt einen Sack auf, damit er sich füllte. Da traf ihn ein großer roter Brocken am Kopf, und er fiel vornüber ins Feld, wo der Weizen auflief. Einen Augenblick später war er unter Gold, Silber und Edelsteinen begraben.

* * *

Die Tochter und der Sohn trugen die prächtige Feengeburtstagstorte vom Hochtisch herunter. Das Jüngste hielt die Teigmulde darüber wie einen Baldachin, der den sonderbaren Hagel auffing, bis sie unter der dicken, dunkelgrauen Wolke Nimmersatt heraus waren. Da setzten sie sich wieder hinein in die Mulde und flogen mit der Torte zu dem Pilz mit dem breiten dunkelbraunen Hut. Dort stellten sie ihr Geschenk ab und warteten, bis die Fee kam, um es zu holen.

Die erschien bald in ihrem langen Kleid und dem spitzen Hut mit einem Gefolge von kleinen Blütenfeen. Der Morgenvogel saß auf ihrer Schulter.

Die Wolke Nimmersatt will ich euch vom Leib halten bis zum nächsten Mal“, sagte die Fee, „aber wer von euch führt in Zukunft die Bäckerei?“

Die Kinder sahen einander an, dann antworteten sie wie aus einem Mund: „Wir machen es zu dritt, dann wird es gut.“

E N D E

Bild: Pixabay

 

 

Lesestoff – Am 32. Nietember III

Hier kommt frisch gebackener Lesestoff – “Am 32. Nietember”, Teil III des Tortenmärchens.

Lesestoff - Am 32. Nietember

Das Jüngste kam mit seinen Fitzelbeeren nach Hause und erzählte seinen Geschwistern, was ihm der Morgenvogel gesagt hatte.

Übermorgen,“ sagte die Tochter.

Übermorgen!“, rief der Sohn. „An die Arbeit!“

Sie knackten Nüsse und mahlten einen Teil davon fein. Sie mischten die Butter mit den schönen Farben aus Blüten, Blättern und Beeren. Sie hackten die dunkle Schokolade klein und schmolzen die helle zu einer Glasur. Sie verlasen die Fitzelbeeren, um nur mit den schönsten und besten ihre Torte zu verzieren.

Als der Teig zum Abkühlen auf dem Fensterbrett stand, gut bewacht, damit die struppige Tigerkatze nicht herankam, fragte die Bäckerin: „Wo wollt ihr die Torte denn hinbringen?“

Die drei schauten einander an. Der Sohn kratzte sich am Kinn. „Vielleicht bringen wir die Torte zum Hochtisch …“

Nein, nein“, widersprach die Bäckerin. „Dort frisst die Wolke Nimmersatt alles weg, was man ihr hinstellt. Sogar das Brot, was der Bäcker im Nachbarort ihr bringt.“

Wir müssen zum Niederschemel“, sagte die Tochter. „Das in ein Pilz, ein bisschen sieht er wie ein Tisch aus, und dort treffen sich die Feen zum Feiern.“

Alle schauten sie an.

Weißt du, wo jetzt auch noch, wo das ist?“, fragte die Bäckerin.

Die Tochter nickte. „Man geht einfach von dem Hochtisch so lange nach unten, bis man einen Pilz mit einem breiten braunen Hut trifft. – Das weiß man doch“, fügte sie etwas ungehalten hinzu.

* * *

Im Nachbarort saß der Bäcker vor seiner Tür auf der Bank, kraulte die struppige Tigerkatze und fütterte sie mit Fisch.

Dann ging er gemächlich an die Arbeit. Nach dem bewährten Familienrezept nahm er Eier und Schmalz, Zucker und Salz, Milch und Mehl und rührte es kräftig zu einem Teig. Den Safran ließ er weg, der war zu teuer. Am nächsten Tag verzierte er das Ergebnis mit geschlagener Sahne und Belegkirschen. Fertig war die Geburtstagstorte.

* * *

Dann sang der Morgenvogel zum zweiunddreißigsten Nietember. Die Kinder der Bäckerin setzen ihre Blumentorte auf ein Brett und machten sich mit einer Trage auf den Weg zum Niederschemel. Das Jüngste ging voran, es folgte dem Morgenvogel. Der fragte misstrauisch: „Habt ihr wirklich keine Katze dabei?“

Nein“, versicherte das Jüngste.

Trotzdem sah sich der Vogel gründlich um und klapperte unwillig mit dem Schnabel, als er doch aufflog, um ihnen den Weg zu zeigen.

Die beiden Älteren trugen die Trage bis zu dem Pilz mit dem breiten braunen Hut und setzten die Torte sorgfältig in die Mitte. Sie sah sehr prächtig aus.

Wir haben es zu dritt gemacht, und es ist gut geworden“, stellten sie zufrieden fest. Sie schauten sich um, ob sie nicht die Fee entdecken konnten, für die das Geschenk gedacht war. Aber sie ließ sich nicht sehen. Dafür war sie eben eine Fee. Also gingen sie nach Hause.

Müde, aber glücklich machten sie sich an die Arbeit im Laden. Sie verkauften Brot und Kuchen an die Leute aus dem Dorf, und alle bekamen noch ein wenig von den Tortenzutaten: Fitzelbeeren, Nüsse oder Schokolade.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: Pixabay

Lesestoff – Am 32. Nietember II

Hier kommt die nächste Portion Lesestoff, das Tortenmärchen “Am 32. Nietember” Teil II.

Lesestoff - Am 32. Nietember

Aber der Bäcker im Nachbardorf, bei dem die struppige Tigerkatze ein und aus ging, neidete der Bäckerin ihr Geschäft und ihre Kinder. Denn die Leute kauften sein Brot nur dann, wenn sie nicht zu der Bäckerin im Nachbarort gehen konnten. Darum hatte er immer viel übrig. Manchmal machte er großes Aufhebens darum und schenkte es dem Kloster, damit dort die Armen gespeist würden. Öfter lag es jedoch einfach noch in den Körben, wenn das neue für diesen Tag fertig war. Deshalb fütterte er damit die Wolke Nimmersatt.

Das war sein Plan, seit er als Wandergeselle ins Dorf gekommen war und die Bäckerei gesehen hatte, in der nur eine struppige Tigerkatze zu Hause war. Erst recht, nachdem er gehört hatte, wie sehr die Leute in der Gegend die Wolke Nimmersatt fürchteten. Dabei hatte sie vor einiger Zeit doch gerade hier ihren ganzen dicken Bauch voll Gold, Silber und Edelsteinen abgeregnet. Auf dem Weg zu diesem Ort hatte der Bäcker immer wieder von Leuten gehört, die schnell hingelaufen waren und sich auf den Feldern und Weiden die Taschen und Schürzen und Säcke vollgesammelt hatten. Das müsste einmal passieren, wenn er in der Nähe war.

Also brachte er der Wolke Brot und Brötchen auf den Hochtisch, und dort verschlang sie es. In einer Nacht, in der sie den Vollmond ganz verdeckte, hatte er die Wolke dabei beobachtet und das Grummeln und Poltern in ihrem Bauch gehört. Das mussten die Reichtümer sein, die sie eines Tages abregnen würde. Aber dann war auch schon diese Fee mit ihrem spitzen Hut und dem Zauberstab gekommen, und die Wolke war schneller abgezogen, als der Wind sie treiben konnte.

Da kam die struppige Tigerkatze an, beklagte sich, dass die Bäckerin im Nachbarort sie vertrieben hatte, und erzählte dem Bäcker, was sie dort gehört hatte.

* * *

Inzwischen beschaffte die Tochter der Bäckerin das feinste Mehl und die beste Butter für ihre Torte, die helle und die dunkle Schokolade.

Der Sohn überlegte, wie er all die guten Sachen in einer Torte unterbringen konnte, und kam auf die Idee, daraus eine Blume zu formen: einen runden gelben Kuchen in der Mitte, blaue Herzen mit hellen Streifen als Blütenblätter, zwei grüne Blätter als Einfassung. Das passte genau für die Buttercreme in vielen schönen Farben. Ein Stiel mit Schokoladenglasur kam noch dazu

Das Jüngste streifte derweil draußen herum und sammelte Nüsse. Es pflückte gelbe Blüten und blaue Beeren und grüne Blätter für die schönen Farben. Und ganz früh am Morgen machte es sich auf, um die Fitzelbeeren zu holen, wie sie die gute Fee besonders gern mochte.

* * *

Da traf es den Morgenvogel, der als erster vor allen anderen sang, wenn die Sonne noch nicht recht wusste, ob sie aufgehen sollte.

Es sammelte Fitzelbeeren, bis der Vogel sein Lied beendet hatte, dann ging es zu dem Baum, auf dem er saß. „Vogel, ich muss dich etwas fragen.“

Frag nur zu, Menschenkind.“

Wann ist der zweiunddreißigste Nietember?“

Der Vogel legte den Kopf schräg. „Bring mir drei Körnchen von der dunklen Schokolade und drei von der hellen. Dann will ich es dir sagen.“

Das kannst du haben“, sagte das Kind. „Morgen bringe ich dir alles.“

Am nächsten Morgen ging es wieder hinaus, um Fitzelbeeren zu lesen, damit sie für die Torte reichten. In einem Döschen trug es drei Körnchen du.nkle Schokolade und drei von der hellen. Die gab es dem Morgenvogel, und er pickte sie mit Genuss auf.

Dann will ich dir sagen, wann der zweiunddreißigste Nietember ist.“ Der Vogel legte den Kopf in den Nacken und schaute in den Himmel, der sich gerade ein wenig rot färbte. „Übermorgen. Komm übermorgen um diese Zeit hierher, dann betrittst du den zweiunddreißigsten Nietember.“ Wie verärgert schlug der Vogel mit den Flügeln. „Und bring mir ja keine Katze mit.“

Katze?“ Das Kind schaute sich um, sah aber keine Katze, und als es sich wieder dem Vogel zuwenden wollte, war er weggeflogen.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: Pixabay

 

 

Lesestoff – Am 32. Nietember

Rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse startet hier frischen Lesestoff: “Am 32. Nietember”. Da der Oktober in meinem Umkreis ein beliebter Geburtstagsmonat ist, dreht sich die Geschichte um die schönste und leckerste aller Torten. Mehr zu lesen findet sich auf der Seite Geschriebenes. Im Bibliotheks-Raum daneben, unter Übersetztes, gibt es ganz frisch und passend zum Gastland der Buchmesse ein Fantasy-Abenteuer, und etwas weiter unten Back- und Kochbücher für Feiern jeder Größenordnung.

Aber nun zur Geschichte.

Lesestoff - Am 32. Nietember

Am 32. Nietember

Es war einmal eine Bäckerin, die hatte drei Kinder, eine kluge älteste Tochter, einen geschickten mittleren Sohn, und das Jüngste. Alle drei arbeiteten eifrig in der Bäckerei, backten die leckersten Brote und die schönsten Torten weit und breit. Die Leute kamen von weit her, um sich gerade bei dieser Bäckerin mit Backwerk einzudecken.

Aber dann kam der Tag, an dem die Bäckerin entscheiden musste, wem von den dreien sie ihre Backstube und das Geschäft übergeben wollte. Es musste das Kind sein, das die schönsten und besten Torten kreierte konnte, denn schon die Großmutter der Bäckerin hatte immer die Torte zum Geburtstag der guten Fee geliefert. Einmal hatte es die Bäckerei im Nachbarort versucht, und es war schiefgegangen. Das durfte nicht noch einmal vorkommen.

Dieser Geburtstag sollte nun bald wieder gefeiert werden. Also holte die Bäckerin ihre drei Kinder in der Backstube zusammen und erklärte ihnen: „Ich bin nun alt genug, dass ich mich zur Ruhe setzen kann. Dann muss eins von euch die Bäckerei übernehmen. Wer das sein wird, entscheiden wir beim Geburtstag der guten Fee, die uns vor der Wolke Nimmersatt schützt. Wer von euch die schönste und beste Geburtstagstorte fertig bringt, soll die Bäckerei bekommen.“

Die Kinder legten die Stirn in Falten und überlegten.

Ich kann …“, begann die Tochter.

Ich kann …“, unterbrach sie der Sohn.

Ich kann nicht …“, sagte das Jüngste.

Sie brachen ab, schauten einander an und sagten: „Wir machen das zu dritt, dann wird es gut.“

* * *

Wisst ihr, wann die Fee Geburtstag hat?“, fragte die Bäckerin.

Am zweiunddreißigsten Nietember“, antwortete die Tochter. „Das weiß man doch.“

Wo steht das im Kalender?“, fragte der Sohn.

In keinem“, sagte das Jüngste. „Dafür ist sie ja eine Fee. Wir müssen den Moment finden, in dem die Tage anfangen, und dann den Richtigen heraussuchen.“

Mach du das mal“, sagte der Sohn. „Ich kümmere mich lieber darum, dass unsere Torte schön wird.“

Und ich mich um die besten Zutaten“, sagte die Tochter.

Die Bäckerin schüttelte den Kopf. Wenn sie so weitermachten … Da sah sie draußen eine struppige Tigerkatze herumschleichen, griff sich das nächste harte Brötchen, das zu Weckmehl werden sollte, und warf es nach der Katze. „Verschwinde!“

Was war das?“, fragte das Jüngste.

Die struppige Tigerkatze von der Bäckerei im Nachbarort.“

Ach so.“ Es stellte gleich die nächste Frage: „Was mag die gute Fee denn am liebsten?“

Die Tochter und der Sohn schauten einander an. „Obst“, sagte die Tochter, „Fitzelbeeren.“

Buttercreme“, sagte der Sohn, „in schönen Farben.“

Nüsse“, sagte die Tochter, „ganz und gemahlen.“

Schokolade“, sagte der Sohn, „helle und dunkle.“

Da brauchen wir eine riesengroße Torte“, sagte das Jüngste, „damit all das reinpasst.“

Die Tochter nickte. „Wir besorgen das alles, dann fangen wir an zu backen.“

Wer weiß, wie bald der zweiunddreißigste Nietember kommt“, sagte der Sohn.

Da passe ich schon auf!“, rief das Jüngste. „Wir machen das zu dritt, dann wird es gut.“

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: alsen, Pixabay

 

#SchreibWarum – Warum schreibst du Romane?

Leseprobe - Die Rooftop Singers#Schreibwarum – Warum schreibst du Romane?

Das fragt Meike Blatzheim (Textgefährtin) für ihre Blogparade. Da ich mir diese Frage in den letzten Monaten auch öfter gestellt habe, versuche ich mich hier an einer Antwort.

Ich schreibe Geschichten, weil ich gerne lese. Weil sie meine Art sind, über das Leben, das Universum und den ganzen Rest nachzudenken. Weil Wörter und Sätze mein Weg sind, die Fragen und Antworten auszudrücken, die dabei aufkommen.

Warum Fantasy?

Warum wird es dann so oft Fantasy? Die hat doch mit dieser Welt praktisch nichts zu tun.

Dazu habe ich in verschiedenen Beiträgen hier schon etwas geschrieben, und die Antwort ist das beliebte eindeutige Jein.

Einerseits kann ich in meiner Fantasywelt frei erfinden, muss mich nicht an historische Gegebenheiten (oder vorherrschende Lehrmeinungen) halten. Ich kann alle Kräuter wachsen lassen, die ich brauche, damit meine Helden gesund bleiben bzw. unauffällig vergiftet werden, und kann definieren, auf welchen Wegen die Kommunikation in welchem Tempo läuft.

Andererseits ist ein Ork eben auch nur ein Mensch. Deshalb gehe ich davon aus, dass er sich in seinem Umfeld ähnliche Fragen stellt wie ich in meinem oder die Leute, die uns lesen, in ihrem. Vielleicht führen dann die Wege, die er bei der Beantwortung geht, auf die richtige Spur.

Aufhänger Ausschreibungen

Neuerscheinung: MeerjungfrauenAls Aufhänger nutze ich gern Ausschreibungen. Damit ist ein gewisser Rahmen vorgegeben: wie lang der Text werden soll, welche Zielgruppe ungefähr angepeilt wird, ein Thema. Wenn es gutgeht, meldet sich dann mindestens eine Figur bei mir und fängt an zu erzählen. Manche lassen sich auch befragen oder beobachten. Mithilfe des erwähnten Rahmens peile ich die Richtung, in die es gehen soll. Weitere Figuren kommen dazu, Elemente aus anderen Zusammenhängen, und nach und nach entsteht eine Geschichte.

Motivation auf langen Strecken

Im nächsten Schritt, beim Überarbeiten, wird es dann oft zäh. Denn zwischen den vielen tollen Ideen, die im ersten Durchgang entstanden sind, muss ich jetzt den roten Faden herausklauben. Ich muss Entscheidungen treffen und mich auf Einzelheiten festlegen. Da bleibt es nicht aus, dass manche Ideen, die mir gefallen, aus dem Text verschwinden. Die wandern dann in eine Datei namens „Reste“. Vielleicht findet sich später eine Geschichte, in die sie besser passen.

Das ist die Phase, in der mitunter die Motivation knapp wird. Dann muss entweder das Ziel besonders erstrebenswert sein, vielleicht, weil hinter der Ausschreibung ein toller Verlag steckt, oder die Figuren und/oder ihre Welt müssen mich richtig gepackt haben.

Im ersten Fall hilft der Abgabetermin, die Sache zu Ende zu bringen. Dann gibt es immerhin einen fertigen Text. Wenn er bei der Ausschreibung nicht landen kann, wird er wieder in die Schublade gepackt und bei einer anderen günstigen Gelegenheit noch einmal hervorgeholt.

Im zweiten Fall habe ich das Gefühl, ich kann die Figuren nicht im Stich lassen. Dann macht es nichts, wenn die Geschichte nicht bis zum Termin fertig wird. Sie macht schließlich Spaß, also kann ich mich auch länger – oder immer mal wieder – mit ihr befassen.

Ideal ist natürlich, wenn beide Arten von Motivation zusammentreffen. Dann wird die Geschichte rechtzeitig fertig und macht Spaß. (Die Ergebnisse sind auf der Seite Geschriebenes versammelt.)

Karl May ist schuld

Weil das Thema gerade dran war: Karl May ist an allem schuld. Ich habe mindestens drei Abenteuer herumliegen, die auf Winnetou I basieren. Davon ist zwar noch nichts fertig, aber aus dem ersten Anlauf hat sich eine ziemlich umfassende Fantasywelt mit einigen Jahrhunderten Geschichte entwickelt. (Ein Mini-Ausschnitt aus dieser Welt findet sich in Der Weg nach Hause.)

Mein Antrieb, dazu und zu anderen, ähnlichen Abenteuern „Fanfiction“ zu schreiben, war in erster Linie, dass die Helden alle Männer sind. Das musste sich natürlich ändern, und bei näherem Hinsehen und Hinschreiben eben noch eine Menge mehr. So entstand nach und nach so viel Weltenbau, dass die eigentlichen Geschichten fast darunter verschwinden. Wahrscheinlich werden Fachleute, so sie mitlesen, trotzdem viele Elemente wiedererkennen.

Das erste Halbjahr 2022

Ein willkommener Anlass, kurz über das erste Halbjahr 2022 zu schreiben und hier etwas aufzuräumen, sind eine Handvoll frisch eingetroffener Belegexemplare, diesmal keine nahrhaften:

Das erste Halbjahr 2022

Caudipteryx aus: Fernando Novas/Damián Voglino, Dinosaurier – Evolution, Arten, Untergang

Fernando Novas/Damián Voglino, Dinosaurier – Evolution, Arten, Untergang

Das Dinosaurier-Buch war meine erste größere Übersetzung aus dem Spanischen seit … dem Kulturreiseführer Katalonien, in den alten Zeiten, als das Reisen noch unbeschwert war. Sie hat allerdings schon letztes Jahr stattgefunden, kombiniert mit zwei Romanübersetzungen (siehe Übersetztes).

Musikalisches

Seitdem habe ich allerdings nicht nur Urlaub gemacht. Das zwar auch, und ich habe von unterwegs allerhand musikalische Anregungen mitgebracht, die ich hier im Blog noch ein bisschen ausbreiten will. Vorerst hier nur ein Link zu einer Musikerin, die ich unterwegs live gehört habe (Jorun Marie Kvernberg), und einer zum DJ, der das Programm zusammengestellt hat (Ole Fredrik Wannebo, Badass Viking bei Ragnarok Film).

Kurz vor Urlaub kam auch eine musikalische Übersetzung vorbei: Händel goes Tinder, eine Pastiche mit Werken des Komponisten im Rahmen einer Comedy-Handlung. Die deutsche Erstaufführung fand am 14. Mai bei den Händelfestspielen in Göttingen statt.

Davor und danach gab es auch einiges zu übersetzen. Ein Kochbuch ist schon fertig (Neues von Asma Khan), das zweite für dieses Jahr ist zurzeit in Arbeit.

Seit Januar übersetze ich an einer spanischen Fantasy-Reihe mit, koordiniert von Imke Brodersen. Die ersten Bände sind bereits auf Deutsch erschienen, mit zwölf ist bisher zu rechnen. Wer Lust auf abenteuerliche Jugend-Fantasy hat, kann sich hier umsehen: Pedro Urvi, Der Weg des Waldläufers.

Geschichten

Gelesen habe ich auch einiges, und inzwischen habe ich mich auch bei StoryGraph angemeldet, wo man unbürokratisch Bewertungen abgeben kann. Deutschsprachige Bücher müssen öfter mal frisch importiert werden, aber das schadet ja nicht.

Woran es ein wenig hapert, ist das Schreiben. Aus dem Pappkarton, wo sich die Plotküken unter ihrer Wärmelampe tummeln könnten, piepst es zurzeit nur ganz schwach. Ich versuche mich an den Memoiren einer Bannsängerin, ohne Plot, dafür mit legendären Fröschen. Über die Welt, in der Lan über ihr bisheriges Leben nachsinnt, habe ich schon viel geschrieben, aber nur eine Kurzgeschichte veröffentlicht, nämlich Der Weg nach Hause.

Zwischenhoch

Zwischenhoch

Burg Lindenfels

„Es geht wieder los“, hätte ich gern als Überschrift geschrieben, aber es ist wohl eher ein Zwischenhoch. Winneweh ist abgesagt, das Burgfest ist abgesagt. Trotzdem finden an dem betreffenden Wochenende und in den folgenden Wochen Dinge statt.

700 Jahre Gumpen

Erstens am 30. und 31. Juli im Gesäß in Klein-Gumpen. Senkrecht unter dem Himmel, sozusagen.

Gefeiert werden 700 Jahre Gumpen, in diesem Fall mit Improvisationstheater in Form einer historischen Gerichtsverhandlung. Gerüchten zufolge sollen die behandelten Fälle im 17. Jahrhundert spielen.

Der Ort wurde, wie man sich ausrechnen kann, 1321 erstmals urkundlich erwähnt. Nebenan hatten sich gerade die Schenken von Erbach auf dem Reichenberg niedergelassen. Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, dass es den „besiedelten Punkt“, an dem das Abenteuer spielt, schon vorher gab.

Als passende Begleitung zu den historischen Streitfällen spielt die absolut einmalige, unvergleichliche Band Neckarklang. Mit bis zu vier Dudelsäcken, einer bis zwei Drehleiern, mehreren Blockflöten, Gemshörnern, Rohrblattinstrumenten und einer Cister, verteilt auf sechs Personen. Das Problem dabei ist, dass ein Mensch immer nur ein Instrument zugleich spielen kann.

Auf dem Programm steht Bal-Folk-Musik, teils ganz frisch, teils aus alten Handschriften ausgegraben.

Lindenfels Festival

Am 2. August, traditionell Burgfestmontag, beginnt das Lindenfels Festival LiFe‘21, das schon für letztes Jahr geplant war, aber aus den bekannten Gründen ausfallen musste. Dafür wird es in diesem Jahr erst mal sportlich – mit Judo, Hapkido, Tai Chi und Yoga -, bevor dann am 13. bis 15. mit Musik aus diversen Richtungen das Festival wieder zu Ende geht. Außerdem läuft bei Facebook bereits ein Gewinnspiel für zwei Freigetränke.

Eskapismus

Wie lange das Zwischenhoch anhält bzw. wie sich die Sache nach den Sommerferien weiterentwickelt, bleibt abzuwarten. Mein Optimismus hat im vergangenen Jahr etwas gelitten, Eskapismus funktioniert allerdings immer noch: Ich übersetze zur Zeit einen historischen Liebesroman und schreibe an einem Odenwälder Krimi. Danach geht es fantastisch weiter, mit einem Computerspiel, einem Romanprojekt und einer Novelle. Die wird allerdings auf Englisch geschrieben; ich bin gespannt, wie ich damit zurechtkomme.

Buchmesse Saar 2021 – Ungelegte Eier

Heute, am letzten Tag der Buchmesse Saar 2021, will ich kurz über ungelegte Eier gackern. Es geht um ein Buch, das eigentlich rechtzeitig vor diesem Wochenende veröffentlicht werden und einen Platz im Messestand einnehmen sollte. Immerhin das Cover ist fertig, behaupte ich, also zeige ich es her und klebe eine Leseprobe dazu.

Buchmesse Saar 2021Das Schwert des Wilden Landes

Sie waren umzingelt. In einen Hinterhalt der Räuber geraten. Wie hätte Hossíek das vorhersehen sollen? Jetzt war es ohnehin zu spät, darüber nachzudenken. Sie mussten sich den Weg freikämpfen.

Tjembo Repete hatte sein Pferd schon gewendet und stürmte auf die vermummten Gestalten ein, die den Hohlweg versperren wollten. An seiner Seite konnte Hossíek nicht bleiben, zwischen den königstreuen Reitern und der Böschung drängten sich weitere Feinde. Aber das waren keine Räuber, sondern kleine, gräulich-grüne Geschöpfe, die blitzschnell hin und her sprangen. Er hieb blindlings auf sie ein, um sie von Tjembo Repete fern zu halten.

Ob Tar Sinon, Guwar Ziemhurst und Jiesche Kojarn hinter ihm etwas taten, konnte er nicht feststellen. Auch von dort regnete es Hiebe und Steine und Gebrüll. Pferde bäumten sich auf und keilten aus.

Etwas knallte gegen Hossíeks Helm. Ihm wurde schwarz vor Augen. Sein Arm gehorchte ihm nicht mehr, und die Welt drehte sich um ihn.

* * *

Hossíek hielt sich mehr schlecht als recht im Sattel. Jeder Schritt seines Pferdes kam als dumpfer Schlag in seinem Kopf an. Sein ganzer Körper schien nur noch aus Schmerz zu bestehen.

Wie lange musste er das noch aushalten? So weit konnte es nicht mehr sein zum sicheren Haus im Bodrawer Moor. Dorthin waren sie doch unterwegs, oder?

Seinen Begleiter nahm Hossíek kaum wahr. War das Tjembo Repete? Oder einer von den anderen, den Räubern von der Landstraße?

Da stieg mit einem Mal das Pferd dieses Reiters. Hossíeks eigenes Reittier tänzelte – wieder ein paar schmerzhafte Stöße für seinen Kopf.

Was ist los?“, fragte Hossíek.

Ich hab uns angemeldet.“ Also doch Herr Repete. Was er wohl damit meinte?

Endlich hörte das Stoßen in Hossíeks Kopf auf. Wie aus weiter Ferne hörte er Herrn Repete mit jemandem sprechen. Mit einer Frau. Kannte er die Stimme?

* * *

Fortsetzung folgt im Lauf des Jahres. Derzeit habe ich etwas über 40.000 Wörter Text und noch einiges an Weltenbau und Überarbeitung zu erledigen. Wahrscheinlich werden hier immer mal wieder Anmerkungen dazu auftauchen, wenn Hossíek und seine Truppe in die nächste Sackgasse geraten sind.

Um bereits gelegte Eier im engeren Sinn geht es ab hier.

Buchmesse Saar 2021 – Leseproben 2

Buchmesse Saar 2021 - Lesproben 2Heute gibt es aus Anlass der Buchmesse Saar 2021 die Leseproben Teil 2 zu weiterem Lesestoff, der nicht am Stand zu sehen ist.

Erstens zu meinem Erstling, dem Mittelalter-Krimi Der Jahrmarkt zu Jakobi, erstmals erschienen 2008. Zurzeit ist er auch im Ebook-Dreierpack “Schwestern der Sehnsucht” zu bekommen.

Zweitens zur Fortsetzung, Die Schule der Spielleute, erstmals erschienen 2010.

Noch etwas mehr zu den beteiligten Spielleuten gibt es hier.

Dann geht es eher fantastisch weiter, mit zwei Anthologien, in denen ich vertreten bin und die derzeit noch erhältlich sind. Da wäre zum einen die Geschichte Der Tagedieb in Phantastische Sportler (Verlag Torsten Low) und zum anderen Opas Glücksfisch in Meerjungfrauen – Das geheime Leben der Fabelwesen 1 (Independent Bookworm).

Fast vergriffen und bald nur noch als E-Book erhältlich ist die Anthologie Das Tarot (Hrsg. Fabienne Siegmund, Verlag Torsten Low). Dazu durfte ich die Geschichte zu “Gerechtigkeit” beisteuern. Tatsächlich vergriffen ist die Anthologie Tierische Teufel (Hrsg. Helen B. Kraft & Sarah König, Machandel Verlag), und meine Geschichte daraus, Schatzzeiger, gibt es solo bei BoD.

Eine komplette Liste findet sich unter Bibliothek – Geschriebenes.

 

Buchmesse Saar 2021 – Leseproben

Buchmesse Saar 2021 - Leseproben

Für die Buchmesse Saar 2021 habe ich Leseproben zusammengestellt, zunächst einmal für die am Stand vertertenen Bücher. Außerdem führt der eine oder andere Link zu Rezensionen oder anderen Zusatz-Infos, falls vorhanden. Ich wünsche viel Vergnügen beim Stöbern.

Rooftop Singers

Die Leseprobe in vier Teilen beginnt hier.

Bambusblatt – Sechseck (“Interview”)

Buntspecht und Anton

Die Leseprobe in drei Teilen startet hier.

Rezension: Rajets fantastische Leseseite

Silberschimmer

Die Leseprobe an eine Stück steht hier.

 

Für die Kurzgeschichten gibt es ebenfalls ein paar Links:

Der Weg nach Hause

Hier geht es zu den Leseproben für beide enthaltenen Geschichten.

Rezension Maike Claußnitzer

Das Erbe des Horst Stroh

Die Leseprobe an einem Stück steht hier.

Liriel die Weiße

Hier gibt es eine Leseprobe, allerdings ohne Pilze.

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