Geschichten und Musik

Schlagwort: Meerwesen Seite 1 von 3

Lesestoff – Verhandlungspartner 4

Heute wird der Lesestoff von gestern fortgesetzt: “Verhandlungspartner” – Teil 4 einer SF-Geschichte aus dem vorigen Jahrhundert. Hier sind Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

* * *

Aljoscha hatte seinen Kollegen nie geglaubt, wenn sie sagten, von einem Fun­ker würden übermenschliche Fähigkeiten verlangt. Gewöhnlich verbrachte er seine Zeit im Orbit damit, mit der Pilotin Stual Schach zu spielen. Wenn Stepian auch an Bord blieb, reichte es für ein ausgedehntes Durak-Spiel. Aber heute …

Erst hatte Miriam angerufen und für “den späten Nachmittag” ein Trans­port­shuttle mit Sirup angefordert. Das war noch normal. Die Cresdecks reagierten auf Zucker und Ähnliches wie auf eine Droge, was sie in Aljoschas Augen gleich viel sym­pa­thischer machte. Für einen Vertragsabschluß konnte diese Vorliebe natürlich sehr praktisch sein. Aber dann hatte Miriam ihm ihr soeben er­fundenes Lely-Pro­jekt er­klärt. Es kostete ihn einige Stunden, sechs Wasser­bau­ingeni­eure in der näheren Um­ge­bung von Studhor ausfindig zu machen, die grund­sätz­lich bereit waren, bei der Trockenlegung eines Meeresarms mit­zuarbeiten. Bei vieren davon hielt sich so­gar die geforderte Be­zah­lung in dem von Tenzerpharma gesteckten Rahmen. Mit den beiden anderen verhandelte Aljoscha noch.

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Da meldete sich Dr. Koneïda. Das kam sehr selten vor. Sie bat um ein Trans­port­shuttle mit einer Reihe von Medi­ka­men­ten und Geräten. Aljoscha verstand nicht viel von Medizin, aber das klang nach einem größeren Unfall oder gar einem Kampf. Er gab den Technikern die nötigen Anweisungen, wobei er sich mehrfach auf den Regel 18, Notfälle, berufen mußte. Natürlich war es gegen die Vor­schrif­ten, daß er irgend jemandem Instruktionen erteilte, und einen Ungläubigen wie ihn verwiesen die Neokaledonier besonders gern auf seinen Platz.

Aber Dr. Koneïda hatte noch mehr zu berichten. Die Direktoren, mit denen Miriam und Stepian verhandelten, hatten keinen frischen Ceresch-Tang zur Ver­fü­gung, denn die Erntearbeiter auf den Tangfeldern streikten gegen harte Arbeits­be­din­gun­gen und zu niedrige Löhne. Bewaffnete Einheiten des Konsortiums ver­such­ten, den Aufstand niederzuschlagen. Auch der Sirup, den die Techniker ge­ra­de ver­lu­den, war da­zu bestimmt, die Unruhen zu unterdrücken. Die Aufständischen waren ebenfalls bewaffnet, und sie planten, das Shuttle zu überfallen und den Sirup zu vernichten.

Aljoscha mußte den Transport verhindern. Bei seinem Verhältnis zu den Tech­nikern brauchte er dazu eine Anweisung des Kommandanten. Außerdem mußten die beiden Unter­händ­ler über die neue Lage informiert werden. Er überprüfte den Auto­dol der Protokolleinheit im Sitzungssaal. Nur die gängigen Handels­spra­chen wa­ren pro­grammiert. Sehr praktisch.

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“Milotschka, posluschai minutku…”

Miriam erschrak, als sie die Stimme des Funkers hörte, und als sie verstand, was er sagte, wurde sie äußerst besorgt. Sie schaute Stepian an; offenbar hörte er ge­rade die gleiche Nachricht. Er schaute sie an.
Was jetzt? Sie hatten keine Gelegenheit, sich abzusprechen, ohne von den Cres­decks verstanden zu werden. Während Miriam noch fieberhaft überlegte, wie sie die Direktoren am besten hinhalten konnten, sagte Stepian laut und deut­lich auf In­terkosmo: “Stop­pen Sie den Sirup-Transport auf der Stelle. Dies ist ein Befehl des Kom­man­dan­ten.”

E N D E

Lesestoff – Verhandlungspartner 3

Heute wird der Lesestoff von gestern fortgesetzt: “Verhandlungspartner” – Teil 3 einer SF-Geschichte aus dem vorigen Jahrhundert. Hier sind Teil 1 und Teil 2.

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Wie Miriam erwartet hatte, reagierten die Direktoren nicht begeistert auf den Vor­schlag, frischen Ceresch-Tang zu verkaufen. Der Direktor der Tang­trock­nungs­an­la­gen fürchtete um die Arbeitsplätze seiner Belegschaft. Der Ge­ne­ral­di­rek­tor sah sogar den Frieden auf Studhor in Gefahr. Miriam erinnerte die Herren da­ran, daß Tenzerpharma bisher der einzige Interessent für Frischtang sei und al­le Lie­ferungen streng geheimgehalten werden sollten. Nach längerem Feil­schen einig­ten sie sich, daß die ersten sieben Lieferungen je­weils ein Viertel Trocken­tang ent­hal­ten sollten. Für dieses Ent­ge­gen­kom­men verlangte der Direktor der Tang­trock­nungs­anlagen hundert Liter Orña-Sirup, lieferbar noch am glei­chen Tag. Der Ge­ne­raldirektor und der Handelsdirektor gaben sich mit jeweils fünfzig Litern zufrieden.

Nachdem dieses Hindernis überwunden war, konnten sie an die Preis­ver­hand­lun­gen gehen. Üblicherweise ließen sich die Cresdecks in medi­zi­ni­schen oder tech­ni­schen Geräten oder Informationen bezahlen. Miriam unterbreitete ihre Angebote, vier Projekte, die Tenzerpharma von vielversprechenden, aber wenig fordernden Me­dizinern ausarbeiten ließ.

Die Herren Direktoren diskutierten die Vorzüge und vor allem die Nachteile eines jeden Vorschlags ausführlich. Schließlich fanden sie an jedem Projekt einen Haken, der ihnen so schwerwiegend erschien, daß sie ablehnten.

Der Handelsdirektor machte einen Gegenvorschlag: “Wir haben vor, die Bucht von Llarung trockenzulegen, um einen Raumhafen zu bauen. Dort sollen Raum­schiffe direkt landen können, so daß der aufwendige Transport entfällt. Für die erste Phase des Projekts, die Trockenlegung, wäre uns die Mitwirkung Ihrer In­ge­nieure willkommen.”

* * *

In einer Bucht mit breitem Sandstrand fand Dr. Koneïda gleich mehrere ver­letzte Cresdecks. Auf den ersten Blick schienen sie die Opfer einer Messer­ste­che­rei zu sein. Einige gesunde Cresdecks fungierten als Wachen und Krankenpfleger; sie waren zum Teil bewaffnet und ließen sich nur mühsam überreden, die Außen­welt­le­rin zu ihren Kameraden zu lassen. Dr. Koneïda fühlte ihr Mißtrauen; einige von ihnen hegten äußerst finstere Pläne mit ihr.

Trotzdem wurde sie zu den Verletzten vorgelassen. Ihre Messerwunden wa­ren bereits ordentlich versorgt, und Dr. Koneïda hütete sich, dem Cresdeck-Hei­ler außerweltliche Wundermittel anzubieten. Er beobachtete jede ihrer Bewegungen ge­nau und war offenbar zufrieden mit dem, was sie tat.

Bei der genaueren Unter­su­chung der Patienten fand sie Ner­venschäden, die durch Elektrizität her­vor­ge­rufen worden waren. Der Fall war eine Nummer zu groß für ihr Arznei­kästchen. Für eine sinnvolle Be­hand­lung müßte sie die Cres­decks an Bord der Tinka VI bringen. Die Reaktion auf diesen Vor­schlag war je­doch äußerst ungehalten. Immerhin konnte der Heiler die Wachen davon abhalten, sie zu lynchen.

“Wer hat das getan?” fragte sie, als ein Gespräch wieder möglich erschien.

* * *

Fortsetzung folgt.

Lesestoff – Verhandlungspartner 2

Heute wird der Lesestoff von gestern fortgesetzt: “Verhandlungspartner” – Teil 2 einer SF-Geschichte aus dem vorigen Jahrhundert.

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Während Ste­pian die Cresdecks be­schäf­­tigte, be­auf­trag­te sie ein inaktives Ter­mi­nal der Pro­to­koll­einheit, regelmäßig eine han­dels­prin­tische Fas­sung aller Ge­sprä­che in die Außen­welt­­ler­quar­tiere zu schicken. Dr. Koneïda soll­te wissen, was vor­ging, auch wenn sie sich auf Befehl des Kom­man­dan­ten von den Ver­hand­lun­gen fern­hielt. Stepian mißtraute den PSI-Fähigkeiten der Ärztin. Diese Haltung war aus der Ge­schich­te seines Volkes erklärlich, aber Miriam fand sie ein­fach un­praktisch.

* * *

Dr. Koneïda ging am Strand entlang. Sie hatte die ersten Jahr­hun­der­te ihres Le­bens weit im Binnenland verbracht und die See faszinierte sie noch im­mer, der Ge­ruch nach Salzwasser und Tang, das gleichmäßigen Rol­len der Wel­len und die grau-blauen Farben, in denen Himmel und Meer ver­schwam­men.

Nur wenige Schritt hinter ihr führten steile Felsen hinauf in das Innere der In­sel. Grau und kahl sahen die Berge aus; nur an geschützten Stellen ließen sich eini­ge wenige Pflanzen entdecken. Vielleicht hatte Dr. Koneïda noch Ge­le­gen­heit zu einem Ausflug dort hinauf, wenn die Verhandlungen länger dauerten.

Als der Wind an ihren langen schwarzen Haaren zauste und winzige Wel­len um ihre braunen Zehen spülten, war sie froh, daß Stepian ihr ver­bo­ten hatte, im Sit­zungssaal zu erscheinen. Auch wenn seine Gründe dafür eher fragwürdig waren.

Mehrere Personen waren in der Nähe. Draußen im Wasser, also wohl Cres­decks. Dr. Koneïda hatte die Aufzeichnungen über die Bewohner der Meere von Stu­d­hor ge­sehen und war neugierig, einige von ihnen kennenzulernen.

Die Wesen kamen tatsächlich näher; nicht weit von Dr. Koneïda robbten sie auf den Strand. Es waren drei. Offenbar nahmen sie die Außenweltlerin jetzt erst wahr. Sie blieb ste­hen und begrüßte die drei freundlich auf Interkosmo. Die Cres­decks hielten ebenfalls an. Einer von ihnen stieß ein paar gurgelnde Töne aus. Der Auto­dol hin­ter ihrem Ohr machte daraus eine höfliche Begrüßung. Dabei fühlte sie deutlich, daß die Cresdecks neugierig aber nicht gerade freundlich gesinnt waren.

“Ein Außenweltler am Meer – das wundert mich,” sagte der Cresdeck, der auch vorhin gesprochen hatte.

“Ich bin Ärztin. Bei den Verhandlungen brauchen sie mich nicht.”

“Warum bist du dann da?” Der Cresdeck wackelte mit dem Rüssel, offenbar ein Zei­chen, daß er sich amüsierte. “Haben die Außenweltler solche Angst vor uns, daß sie ihren Arzt mit auf den Planeten bringen müssen? Euer Schiff mit dem Zucker ist doch noch nicht gelandet.”

“Nein, und es landet auch nicht. Alles, was wir brauchen, wird mit dem Trans­port­shuttle gebracht.”

Der Cresdeck war mit dieser Antwort nicht sehr zufrieden und beharrte: “Dann habt ihr doch Angst vor uns!”

“Große Angst,” lachte Dr. Koneïda und setzte sich hin. “Siehst du, wie ich mich fürchte? Wer seid ihr überhaupt, daß ihr meint, mich erschrecken zu können?”

“Wir gehören zur Sicherheitsabteilung dieser Insel.”

Das war gelogen. Die drei hatten die Wachen eher zu fürchten. “Keine Angst,” sagte Dr. Koneïda, “ich verrate euch nicht. Ihr solltet jetzt eigentlich bei der Arbeit auf den Tangfeldern sein, stimmt’s?”

“Du kannst Gedanken lesen,” sagte der Cresdeck unwillig. “Ihr Außen­welt­ler könnt einfach alles.” Er erzählte seinen Begleitern, was er ent­deckt hatte.

“Ihr habt noch ein anderes Problem,” fuhr Dr. Koneïda fort. “Kann es sein, daß ihr meine Hilfe braucht?”

Der Sprecher wollte nicht antworten. Aber die Gefühle eines zweiten Cres­decks waren deutlich genug. Dr. Koneïda fühlte in ihrer Tasche nach dem Arznei­käst­chen. Wenn Stepian davon wüßte, würde er sie auf Studhor zurücklassen. “Bringt mich zu eurem Kranken,” sagte sie.

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Fortsetzung folgt.

#Autor_innensonntag – Erstkontakt

Beim heutigen #Autor_innensonntag von Justine Pust ist nach dem Erstkontakt zu anderen Schreibenden gefragt. Das muss in irgendeinem Forum oder über eine Mailingliste gewesen sein, dachte ich.

Falsch.

Wolfenbütteler Gespräch - Nachlese Teil 1Es ging völlig analog vor sich, wie das vor 25 Jahren noch üblich war. In der Mensa des FASK in Germersheim (inzwischen umbenannt und umnummeriert) stieß ich auf die Zeitschrift Unicum und darin auf ein Kursangebot: fantastische Kurzgeschichten schreiben. Veranstaltungsort war die Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel, der Referent war Klaus N. Frick und die Gruppe teilte sich ziemlich genau hälftig in Perry-Rhodan-Fans und andere. Ich gehöre zu den anderen.

In Wolfenbüttel war ich später noch zu anderen Seminaren (und zur VdÜ-Jahrestagung; vielleicht klappt es ja nächstes Jahr wieder), die Schreibkontakte haben sich seit 1996 allerdings doch stark ins Netz verlagert.

Hier kommt noch ein Geschichten-Fragment, das damals entstanden ist, komplett mit alter Rechtschreibung.

* * *

Verhandlungspartner

Miriam Tols war mit ihrem jetzigen Auftrag zufrieden. Sie sollte auf Studhor für den Konzern Tenzerpharma frischen Ceresch-Tang einkaufen. Das war eine Neue­rung und konnte die Verhandlungen etwas ausdehnen, aber Miriam hielt sich für ausreichend vorbereitet. Sie hatte sich alle Auf­zeich­nun­gen von früheren Ver­trags­abschlüssen mit den Cresdecks an­ge­sehen und für eine Ladung Orña-Sirup gesorgt, damit sie an den richtigen Stellen schmieren konnte. Das Geschäft sollte in Zukunft regelmäßig abgewickelt werden. Das bedeutete sichere Einnahmen für die Tinka VI und ihre Mannschaft. Tenzerpharma zahlte vielleicht nicht über­mäßig gut, aber pünktlich.

Jetzt schritt Miriam gemeinsam mit dem Kommandanten Stepian Fe durch die auf der Landseite gelegene Tür des flachen Gebäudes, in dem sich die Ver­hand­lun­­gen zwi­schen dem Konsortium von Studhor und Außenweltlern für ge­wöhn­lich ab­spiel­ten. Die Luft im Sitzungssaal war außerordentlich ­feuch­t und warm. Aber Miriam hatte schon unter bedeutend un­gün­stigeren Um­stän­den verhan­delt.

* * *

Die drei Herren des Konsortiums robbten zur gegenüberliegenden Tür he­rein und begaben sich zu ihren flachen Liegen. Mit ihren lächerlich kurzen Bei­nen soll­ten sie wirklich nicht versuchen, aufrecht zu gehen. Miriam und Stepian lie­ßen sich auf den beiden Stühlen am entfernten Ende des Ver­hand­lungs­tisches nie­der. Offen­bar waren ihre Gesprächspartner nicht auf allzu große Nähe aus.

In der Regel sah für Miriam ein Angehöriger einer Fremdrasse aus wie der an­de­re, aber die drei Cresdecks stellten eine Ausnahme dar. Der auf der mitt­le­ren Lie­ge war von etwas dunklerem Grau als die beiden anderen und stellte sich gleich als Generaldirektor des Konsortiums vor. Den Namen ver­stand Miriam nicht rich­tig. Sie verließ sich darauf, daß die Pro­to­koll­ein­heit bei Bedarf die kor­rek­te Anrede ein­setzen würde. Die kurzen Flossen des Ge­neraldirektors waren bei jedem Wort in Be­wegung. Miriam staunte über die Biegsamkeit seiner dünnen Finger.

Auch die beiden anderen Herren stellten sich kurz vor. Der Han­dels­di­rek­tor brach­te mit seinem langen Rüssel besonders schöne Blubberlaute her­vor; der Di­rek­tor der Tangtrocknungsanlagen hatte leicht bräunliche Haut, die mit vielen Nar­ben bedeckt war.

Stepian stellte sich und Miriam vor, dankte dem Konsortium für den freund­li­chen Empfang und sprach seine Hoffnung auf eine allseits zu­frie­den­stel­len­de Eini­gung aus. Im Stillen amüsierte sich Miriam darüber, wie sehr er es genoß, seine Gala­uniform spa­zie­ren­zu­füh­ren und den Ster­nenadmiral zu spielen.

* * *

Fortsetzung folgt.

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 13

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 13 und Schluss der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11 und 12.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

„Setz dich doch zu uns und iss etwas“, sagte einer der Männer am Lagerfeuer, „wir helfen dir dann, deinen Schatz weiter zu tragen. Wo muss er denn hin?“

„Zur Blackwater Bridge.“

„Ah, interessant. Wusstest du, dass dort ein Leprechaun wohnen soll? Pass auf, sonst verwandelt er dein Plastik hier noch in echtes Gold! Wobei … der Kerl scheint ziemlich faul zu sein, schon seit Ewigkeiten hat ihn keiner mehr gesehen. Die Bridge ist ein tolles Versteck!“

Ha, da hatte ich ja nochmal Glück gehabt. Nicht nur, dass ich mir noch einmal kostenlos den Bauch vollschlagen durfte, nein, die Kerle waren auch noch so nett, mir den Topf abzunehmen und ihn die ganze Strecke bis zur Blackwater Bridge zu tragen!

Dort verabschiedeten sie sich, ohne irgend etwas als Gegenleistung zu erbitten. Wenn die wüssten, was sie da getragen hatten! Zu viel Ale schien sich also genau wie deutsches Bier negativ auf die geistigen Aktivitäten auszuwirken.

Als ich wieder alleine unter der Brücke stand, erschien der Leprechaun mit einem lauten Knallen vor mir. Er taumelte leicht, ich hatte also recht gehabt mit der Pub-Theorie.

„Ah, da bisse ja. Und mein´ Schatz hasse auch mitgebracht. Suppa!“, lallte er.

Na toll, der Kerl war ja tatsächlich sturzbetrunken!

„Werd erstmal nüchtern, du Saufnase. Ja, ich hab deinen Schatz zurück geholt. Bedank dich aber auch bei den Meermenschen, die haben schließlich geholfen. Und hör mit der Sauferei auf, die Menschen glauben schon, du seist nicht mehr im Geschäft“, fuhr ich ihn an.

Er salutierte. „Jawoll, Madamchen!“

Er taumelte, hob seinen Zeigefinger und betrachtete ihn eine Weile. Der Finger schien ihm zu gefallen, denn er fing an, damit Kreise in die Luft zu malen. Dabei murmelte er unverständlich vor sich hin.

Ich bekam Ohrensausen, mir wurde schwindelig.

Plötzlich machte der Kobold „Oh!“, drückte mir mein Fell in die Hand, danach vollführte er weitere merkwürdige Bewegungen mit seinem Finger.

Mir wurde immer schwummriger vor Augen, ich konnte kaum noch klar sehen.

Ein leise gerülpstes „Danke“ wehte mir entgegen, dann verschwanden Brücke und Kobold vor meinen Augen.

Ich schüttelte den Kopf.

Vor mir stand mein Mann und schaute mich entgeistert an. „Geht es dir gut? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen! Dein Eis tropft, pass auf.“

Ich schaute an mir herab. In der linken Hand hielt ich mein Eis, an meinem Arm glänzte das Armband der Meermenschen. Über dem rechten Arm hing ein graubrauner Pulli, die Farbe eines Robbenfells. Mein Mann musterte mich kritisch, ihm schien jedoch nichts aufzufallen.

„Was meinst du? Sollen wir nächste Woche noch einmal den Sasae tsurikomi ashi im Training üben oder wieder zum O Goshi zurückkehren. Unsere Erwachsenen könnten mal eine Auffrischungskur gebrauchen.“ Judo, immer noch.

Ich war wieder zu Hause.

E N D E

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 12

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 12 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 und 11.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

Einer der Männer blieb zurück, dankte mir für alles und übergab mir ein kleines Geschenk seines Königs: ein Armband aus Silber, an dem kleine Anhänger baumelten. Ein Bettelarmband! Er erklärte mir, das Armband sei magisch, seine Kräfte würde ich mit der Zeit jedoch selbst ergründen. Dann winkte er mir zu und verschwand in den Tiefen der Bucht.

Ich packte mein Fell in den Topf und begann, ihn am Flussufer entlang zur Brücke zu schleifen.

In der Nähe hörte ich Stimmen, die sich auf Englisch unterhielten. Da sie das Wort „Nessie“ erwähnten, ging ich davon aus, dass sie den wenig glamourösen Abgang des schrecklichen Prinzen bemerkt hatten. Was trieben sich aber auch so viele Menschen an dieser Bucht herum!

Der Weg zurück zur Blackwater Bridge schien endlos zu sein, dieser verflixte Topf war ziemlich schwer und der Leprechaun, der ihn vermutlich mit einem Fingerschnippsen transportieren könnte, ließ sich nirgends blicken. Der war bestimmt wieder in einem Pub und genoss ein kühles Ale.

Die Nacht verschwand langsam, die Sonne ging auf, und ich war noch immer unterwegs mit diesem dämlichen Goldtopf. Da hörte ich plötzlich ein Rascheln und Lachen in den Hecken vor mir. Tatsächlich tauchten dort ein paar junge Männer auf, die wohl in der Nähe zelteten. Sie hatten ein Feuer gemacht und brieten Würstchen an langen Stöcken,umringt von leeren Ale-Flaschen.

Natürlich bemerkten sie mich sehr schnell und riefen mir Dinge auf Gälisch entgegen.

Ich antwortete nicht, schließlich hatte ich nur Kauderwelsch verstanden. Sie versuchten es erneut, diesmal auf Englisch. „Na, schöne Frau, was hast du denn vor?“

Schöne Frau, von wegen.

Die Männer erhoben sich, kamen näher und untersuchten mein klobiges Gepäckstück. „Was hast du denn mit dem Haufen Plastikmünzen vor?“, fragten sie mich.

Plastik? Ich lugte in den Topf. Nein, kein Plastik. Na, wenn sie das nicht erkannten –

„Ich … äh… bin Touristen-Guide. Aus … Deutschland. Ich … äh … mache eine Art Suche, die Gruppe muss diesen Schatz finden. Aber nun muss ich weiter. Dürfte ich bitte mal durch?“ Etwas besseres fiel mir auf die Schnelle nicht ein.

Aber es schien zu funktionieren, die Männer nickten wissend.

* * *

Fortsetzung folgt.

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Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

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Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 11

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 11 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 und 10.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

Geraume Zeit später kam ein Diener herbei gelaufen. Er verkündete voller Stolz, der Schatz des Leprechauns sei wieder aufgetaucht, der Prinz jedoch sei schon wieder verschwunden. Der König nickte müde mit dem Kopf. Danach straffte er sich jedoch und traf eine Entscheidung.

„Du kannst das Gold nicht transportieren, wenn du dein Fell trägst, du brauchst deine Flossen zum Steuern. Ich werde dir eine Leibgarde mitgeben, wenn du zurück an Land möchtest. Nur den letzten Abschnitt am Fluss musst du alleine schaffen, im Süßwasser können wir nicht schwimmen. Außerdem wird der Fluss zu flach, man könnte deine Begleiter sehen. Ist das in Ordnung?“

Ich bejahte. So gut es mir auch in Atlantis gefiel, mir fehlte der Wind, die Sonne, die Erde. Und ganz langsam machte ich mir auch Sorgen um mein Zuhause… Wie lange war ich nun eigentlich schon fort? Mein Mann würde mich bestimmt auch gerne einmal wieder sehen.

Also beschloss ich, unverzüglich aufzubrechen. Der König begleitete mich höchstpersönlich zurück zu dem Becken, in dem ich angekommen war.

Dort warteten schon die Meermenschen auf uns, die mich hergebracht hatten.

Zwischen ihnen stand ein großer, gusseiserner Topf, der fast bis zum Rand mit goldenen Münzen gefüllt war. Das war also der Schatz, den ich so eifrig gesucht hatte. Ich verabschiedete mich vom König und von der Stadt Atlantis, stieg in mein Fell, das schon für mich bereit lag, und stürzte mich ins Wasser. Meine Begleiter, die gemeinsam den Schatz trugen, folgten mir.

Die Rückreise durch den Kenmare River dauerte keineswegs so lange wie die ursprüngliche Suche, denn diesmal hatte ich ortskundige Führer, die mich schnell zum Ausgangspunkt meiner Reise brachten.

An der Mündung des Flusses, der mich zurück zur Brücke und zu meinem Koboldfreund bringen würde, rollte ich mich wenig elegant ans Ufer. Es war stockdunkel, der Mond ging gerade hinter den Hügeln Irlands auf.

Die Meermenschen saßen am Ufer, ihre langen Flossen trieben in der Strömung. Zwischen ihnen stand der Topf voller Gold. Er war wirklich riesig. Und er schwankte. Plötzlich kam die Oberfläche der Goldmünzen in Bewegung, ein Kopf erschien über dem Rand des Gefäßes. Der Prinz von Atlantis!

Der Rotzlöffel hatte sich im Topf versteckt! Alle erschraken fürchterlich. Nur ich reagierte blitzschnell. An den Ohren hob ich den Kleinen aus seinem Versteck und übergab ihn den Meermenschen.

Diese packten ihn an beiden Händen, während er sich vehement sträubte, und zogen ihn laut platschend zurück ins Meer.

* * *

Fortsetzung folgt.

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Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 10

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 10 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 und 9.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

„Entschuldigung?“, ertönte eine zaghafte Stimme an der Tür, die noch immer am Boden herum plätscherte. Ein kleines Mädchen streckte den Kopf herein. „Eure Majestät, ich glaube, ich weiß, wo das Gold ist. Euer Sohn hat uns allen Süßigkeiten geschenkt. Ich glaube, er hat es dem Zuckerbäcker der Unterstadt überlassen.“

Gequält stöhnte der König auf: „Ja, das sieht ihm ähnlich. Kannst du einen Diener des Palasts hinführen? Ich bezahle die Unkosten, aber wir brauchen das Gold zurück.“ Das Mädchen nickte und verschwand.

„Ich schätze, es wird einige Zeit dauern, bis meine Männer das Gold aufgetrieben haben. Kann ich währenddessen etwas für dich tun? Hast du Hunger oder Durst? Darf ich dir unsere Stadt zeigen?“, fragte der Monarch.

Ich überlegte nicht lange und bat um einen kleinen Imbiss. Fast sofort wurde eine lange Tafel aufgebaut, auf der sich Speisen aller Art fanden: verschiedene Fischgerichte, Algengemüse, aber auch Dinge, die mir bekannt vorkamen, etwa Nudeln, die mit einem rötlichen Gewürz bestäubt waren, Klöße und allerlei mehr. Das war nicht ganz das, was ich unter einem Imbiss verstand. Ich probierte von verschiedenen Speisen, bis ich satt war, vom Wein und den anderen alkoholischen Getränken ließ ich aber die Finger. Stattdessen trank ich Wasser, das erstaunlicherweise süß war. Auf meine Frage, was nun mit all dem Essen geschehe, lachte der König nur: „Warte ab, das verkommt schon nicht.“

Tatsächlich stromerten die Kinder, die ich im Palast gesehen hatte, zum Tisch und holten sich ihren Teil. Eifrige Diener sammelten schnell die verschiedenen Getränke ein, bevor sie sich auch noch über den Wein und Ähnliches hermachen konnten.

Der König führte mich hinaus und zeigte mir Teile der Stadt. Er ließ sich auch über technische und magische Details aus, die ich mir allerdings nicht merken konnte, das klang sehr kompliziert. Stattdessen sog ich die Farben in mich auf und schwor, dieses Erlebnis nie zu vergessen.

* * *

 

Fortsetzung folgt.

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Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 9

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 9 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

Unwillkürlich entschlüpfte mir: „Naja, der Leprechaun ist auch nicht gerade das, was ich freundlich nennen würde. Ihn zu verärgern ist nicht schwer, er selbst gibt sich ja auch nicht gerade Mühe, nett zu sein.“

Diese Worte zauberten das Lächeln zurück auf des Königs Lippen. „Das habe ich schon gehört. Dennoch ist er einer der heimischen Schutzgeister, die uns Zuflucht gewährt haben. Das können wir nicht einfach so schamlos ausnutzen.“

Lautes Geschrei ertönte jenseits der Tür. Diese schmolz wieder zu einer Pfütze, der Diener erschien mit einem zappelnden Paket auf der Schulter. Er schwankte beim Gehen, seine Last schien sich mit aller Gewalt gegen ihn zu wehren. Erleichtert verbeugte er sich und ließ das Paket auf den Boden herab, wo es auf eigenen Füßen zu stehen kam.

Tatsächlich handelte es sich bei dem verschnürten Ding um ein Kind! Ein kleiner Junge mit zornesrotem Gesicht, der sich wand und fürchterlich schimpfte. „Mach mich los, du ausgetrockneter Stinkfisch! Ich befehle es dir! Du Wurm am Angelhaken des Poseidon! Ich werde dich an der Schwanzflosse aufhängen lassen!“

„Genug!“, donnerte der König.

Sogar ich erschrak.

* * *

Der Junge hörte auf zu zetern und wandte sich, so grazil es mit den Fesseln ging, zu uns um. „War das dein Befehl? Musst du mich fesseln lassen, vor all meinen Freunden? Das ist entwürdigend! Nimm mir die Fesseln ab!“, forderte der Dreikäsehoch. Der Kleine wusste ja ganz genau, was er wollte. Ich war fasziniert.

„Halt den Mund. Die Fesseln werden schon nötig gewesen sein. Du benimmst dich ja immer wie ein zorniger Igelfisch.“ Der König klatschte in die Hände, woraufhin die Fesseln zu einer Pfütze schmolzen, die sich am Boden sammelte. „Sohn, hast du dem Leprechaun von Blackwater einen Goldtopf gestohlen?“

Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Das sollte der Prinz von Atlantis sein? Dieses zornige Kind? Faszinierend.

Der kleine Rotzlöffel fragte keck: „Und wenn es so wäre? Der grüne Knilch ist ein Fiesling! Ich kann ihn nicht leiden. Er soll an seinen Ohren gehängt werden!“ Mit verschränkten Armen stand er da und stellte Forderungen, der hatte vielleicht Nerven!

„Antworte. Hast du dich von Breitschnabel zur Blackwater Bridge bringen lassen und das Gold des Leprechauns gestohlen?“, fragte der König mit einem scharfen Unterton. „Du weißt genau, wie die Regeln lauten. Das geht nicht! Und über deine … Freundschaft zu diesem dahergelaufenen, räuberischen Pelikan werden wir auch noch ein Wörtchen reden müssen! Sich in seinem Schnabel herumfliegen lassen und anderer Leute Eigentum stehlen. Wie kannst du es nur wagen? Wo hast du das Gold versteckt? Sag es mir!“

Der Prinz ballte die Fäuste, stampfte mit dem Fuß auf und schrie mit rotem Kopf: „Vergiss es!“ Danach drehte er sich um und rannte zur Tür hinaus, die sich nur mit Mühe rechtzeitig verflüchtigen konnte.

Der König seufzte: „Kinder… eine wahre Landplage.“

* * *

Fortsetzung folgt.

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Lesestoff – Das Gold des Leprechauns 8

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 8 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

Schließlich machten mich die Meermenschen auf ein sehr großes, prachtvolles Gebäude aufmerksam. Dies schien unser Ziel zu sein: der Palast von Atlantis. Steinerne Wächter, jeweils mehrere Meter hoch und sehr bedrohlich anzusehen, flankierten das Portal, durch das wir schritten. Ich kam mir sehr klein, unbedeutend und definitiv fehl am Platze vor. Wir passierten mehrere Hallen und Innenhöfe mit Brunnen, die denen der Stadt ähnelten. Überall sah ich Leute, die mich neugierig musterten, eine Horde Kinder hüpfte um unsere Gruppe herum.

Zu guter Letzt standen wir vor einer riesigen Tür. Ein Mann in einfachem, doch reich verzierterm Gewand, vermutlich ein Diener, klopfte mit einem Stab daran, woraufhin sich die Tür mit leisem Seufzen und anschließendem lauten Platschen in Wasser auflöste. Sehr imposant, dieser Special-Effect!

Die Kinder blieben mit ehrfürchtigen Mienen zurück, auch meine Begleiter ließen mich alleine vortreten, während ich mich nun dem König von Atlantis nähern durfte. Mittlerweile hätte es mich nicht mehr gewundert, wenn ich nun auf Nessie treffen würde … Aber der König war ein ganz normal gebauter Herr mittleren Alters. Er sah aus wie ein Mensch, jedoch vermutete ich einen verborgenen Nixenkörper. Tatsächlich saß er am Rande eines Brunnens und hielt die Hand ins Wasser, als ich eintrat und sich die Tür mit leisen Glucksen wieder zurecht formte.

„Ah, der Besuch ist da. Ich habe schon vernommen, du bist aus einem bestimmten Grund hier, Selkie?“, sprach er mich an. Einmal mehr erläuterte ich die Geschichte von Leprechaun, Goldtopf und Pelikan. Daraufhin verfinsterte sich die Miene meines Gegenübers, er knirschte mit den Zähnen.

„Oh, ich kann mir denken, wer das war. Wir wollen hier in Frieden leben, mehr nicht! Seit die Ozeane sich aufheizen, ist es für uns in manchen Gebieten der Weltmeere zu gefährlich. Hier haben wir ein so schönes Zuhause gefunden, wollten uns anpassen und mit den heimischen Geistern gut stellen. Nur einer ist so dreist und gefährdet diesen Frieden immer wieder.“ Er rief einen Diener herbei und befahl ihm, „ihn“ zu holen.

Oha, ein mysteriöser Fremder?

* * *

Fortsetzung folgt.

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0

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