La Ballade

Geschichten und Musik

Bücherfrauen: Akademie im Grünen

Wie im Terminkalender erwähnt, fand letzte Woche die Bücherfrauen-Akademie im Grünen statt, ein Seminar für Übersetzerinnen aus dem Englischen unter der Leitung von Ina Pfitzner. Die Teilnehmerinnen hatten vorher Texte eingereicht, die im Seminar besprochen wurden.
Ich hatte kurzzeitig daran gedacht, eine Szene aus der aktuellen Computerspiel-Übersetzung einzureichen – was vermutlich sowieso bei Strafe der ewigen Verdammnis verboten wäre. Letzten Endes erschien mir aber die Aussicht, an nicht CAT-tauglichen, zusammenhängenden Texten zu arbeiten, um Einiges spannender. Sehr zu recht, wie sich zeigte. Sachtexte aus unterschiedlichen Bereichen kamen ebenso an die Reihe wie Romanauszüge verschiedener Genres und Stilrichtungen. Das wurde ergänzt durch den einen oder anderen theoretische Exkurs über Syntax, über Stilanalyse, über Textökonomie. So weit, so klassisch, und das könnte man bestimmt auch online abwickeln.

Yoga

Was allerdings nur offline funktionierte, waren die drei Yoga-Einheiten pro Tag unter der Leitung von Lucia Rojas. Die Bewegung half, die bei der Textarbeit entstandenen Knoten im Hirn zu lösen. Im ersten Anlauf fand ich das Yoga vor allem entspannend, längst nicht so anstrengend wie zu Hause bei Heike Gerhard. Der Muskelkater kam erst dann ein paar Tage später, und an Muskeln, an die ich bisher nicht mal gedacht hatte.

Bücherfrauen: Akademie im Grünen

Auf dem Schornstein des Yoga-Hauses

Übersetzen

Beim Übersetzen hat sich ein ähnlicher Effekt gezeigt. Nur hatte ich hier schon länger das Gefühl, dass ich durch zu viel CAT-Einsatz beim Umgang mit längeren, durchgehenden Texten aus der Übung komme. Dagegen bot das Seminar allerlei Hilfsmittel, nicht nur in Form von abwechslungsreichen Texten. Ein Highlight war der Versuch, das Verhalten von Romanfiguren pantomimisch nachzustellen und auf diesem Weg die treffende deutsche Beschreibung zu finden. Auch das ist etwas, was sich online zwar bewerkstelligen lässt, aber bestimmt weniger Spaß macht.
Eine Skype-Sitzung gab es doch noch. Eine Teilnehmerin konnte wegen Krankheit nicht anreisen, deshalb wurde ihr Text auf diesem Weg besprochen.
Das funktioniere trotz des etwas eigenwilligen Internet-Zugangs im Seminarhaus. Mein Uralt-Laptop kam mit dem WLAN, wo es welches gab, zurecht und ließ sich im Gästehaus widerstandslos verkabeln, das Smartphone dagegen fühlte sich überhaupt nicht angesprochen.

Veranstaltungsort

Das Bio-Hotel Burg Lenzen hat eindeutig andere Stärken, die man ohne elektronische Ablenkung umso besser genießen kann. Was ich vom Gelände gesehen habe, war ausgesprochen einladend für weitere Spaziergänge. Wegen des straffen Seminarprogrammes mussten die leider ausfallen. Bei mir kam noch ein kleiner Spiele-Auftrag dazwischen, zudem knabberten die Essenszeiten an den vorgesehenen Pausen. Aber vielleicht wird das Schlösschen das Urlaubsdomizil für nächstes Jahr.

Die Akademie im Grünen hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Ich habe nicht nur ein paar großartige Kolleginnen kennengelernt – siehe hier –, sondern auch Anregungen für die weitere Arbeit bekommen, die ich bei meinem aktuellen Buchprojekt anwenden kann. Den zukünftigen Kurzgeschichten dürften sie ebenfalls zugute kommen.

Dörrpflaumen

Es wird mal wieder Zeit für etwas zu essen, das letzte Rezept kam ja schon vor Ostern. Zu diesem hier gibt es außerdem eine Geschichte: Sie trägt den Titel

„Dörrpflaumen“,

ist schon etwas älter, passt aber ganz gut in die Jahreszeit.

Am Hof des Königs der Hohen Nomen bereitete man sich auf das Fest der Sommersonnenwende vor. Loma, die Schülerin des Hofzauberers Karas, wollte ihre Handlangerarbeiten so schnell wie möglich hinter sich bringen. Es war kein Tag, um im Haus herumzusitzen.

Sie warf ihr schmutzigweißes Zaubergewand über und rannte über den hof zu Karas‘ Turm. Auf der Treppe, als sie noch mit ihrem Gürtel kämpfte, fiel ihr siedenheiß ein: Sie hätte schon gestern Abend anfangen müssen. Etwas einweichen? Schnippel und trocknen lassen? Es war eben viel spannender gewesen, bei den Vorbereitungen für das große Feuer zu helfen. Loma hatte ein paar Kracher zwischen den Scheiten versteckt. Die würden heute Nacht aus den Flammen hüpfen wie die Frösche.

Karas war noch nicht da, als Loma das Studierzimmer betrat. Sehr gut. Auf dem Lesepult lag das Rezept, das sie vorbereiten sollte. Ein Liebeszauber, der in Form von Törtchen verabreicht wurde. Oh ja, sie hätte gestern schon Dörrpflaumen in Branntwein einweichen müssen. Kein Problem, wenn Aduniel auch für dieses Fest wieder ihren üblichen Sparkuchen buk. Loma lauschte, ob sich Karas schon rührte.

Stille.

Sie huschte die Treppen wieder hinunter. Im Hof machte sie sich unsichtbar – das heißt, sie brachte die Leute dazu, an ihr vorbeizuschauen.

Aus der Küche drangen allerlei Düfte, die auf ein Festmahl für den Abend hindeuteten. Loma musste warten, bis der Gärtner mit einer hoch beladenen Gemüsekarre kam. Er öffnete die Küchentür bis zum Anschlag und klemmte sie fest, so dass Loma unbemerkt hineinschlüpfen konnte. Bei den vielen Leuten, die in der Küche umherliefen, war es schwierig genug durchzukommen, ohne jemanden anzurempeln.

Schließlich erreichte Loma den großen Backofen, wo Aduniel regierte. Nicht weit von ihr standen abgedeckte Schüsseln. Loma wartete, bis Aduniel den Ofen ausräumte und ihr dabei den Rücken zukehrte. Dann lüpfte sie die Abdeckungen und fand bald die kleingeschnittenen Dörrpflaumen in Branntwein. Sie nahm die Schüssel und machte sich auf den Rückweg.

Wieder jeden Zusammenstoß in der Küche vermeiden, warten, bis jemand mit einer großen Last die Tür aufsperren musste, über den Hof, ohne verdächtige Fußspuren in Pferdeäpfeln zu hinterlassen. An der Tür des Zaubererturms wurde sie wieder sichtbar, um hinein zu gelangen, und schlich hinaus ins Studierzimmer.

Dörrpflaumen

Die Zutaten für Liebestörtchen

Karas war noch immer nicht da. Loma atmete erleichtert aus und stellte ihre Beute auf den Arbeitstisch. Sie wandte sich zum Lesepult, um zu sehen, wie es weiterging.

Dort stand Karas.

„Gut, dass Roven-Asa gewissenhafter ist als du“, sagte der Zauberer. „Nicht nur, dass du zu spät mit deinen Vorbereitungen begonnen hast, du hast auch deine Lektionen nicht gelernt.“

Loma grübelte. Alles Wichtige hatte sie bestimmt behalten, zum Beispiel diesen praktischen Unsichtbarkeitszauber.

„Liebestörtchen“, schnaubte Karas. „An so was glauben doch nur die Küchenmädchen. Und du, offenbar. Aber da du wenigstens die Unauffällige Gestalt beherrschst, will ich nicht so streng sein. Wenn du auch noch das Flammenlose Feuer hinbekommst, haben wir gleich ein sehr gutes zweites Frühstück.“

… und hier das versprochene

Rezept
  • 100 g gemischtes Trockenobst
  • 50 g Rosinen
  • 3 EL Rum
  • 250 g Butter
  • Prise Salz
  • 150 g Honig
  • 5 Eier
  • 100 ml saure Sahne
  • 1 ½ TL Zimt
  • 200 g Weizenvollkornmehl
  • 50 g Hirse, fein gemahlen
  • 3 TL Backpulver
  • 100 g Mandeln, gehackt
  • Butter und Mehl für die Form

Trockenobst und Rosinen unter warmem Wasser kurz abspülen und trockentupfen. Die Früchte sehr fein schneiden und mit den Rosinen in eine Schüssel geben. Den Rum darübergeben und zugedeckt quellen lassen.

Den Backofen auf 180 °C vorheizen.

Die Butter mit Salz und Honig schaumig schlagen und einzeln die eier einrühren. Saure Sahne und Zimt unterheben. Weizen- und Hirsemehl mit dem Backpulver mischen und diese Mischung mit der Buttermasse verrühren. Das Trockenobst und die Rosinen samt Rum sowie die Mandeln unterheben.

Eine Kranzform einfetten und mit Mehl ausstreuen.

Den Teig in die Form füllen und diese auf der untersten Schiene des Ofens 50 min. backen. Mit einem Holzspieß probieren, ob der Kuchen fertig ist.

Den Kuchen in der Form kurz abdampfen lassen, dann auf einen Draht stürzen und vollständig abkühlen lassen.

Mehr Geschichten, auch eine von meinen, gibt es zum Beispiel hier.

Heiße Sohle Anno 1786

In Kürze steht das Altstadtfest Neckargemünd an, bei dem das unvergleichliche, nie dagewesesene Ensemble Neckarklang and Friends spielen wird. Zu den „friends“ zähle auch ich, also folgen hier ein paar Worte zu einem Teil des Programms.

Frisch digitalisiert

Über eine Cantiga de Santa Maria, die wir spielen, habe ich mich schon vor ein paar Wochen ausgelassen. Jetzt geht es um etwas neueres Repertoire, nämlich Tanzmusik aus dem späten 18. Jahrhundert. Seit ihrer Digitalisierung im Jahr 2012 geistert die Sammlung Dahlhoff durch die Folk-Szene. Nicht alle 800 oder so Stücke natürlich, es kristallisieren sich mit der Zeit Schlager heraus. Wir haben es im Speziellen auf Rode See abgesehen. Die Tatsache, dass die Melodien ursprünglich wohl für Geige notiert wurden, hindert uns nicht daran, für unsere Version diverses Gebläse einzusetzen.

Heiße Sohle 1786

Heiße Sohle Anno 1786

„Dahlhoff“ ist allerdings längst nicht die einzige Sammlung dieser Art, und auch schon lange, bevor man Manuskripte digitalisieren konnte, haben sich Leute an die Transkription dieser Musik gewagt. So hat sich zum Beispiel eine Faksimile-Ausgabe des Wernigeröder Tanzbüchleins (1993, mit einem Nachwort von Ernst Kiehl) in mein Regal verirrt. Das Original ist ab 1786 entstanden.

Mit 140 Seiten ist der Umfang überschaubarer als bei Dahlhoff. Notiert wurden die Stücke ebenfalls für Violine, meist in D-Dur, manchmal auch zweistimmig. Wie sich die Bearbeitung für Dudelsack & Co. anlässt, bleibt noch abzuwarten (obwohl – hier ist schon mal ein Beispiel). Dabei handelt es sich vor allem um Menuette, Quadrillen und Anglaisen, die Modetänze der damaligen Zeit. Teilweise sind sie mit Skizzen zur Tanzanleitung versehen. Auch die könnten sich als Bastelgrundlage eignen.

Die Odenwälder mal wieder

Dagegen fällt die Odenwälder Spinnstube (Heinrich Krapp, 1904) mit „300 Volkslieder[n] aus dem Odenwald“ deutlich ab. Teilweise wird da schon der Weg zum Absingen von Seemannsliedern in völlig trockener Umgebung bereitet. Tanzmelodien sind nur wenige enthalten, die sind dafür umso simpler gestrickt. Ein Versuch, sie aus den Tiefen der Unibibliothek Heidelberg zu befreien, wurde abgebrochen. Abgefahrene Instrumente allein schaffen da auch nicht genug Pepp.

Bild: Tanzende Kinder von Lorens Pasch (1733-1805), gemeinfrei

Wolfenbütteler Gespräch 2019 – Nachlese Teil 2

Wolfenbütteler Gespräch - Nachlese Teil 1

Der Samstag besteht beim Wolfenbütteler Gespräch größtenteils aus Workshops. Darin geht es nicht nur um Übersetzungsprobleme, sondern auch um Sprachliches im Allgemeinen, um Berufskundliches und -politisches oder um Fachgebiete, die einen beim Übersetzen von Romanen aus dem Hinterhalt überfallen können. Polizeiarbeit und Forensik sind eher naheliegend, aber auch zum Thema Seefahrt oder Fußball wurde hier schon eingehend informiert.

Die Sprache der Musik

In diesem Jahr gab es „‘Twang, Groove, Riff, Jangle‘ – Die Sprache der Musik und ihre Übersetzung“ mit Dieter Fuchs. Wie der Titel schon vermuten lässt, ging es im Wesentlichen um Rock- und Popmusik – nicht unbedingt meine Richtung, aber dazu geht frau ja zu derlei Workshops, um mal über den Tellerrand zu schauen. Es ging um die Beschreibung von Klängen, insbesondere von Gitarren, und um die Terminologie. Da stellt sich oft die Frage, ob ein Begriff oder auch ein Titel übersetzt oder direkt übernommen wird. Nach dem offiziellen Ende des Workshops folgte noch ein Exkurs zum Thema Gitarrenstimmung und Grifftechnik.

Die Mittagspause war, wie üblich, relativ lang und es gab verschiedene Angebote, sie zu überbrücken, zum Beispiel mit einer Stadt- oder Bibliotheksführung. Ein Treffen mit Kolleg*innen war im Programm ausdrücklich vorgesehen, aber auch wer nicht mit Street Food vom Maifest in der Schünemannschen Mühle auftauchte, sondern die ortsansässige Gastronomie heimsuchte, stieß mit hoher Wahrscheinlichkeit auf fachsimpelnde Übersetzer*innen.

Online-Reputation

Am Nachmittag habe ich am Workshop zu Online-Reputation mit Dr. Karin Windt teilgenommen. Für die vielen Themen, die das berührt, war die Zeit eindeutig zu kurz. Eine wichtige Erkenntnis aus dem Austausch innerhalb der Gruppe war: Ich muss mich nicht verrückt machen. Es gibt viele Möglichkeiten, die sich auf vielfältige Weise nutzen lassen. Also probiere ich mich weiterhin mit dem aus, mit dem ich mich wohlfühle und was potenziell Spaß macht. (Übrigens: Seit ein paar Wochen gibt es vom mir auch Blümchen und Bücher bei Instagram).

Party

Der Samstagabend war zum Feiern vorgesehen. Nach der Übergabe des Hieronymusrings an Marianne Gareis war beim Abendessen bzw. Schlange stehen am Büffet noch reichlich Gelegenheit, sich zu unterhalten oder mindestens mal schnell Hallo zu sagen. Ich habe mich gefreut, hier auf Anne Emmert, Teresa Junek und Eva Schweikart zu treffen. Dafür fahre ich jedes Jahr nach Wolfenbüttel.

Die Lindenhalle ist nicht gerade die gemütlichste Location. Die Tanzwilligen mussten im Anschluss an das Essen ins Foyer umziehen. Aber Flair kommt nun mal mit der Zeit und den Erinnerungen, die sich mit einem Ort verbinden. Dafür ist „mod con“ auf jeden Fall eine feine Sache.

Es wird noch einen dritten Teil der Nachlese geben, die allerdings mehr mit dem Maifest und dem dortigen Street-Food-Angebot zu tun hat.

Und Teil 1 steht hier.

Phantastische Heldinnen III

Mein Beitrag zur Blogreihe über phantastische Heldinnen befasst sich mit Frauen in eher heimatlichen Gefilden in nicht allzu ferner Vergangenheit – mit ein paar Eigenheiten.

Phantastische Heldinnen III

Als dieses Buch erstmals bei Heyne erschien, hat es mich als jugendliche Karl-May-Leserin sehr angelacht. Glücklicherweise habe ich den Kauf bis zur Neuausgabe über zehn Jahre später verschoben; so hatte ich deutlich mehr davon.

Ich lese Carl Amery gern wegen der Sprache(n und Dialekte), und weil sein Humor auf meiner Linie liegt, nicht wegen der handfesten Frauen in seinen Romanen. Die sind eher selten und außerdem ungleichmäßig verteilt. In Das Königsprojekt treten vor allem Deko-Frauen auf. In Der Untergang der Stadt Passau verteidigt eine Tapfere aus dem Gefolge des Schäffs ihre mechanische Nähmaschine bis zum letzten Kapitel. In Das Geheimnis der Krypta ist die Schwester des Helden immerhin die Gewährsfrau dafür, dass das Gold nach jeder Katastrophe wieder in den Händen der Banker landet. An den Feuern der Leyermark hat dafür gleich Frauen in größeren Rollen zu bieten – gKall, dTéres und bMaxi (hatte ich schon mal was von „Dialekt“ erwähnt?). Nach ihnen sind die drei Teile des Buches benannt, das außerdem „den Müttern und Großmüttern“ gewidmet ist.

Zum Inhalt

Wir befinden uns im Jahre 1866 nach Christus. Die Leyermark – Bayern, für die Bewohner*innen der hiesigen/jetzigen Realität – ist unter einem griechenbegeisterten König Radwig (I.) ungefähr bei Napoleon falsch abgebogen. In Amerika ist vor Kurzem der Bürgerkrieg zu Ende gegangen, in Deutschland bahnt sich der „Bundeskrieg“ gegen Preußen an. Ein aufstrebender Jurist im Kriegsministerium, einer der wenigen Englisch-Könner weit und breit, bestellt aus US-Armeebeständen 546 Godfrey Rifles, „excellently manned and serviced“. Die kommen mitsamt ihrer Bemannung und mischen den Laden ordentlich auf.

Bisher sind die Geschlechterrollen traditionell verteilt: Die Männer führen Krieg, bauen Maschinen, sind künstlerisch tätig und vor allem wichtig. Die Frauen kochen (gKall), singen im Kirchenchor und gehen beichten (dTéres) oder halten Po und Busen in die Kamera, äh, vor die Leinwand (bMaxi). Männer bündeln, Frauen bleiben für sich.

Das kann man als historisch-realistisch ansehen, muss man aber nicht. 1865 fand in Leipzig eine erste gesamtdeutsche Frauenkonferenz statt, bei der die Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins beschlossen wurde. Davon findet sich in der vorliegenden Geschichte keine Spur. (Was damit zu tun haben könnte, dass reale Ereignisse bzw. Personen in der Regel als Vorlage für satirische Verfremdung dienen. Das wäre im Fall der „Leipziger Frauenschlacht“ nicht gerade originell.)

bMaxi

Die Frauen planen keine Revolution, sie nutzen jeweils die Möglichkeiten ihrer persönlichen Situation, um sich weiterzuentwickeln. Die stärkste Rolle hat in diesem Zusammenhang bMaxi, die am ehesten „modern“ wirkt. Nachdem sie vom angesagten Historienmaler in München entdeckt wurde, arbeitet sie sich weiter nach oben. Gutes Aussehen und lockere Moralvorstellungen mögen dabei helfen, aber bMaxi lernt – gute Umgangsformen und Französisch – und arbeitet – als Galeristin, die den eigenen Laden putzt -, um gesellschaftlich voranzukommen. Ihre serielle Monogamie wird als nicht weiter bemerkenswert dargestellt. Eine negative Bemerkung zum Thema dient vor allem dazu, den Sprecher als rückständigen armen Tropf zu charakterisieren. Sie hat ihren großen Auftritt als symbolische Anführerin der Revoluzzer-Delegation, die zwar nicht zum König vordringt, aber größten Eindruck macht.

dTéres

dTéres legt sich mit der Kirche an, der sie ihr Leben lang treu gefolgt ist. Aber nachdem sie die Reaktion mancher Würdenträger beobachtet, wenn nicht alles seinen gewohnten Gang geht, widersetzt sie sich. Letzten Endes auch ihrem Verlobten, dem sie ebenso lang gegen den Widerstand ihres Vaters die Treue gehalten hat. Die beiden trennen sich wegen weltanschaulicher Differenzen. dTéres wird zum Gegenstand einer kirchenrechtlichen Abhandlung (deren Inhalt im Off bleibt) und fördert damit die Karriere ihres früheren Beichtvaters. Ihre Zukunftsaussichten am Ende des Abenteuers werden über ihren Kopf hinweg von ebendiesem Beichtvater und einem freimaurerisch orientierten Pädagogen diskutiert. Die geneigte Leserin kann allerdings vermuten, dass dTéres ihren eigenen Weg zwischen den sich neu eröffnenden Möglichkeiten findet.

gKall

gKall kommt von den drei Frauen am schlechtesten weg. Ihre Abnabelung vom großen Bruder beruht auf Geld und einer Heirat. In ihrer neuen Rolle ist sie eher stille Teilhaberin als Gestalterin des Unternehmens. Der Autor schreibt ihr zwar „die revolutionärste Idee von allen“ zu, die wird aber in nur einem Absatz im großen Schlusstableau abgehandelt und erscheint, jedenfalls aus heutiger Perspektive, zu kurz gedacht.

Über den Roman ließe sich noch einiges schreiben, mindestens ein Artikel zum Thema Rassismus dürfte noch drinstecken, eventuell auch etwas zum Autor und zum gesellschaftlichen und spekulativ-literarischen Umfeld der Entstehungszeit. Hier geht es allerdings demnächst weiter mit Torchy Burns und ihren musikalischen Widersacherinnen in der Songkiller-Saga von Elizabeth Ann Scarborough.

Literatur:

Ute Gerhard, Unerhört – Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung, Rowohlt 1990

Wolfenbütteler Gespräch 2019 – Nachlese Teil 1

Wolfenbütteler Gespräch - Nachlese Teil 1

Das diesjährige Wolfenbütteler Gespräch begann für mich wegen einer Zugverspätung mit dem traditionellen Abendessen im Wok-In am Bahnhof. Das ist gleich die erste Gelegenheit, ein paar neue Kolleginnen kennenzulernen. In diesem Fall Christine Diefenbacher, Jeannette Bauroth und Anja Lerz.

Auf dem Weg zum Lesefest in der Schünemannschen Mühle bot das Maifest auf dem Stadtmarkt ein musikalisches Kontrastprogramm.

Im ersten Leseslot habe ich mir Claudia Buchholtz mit Der König der Pinguine von Ned Zeman angehört. Darin geht es um den Schweizer Fotografen Bruno P. Zehnder, der sich auf Kaiserpinguine spezialisiert hatte. Er starb auf der Jagd nach einer letzten Fotostrecke und wurde im Beisein einer Abordnung der nächstgelegenen Kolonie auf der Buromski-Insel bestattet. Welche Schlüsse wird wohl die Archäologie einer fernen Zukunft aus diesem Gräberfeld ziehen?

Im zweiten Programmteil vor der Pause las Christian Hansen aus Die Prinzessin Primavera von César Aira. Die Titelfigur übersetzt Unterhaltungsromane, und in Anbetracht des Publikums nahm ihre Berufsauffassung in der Lesung breiten Raum ein. Die Handlung dreht sich allerdings um ihre Auseinandersetzung mit ihrem ewigen Widersacher General Winter.

Nach der Pause war Karen Nölle an der Reihe, die schon beim PAN-Branchentreffen auf dem Podium vertreten war. Diesmal ging es allerdings nicht um Phantastik, sondern um Naturbeobachtung: Pilger am Tinker Creek von Annie Dillard. In dem betreffenden Ausschnitt machten die weit reisenden Monarchfalter bei der Erzählerin Station.

Damit war allerdings meine Aufnahmefähigkeit für diesen Abend erschöpft. Und das zweite Glas Wein hat nicht wirklich weitergeholfen. Also machte ich mich über das oben erwähnte Maifest – inzwischen mit Lightshow – auf den Weg zurück ins Hotel.

Fortsetzung folgt.

Ein halbes Pfund Belegexemplar

Ein halbes Pfund BelegexemplarDieses halbe Pfund Belegexemplar ist gestern bei mir eingetroffen. Ich freue mich, dass die Geschichte immer noch draußen herumgeistert und hoffentlich Leute ihre Freude daran haben. Insbesondere gefällt mir das Cover, auch wenn sich da ein c statt dem k eingeschlichen hat. Es wird in dieser Form wohl eher nicht im regulären Buchhandel auftauchen, dafür aber beispielsweise im Supermarkt (und das E-Book gibt es nach wie vor bei dotbooks).

Vor lauter Begeisterung habe ich gestern für meinen anstehenden SP-Roman Die Weinfestengel nicht nur einen Klappentext geschrieben, sondern gleich drei. Das ist zwar sicher nicht die empfohlene Marketing-Methode, aber ich neige stark dazu, die auch alle drei zu verwenden. Für das Cover habe ich jetzt ebenfalls eine Idee, die ich mit meinen aktuellen GIMP-Kentnissen vermutlich umsetzen kann. Also steht einer Veröffentlichung Anfang Juni nicht mehr viel im Weg. (Edit im Juni: Und hier ist es.)

Jahrmarkt-Ausschreibung

Außerdem läuft noch bis zum 15. Juni die Ausschreibung des Burgenwelt-Verlags unter dem Motto „Jahrmarkt der Mysterien“. Da sind meine Spielleute doch eigentlich prädestiniert, mitzumischen. Das aktuelle Plotküken scheint mir aber eher ein Strauß werden zu wollen als ein Hühnchen. Also bin ich noch auf der Jagd nach etwas weniger Kompliziertem. Der Aufwand für die Recherchen sollte sich in Grenzen halten, deshalb wird der Schauplatz mit hoher Wahrscheinlichkeit Heidelberg.

Möglicherweise habe ich mich einfach zu sehr auf das Stichwort Jahrmarkt eingeschossen. Laut Ausschreibung sind auch andere Festivitäten erwünscht, wenn es dabei nur mysteriös wird. Vielleicht kann ich meinem Lotterpfaffen Baldwin ein Solo-Abenteuer spendieren. Der macht zwar keine Marktmucke, aber etwas zu feiern gibt es bestimmt auch in dem einen oder anderen Kloster. Im Kalender stehen genug Feiertage. Es könnte auch jemand Hochzeit halten oder der Kurfürst wird mit großem Gepränge empfangen.

Ich lese mich noch ein bisschen durch die bereitliegenden Bücher zum Thema, dann wird sich schon die eine oder andere Idee einfinden.

(Näheres zum Thema Werbung gibt es hier.)

Repair-Café in Reichelsheim

Repair Café in Reichelsheim

Der Patient

Gestern habe ich eine neue Institution kennengelernt: das Repair-Café in Reichelsheim. Ich habe nämlich ein neues Spielzeug bekommen, das schon einige Abenteuer hinter sich hat. Das sieht vielleicht schlimm aus, aber das Innenleben des guten Stückchens scheint noch ganz intakt zu sein. Daher suchte ich einen Menschen, der bereit wäre, es zu reparieren, ohne mir nebenbei ein neues aufzuschwatzen. In der Zeitung stand der Hinweis auf das oben genannte Repair-Café, das immer am dritten Samstag im Monat stattfindet – praktischerweise gestern. Daraufhin habe ich den Patienten eingepackt und bin einmal hingefahren.

Wann und wo

Veranstaltungsort ist das Haus der Vereine in der Bismarckstraße. Auf der Suche danach ist mir auch gleich wieder eingefallen, dass bei den Märchentagen auf dem dazugehörigen Parkplatz ein Metstand untergebracht ist. Geöffnet ist das Repair-Café ab 14.00 Uhr, und es kommt offenbar gut an. Wie in dem Zeitungsartikel angekündigt, hatte ich gemütlich Zeit, einen Kaffee zu trinken. Sehr appetitanregend aussehenden Kuchen gab es ebenfalls, den habe ich mir aber heldenhaft verkniffen, weil ich abens noch zu einem Geburtstag eingeladen war.

Sowohl beim Publikum als auch bei den Helfer*innen waren verschiedene Altersgruppen vertreten. Neben freundlichen Menschen, die sich um Elektrogeräte in allerlei Formen und größen kümmerten, gab es auch eine Nähstation, an der neue Reißverschlüsse eingebaut und Strümpfe gestrickt wurden.

Nachdem ich eine Weile das Kommen und Gehen beobachtet und dabei eine Bekannte getroffen hatte, konnte ich einem jungen Mann mein Problem schildern und bekam Tipps, wie weiter vorzugehen wäre. Auf diesem Weg bin ich jetzt. Wenn alles klappt, wird aus dem Spielzeug demnächst ein Werkzeug.

Neues Spiel, neue Erfahrung

Es hat mir aber auch so schon einen gewissen Aha-Effekt beschert. Denn ich übersetze zwar Computerspiele, ich spiele aber keine. Der Herr, der mir das Gerät überlassen hat, musste aber vorher noch eins installieren. Das Ding macht leider süchtig, folglich habe ich das lädierte Display beim Schnecken abschießen noch ein bisschen weiter eingedrückt. Dafür habe ich jetzt einen Eindruck davon, wo diese Marketing- und Ingame-Texte am Ende landen. Sie sind in der Tat genauso nervig, wie sie beim Übersetzen wirken. Trotzdem kann ich die Finger kaum davon lassen.

Das Repair-Café werde ich wahrscheinlich bald wieder besuchen. Im Lauf der Veranstaltung sagte jemand: „Schade, dass ich nichts zu reparieren habe.“ Dieses Gefühl kann ich auch nach einem Besuch schon ganz gut nachvollziehen.

 

 

Achtung – unbezahlte Werbung. Man könnte natürlich sagen, dass ich mit einem wunderbaren Mittagessen bestochen wurde, das ich als Gast bei der dazugehörigen Familienfeier nicht zu bezahlen brauchte. Schließlich liegt das Revier des Partyservice einige hundert Kilometer weiter nördlich als mein angestammtes Territorium.

Ein feines Büffet

Was vom Büffet übrig blieb

Anja kocht lieferte ein feines Büffet von Ziegenhagen nach Kaufungen. Es gab zwei Blattsalat-Kombinationen mit zwei originellen Dressings, Auberginengratin, Schweinemedaillons in Pfeffersauce, eine Spinatvariation und geschmorte Champignons, dazu Kartoffelpüree und Basmatireis als Beilage. Außerdem standen Mousse au Chocolat und Erdbeer-Mascarpone-Schichten mit Cantuccini als Dessert bereit.

Das Ganze lief für die Gäste unauffällig und pünktlich ab und wurde ansprechend dekoriert dargeboten. Die Mengen waren ausreichend berechet, auch wenn es im Einzelfall nicht immer gelang, alles zu probieren, was appetitanregend aussah. Also rundum empfehlenswert für Leute, die mit eher dezenten Fleischportionen feiern können/wollen. (Zum Selbermachen finden sich hier einschlägige Quellen.)

Fantastisches Europa – Startschwierigkeiten

Fantastisches Europa - Startschwierigkeiten

Nicht das Neueste von Peter Schaap

Da Europa gerade eins der brandheißen Themen ist, hielt ich das für den passenden Anlass, einen guten Vorsatz vom PAN-Branchentreffen gleich in die Tat umzusetzen: Phantastik aus anderen Ecken Europas vorzustellen. Als Ausgangspunkt wollte ich einen Autor nehmen, dessen Erstlingswerk mir schon … ist bald nicht mehr wahr … Ende des vorigen Jahrhunderts gefallen hat, Peter Schaap.

Klar, die Bücher von damals gibt es immer noch. Davon stehen auch einige in meinem Regal. Soweit ich das bisher feststellen konnte, lebt der Autor noch, schreibt und singt auch weiterhin. Im Sommer 2018 ist sein neuester Roman De Helden van Sidian erschienen, beim Verlag Zilverspoor in Naaldwijk (Zuid-Holland). Der Klappentext klingt so weit gut.

Ich folge also dem Bestell-Link und stelle fest: Ein Versand außerhalb der Niederlande ist nicht vorgesehen. Na gut, Belgien ginge noch, aber das hilft mir nicht allzu viel. Von einer E-Book-Ausgabe ist nirgends die Rede. Auch beim Buchhändler meines Vertrauens finde ich den Titel nicht. Beim großen A ist er derzeit nicht verfügbar. Immerhin könnte ich mir von der französischen Abteilung einen anderen Fantasy-Roman des Autors schicken lassen. Darüber denke ich noch nach.

Vielleicht starte ich auch einfach mit einem kurzen Überblick über das, was ich schon hier habe – De Schrijvenaar van Thyll zum Beispiel. Wenn ich mich recht erinnere, könnte die Geschichte auch nach dreißig Jahren noch das eine oder andere zu sagen haben.

Oder ich suche mir einen anderen Autor bzw. eine Autorin oder gehe vorerst in ein anderes Land auf Entdeckungsreise. In Spanien gibt es ebenfalls fantastische Bücher, und soweit ich das überblicke, auch allerlei Preise innerhalb des Genres. Da dürfte sich also etwas Spannendes finden lassen, von den spanischsprachigen Autor*innen aus anderen Ländern mal ganz zu schweigen.

Also – sobald die Leyermark mit ihren Heldinnen erschöpfend behandelt ist, kann die Europareise weitergehen.

 

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