La Ballade

Geschichten und Musik

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Karfreitag

Johann Pachelbel, Da Jesus an dem Kreuze stund

Organist Thorsten Pirkl

Brot zum Teilen

Zum Gründonnerstag gibt es ein Brotrezept zum Teilen, auch wenn es kein ungesäuertes ist:

für 3 kleine Brote

Brot zum Teilen

  • 600 g Weizenmehl
  • 200 g Hirsemehl
  • 200 g Emmer, fein gemahlen
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 1 Handvoll Goldleinsamen
  • 1 Handvoll Chiasamen
  • 200 ml Apfelwein
  • 400 ml warmes Wasser

 

  • etwas Wasser
  • Goldleinsamen
  • Chiasamen
  • Körner-Mix

Die trockenen Zutaten und die Flüssigkeiten separat mischen. Dann Wasser und Apfelwein zu den trockenen Zutaten gießen und mit einer Hand grob vermischen.

Ca. 10 Minuten zu einer glatten Kugel kneten.

An einem warmen Ort zugedeckt ca. 1 Stunde gehen lassen, bis sich der Teig ungefähr verdoppelt hat.

Mit den Fingerspitzen die Luft aus dem Teig pressen. Dann den Teig in drei Stücke teilen und jeweils zu einem Laib (o. ä.) formen.

Leicht anfeuchten und mit Körnern bestreuen.

Dann gut zugedeckt nochmals ca. 45 Minuten gehen lassen, bis der Teig sich ungefähr verdoppelt hat.

Ein Blech in den Ofen schieben, die Saftschale auf den Boden stellen. Den Ofen auf 250 °C vorheizen. Gegen Ende der Gehzeit den Wasserkocher in Gang setzen.

Das heiße Blech aus dem Ofen nehmen, die Brote darauflegen. Das kochende Wasser in die Saftschale gießen. Das Blech mit den Broten in den Ofen schieben.

Nach etwa 10 Minuten die Temperatur zurückdrehen: Wenn die Kruste noch sehr blass aussieht, auf 200 °C, wenn sie sichtbar braun wird, auf 180 °C, und wenn sie recht schnell bräunt, auf 170 °C.

Insgesamt etwa 50 Minuten backen, bis die Brote schön braun sind und beim Anklopfen hohl klingen. Im Zweifelsfall lieber etwas länger im Ofen lassen.

Auf einem Draht abkühlen lassen.

Phantastische Heldinnen

Heute startet bei Meara Finnegan eine Blogreihe über phantastische Heldinnen, an der ich mich ebenfalls beteiligen werde. Zum Auftakt schreibt Heike Korfhage einen Gastbeitrag über Lúthien.

Geplant ist ein Beitrag pro Woche, in dem wir jeweils eine Heldin vorstellen, von der wir gern gelesen haben. Kriegerinnen sind ebenso vertreten wie Magierinnen und diverse andere, auch recht unphantastische Berufe. In den von mir geplanten Beiträgen treten zum Beispiel Bäuerin, Sängerin und Model auf.

Bücher mit phantastischen Heldinnen

Auch wenn auf der Liste etliche Romane stehen, die schon vor Jahrzehnten erschien sind, und Heldinnen, von denen vermutlich alle schon mal gehört haben – siehe oben -, dürfte noch der eine oder andere Geheimtipp dabei sein.

Für Nachschub an phantastischen Heldinnen startet übrigens demnächst bei Feder & Schwert ein neues Imprint mit dem vielversprechenden Namen Wicked Queen Editions. Frau darf gespannt sein.

Zu meinen eigenen Heldinnen geht es hier.

 

Weltenbau – Über Sprachen

Weltenbau - Über Sprachen

Quenya oder Sindarin?

Ich bin Lingu, also muss ich auch ein paar Worte über das Thema Sprachen verlieren. Außerdem besteht die klassische Weltenbaumethode bekanntlich darin, mindestens eine Sprache zu entwickeln und sich dann Völker auszudenken, die sie sprechen. Diesen Ansatz habe ich einmal verfolgt und bin heute noch froh über meine Aufzeichnungen von damals, denn die machen es leichter, Namen zu erfinden, sei es für Leute, Orte oder Dinge. Ich habe eine Vorstellung davon, wie diese Sprache funktioniert, und kann sie ohne großen Aufwand in die Geschichte einbauen.

Jetzt kommt natürlich die übliche Frage: Brauche ich das überhaupt? Und die Antwort ist ebenfalls die übliche: Ja, nein, vielleicht. Natürlich kann man eine fremde Welt ganz und gar in seiner Muttersprache ausstaffieren und die Energie, die andere auf Phonetik, Grammatik und so weiter einer Kunstsprache verwenden, lieber zum Plotten oder Recherchieren nutzen. Das schadet der Geschichte mit Sicherheit nicht. Vermutlich stößt man früher oder später aber doch an Grenzen. Sei es beim Namen verteilen, beim Fluchen oder wenn mehrere Völker aufeinandertreffen.

Wie soll es heißen?

Sprechende Namen sind ja schön und gut, und ein „Großer Fluss“ kommt auch in der real existierenden Geographie hin und wieder vor. Nur beschwört „Anduin“ vermutlich andere Bilder herauf als „Guadalquivir“ oder „Rio Grande“. Personennamen kann man nach dem Modell Fürchtegott, Sonne-von-links oder Ähnlichem bauen. Die sind leichter zu lesen als die nach dem gängigen Klischee aus lauter y und Apostrophen zusammengeleimten Fantasynamen, wirken aber in größerer Häufung mitunter anstrengend. Also lohnt es sich vielleicht doch, einige Überlegung zumindest auf ein Namenssystem und die Grundlagen der Phonetik zu verwenden, um weder in die eine noch in die andere Falle zu tappen.

Wie ein Mensch zu seinem Namen kommt, sagt außerdem einiges über die Gesellschaft aus, in der er sich bewegt. Das gleiche gilt für die Frage, wer die Macht hat, den Namen eines Ortes zu prägen – weiß jemand, wo Zarizyn liegt?

Wer beschimpft wen, wie und warum?

Beim Thema Fluchen spielt unter anderem die Frage eine Rolle, wie derb es denn werden soll, und was in dieser Gesellschaft als derb gilt. Fäkalsprache ist wohl universell, deshalb wird es schwieriger, damit eine andere Wirkung zu erzielen, als sie nun einmal auf die jeweiligen Leser hat. Gottheiten dagegen lassen sich leicht austauschen und tragen eher zum fantastischen Ambiente bei, ebenso wie diverse andere Möglichkeiten: Gilt es als tödliche Beleidigung, jemanden zu einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu zählen? Oder sind Tiernamen das absolut Letzte? Wenn ja, welche Tiere und was ist an ihnen so schrecklich? Außerdem dürften die Meinungen über die (Un-)Angemessenheit von Schimpfwörtern in verschiedenen gesellschaftlichen Kreisen auseinander gehen.

Fiktionale Kreolistik

Wenn mehrere Völker aufeinandertreffen, und sei es nur, dass eine Touristin von der Erde sich durch ein Portal verirrt, sollten Sprachprobleme auftreten. Das muss sich nicht unbedingt lesen wie bei Edwin Morgan, es geht auch weniger kompliziert.

Die „gemeinsame Sprache“ ist ein beliebter Kniff. Trotzdem ist anzunehmen, dass die Beteiligten jeweils mit einem eigenen Akzent reden, typische Fehler machen oder Ausdrücke verwenden, die ihr Gegenüber erst einmal seltsam findet.

Vielleicht lohnt es sich auch, darüber nachzudenken, welche Sprachen an der „gemeinsamen“ beteiligt sind, wann und warum sie entstanden ist. Es gibt allerlei historische Beispiele, die als Vorbild dienen können. Der Tourist von der Erde wird sich folglich trotzdem mit Händen und Füßen verständigen müssen bzw. es mit Zeichnen oder einer anderen Methode versuchen. Rasend schnelles Lernen erscheint dabei oft weniger erklärungsbedürftig als ein Babelfisch-Äquivalent.

Bild: Voynich-Manuskript, gemeinfrei

Reisemarketing im Mittelalter

Tourismus-Marketing im Mittelalter

Derzeit laufen hier wieder musikalische Vorbereitungen, in denen neben Titeln wie Brötchentüten-Navigator auch eine Cantiga de Santa Maria ihr Unwesen treibt. Davon gibt es über 400, gespielt wird im neudeutschen Mittelalter nur eine Handvoll, noch seltener werden sie gesungen. Vielleicht kommt es daher, dass sich die eine oder andere Band fragt, um wen es sich bei der im Liedanfang erwähnten „Virgen“ wohl handeln könnte – selbst wenn sie einen der Tophits der Sammlung am Wickel haben (CSM 353). Hier geht es allerdings um ein Stück, das noch nicht zum Schlager geworden ist – Razon an de seeren (CSM 218) .

Heilung im zweiten Anlauf

Die Geschichte mit ihren 12 Strophen erzählt von einem deutschen Kaufmann, der zur Buße für seine Sünden nach Compostela pilgert. Der Heilige Jakobus konnte ihm aber nicht helfen, denn die Sünden des Kaufmanns wogen zu schwer. Also machte sich der Kaufmann mit der Hilfe anderer freundlicher Pilger immer noch krank auf den Rückweg. Unterwegs erblindete er sogar, und die Helfer wagten es nicht mehr, ihn noch weiter mitzunehmen. Bei der Muttergottes von Villasirga unternahm der Mann noch einen Versuch, seine Sünden doch noch loszuwerden, und sie heilte ihn.

Konkurrenzkampf um die Pilger

Derlei Geschichten von Rivalitäten zwischen Pilgerzielen und ihren kamen im Mittelalter häufiger vor. A. R. Bell und R. S. Dale betrachten in ihrem Artikel „The Medieval Pilgrimage Business“ das Pilgerwesen vom wirtschaftlichen Standpunkt. Dabei geht es ihnen nicht nur um das Reisen im engeren Sinn, wie etwa manche Historiker die venezianischen Händler, die Pilger auf ihren Schiffen ins Heilige Land transportierten, als die ersten Organisatoren von Pauschalreisen ansehen. Bell und Dale beschreiben auch die Wallfahrtsorte als eine Art Franchise-Betriebe, die unter der Dachmarke der katholischen Kirche agierten.

Dienstleistungen und Sonderangebote

Dabei ist das Marketing eine Aufgabe für die Manager – meist ein Kloster – vor Ort. Sie sind zwar einerseits gehalten, Pilger aufzunehmen und zu versorgen, insbesondere auch Arme und Kranke, und die unterwegs Verstorbenen zu begraben. Andererseits können sie aber für ihre geistlichen Dienstleistungen – Wunder und Ablässe – reichliche Spenden in Form von Geld, Schmuck oder Wachs (wie in CSM 166  zum Beispiel) erwarten. Für Ablässe gab es an manchen Orten regelrechte Preislisten und Sonderangebote zu bestimmten Festtagen oder in heiligen Jahren.
Wunder dagegen wurden offenbar nicht auf Bestellung gewirkt. Man zeichnete sie aber sorgfältig auf, sodass sie lesekundigen Menschen als eine Art „Werbebroschüre“ für den Ort und seine Heiligen dienen konnte. Für die anderen entstanden eben Lieder, die sich unter den Pilgern ausbreiteten. Nach Ansicht von Bell und Dale (S. 613) war das eine der effektivsten Möglichkeiten für ein Pilgerziel, seine Position im Wettbewerb zu stärken: Die Wunder des/der eigenen Heiligen als mächtiger darzustellen als die der anderen. Wenn man eine Jungfrau Maria in seinen Mauern hat, fällt es mit Sicherheit leichter, auch einen Apostel zu überbieten, als etwa mit der Heiligen Kunera von Rhenen .

Fußnote

zu „Weltenbau und Musik“:
Anfang Juni soll mein Urban-Fantasy-Roman Die Weinfestengel erscheinen. Er ist vor einigen Jahren im NaNoWriMo entstanden und verdankt wesentliche Bestandteile dem hohen Anteil von Marienliedern und anderer religiöser Musik auf meiner Festplatte. Ich habe nämlich beim Plotten mehrfach das MP3-Orakel befragt und an den entscheidenden Stellen Antworten wie A Virgen muy Groriosa, Ave Donna Santissima und ähnliches erhalten. Bis zum 30. November war dann nicht nur eine Jungfrau in die Geschichte eingezogen, sondern auch gleich die Heilige Ursula mit ihren 11.000 Gefährtinnen …

Literatur
  • Bell, Adrian R., und Richard S. Dale, „The Medieval Pilgrimage Business“, in Enterprise & Society, Vol. 12, No. 3, Cambridge University Press, September 2011, S. 601-627; https://www.jstor.org/stable/23701445
  • Ohler, Norbert. Pilgerstab und Jakobsmuschel – Wallfahren in Mittelalter und Neuzeit. Artemis und Winkler, 2000.

Weltenbau – Über Historisches

Weltenbau historisch

Weltenbau im Spätmittelalter

Muss man für die Vergangenheit, also für historische Geschichten im engeren Sinn, wirklich eine eigene Welt bauen? Die spielen doch auf dieser, wohlbekannten und erforschten Welt. Schließlich zeichnen sich Autor*innen historischer Romane gegenüber den Phantastik-Schreiber*innen dadurch aus, dass sie gründlich recherchieren und sich nicht einfach alles ausdenken …

Recherchieren oder fantasieren?

Ich hoffe, im Lauf meiner bisherigen Weltenbau-Artikel hat sich gezeigt, dass Recherche auch für Phantastisches eine Rolle spielt. Jetzt geht es darum, wie viel Phantasie im Historischen Platz hat – nämlich eine Menge.

Je weiter die Epoche zurückliegt, desto lückenhafter sind die Quellen, desto mehr Weltenbau wird nötig. Selbst wenn man nur im engeren Sinn historische Zeiträume in Betracht zieht, also solche, aus denen es schriftliche Aufzeichnungen gibt, wird der Hintergrund zunehmend abenteuerlich.

Am anderen Ende gelten Epochen als historisch, von denen keine Zeitzeugen mehr leben. Wie ich bei einem Gespräch am Rande der Leipziger Buchmesse erfahren habe, zählen dazu inzwischen auch die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Zeitzeugen oder nicht, darüber lassen sich Dokumente aller Art finden, die zu einer Vorstellung von dieser Romanwelt beitragen.

Quellen und der Umgang damit

Im Mittelalter sieht die Sache schon anders aus. „Damals“ wurde ohnehin weniger von dem produziert, was man heute gut als Quelle nutzen könnte. Von diesen geringeren Beständen ist inzwischen eine Menge verloren gegangen. Wie viel und was von diesem Rest wissenschaftlich aufbereitet wurde und allgemein zur Verfügung steht, ist mehr oder weniger Glückssache. Außerdem gehen die einzelnen Fachbereiche offenbar verschieden an die Quellen heran und bewerten sie unterschiedlich. Wer Grabungsfunde betrachtet, kommt zu anderen Ergebnissen als eine Germanistin (und in der Romanistik sieht es mit Sicherheit wieder anders aus …), Urkunden beschreiben andere Sachverhalte als die Dichtung. Und im Laufe der Zeit kommen neue Untersuchungsmethoden ins Spiel und führen zu neuen Erkenntnissen: Nicht alle Skelette, die Waffen als Grabbeigaben erhalten haben, waren einmal Männer.

Roman oder Doktorarbeit?

Wer also gründlich über die Epoche seines Romans recherchiert hat, muss sich früher oder später entscheiden. In einer Seminararbeit zum Thema könnte man alle Quellen zusammentragen, sie bewerten und sich mit Konjunktiven aus der Affäre ziehen. Im Roman kommt das weniger gut an. Vielleicht soll am Ende der ganzen Recherche nur eine beiläufige Bemerkung stehen, keine Abhandlung über mehrere Seiten. Möglicherweise passt auch ein Fund viel besser in die Handlung/zu den Figuren als ein anderer. Das wäre ein überzeugender Grund, der entsprechenden Theorie zu folgen, auch wenn sie wissenschaftlich nicht hundertprozentig anerkannt ist.

Recherchieren und fantasieren

Dann gibt es eben noch die oben erwähnten Lücken, die man beim wissenschaftlichen Arbeiten als solche benennen und dazu feststellen kann, dass weitere Forschung in diese Richtung „wünschenswert“ sei. Im Roman müssen sie gefüllt werden, und das einigermaßen plausibel. Also behaupte ich aufgrund einer Urkunde aus Stadt A, dass zwanzig Jahre später in Stadt B in einer entsprechenden Situation genauso vorgegangen wurde. Das wird mir ein History-Nerd sicherlich um die Ohren hauen. Wenn er dann eine passendere Quelle angeben kann, umso besser, dann habe ich eine heiße Spur für meinen nächsten Roman.
Letzten Endes entscheidet trotz allem die Autorin, welche Art von Welt sie in ihrem Roman haben möchte. Genau wie heute verschiedene Leute das Zeitgeschehen unterschiedlich betrachten, gibt es auch eine Vielzahl von möglichen Bewertungen der Vergangenheit.

Und jetzt gehe ich weiter über das Ablasswesen im 14. Jahrhundert recherchieren …

Bild: gemeinfrei

Weltenbau – Über Prognosen

Zur Leipziger Buchmesse habe ich auf meiner Facebook-Seite ein paar Worte verloren. Aus einem Gespräch, das dort nicht erwähnt ist, habe ich ein hartnäckiges Plotküken mit nach Hause genommen. Es ging nämlich um die aktuelle Ausschreibung des Eridanus-Verlags.

Zukunft statt Vergangenheit

SF lese ich zwar mitunter ganz gern, beim Schreiben ist das eher nicht mein Genre. Zu diesem speziellen Thema spukt mir allerdings schon länger eine halbgare Idee im Kopf herum. Es wird keine Space Opera, sondern spielt in naher Zukunft in Deutschland. Da muss ich meine Lieblings-Weltenbau-Methode, die auf historischen Kuriositäten beruht, abwandeln.

Also versuche ich, von aktuellen Kuriositäten auszugehen. Von denen gibt es glücklicherweise genug, und seit ich an dieser Idee wieder aktiv herumdenke, kommt immer wieder Brauchbares vorbeigeschwommen.

Weltenbau - Über Prognosen

BlessU-2 bei der Weltausstellung Reformation in Wittenberg 2017

Wie entwickelt sich die Welt weiter?

Aber dann beginnt der schwierigere Teil: Ich muss eine halbwegs glaubhafte zukünftige Welt extrapolieren. Ich habe nicht vor, morgen die Außerirdischen landen zu lassen oder übermorgen eine weltumspannende Katastrophe auszulösen. Gesellschaft und Technik sollen sich in erwartbarem Rahmen weiterentwickeln. Meine Heldin wird wohl in den Nachrichten von der einen oder anderen untergehenden Insel hören oder mit Wetterkapriolen zu tun bekommen, auch wenn die Küsten in Europa noch weitgehend dort sind, wo sie waren.

Technik und Gesellschaft

Die Apparate, die in meiner Geschichte auftauchen, brauche ich zum Glück nicht funktionsfähig nachzubauen, nicht einmal zu bedienen. Möglicherweise komme ich sogar ohne allzu detaillierte Beschreibungen aus. Trotzdem muss ich irgendwo definiert haben, was alles möglich ist und was nicht. Wie sehen die Gesetze aus, die dazu passen? Vielleicht passen sie auch gar nicht und die Gesetzgebung hängt den technischen Möglichkeiten meilenweit hinterher. So etwas soll ja vorkommen.

Vermutlich sind auch nicht alle Menschen bzw. Organisationen mit Gerät der neuesten Generation ausgestattet. Das könnte zum Beispiel am Geld liegen. Vermögen und Besitz werden in meiner Geschichte ohnehin eine große Rolle spielen, also halte ich Ausschau nach Theorien, wie diese in Zukunft verteilt sein könnten, und suche mir die passendste heraus. Es wird wohl in die Richtung gehen: „Wer da hat, [der] wird gegeben, und [sie] wird die Fülle haben.“

Trotz SF und techniklastiger Ausschreibung bin ich doch wieder bei gesellschaftlichen Fragen angekommen, denen ich nachrecherchiere und die mich auf Ideen bringen. Wahrscheinlich wird auch KI-Musik eine Rolle spielen und die Frage nach echtem Essen auftauchen – schließlich ist es meine Geschichte.

Bild-Info: BlessU-2, Foto Jörn via Das Nord-Süd-Gefälle; CC-BY-SA 4.0-Lizenz

Weltenbau – Über Spiele

Hier in der Nähe bahnt sich ein größeres Spiele-Event – inklusive Meisterschaftsfinale – an, deshalb gibt es heute einen Weltenbau-Artikel zu diesem Thema.

Weltenbau und Spiele

Inspiration aus Aventurien …

Im Gegensatz zu Essen oder Musik, die vor allem innerhalb der Welt eine Bedeutung haben, können Spiele auch von außen her Einfluss nehmen. Seit mindestens dreißig Jahren gibt es Fantasy-Rollenspiele, anfangs Pen & Paper, später elektronisch. Viele Autor*innen des Genres haben Spielrunden geleitet bzw. tun das immer noch, andere zocken online oder entwickeln Computerspiele. Da bleibt es kaum aus, dass die Spielwelten gewisse Auswirkungen auf die Romanwelten haben – sei es durch Anspielungen, Parodien oder direkte Gegenentwürfe, von mehr oder weniger bewussten Übernahmen ganz zu schweigen.

Die Welt, in der Die Göttin der Helden spielt, verdankt ihre Existenz einer DSA-Parodie, die zu einer Ausschreibung der Story-Olympiade entstand: Kann man die intensive Buchführung rund um die Entwicklung aventurischer Held*innen in eine Romanwelt übertragen? Wie könnte das aussehen? Mehrere Geschichtenfragmente und zahlreiche Eingebungen aus anderen Quellen später beschreibe ich jetzt sozusagen die Anfänge der Abenteuer-Bürokratie. Ich habe zwar gewisse Vorstellungen, wie sich das weiter entwickeln könnte, aber vielleicht stellt sich beim Schreiben auch heraus, dass das System nicht wie gedacht funktioniert. Dann schrumpft der kulturelle Einfluss aus Aventurien eben wieder.

… und aus einer ganz anderen Ecke

Ein zweites Spiel, das diese Welt nachhaltig beeinflusst hat, ist für das Genre eher untypisch. Vor einigen Jahren habe ich den „historischen“ Ableger eines Computerspiels aus der Ecke Mädchen – Pferde – Abenteuer übersetzt. Es ging dabei um eine Sammelqueste einmal rund um die Erde im frühen 21. Jahrhundert. Dieses Grundgerüst habe ich für meinen NaNoWriMo-Roman in dem betreffenden Jahr in die Welt der Regenbogengötter und auf einen technisch nicht ganz so fortgeschrittenen Stand versetzt. (Im Vergleich zu Die Göttin der Helden sind wir trotzdem mehrere Jahrhunderte weiter.) Dadurch, dass die Geschichte eben in allen Teilen der Welt spielte, habe ich eine Menge über diese und ihre Bewohner erfahren, was ich jetzt gut gebrauchen kann. Also – ein Hoch auf rosa Halfter und Turnierschleifen.

Was spielen unsere Helden?

Jetzt zur anderen Seite, Spiele innerhalb der Welt. Schach ist eine beliebte Vorlage für allerlei fantastische Spiele, ebenso Glücksspiele. Dabei eignen sich die Schach-Derivate eher als gesellschaftliche Etiketten und Elemente zur Figurencharakterisierung. Es kommt selten vor, dass die taktischen Feinheiten oder die kulturellen Aspekte solcher Spiele bis ins Detail ausgeführt werden. Das Spielmaterial, die Regeln und Konventionen dazu so zu präsentieren, dass das Ganze zur Spannung beiträgt, wird umso schwieriger, je geringer die Parallelen zum terranischen Vorbild sind.

Als Gegenbeispiel kann Die Spiegel von Kettlewood Hall dienen. Da steht ein Schachspiel im engeren Sinn im Mittelpunkt der Handlung, inklusive einer Regel, die genau im richtigen Jahr offiziell eingeführt wurde. Das geht, weil der Roman in England spielt und echte Schach-Nerds – und auch alle anderen misstrauischen Leser*innen – diese Entwicklung nachprüfen können. In einer Fantasy-Welt sähe das viel stärker nach Willkür der Autorin aus, die sich die Regeln zurechtschnitzt, wie sie sie gerade braucht.

Mehr Glück, als die Polizei erlaubt

Glücksspiele sind meist weniger kompliziert und deshalb leichter nachvollziehbar, auch wenn man die Einzelheiten nicht kennt. Entsprechend lassen sie sich einfacher handlungsrelevant einbauen. Sie bieten außerdem Konfliktpotenzial, zum Beispiel durch Falschspiel oder gewagte Einsätze. Spielschulden können die Figuren zu allerlei Taten motivieren, die den Plot voranbringen. Die Ambivalenz, dass die Obrigkeit das Glücksspiel einerseits reglementiert bis verbietet und andererseits daran verdient, reicht mindestens bis ins Mittelalter zurück. Auch mit diesem Aspekt kann man in einer Fantasy-Welt für Komplikationen sorgen.

Ich muss zugeben, dass „spielen“ in meinen Fantasy-Welten bisher mehr mit „Instrumente spielen“, notfalls noch „Theater spielen“ zu tun hatte. Höchste Zeit, das zu ändern. In Die Göttin der Helden gibt es da eine Figur, die sich als Spieler eignet, und die eine oder andere Gelegenheit für ein Lebendschach – wie auch immer die Regeln dazu aussehen werden. Außerdem müssen die Mittel für ein großes Bauvorhaben aufgebracht werden. Da wäre vielleicht eine Lotterie angebracht …

Literatur

  • Bornet, Philippe, und Maya Burger. Religions in Play – Games, Rituals, and Virtual Worlds. Pano Verlag, 2012.
  • Birkhan, Helmut. Spielendes Mittelalter. Böhlau Verlag, 2018.

Bild: DerRaoul über Wikipedia, CC-BY-SA 3.0

Weltenbau – Ein Beispiel

Um mal wieder die Kurve zum Weltenbau zu kriegen, folgt hier eine kurze Rezension eines meiner Meinung nach gelungenen Beispiels: Der letzte Winter der ersten Stadt von Rafaela Creydt.

Verschiedene Kulturen

In dem Roman spielt das Zusammentreffen zweier verschiedener Kulturen eine große Rolle, die beide sinnvoll ausgearbeitet sind, ohne dass terranische Parallelen beim Lesen sofort ins Gesicht springen. Beides sind menschliche Kulturen, fantasy-typische oder auch untypische „Fremdrassen“ treten nicht auf. Vorurteile hegen die Efoni und Tagoren gegeneinander, da braucht es weder Orks noch Elfen.

Die beiden Völker haben eine gemeinsame Geschichte mit Krieg, Eroberung, Widerstand und Zusammenraufen in unterschiedlicher Ausprägung. Kaiserhaus (Tagora) und Königshaus (Efon) sind miteinander verwandt/verschwägert und intrigieren eifrig zum Wohl der einen oder anderen Seite. Wobei dahingestellt ist, welche Seite das sein könnte und wie viele überhaupt im Spiel sind. Was die gewöhnlichen Bürger davon halten, deren Leben nachhaltig davon beeinflusst wird, steht nochmal auf einem anderen Blatt. Oder genauer auf mehreren anderen Blättern, denn natürlich sind unterschiedliche Gruppen unterschiedlich betroffen. Also ganz, wie man es aus der terranischen Geschichte kennt.

Exotische Früchte oder Grütze?

Ein Punkt, in dem sich die Kulturen erkennbar unterscheiden, ist das Essen. Krai, die Hauptfigur, hat unter anderem die Aufgabe, die Königin zu verpflegen. Auf Staatsbesuch am Kaiserhof stößt er dabei auf Schwierigkeiten von der Beschaffung der Zutaten bis zum Unverständnis des Küchenpersonals und überhaupt der höfischen Organisation.

Gesang für höhere Mächte

Mehr Gemeinsamkeit kommt bei der Musik auf. Die Efoni ziehen in der tagorischen Hauptstadt Atai mit Trommeln, Flöten und Zimbeln ein, die Königin tanzt zu den gleichen Instrumenten. Später verschwinden die Zimbeln, Trommeln begleiten den allgemeinen Tanz am hohen Feiertag Ana gebiert die Welt, dazwischen erklingen Flöten. Im Großen und Ganzen wird zu diesem Tanz jedoch gesungen, nämlich das Lied der Sterne, das auch jeden Morgen die aufgehende Sonne begrüßt. Ebenso singt Krai, um sich mit den Geistern zu verständigen.

Nach Aussagen des Verlags und der Autorin spielt der Roman in derselben Welt wie Die Stadt am Kreuz – übrigens auch sehr empfehlenswert. Beim Lesen fällt das nicht besonders auf. Die Bücher können ohne Weiteres alleine stehen. Auch das spricht in meinen Augen für einen gelungenen Weltenbau. Weit von einander entfernte Regionen und verschiedene Epochen müssen sich nicht unbedingt berühren, beim typischen Stand der Technik von Fantasy-Welten wäre eher das Gegenteil erstaunlich.

Noch zwei Zitate zum Abschluss:
Neschka: „Wir sind alle mehr als ein Mensch, in uns drin, oder nicht?“

Krai: „Solange wir den gleichen Weg gehen, willst du mir vorwerfen, wenn ich tanze und ihr marschiert?“

Äpfel und was man damit machen kann

Äpfel und was man damit machen kann

Traditionelles Superfood

Die aktuelle Kochbuch-Übersetzung zum Thema „Äpfel und was man damit machen kann“ ist so gut wie fertig. Das nehme ich zum Anlass, den Weltenbau kurz pausieren zu lassen* und hier ein Rezept im Sinne des Autors zu posten. Seine Oma und meine Oma sind da offenbar auf ähnliche Ideen gestoßen.

Blutwurst-Toast

Man nehme:

  • 1 Scheibe Bauernbrot
  • Blutwurst-Scheiben
  • Apfelspalten
  • 1 Scheibe kräftigen Schnittkäse
  • Senf (nach Wunsch)

Das Brot (eventuell mit Senf bestreichen, dann) mit Blutwurst belegen. Darauf die Apfelscheiben legen. Mit dem Käse abdecken und bei 180 °C im Backofen überbacken.

Ein bisschen richtiger Süßkram darf dabei nicht fehlen. Also:

Apfelpudding
  • ca. 350 g Äpfel
  • 500 ml Apfelsaft
  • 1 Päckchen Vanille- (oder Sahne-)Puddingpulver

Äpfel schälen, Kernhaus entfernen und das Fruchtfleisch in Würfel schneiden. Den Apfelsaft aufkochen, das Puddingpulver einrühren, und während das Ganze abkühlt, die Äpfel unterheben. Wenn der Pudding erkaltet ist, mit Schlagsahne servieren. Wer es etwas herber mag, nimmt Apfelwein statt -saft.

Die Odenwälder Apfelfreunde sind derzeit wohl noch mit dem Baumschnitt beschäftigt, aber bis das Buch erscheint, gibt es bestimmt auch Neues zum diesjährigen Apfelherbst.

* Außerdem habe ich gestern etliche Kilo Recherchematerial zum nächsten Thema angeschleppt, das ich erst einmal verarbeiten muss.

 

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