Geschichten und Musik

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Buchmesse Saar 2021

Buchmesse Saar 2021

Morgen um 16.00 Uhr startet die Buchmesse Saar 2021 online, wo ich in einem der hübschen Autorenhäuschen einquartiert bin. Aus diesem Anlass wird der Pfingstchoral zur Seite geschoben und in den nächsten Tagen soll hier öfter etwas Neues erscheinen als in letzter Zeit üblich. In der Abteilung Geschriebenes tauchen dann Leseproben meiner veröffentlichten Geschichten auf (ein paar sind schon schon hier und hier zu finden). Eventuell gibt es auch noch den einen oder anderen Bonustext.

Ansonsten berichte ich aus der Übersetzungswerkstatt. Die ist am Stand etwas unterrepräsentiert, und außerdem hat sie gerade eher regen Betrieb.

Bereits im Mai ist der Artikel Der Ostseeraum – Spannungsfeld im Wandel der Zeiten von Nils Blomkvist erschienen. Ich freue mich, auf einer so vielsprachigen Website wie der Baltic Sea Library vertreten zu sein. Derzeit übersetze ich einen Ratgeber aus dem Niederländischen und einen historischen Liebesroman aus dem Englischen.

Letztere sind nicht wirklich mein Bier, egal, ob historisch oder nicht. Das vorliegende Exemplar macht allerdings so einiges richtig, das kann ich auch als Nicht-Kennerin des Genres feststellen. Ausführlicher sollte ich mich wohl erst darüber auslassen, wenn das Buch erschiehen ist. Es handelt sich zudem meine erste Kooperation mittels Reedsy. Bisher ist sie recht glatt verlaufen, ich hoffe, dass der Abschluss genauso unkompliziert vonstatten geht wie der Anfang.

Neben den Büchern waren diese Woche auch drei Gesellschaftsspiele zu Gast. Die zwei Brettspiele habe ich schon vor einiger Zeit übersetzt und es wurden Änderungen fällig. Das dritte war ein neues, ein Memory-ähnliches Kinderspiel.

Noch nicht ganz abgeschlossen sind die Künstlerbiografien für ein Festival in Belgien. Da fallen mir hoffentlich bis morgen noch ein paar fluffige Formulierungen ein. Bei der Hitze heute zerfließen mir die Sätze einfach.

Weihnachtskuchen mit Honig

Rechtzeitig zum ersten Advent ist hier ein Weihnachtskuchen mit Honig entstanden, nach einem Rezept aus Irland.

Weihnachtskuchen mit Honig

  • 200 g Butter
  • 150 g brauner Zucker
  • 2 EL fester Honig
  • 5 mittelgroße Eier
  • 100 g Zitronat & Orangeat
  • 50 g ganze Mandeln
  • je 200 g Korinthen, Rosinen und Sultaninen
  • 225 g Mehl
  • 1 gestr. TL Backpulver
  • 1 gestr. TL Muskatnuss
  • je 1/2 TL Zimt und Nelken
  • 1-2 EL Whiskey

Eine Kranzform einfetten. Den Backofen auf 150 °C vorheizen.

Alle Zutaten außer dem Whiskey in eine große Schüssel geben und mit einem Holzlöffel 3 Minuten verschlagen.

Die Form dünn mit Mehl ausstreuen. Den Teig vorsichtig einfüllen und die Oberfläche glattstreichen. Auf der mittleren Einschubleiste 2 1/2 Stunden backen. Eventuell mit Backpapier abdecken, falls der Kuchen zu dunkel wird. (War hier nicht nötig.)

Mit einem Holzspieß testen, ob der Kuchen gar ist, dann aus dem Ofen nehmen. In der Form 20 Minuten abdampfen lassen, dann auf einen Draht stürzen.

Mit einem Spieß rundum einstechen und mit dem Whiskey beträufeln. Wenn die Flüssigkeit eingezogen ist, in Butterbrotpapier wickeln und in einer luftdichten Dose aufbewahren.

* * *

So sitzt der Weihnachtskuchen jetzt im Keller, nicht weit von einem Christmas Pudding (nach schottischem Rezept mit diversen Spirituosen und Bier), und wartet auf seinen Einsatz in vier Wochen. Falls Besuch kommt, wird er vielleicht auch noch mit einer Kerze in der Mitte und grünen Zweigen außen herum dekoriert. Wenn uns die Kalorien so nicht reichen, kommt noch etwas flüssige Sahne oder Brandybutter dazu.

* * *

Zurzeit bin ich noch mit der Übersetzung von zwei Computerspielen beschäftigt (1x Englisch, 1x Russisch). Deshalb will ich keine allzu lauten Versprechungen abgeben. Falls es klappt, wird hier aber im Lauf des Advents die eine oder andere weihnachtliche Geschichte erscheinen, möglicherweise auch ein paar weitere Rezepte.

 

NaNoWriMo – Schnipsel 5

Der Tag heute war ein wenig hektisch. Für ein Spiel, an dem ich mit übersetze, rückt der Erscheinungstermin näher, deshalb kamen allerlei Änderungen in letzter Minute hereingeflogen. Zusätzlich zu den regulären Texten für ein anderes Spiel, das gerade erst im Entstehen ist.

Trotzdem hat die Zeit gereicht, um die nötigen Wörter für heute zu schreiben und meine Heldin einiges über die Vergangenheit ihrer Familie entdecken zu lassen. Es folgt NaNoWriMo-Schnipsel Nr. 5, aus meinem Roman “Die Kartenreisende”, gerade rechtzeitig zu Mitternacht fertig geworden.

NaNoWriMo Schnipsel

Noch einmal stellte sich Lea vor dem Schrank auf die Zehenspitzen und holte die nächste Mappe heraus. Darauf stand nun allerdings „Phantásien“. Was sollte das? Lea öffnete sie und stieß auf die vergrößerte erste Seite aus einem Asterix-Heft. Dahinter steckten die Karte von Mittelerde, mehrere Regionalkarten von Aventurien und anderen fantastischen Landschaften. Etliche waren ebenfalls mit der Stricknadel bearbeitet worden. Von wem? Onkel Carl?
Lea schluckte. Seit gestern hatte sie reichlich Übung darin bekommen, unmögliche Dinge zu glauben. Also warum sollte sie nicht annehmen, dass ihr verschrobener Onkel mithilfe von kopierten Landkarten und einem mäßig spitzen Gegenstand in fantastische Welten reiste? Wenn er nun eine davon als sein Zuhause ansah, wurde die Sache kompliziert. Dann müssten sie herausfinden, welche Welt das war, und dort nach der verlorengegangenen Königin fahnden.
Ging das überhaupt? Das würde ihr Miles morgen sicher erzählen können. Lea legte die „Phantásien“-Mappe wieder an ihren Platz und nahm sich das nächste Schrankfach vor.

* * *

Darin standen dicht an dicht Fotoalben in allen Größen. Eins davon fiel Lea besonders ins Auge. Mit fast echtem Ledereinband, Metallbeschlägen und dubiosen Edelsteinen sollte es wohl einen mittelalterlichen Folianten darstellen. Sie zog es vorsichtig heraus und schlug es auf.
An einem weißen Strand schlenderte ihre Mutter, die Schuhe in der Hand, auf einen lichten Wald zu. Zwischen den schlanken Stämmen schimmerte etwas Weißes. Ein Pferd vielleicht.
Das Foto daneben zeigte von Leas Mutter nur eine Schulter und ein Stück des Hinterkopfs, dafür das Weiße umso deutlicher. Es hatte einen pferdeähnlichen Kopf, mit einem kleinen Bärtchen unter dem Kinn und einem Horn auf der Stirn.

* * *

Bevor Lea ihre nächste Frage im Kopf fertig ausformuliert hatte, sah sie auch schon die Fotos, die sie beantworteten. Über mehrere Bilder kamen Mensch und Tier einander näher. Das Einhorn war von verschiedenen Seiten aufgenommen, auf einem Bild hatte es ein Vorderbein für den nächsten Schritt erhoben. Sein Schweif war mal auf der einen Seite des Körpers zu sehen, mal auf der anderen.

* * *

NaNoWriMo – Schnipsel 3

Heute habe ich stilecht bis kurz vor Mitternacht geschrieben und in letzter Minute meine 5000 Wörter auf der NaNoWriMo-Seite eingetragen. Deshalb kommt Schnipsel Nr. 3 erst so spät. Ich hoffe, er macht trotzdem Spaß. Es handelt sich um den Auftritt des Helden.

NaNoWriMo Schnipsel

Lea setzte für sich selbst einen Tee auf und holte einen neuen seichten Krimi aus dem Regal. Wenn sie sich ablenken musste, brachte sie in kürzester Zeit eine Menge Lesestoff durch.

Donner krachte. Funken flogen. Frau Friedrich kreischte. Lea sprang auf.
Vor ihr stand ein schlanker Mann mit braunen Locken und strahlte sie an.
„Was soll das? Was machen Sie hier?“
Er antwortete überschwänglich.
Lea war zu sehr damit beschäftigt, das altertümliche Outfit des Mannes zu bestaunen, und erst recht die Kröte, die er ihr auf der flachen Hand präsentierte wie ein Geschenk, um ihn zu verstehen. Erst, als er eine Pause machte und sie fragend ansah, ging ihr auf, dass er wohl Englisch gesprochen hatte.
„Was ist los? Was ist passiert? Sind Sie verletzt?“ Frau Friedrich kam aus dem Zauberzimmer angelaufen.
„Alles in Ordnung“, sagte Lea schwach. „Haben Sie gefunden, was Sie suchen?“ Sie hangelte sich an den vertrauten Formeln entlang, als ob sie über einen Abgrund balancieren müsste.
Frau Friedrich starrte den Fremden an. Der verbeugte sich ausladend. „Your servant, madam.“
„Haben Sie hier so einen Lärm gemacht?“
Das brachte ihn jetzt wohl doch aus der Spur. Vermutlich verstand er sie gar nicht.
„Ja“, mischte sich Lea ein. „Der Herr ist mit dem Aufsteller an der Tür zusammengestoßen.“ Sie streckte die Hand nach dem Buch aus, das Frau Friedrich dabeihatte. „Darf ich Ihnen das abziehen?“
„Äh, ja.“ Die Kundin schaute den Fremden noch immer verdattert an.
Lea tippte den Betrag in die Kasse. „Möchten Sie eine Tüte dazu?“
„Nein, das geht so.“ Frau Friedrich nahm ihr Buch in Empfang und ging rückwärts aus dem Laden, den Blick immer noch fest auf den seltsamen Mann im Tweedanzug gerichtet.

* * *

Der atmete auf, als sie gegangen war. Dann fragte er: „Are you Fräulein Mayer?“
„Die Fräuleins sind ausgestorben, und ich heiße Körber.“ Zum Nettsein reichte es noch nicht. Aber sie könnte wenigstens versuchen, ihre Englischkenntnisse wiederzufinden.
Der Mann nahm einen neuen Anlauf. „Miles Durie at your service, miss. Of Randoll & Sons, bookbinders.“
„Was?“ Das war die Firma ohne Kontaktdaten, die Charlie ihr genannt hatte. Trotzdem musste sie sich zusammennehmen. „Nice to meet you“, sagte sie mit aufgesetztem Lächeln. „Would you like a cup of tea?“ Zumindest in den Krimis war das die Zauberformel, um eine Unterhaltung ins Laufen zu bringen.
„With pleasure.“

* * *

Es geht weiter

Nach einem Monat Pause geht es wieder weiter. Ich habe einiges an der Technik verändert und mich einigermaßen daran gewöhnt. Ein neues Theme, das mir gefällt, habe ich aber immer noch nicht gefunden. Also bleibt es bei diesem. Ansonsten steht im Buchrevier ein Beitrag, der mir genau aus dem Herzen spricht.

Es geht weiterDas erste Kochbuch von diesem Jahr und das zweite aus dem vergangenen sind erschienen – siehe Bild. Am zweiten für dieses Jahr arbeite ich gerade, zur Abwechslung in OmegaT. Wenn die 100.000 Wörter verarbeitet sind, werde ich mich wohl mit den Feinheiten angefreundet haben. Das Werk fällt ein bisschen umfangreicher aus als gedacht, deshalb läuft daneben nicht allzu viel – keine Spiele und ziemlich wenig Text für hier.

Geschichten gibt es aber trotzdem bald wieder. Schließlich steht noch dreimal “optimistischer Eskapismus” aus.

Ebenso laufen, wie schon erwähnt, die Vorbereitungen zum NaNoWriMo. Der spielt sich sowieso online ab, der wird auch dieses Jahr nicht ausfallen. Ich habe zu diesem Anlass einen Plot entwickelt und verschenkt, im Gegenzug habe ich einen von einer freundlichen Mitschreiberin bekommen. Ein beachtlicher Teil davon wird Alternate History. Um daraus etwas Ansprechendes zu machen, recherchiere ich gerade zum Thema schottische Geschichte ab etwa 1700. Historische Landkarten werden eine Rolle spielen und ein Naturschutzgebiet. Über dessen potenzielle Bewohner muss ich mich auch noch schlau machen. Und hoffen, dass im November wieder genug Energie zum Schreiben da ist, denn das geht zur Zeit eher schleppend voran.

Geplant war einmal, im August und September einen High-Fantasy-Roman zu überarbeiten und für die Veröffentlichung im Oktober fertig zu machen. Damit hänge ich jetzt ungefähr bei der Hälfte des Textes in einer Reihe von Plotlöchern fest. Kaum denke ich, ich habe eins gestopft, tut sich das nächste auf. Das dauert also noch ein bisschen. Ich hoffe, dass ich damit im Dezember herauskommen kann.

Für Oktober wird es jetzt noch einmal eine Kurzgeschichte, wenn alles klappt. Die wird nicht bei BoD erscheinen, sondern bei anderen Anbietern, und ich bin noch am Sortieren, wie eine praktische Kombination aussehen könnte.

Es gibt allerdings jetzt schon etwas Neues zum Lesen: Mein Katzenabenteuer Buntspecht und Anton ist jetzt offiziell erschienen und – elektronisch oder gedruckt – in der Buchhandlung des Vertrauens erhältlich. Eine Leseprobe gibt es hier.

Es geht weiter

Gestern habe ich den Link ziemlich am Rande platziert, heute gibt es nochmal einen Hinweis auf Neues aus dem Mittelalter. Die Website The Public Medievalist enthält zahlreiche Artikel über das Mittelalter und wie man es sich vorstellt.

Ich habe mich völlig festgelesen und nehme eine Menge Anregungen mit. Es zeigt sich sehr deutlich, dass die Welt auch vor ein paar hundert Jahren schon ziemlich bunt und beweglich war. Je mehr darüber geforscht wird, desto mehr Variationen kommen ans Licht, desto mehr Klischees lassen sich abbauen.

Mehrere Artikel befassen sich auch mit der phantastischen oder filmischen Rezeption des Mittelalters. Kampftechnik und Reisende sind recht gut vertreten. Mir persönlich fehlt ein bisschen Musik, aber vielleicht habe ich mich auch noch nicht weit genug durchgewühlt.

Um das hier ein wenig auszugleichen, klebe ich ein Stück ein, zu dem ich mir bei MedRen2020 noch einen Vortrag angehört habe: Josquin des Près, Nymphes des Bois.

 

Phantastische Heldinnen IV

Nach ungefähr einem Jahr Pause gibt es etwas Neues in der Reihe „Phantastische Heldinnen“, die Folge IV – man könnte fast sagen, passend zur Jahreszeit:

Rudolstadt ist abgesagt, Winneweh ist abgesagt, Montalbâne ist auf Oktober verschoben (was mir übertrieben optimistisch erscheint). Bei dieser Lage der Dinge fühlt es sich leicht gruselig an, über die Songkiller-Saga und ihre phantastischen Heldinnen zu schreiben. Erschienen ist das Ganze 1991/92, und das Peinliche ist: Inzwischen gibt es Handys und nahezu allmächtige Computer, aber ansonsten passt noch erstaunlich viel von diesem Setting. Die Abteilung Plague & Pestilence leistet dieses Jahr besonders gute Arbeit, Stupidity & Ignorance kommen sowieso nicht aus der Mode.

Die Trilogie

Phantastische Heldinnen IVAber das eigentliche Thema sind phantastische Heldinnen, und von denen hat die genannte Trilogie der Nebula-Preisträgerin Elizabeth Ann Scarborough einige zu bieten, manche mehr, manche weniger phantastisch. In den drei Bänden Phantom Banjo, Picking the Ballad‘s Bones und Strum Again? versucht die Geschäftsleitung der Hölle, die Menschheit am Musik machen zu hindern. Denn Leute, die singen, verzweifeln nicht, und darauf arbeiten Teufels mit allen Mitteln hin. Außer den beiden oben erwähnten Abteilungen sind noch Doom & Destruction, Expediency, Accounting sowie Debauchery an dem Projekt beteiligt. Wobei Debauchery eine etwas spezielle Rolle spielt; zu Sex and Drugs gehört nun einmal Rock‘n‘Roll. Das wichtigste Werkzeug, um diese finsteren Pläne zu durchkreuzen, ist das „Phantom Banjo“ Lazarus, die aktuelle Inkarnation der Harfe aus Binnorie.

Die Heldinnen im Einzelnen

Gussie Turner ist in der Rahmenhandlung als Geschichtenerzählerin unterwegs, um wechselndes Publikum über die Teufel und ihre Pläne aufzuklären, ist aber auch an der eigentlichen Handlung beteiligt. Sie ist schon älter – hat eine erwachsene Tochter, durch die sie in das Abenteuer verwickelt wird – eher klein, ehemalige Tänzerin und Barfrau. Als solche kann nicht nur erzählen und ihr Publikum bei der Stange halten, sondern sie kann auch unauffällig verschwinden, wenn es Zeit wird, weiterzuziehen. Außerdem hat sie als Heldinnen-Werkzeug die Tasche, in der alles drin ist, was gerade gebraucht wird.

Anna Mae Gunn ist zur Hälfte Native American. Ihre Superkraft ist organisieren. Deshalb wird sie von dem Sänger Sam Hawthorne aus dem Jenseits angerufen, um das Gedächtnis-Festival für ihn und andere jüngst verstorbene Kollegen auf die Beine zu stellen. Bei dieser Veranstaltung trifft sich die HeldInnengruppe und das Abenteuer kommt ins Rollen. Sie ist eine der eher düsteren Figuren im Ensemble mit dunklem Punkt in der Vergangenheit und stark kriegerischem Einschlag. Bei der Reise in die Vergangenheit bekommt sie als Männerrolle passenderweise die Ritter und Frauenhelden.

Julianne Martin ist zu Beginn der Handlung mit einem Redshirt verheiratet. Nach seinem frühen Tod kommuniziert mit der Hilfe ihres verehrten Gurus (Lucien – noch Fragen?) weiterhin mit ihm. Abgesehen von den Balladen im zweiten Band kommt ihr Handlungsstrang einer Liebesgeschichte am nächsten. Sie ist über weite Strecken der Geschichte taub und kann sich nur mit Lazarus und allerlei Geistern verständigen. In den Balladen übernimmt sie die Rolle eines Königs, oder genauer, die Stimme seines Gewissens, der eine Riesin erlöst.

Lulubelle Baker/Torchy Burns alias Debauchery Devil, Lady Luck, Queen of Fairy, ist vermutlich die wichtigste Figur des Abenteuers. Sie hält die Handlung in Gang und die HeldInnen am Leben. Bei ihrer ersten Erwähnung im Meeting der Geschäftsleitung wird sie noch nicht als weiblich definiert. Das geschieht erst einige Kapitel später, wenn sie sich als Chefin eines heruntergekommenen Etablissements zeigt. Obwohl sie ausgesprochen wandelbar ist, tritt sie nirgends in einer männlichen Rolle auf – Gussies Tochter wird von einer brillianten Anwältin aus dem Gefängnis geholt.

Die zweite Reihe

Neben diesen Heldinnen in der ersten Reihe treten auch etliche weniger wichtige Frauen in Erscheinung. Da wäre zum Beispiel die leicht naive Ellie Randolph, die sich vor allem durch Bibliotheken wühlt und im richtigen Moment eine Taschenlampe dabei hat. Dann gibt es eine meuternde Polizistin eine beiläufig erwähnte weibliche „congressman“. Nicht zu vergessen ein Trupp Ökofeministinnen und die bei jeder Gelegenheit auftauchenden Geister, die unsere HeldInnen warnen und Julianne endgültig aus den Fängen ihres Gurus vertreiben.

Sexismus ist nicht das bestimmende Thema des Abenteuers, wird aber immer wieder angesprochen und selbstverständlich als Fehler dargestellt. Das geschieht zum Beispiel, als es darum geht, ob Ellie sich mit ins Abenteuer stürzt oder ob das „zu gefährlich“ sein könnte. Oder ob das Eingreifen des Helden mit der Knarre in der Hand nötig ist oder die Sache nur noch schlimmer macht.

Zum Thema Rassismus und/oder kulturelle Aneignung wäre vermutlich noch das eine oder andere zu sagen. Was die Darstellung und die Rollen von Frauen angeht, ist die Geschichte allerdings meiner Meinung nach ausgesprochen gut gealtert.

Äpfel

Ende Februar habe ich es schon angekündigt, inzwischen sind die Belegexemplare da. Natürlich will ich dieses schöne Buch herumzeigen, solange die Äpfel noch Saison haben:

Das Buch "Äpfel" von James Rich

James Rich, Äpfel – Rezepte aus dem Obstgarten, AT Verlag

Deshalb verzichte ich vorerst auf den angedachten Artikel zur Ebbelwoi-Internationale, der durch verschiedene Ecken Westeuropas führen und zeigen würde, dass ein Getränk nicht in Dosen daherkommen muss, um Kult zu sein. Dafür gibt es ein weiteres Rezept – siehe unten.

Außerdem geht auch die zweite Kochbuch-Übersetzung für dieses Jahr schon ihrem Ende entgegen. Darin spielen sehr viel exotischere Zutaten eine Rolle, und ich werde wahrscheinlich bald Näheres dazu schreiben. Vielleicht, nachdem ich das eine oder andere Rezept mal ausprobiert habe. Zur Zeit arbeite ich an dem Kapitel mit Desserts und Süßigkeiten, das enthält ein paar sehr vielversprechende Ideen.

Apfelweinkuchen

Für den Boden
  • 125 g Butter
  • 125 g Zucker
  • 1 Ei
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 250 g Mehl
  • 1 Päckchen Backpulver
Für den Belag
  • 3 Pfund Äpfel
  • ¾ l Apfelweinkuchen
  • 250 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 2 Päckchen Vanillepudding
  • 2 Becher Sahne
  • Kakao

Den Teig für den Boden kneten und in eine Springform drücken

Die Äpfel schälen, in kleine Würfel schneiden und auf dem Boden verteilen.

Den Pudding mit Apfelwein, Zucker und Vanillezucker zubereiten wie mit Milch. Das Ganze über die Äpfel gießen.

Bei 175 °C 90 Minuten backen.

Mindestens ½ Tag abkühlen lassen, dann erst aus der Form nehmen.

Die Sahne steifschlagen und auf die Torte streichen.

Mit Kakao bestreuen.

Der Apfelwein kann natürlich durch Saft ersetzt werden.

 

Bücherfrauen: Akademie im Grünen

Wie im Terminkalender erwähnt, fand letzte Woche die Bücherfrauen-Akademie im Grünen statt, ein Seminar für Übersetzerinnen aus dem Englischen unter der Leitung von Ina Pfitzner. Die Teilnehmerinnen hatten vorher Texte eingereicht, die im Seminar besprochen wurden.
Ich hatte kurzzeitig daran gedacht, eine Szene aus der aktuellen Computerspiel-Übersetzung einzureichen – was vermutlich sowieso bei Strafe der ewigen Verdammnis verboten wäre. Letzten Endes erschien mir aber die Aussicht, an nicht CAT-tauglichen, zusammenhängenden Texten zu arbeiten, um Einiges spannender. Sehr zu recht, wie sich zeigte. Sachtexte aus unterschiedlichen Bereichen kamen ebenso an die Reihe wie Romanauszüge verschiedener Genres und Stilrichtungen. Das wurde ergänzt durch den einen oder anderen theoretische Exkurs über Syntax, über Stilanalyse, über Textökonomie. So weit, so klassisch, und das könnte man bestimmt auch online abwickeln.

Yoga

Was allerdings nur offline funktionierte, waren die drei Yoga-Einheiten pro Tag unter der Leitung von Lucia Rojas. Die Bewegung half, die bei der Textarbeit entstandenen Knoten im Hirn zu lösen. Im ersten Anlauf fand ich das Yoga vor allem entspannend, längst nicht so anstrengend wie zu Hause bei Heike Gerhard. Der Muskelkater kam erst dann ein paar Tage später, und an Muskeln, an die ich bisher nicht mal gedacht hatte.

Bücherfrauen: Akademie im Grünen

Auf dem Schornstein des Yoga-Hauses

Übersetzen

Beim Übersetzen hat sich ein ähnlicher Effekt gezeigt. Nur hatte ich hier schon länger das Gefühl, dass ich durch zu viel CAT-Einsatz beim Umgang mit längeren, durchgehenden Texten aus der Übung komme. Dagegen bot das Seminar allerlei Hilfsmittel, nicht nur in Form von abwechslungsreichen Texten. Ein Highlight war der Versuch, das Verhalten von Romanfiguren pantomimisch nachzustellen und auf diesem Weg die treffende deutsche Beschreibung zu finden. Auch das ist etwas, was sich online zwar bewerkstelligen lässt, aber bestimmt weniger Spaß macht.
Eine Skype-Sitzung gab es doch noch. Eine Teilnehmerin konnte wegen Krankheit nicht anreisen, deshalb wurde ihr Text auf diesem Weg besprochen.
Das funktioniere trotz des etwas eigenwilligen Internet-Zugangs im Seminarhaus. Mein Uralt-Laptop kam mit dem WLAN, wo es welches gab, zurecht und ließ sich im Gästehaus widerstandslos verkabeln, das Smartphone dagegen fühlte sich überhaupt nicht angesprochen.

Veranstaltungsort

Das Bio-Hotel Burg Lenzen hat eindeutig andere Stärken, die man ohne elektronische Ablenkung umso besser genießen kann. Was ich vom Gelände gesehen habe, war ausgesprochen einladend für weitere Spaziergänge. Wegen des straffen Seminarprogrammes mussten die leider ausfallen. Bei mir kam noch ein kleiner Spiele-Auftrag dazwischen, zudem knabberten die Essenszeiten an den vorgesehenen Pausen. Aber vielleicht wird das Schlösschen das Urlaubsdomizil für nächstes Jahr.

Die Akademie im Grünen hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Ich habe nicht nur ein paar großartige Kolleginnen kennengelernt – siehe hier –, sondern auch Anregungen für die weitere Arbeit bekommen, die ich bei meinem aktuellen Buchprojekt anwenden kann. Den zukünftigen Kurzgeschichten dürften sie ebenfalls zugute kommen.

Wolfenbütteler Gespräch 2019 – Nachlese Teil 2

Wolfenbütteler Gespräch - Nachlese Teil 1

Der Samstag besteht beim Wolfenbütteler Gespräch größtenteils aus Workshops. Darin geht es nicht nur um Übersetzungsprobleme, sondern auch um Sprachliches im Allgemeinen, um Berufskundliches und -politisches oder um Fachgebiete, die einen beim Übersetzen von Romanen aus dem Hinterhalt überfallen können. Polizeiarbeit und Forensik sind eher naheliegend, aber auch zum Thema Seefahrt oder Fußball wurde hier schon eingehend informiert.

Die Sprache der Musik

In diesem Jahr gab es „‘Twang, Groove, Riff, Jangle‘ – Die Sprache der Musik und ihre Übersetzung“ mit Dieter Fuchs. Wie der Titel schon vermuten lässt, ging es im Wesentlichen um Rock- und Popmusik – nicht unbedingt meine Richtung, aber dazu geht frau ja zu derlei Workshops, um mal über den Tellerrand zu schauen. Es ging um die Beschreibung von Klängen, insbesondere von Gitarren, und um die Terminologie. Da stellt sich oft die Frage, ob ein Begriff oder auch ein Titel übersetzt oder direkt übernommen wird. Nach dem offiziellen Ende des Workshops folgte noch ein Exkurs zum Thema Gitarrenstimmung und Grifftechnik.

Die Mittagspause war, wie üblich, relativ lang und es gab verschiedene Angebote, sie zu überbrücken, zum Beispiel mit einer Stadt- oder Bibliotheksführung. Ein Treffen mit Kolleg*innen war im Programm ausdrücklich vorgesehen, aber auch wer nicht mit Street Food vom Maifest in der Schünemannschen Mühle auftauchte, sondern die ortsansässige Gastronomie heimsuchte, stieß mit hoher Wahrscheinlichkeit auf fachsimpelnde Übersetzer*innen.

Online-Reputation

Am Nachmittag habe ich am Workshop zu Online-Reputation mit Dr. Karin Windt teilgenommen. Für die vielen Themen, die das berührt, war die Zeit eindeutig zu kurz. Eine wichtige Erkenntnis aus dem Austausch innerhalb der Gruppe war: Ich muss mich nicht verrückt machen. Es gibt viele Möglichkeiten, die sich auf vielfältige Weise nutzen lassen. Also probiere ich mich weiterhin mit dem aus, mit dem ich mich wohlfühle und was potenziell Spaß macht. (Übrigens: Seit ein paar Wochen gibt es vom mir auch Blümchen und Bücher bei Instagram).

Party

Der Samstagabend war zum Feiern vorgesehen. Nach der Übergabe des Hieronymusrings an Marianne Gareis war beim Abendessen bzw. Schlange stehen am Büffet noch reichlich Gelegenheit, sich zu unterhalten oder mindestens mal schnell Hallo zu sagen. Ich habe mich gefreut, hier auf Anne Emmert, Teresa Junek und Eva Schweikart zu treffen. Dafür fahre ich jedes Jahr nach Wolfenbüttel.

Die Lindenhalle ist nicht gerade die gemütlichste Location. Die Tanzwilligen mussten im Anschluss an das Essen ins Foyer umziehen. Aber Flair kommt nun mal mit der Zeit und den Erinnerungen, die sich mit einem Ort verbinden. Dafür ist „mod con“ auf jeden Fall eine feine Sache.

Es wird noch einen dritten Teil der Nachlese geben, die allerdings mehr mit dem Maifest und dem dortigen Street-Food-Angebot zu tun hat.

Und Teil 1 steht hier.

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