Geschichten und Musik

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Virtuelles Konzert Nr. 5 – Trumscheit

Heute gibt es wieder einmal ein virtuelles Konzert, Nr. 5 seiner Art, das einem etwas speziellen Instrument gewidmet ist – dem Trumscheit.

Virtuelles Konzert Nr. 5 - Trumscheit

Darauf bin ich gekommen, weil mir bereits eine Idee für den diesjährigen NaNoWriMo im Kopf herumspukt. Darin soll eine Musikertruppe mit spezieller Besetzung eine Rolle spielen, für die ich schon mal anfange, die Instrumente zusammenzusuchen. Bisher habe ich nur eine Vorstellung von einem Menschen, der im Stehen ein langes Saiteninstrument spielt. (Aus dem Menschen kann natürlich auch noch ein fantastischeres Wesen werden.)

Ich dachte kurz an etwas wie die Teufelsgeige, aber die ist eher zum Lärmen geeignet als zum Spielen. Außerdem wird sie meist im Zusammenhang mit Zieh- oder Mundharmonika erwähnt. Ich habe  zwar auch eine Fantasy-Bardin, die so was spielt, aber das wollte ich eigentlich nicht einreißen lassen. Schon gar nicht, wenn sich das übrige Setting eher am Spätmittelalter orientieren soll.

Beim weiteren Umschauen wurde es das Trumscheit, das es als Tromba marina im 17. und 18. Jahrhundert auch zu einigem gesellschaftlichem Ansehen und eigens dafür geschriebenen Kompositionen gebracht hat. Für „mein“ Abenteuer wird es aber eher eine ältere Variante, vielleicht auch eine kürzere, die zum Spielen auf einen Stuhl oder ähnliches gestützt wird.

Der Klang des Instruments wird oft als trompetenartig beschrieben, und offenbar wurde es auch entsprechend eingesetzt und mit anderem lautem Gebläse kombiniert. (Als zusätzlicher Bordun zum Dudelsack ist vielleicht trotzdem nicht die sinnvollste Verwendung.) Meine Vorstellung von der Truppe geht eher in Richtung leisere Instrumente, was offenbar ebenfalls funktioniert. Ob das historisch korrekt ist, sei dahingestellt. Bis November erfahre ich möglicherweise noch mehr zum Thema.

Jetzt gibt es erst einmal Musik

Passend zur Jahreszeit: https://www.youtube.com/watch?v=XzGrzUpLdgw

Einmal Hildegard von Bingen: https://www.youtube.com/watch?v=ZRfwaf8ZlKk

Was eher Neumodisches: https://www.youtube.com/watch?v=l7gKy_0R6M8

Jean-Baptiste Prin, der Experte für die Tromba marina: https://www.youtube.com/watch?v=_xJQk51M9I0

 

Verwandter Artikel: Weltenbau – Über Musik (dort geht es übrigens auch um die Welt, in der sich die Ziehharmonika spielende Bardin herumtreibt)

Literatur: Dwight Newton, The Tromba Marina – A Study in Organology, 2002

Bild: gemeinfrei

Erkenntnisse aus dem PAN Branchentreffen 2019

… alias #pan19

Erkenntnisse zu Inspirationsquellen
Erkenntnisse aus #pan19

Ein inspirierender Organismus?

Erkenntnis Numero 1 kommt nicht wirklich überraschend, gehört aber zu den Dingen, auf die immer mal wieder hingewiesen werden sollte: Die Möglichkeiten, Inspirationen zu finden, sind praktisch unbegrenzt. Ich hangele mich mal am Programm entlang.

In vor- und unmittelbar nachsintflutlichen Zeiten gibt es noch eine Menge Platz für fantastische Welten. Ein Steinzeit-Krimi um Ötzi ist inzwischen nur noch antiquarisch zu haben, also wird es vielleicht Zeit für eine Neuinterpretation. Die Welt war auch damals schon ziemlich groß und die Menschheit unterwegs. Alle Neuentwicklung einer einzelnen, blonden & blauäugigen Heldin zuzuschreiben kommt möglicherweise nicht mehr ganz so gut, und es stehen vermutlich allerlei andere in den Startlöchern, um ihre Welt zu verbessern. Ebenso gab es, laut Dr. Michael Lagers vom LWL-Landesmuseum Herne, bereits in der Steinzeit Produktpiraterie. Das könnte ein ganz neuer Ansatzpunkt für eine Krimihandlung sein.

Des Weiteren sind Trolle eine ausgesprochen vielseitige Spezies, auch dann noch, wenn man die Schlumpf- oder Gartenzwergähnlichen abzieht. Skandinavische Märchen bzw. isländische Sagas halten verschiedene Aspekte dieses Volkes bereit, die in der Phantastik noch nicht allzu weit verbreitet sind. Der Vortragende, Professor Rudolf Simek, hat zudem weitere mittelalterliche Monster im Angebot, denen sich vermutlich nachzugehen lohnt. (Für meine Burgenwelt-Geschichte bleibt es aber erst mal beim Totengeist.)

Das war jetzt schon wieder vor allem Historisches und Kulturelles. Dabei gibt es in anderen Ecken der Wissenschaft mindestens so geniale Vorbilder für Feinheiten des Weltenbaus – siehe auch hier. Hier gab es entscheidende Einblicke in das Leben des Kleinen Leberegels (zu bewundern oben links) und des großen afrikanischen Elefanten im Workshop von Anika Beer. Die muss ich aber noch ein bisschen sacken lassen, bis sie irgendwo andocken und eine Geschichte daraus wird.

Erkenntnise zu weiteren Projekten

Aus dem „prähistorischen“ Vortrag von Dr. Meret Fehlmann stammt die Erkenntnis, dass Phantastik nicht nur auf Englisch oder Deutsch geschrieben wurde und wird. Da liegt also ein weiteres Projekt und wartet darauf, dass ich Zeit und den richtigen Aufhänger dafür finde. Es reizt mich schon seit vielen Jahren, es könnte also langsam erntereif sein.

In Sachen „unbedingt mal wieder lesen“ gab die Podiumsdiskussion am Donnerstag einen wichtigen Hinweis: Karen Nölle übersetzt Romane von Ursula K. Le Guin neu. Bisher noch gar nicht übersetzt und, wenn ich das richtig verstanden habe, derzeit auch nicht dafür vorgesehen, ist eins meiner Lieblingsbücher von dieser Autorin, Always Coming Home. Trotzdem ist auch das ein Anstupser, mal wieder reinzuschauen.

Erkenntnisse zur Freizeitgestaltung

Diese Erkenntnis hat nicht so viel mit phantastischer Literatur zu tun, sondern vor allem damit, dass es im Hotel kein Schwimmbad gab. (Das ist kein Kriterium dafür, dort zu wohnen oder nicht; das Branchentreffen hate eben ein neues Domizil.) Es gab aber einen Fitnessraum, und damit hatte ich Gelegenheit festzustellen, dass so ein Stepper eine feine Sache sein kann. Außerdem sollte ich wohl die Wörterbuch-Gymnastik wieder aufnehmen. Der dicke Van Dale hat sich da schon bewährt, wenn ich mich recht erinnere.

Dann gab es noch einen Hinweis auf einen Ausflug: Bei Orgelbau Klais in Bonn gibt es die Möglichkeit, an Betriebsführungen teilzunehmen.

Weltenbau – Über Steine

Kurz vor dem Abflug zum PAN-Branchentreffen kommt hier der letzte Weltenbau-Artikel. Diesmal geht es, zumindest ansatzweise, um die „Steine“, die geographischen Grundlagen.

Weltenbau - Über Steine

Was hieraus wohl entsteht?

Wie bereits erwähnt: Ich bin Lingu, Naturwissenschaft ist nicht meine starke Seite. Aber ganz ohne geht es auch nicht. Dabei gibt es zum Glück Genre-spezifische Abkürzungen. Wer nicht gerade eine Space Opera schreibt, kann mit einer ziemlich erdähnlichen Welt auskommen. Kann, muss aber nicht. Für Fantasy-Welten gibt es da ebenfalls viele Möglichkeiten. Insbesondere, wenn der Kontrast zur gewöhnlichen Umgebung der Held*innen und/oder Leser*innen betont werden soll, kann es helfen, zum Beispiel zwei Sonnen scheinen zu lassen. Oder zu definieren, dass die Welt eine Scheibe ist.

Evidenzbasierte Spinnerei

Allerdings gibt es für Fantasy-Welten im engeren Sinn mehr „Regelwerke“ zur Auswahl als in der SF. Das S steht schließlich für „Science“, also sollte ein Bezug zu den bekannten Naturgesetzen zumindest erkennbar bleiben. Da ändert sich nur der Stand der Wissenschaft im Lauf der Jahrzehnte, und es kann spannend sein, die Zukunftsvisionen von „damals“ mit den tatsächlichen Entwicklungen zu vergleichen. Die Phantastische Bibliothek Wetzlar nutzt das Potenzial der evidenzbasierten Spinnerei im Projekt Future Life systematisch, um mögliche zukünftige Entwicklungen zu erkennen bzw. anzustoßen. Vermutlich sind etliche real existierende Erfindungen auf Ideen aus Literatur oder Film zurückzuführen.

Welteis oder Wall aus Reisbrei

Für eine Fantasy-Welt ist es aber durchaus zulässig, wenn nicht sogar erwünscht, auf längst widerlegte Theorien zurückzugreifen oder sich gleich von der Mythologie inspirieren zu lassen. Die Flachwelttheorie hat eine beachtliche Karriere hingelegt, eine Höhlenwelt gibt es auch schon, womöglich lässt sich sogar aus der Welteislehre was machen. Göttliche Schöpfungen sind ohnehin an der Tagesordnung. Vielleicht muss man es auch gar nicht so genau wissen, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Wie funktioniert zum Beispiel das Schlaraffenland? Da es bereits Sachbücher zur Biologie von Drachen gibt, wäre eine Abhandlung zur Statik von Reisbrei-Wällen auf jeden Fall denkbar.

Zurück zu den Steinen

Aber nun zurück zu den Steinen und anderen grundlegenden Bestandteilen der fiktiven Welt. Sie haben beachtliche Auswirkungen auf die weiteren Aufbauten der Welt und die Geschichten, die dort spielen. Das betrifft zum einen alltägliche Fragen wie die nach Kleidung oder Essen: Welche Rohstoffe gibt es? Was brauchen die Bewohner der Welt, um über die Runden zu kommen? Wo fängt der Luxus an?

Reiserouten

Oft reisen die Held*innen stellvertretend für die Leser*innen einmal quer durch die Welt und es wäre zu beschreiben, mit welchen Mitteln sie das tun, auf welche Schwierigkeiten sie stoßen, wie sich Landschaft und Jahreszeiten auswirken. (Welche gibt es überhaupt?) Natürlich kann man die Abkürzung nehmen und Flugreisen anbieten. Aber auch für die muss ein Rahmen definiert werden. Meistens braucht man dazu magische Methoden, allermindestens einen kooperationswilligen Drachen. Der setzt wiederum einen geeigneten Lebensraum mit dem nötigen Futter-Angebot voraus.

Reale Vorbilder

Für die meisten Details kann man sich an den terranischen Gegebenheiten orientieren. Da gibt es genügend Auswahl an Welten-Bausteinen und Anpassungen an diese. Darauf basieren zum Beispiel die oben erwähnten Drachen-Sachbücher. Auch Menschen haben sich in allerlei Umgebungen eingerichtet und Mittel und Wege gefunden, sich dort mit allem Nötigen zu versorgen. Sie können dem einen oder anderen Elfendorf vermutlich ein paar Life Hacks verraten.

Und was ist mit Magie?

Kein direktes Vorbild gibt es für Magie. Im Gegenteil, da finden sich jede Menge gute Erklärungen, warum es nicht funktioniert, mal eben einen Menschen in einen Frosch zu verwandeln. In vielen Fantasy-Welten spielt sie trotzdem eine Rolle und erfordert ihre eigenen Naturgesetze. Wie mächtig kann Magie werden? Wodurch wird ihre Anwendung begrenzt?

Möglicherweise werden Rohstoffe gebraucht, die nachwachsen oder auch nicht. Vielleicht ist der Umgang mit Magie ein Talent, das ausgebildet werden kann bzw. muss. Da in einer Welt mit Zauberei auch unorthodoxe Lehren zutreffen könne, ist eventuell der Stand der Gestirne für die Wirkung eines Zaubers von Bedeutung. Sind die Voraussetzungen erst einmal definiert, lassen sich ihre Auswirkunge auf die Welt und ihre Bewohner unter Zuhilfenahme von etwas Fantasie dann wieder in Geschichtsbüchern oder in der Zeitung nachlesen.

Wie weit diese Überlegungen ins Detail gehen müssen, hängt von der jeweiligen Welt und ihren Geschichten ab. Je märchenhafter das Ganze werden soll, desto mehr Isso lässt sich unterbringen. Oft entwickeln Welten auch, ähnlich wie Figuren, ein Eigenleben mit immer mehr geographischem und sonstigem Unterbau. Viel Spaß bei der Recherche!

 

Weltenbau – Über Prognosen

Zur Leipziger Buchmesse habe ich auf meiner Facebook-Seite ein paar Worte verloren. Aus einem Gespräch, das dort nicht erwähnt ist, habe ich ein hartnäckiges Plotküken mit nach Hause genommen. Es ging nämlich um die aktuelle Ausschreibung des Eridanus-Verlags.

Zukunft statt Vergangenheit

SF lese ich zwar mitunter ganz gern, beim Schreiben ist das eher nicht mein Genre. Zu diesem speziellen Thema spukt mir allerdings schon länger eine halbgare Idee im Kopf herum. Es wird keine Space Opera, sondern spielt in naher Zukunft in Deutschland. Da muss ich meine Lieblings-Weltenbau-Methode, die auf historischen Kuriositäten beruht, abwandeln.

Also versuche ich, von aktuellen Kuriositäten auszugehen. Von denen gibt es glücklicherweise genug, und seit ich an dieser Idee wieder aktiv herumdenke, kommt immer wieder Brauchbares vorbeigeschwommen.

Weltenbau - Über Prognosen

BlessU-2 bei der Weltausstellung Reformation in Wittenberg 2017

Wie entwickelt sich die Welt weiter?

Aber dann beginnt der schwierigere Teil: Ich muss eine halbwegs glaubhafte zukünftige Welt extrapolieren. Ich habe nicht vor, morgen die Außerirdischen landen zu lassen oder übermorgen eine weltumspannende Katastrophe auszulösen. Gesellschaft und Technik sollen sich in erwartbarem Rahmen weiterentwickeln. Meine Heldin wird wohl in den Nachrichten von der einen oder anderen untergehenden Insel hören oder mit Wetterkapriolen zu tun bekommen, auch wenn die Küsten in Europa noch weitgehend dort sind, wo sie waren.

Technik und Gesellschaft

Die Apparate, die in meiner Geschichte auftauchen, brauche ich zum Glück nicht funktionsfähig nachzubauen, nicht einmal zu bedienen. Möglicherweise komme ich sogar ohne allzu detaillierte Beschreibungen aus. Trotzdem muss ich irgendwo definiert haben, was alles möglich ist und was nicht. Wie sehen die Gesetze aus, die dazu passen? Vielleicht passen sie auch gar nicht und die Gesetzgebung hängt den technischen Möglichkeiten meilenweit hinterher. So etwas soll ja vorkommen.

Vermutlich sind auch nicht alle Menschen bzw. Organisationen mit Gerät der neuesten Generation ausgestattet. Das könnte zum Beispiel am Geld liegen. Vermögen und Besitz werden in meiner Geschichte ohnehin eine große Rolle spielen, also halte ich Ausschau nach Theorien, wie diese in Zukunft verteilt sein könnten, und suche mir die passendste heraus. Es wird wohl in die Richtung gehen: „Wer da hat, [der] wird gegeben, und [sie] wird die Fülle haben.“

Trotz SF und techniklastiger Ausschreibung bin ich doch wieder bei gesellschaftlichen Fragen angekommen, denen ich nachrecherchiere und die mich auf Ideen bringen. Wahrscheinlich wird auch KI-Musik eine Rolle spielen und die Frage nach echtem Essen auftauchen – schließlich ist es meine Geschichte.

Bild-Info: BlessU-2, Foto Jörn via Das Nord-Süd-Gefälle; CC-BY-SA 4.0-Lizenz

Weltenbau – Über Essen

Standesgemäß ist in der Reihe Weltenbau jetzt mein nächstes großes Thema dran, echtes Essen. Ähnlich wie bei den Musikinstrumenten besteht auch hier wieder die Neigung zu Shmeerps. Dazu kommt allerdings eine naturwissenschaftliche Komplikation: Kann ich etwas, das nicht biologisch-genetisch als Solanum tuberosum zu identifizieren ist, Kartoffel nennen? Möglicherweise ist das für Hard-SF-Schreiber*innen ein größeres Problem als in der Fantasy. Dort schnappt eher die aus dem historischen Regal bekannte „Ritterkartoffel“-Falle zu. „Damals“ gab es in Mitteleuropa noch keine Kartoffeln, und das ist bekanntlich das Maß aller Dinge, auch für Fantasy-Welten.

Weltenbau Essen

Spezialität aus einer anderen Welt

Ohne Essen geht es nicht

Ist Essen denn überhaupt so spannend, dass sich solche Überlegungen lohnen? Muss in einem Fantasy-Abenteuer wirklich detailliert aufgeführt werden, was es bei Heldens zum Frühstück gibt? Ausgefeilte Kochrezepte, die sich mit dem Angebot eines hiesigen Supermarkts und der üblichen Kücheneinrichtung ohnehin schwer nachkochen lassen, sind vielleicht wirklich nicht dringend nötig. Es gibt allerdings auch praxistaugliche Fantasy-Kochbücher, Nanny Ogg’s Cookbook oder einiges aus dem Zauberfeder-Verlag.

Aber das ist schon der nächste Schritt. Hier soll es erst einmal um die Geschichte gehen. Und ja, Essen kann spannend sein und direkte Auswirkungen im Abenteuer haben – von der Held*innengruppe, die sich unterwegs verpflegen muss, bis zur kräftigen Sauce, die den Geschmack eines Giftes verdecken soll. Ob am Ende wirklich alles in Butter ist, wenn beim traditionellen Festmahl unter der Eiche eine gewisse Person nicht mitfeiert?

Entspannt genießen

Andererseits braucht eine gute Geschichte auch mal Entspannung. Die Held*innen haben ein Zwischenziel erreicht, sind – wahrscheinlich – in Sicherheit und können sich – vorübergehend – wohlfühlen. Dazu gehört eine entsprechende Mahlzeit. Und während man die regionalen Spezialitäten genießt, kann man sich wunderbar unterhalten, Informationen einholen, Gerüchte ausstreuen, Leute kennenlernen, etc.

Hier kommt ein weiterer Punkt ins Spiel, wenn die Welt aus mehr als Kulissen besteht. Warum ist genau dieses Gericht die regionale Spezialität? Wie würde die Palastküche diese blassgelbe Knolle zubereiten? Wissen die Held*innen überhaupt, was sie da essen, und wie reagieren sie darauf?

Am Essen hängt eine Menge kultureller Hintergrund. Es kann nicht nur den gesellschaftlichen Status in einer übersichtlichen Gemeinschaft widerspiegeln, sondern auch weiträumige wirtschaftliche und politische Beziehungen. Wer baut wo die erwähnten Knollen an und wer kontrolliert den Handel damit? In der Welt der Regenbogengötter könnte die Knolle wegen ihrer schönen gelben Farbe dem Herrn des Streites heilig und umgekehrt bei den Anhängern des blauen Hauses verpönt sein. Die züchten dann eben ihre eigene Sorte …

Weltenbau Essen 2

Die heilige Knolle des blauen Hauses

Weltenreise mit Eintopf

Das Problem ist, solche Informationen einigermaßen kurz und schmerzlos einzuarbeiten. Spielt das Abenteuer im Deutschland des frühen 21. Jahrhunderts, machen Schlagwörter wie „vegan“ oder „halal“ ziemlich viel klar – wenn auch bei unterschiedlichen Leser*innen ziemlich Unterschiedliches. Mir ist bisher noch kein kulinarisch-fantastisches Äquivalent begegnet, das in drei, vier Buchstaben die richtige kulturelle Ladung von einer Welt in die andere transportiert. Das einzige Gericht, das offenbar in allen denkbaren Romanwelten serviert wird, ist „undefinierbarer Eintopf“. Die Aufgabe besteht also darin, ihn zu definieren.

In Die Göttin der Helden habe ich mit Rineke eine wichtige Figur, die in einem Gasthaus aufgewachsen ist. Ihr werden die Eigentümlichkeiten der Küche(n) unterwegs gewiss auffallen, wenn sie ins große Abenteuer aufbricht, und sie wird beim Kommentieren kein Blatt vor den Mund nehmen. Jetzt muss ich nur noch etwas in der Speisekammer haben, was sie denn kommentieren und mit dem „guten, richtigen“ Essen zu Hause vergleichen kann. Dazu werde ich mich mal in die angegebene Literatur und meine Sammlung diverser Kochbücher mit Rezepten aus diversen Jahrhunderten und Gegenden vertiefen und probieren, was sich davon verwenden lässt.

Literatur:

Fotos (beide CC BY-SA 3.0):

  • oben: Kartoffelsalat aus Pellkartoffeln, Heiner Otterstedt
  • unten: Blue Salad Potato, MarkusHagenlocher via Wikipedia
Ich suche spannende Übersetzungsprojekte

Mein Rechner und ich haben noch Kapazitäten frei

Ich suche spannende Projekte, sei es zum Übersetzen, sei es zum Korrigieren.

In Halle 2 habe ich mich umgesehen und festgestellt, dass die Auswahl an potenziell interessanten Verlags-Partnern anteilsmäßig mindestens so groß ist wie auf einer Buchmesse im echten Leben. Außerdem läuft man sich nicht die Füße platt und die virtuellen Prospekte tragen sich leichter.

In Halle 1 sieht es entsprechend aus, ich komme nur kaum dazu, alle Stände abzuklappern. Das erinnert schon viel mehr an die Live-Buchmesse. Ich habe auch hier schon ein paar interessante Entdeckungen gemacht – die Autorin, die für Celli schwärmt – und werde noch eine Weile hier umgehen. Mindestens unterhaltsamen Lesestoff werde ich auf jeden Fall finden.

#obm2018, #obm2018halle3, #onlinebuchmesse

#obm2018 – Dienstleisteraufgabe 2: Schwerpunkt

Mein Schwerpunkt beim Übersetzen sind Sachbücher, meist zu Themen der Freizeitgestaltung. Obwohl dabei oft das Layout eine wesentliche Rolle spielt und zum Beispiel rabiate Kürzungen erfordert, geht es mir letzten Endes um einen ansprechenden deutschen Text.

Eine Auswahl aus meinen Übersetzungen

Achte auch auf Mückentüpfel

Auch bei Computerspielen achte ich auf korrekte Grammatik und Rechtschreibung. Vermutlich haben die Spieler gerade andere Probleme, wenn sie den Text zu Gesicht bekommen. Wer eins „meiner“ Kochbücher im Einsatz hat, denkt sicher nicht über Groß- und Kleinschreibung nach. Bei diesen Gelegenheiten soll der Text unauffällig im Hintergrund bleiben, sodass die Leser/Nutzer in die jeweilige „Welt“ eintauchen können.

Wenn es technisch oder – was bei mir häufiger vorkommt – juristisch ans Eingemachte geht, soll die deutsche Fassung nicht nur korrekt sein. Wer möglicherweise dem einen oder anderen Online-Dienst seine Seele verkauft oder bei auf den ersten Blick harmlosen Hobbys vielleicht doch die Finger riskiert, sollte nach dem zweiten Satz des Vertrags/der Betriebsanleitung nicht entnervt aufgeben. Das kann unangenehme Folgen haben.

Auf der Jagd nach Informationen

Mein zweites Steckenpferd ist Recherche. Ich lasse mich immer gern auf neue Themen ein und gehe auf die Suche nach der passenden Terminologie. Praktischerweise bietet der VfLL derzeit Seminare zum Thema an. So bleibt die Arbeit immer wieder spannend. Außerdem begegnen mir dabei Info-Juwelen, die sich wunderbar im nächsten Roman / der nächsten Kurzgeschichte verarbeiten lassen (siehe #obm2018halle1).

Zauberwörter

Trotz alledem freut es mich besonders, wenn sich mal ein fiktionaler Text auf meinen Schreibtisch verirrt und ich mir zum Beispiel Zaubersprüche ausdenken darf, die sich reimen und bitte sehr auch zu den Bildern passen, so wie hier.

#obm2018, #obm2018halle3, #onlinebuchmesse

#obm2018 – Autorenaufgabe 2: Genre

Haltet die Welt an, ich will aussteigen

Das meiste, was ich schreibe, ist Fantasy. Ja, da steckt auch Eskapismus drin, das Wegträumen in eine andere Welt. Den sehe ich allerdings genauso stark vertreten in Liebesromanen oder Thrillern, um nur mal zwei prominente Genres zu nennen.

In meinen Augen ist Phantastik mit allen dazugehörigen Spielarten eine Möglichkeit, die Welt mit etwas Abstand und aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Mal in Gedanken durchzuspielen, was wäre, wenn … Dazu gibt es bei so ziemlich jeder Weltlage Anlass genug.

Auf dieser Grundlage sind seit den Ureltern des Genres viele interessante Werke entstanden. Manche hat die Zeit überholt, andere sind aktuell wie eh und je. Wer das wissenschaftlich fundiert und mit vielen Beispielen belegt lesen möchte, besuche TOR online oder die Phantastische Bibliothek Wetzlar mit ihrem Projekt Future Life.

Fantasy Castle, Originally made by RL Fantasy Design Studio

Recherche zum Mondfahrtprogramm der Orks

Nun habe ich in Halle 3 (#obm2018halle3) behauptet, eins meiner Steckenpferde als Übersetzerin sei die Recherche. Die kann man sich beim Fantasy schreiben aber doch sparen … sagt ein beliebtes Vorurteil. Kann man in der Tat, muss man aber nicht.

Natürlich fliegt einem ein Recherchefehler in einem Roman, der in dieser unserer Welt spielt, schneller um die Ohren. Mich hat zum Beispiel ein Instrumentenbauer darauf angesprochen, dass der Held in meinem Mittelalter-Krimi noch keine Schnarre an seiner Drehleier haben kann … Dabei war ich ganz glücklich, weil mir im vorletzten Moment noch aufgefallen war, dass er eben Drehleier spielen sollte und nicht Schlüsselfiedel.

Wenn jetzt die Orks meiner aktuellen Fantasywelt zum Mond fliegen, kann ich allen, die da Fehler finden, erwidern: „Es geht um einen anderen Planeten mit einem anderen Mond. Was die NASA ihrerzeit angestellt hat, ist für mich völlig unerheblich.“ Stimmt. Es hilft mir und meinen Orks aber trotzdem beträchtlich weiter, wenn ich weiß, wie es „richtig“ geht. Welche Probleme auftreten können und wie man sie umgeht, welche man sich vorstellen konnte, die dann aber doch nicht eingetreten sind, etc.

Außerdem gab es auch in dieser unserer Welt schon Überlegungen zu Mondfahrten, bevor überhaupt jemand an die NASA gedacht hat. Auch darin stecken viele interessante Elemente, die meine Orks sich ebenso oder eben völlig anders vorstellen könnten.

Das ist für mich das Spannende an der Recherche für Fantasy: Die Quellen können aus allen Epochen, Kulturen und Sachgebieten stammen, und die Ergebnisse kann ich nicht nur sachlich analysieren, sondern kreativ, teilweise auch ziemlich wild, verarbeiten.

#obm2018, #obm2018halle1, #onlinebuchmesse

#OBM2018 – Dienstleisteraufgabe 1: Vorstellung

Susanne Bonn

Ich wurde 1967 an der Bergstraße geboren (am 6. Oktober, übrigens) und habe die folgenden zwei sowie die vergangenen zwei Jahrzehnte im Odenwald verbracht. Die zehn Jahre dazwischen habe ich mich in Holland (um ganz genau zu sein: Noordwijk, Zuid Holland) und in der Pfalz (Germersheim) herumgetrieben, mit studienbedingten Abstechern nach Granada und Moskau („fast bis zur Raumstation“, meinte damals der Bergsträßer Anzeiger).

Was Anständiges lernen

Was studiert man in Germersheim? Übersetzen. Nachdem ich mir schon mittels Fernstudium Scheine mit Stempel für Englisch und Niederländisch erworben hatte, fing ich mit einer fast neuen und einer ganz neuen Sprache an – Russisch und Spanisch. Zu Weihnachten im ersten Semester waren die Russischkenntnisse aus der Schule alle, und ich tauschte schleunigst Haupt- und Nebenfach aus. Damit kam ich letzten Endes zum Diplom und wieder zurück in den Odenwald.

Und was macht man dann damit?

Ich startete einigermaßen erfolgreich mit dem Übersetzen von Sachbüchern zu Freizeit-Themen, vor allem aus dem Englischen und Niederländischen. Mit der Zeit gesellten sich Computerspiele dazu, am liebsten mit Fantasy-Hintergrund, und Gesellschaftsspiele. Gelegentlich kommen auch Texte aus dem Spanischen, noch seltener aus dem Russischen dazu.

Neben Vokabeln und Grammatik in den diversen Fremdsprachen, neben der Terminologie für verschiedene Fachgebiete geht es aber im Wesentlichen darum, einen gut lesbaren deutschen Text zu erschaffen. Deshalb halte ich mich auch auf diesem Gebiet fit, suche nach weniger gängigen Wörtern oder vertiefe mich in Diskussionen um Zeichensetzung und Typografie.

Schließlich verwendete ich noch einige Jahre auf ein weiteres Fernstudium, Geschichte und Musikwissenschaft. Aus den vielen spannenden Dingen, die ich dabei erfahren habe und nach denen ich auf dieser Basis immer noch suche, wachsen die Ideen für meine Romane und Kurzgeschichten (ganz aktuell: diese hier). Mehr dazu gibt es in Halle 1 (#obm2018halle1).

#obm2018, #obm2018halle3, #onlinebuchmesse

Katzen auf heißer Spur

In Sachen Musik hatten wir in letzter Zeit den einen oder anderen Beitrag. Jetzt ist mal wieder eine Geschichte dran. Ich schreibe zur Zeit an einem Katzenkrimi mit dem Arbeitstitel „Die Rooftop Singers“. Dieser Kurzroman – es sind bisher 150 Seiten – begleitet mich schon eine ganze Weile. Er war hier auch schon einmal Thema, nämlich in dem Beitrag „Pinguine essen“.

Leben mit Katze

Die Plotlöcher und Knoten im Zeitplan sind inzwischen größtenteils gestopft bzw. ausgebügelt, die Recherche ist ebenfalls erledigt. Nun habe ich zwar mit dem Buch So denkt meine Katze meine Karriere als Sachbuch-Übersetzerin begonnen, aber seitdem habe ich mit diesen typischen Autorinnen-Begleittieren nicht viel zu tun gehabt. Ein vorübergehender Aufenthalt eines Leihkaters war nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Damit sich meine Heldinnen und Helden nicht völlig danebenbenehmen, habe ich mich in der Stadtbibliothek Bensheim bedient: Katzenverhalten und Was Katzen wirklich wollen von Mircea Pfleiderer haben mich hoffentlich auf die richtige Spur gebracht.

Katzengruppe

Geschichte zum Titelbild

Wie komme ich bei dieser Ausgangslage überhaupt dazu, eine Katzengeschichte zu schreiben? Es gab eine Ausschreibung des hier schon mehrfach erwähnten Machandel-Verlags, zu einer Sammlung von potenziellen Titelbildern jeweils die passende Geschichte zu schreiben. Nach einigem Zögern und dem Auftauchen von zwei sehr ansprechenden Covermotiven habe ich mich bei der Verlegerin angemeldet. Inzwischen sind die ersten Werke fertig, voraussichtlich kann die Reihe ab dem nächsten Jahr erscheinen.

Pinguin verschwunden

Die Pinguine kamen in das Projekt, weil sie hier in der Gegend zu diesem Zeitpunkt gerade in der Zeitung standen. Das Verschwinden des unglücklichen Vogels und die Spekulationen darüber schafften es mehrmals auf die erste Seite. Ich habe mich an die Idee von der „organisierten Kriminalität“ gehalten und darauf meine Geschichte aufgebaut.

Kehlstreifpinguin

Zügelpinguin

Ebenfalls geholfen hat mir ein Buch aus der Reihe Max und die wilde 7 von Lisa-Marie Dickreiter. Zur Entwirrung des Zeitplans hat maßgeblich das Rudolstadt-Festival (älteren Semestern auch noch als tff oder Tanz- und Folkfest bekannt) beigetragen – sollte man nicht glauben, wenn man einmal dort war.

Und die zweite Geschichte?

Weiter oben war doch von zwei Geschichten die rede, oder? Genau. Ich habe noch einen zweiten Kurzroman für dieselbe Reihe in Arbeit. Das heißt, eine ziemlich rohe Rohfassung mit dem vorläufigen Titel „Psychedelic Cat“ liegt bereits vor. Wenn die Pinguin-Affäre abgeschlossen ist, geht es damit weiter.

Zur Zeit sind die Zusammenhänge allerdings viel zu kompliziert. Hexen, Zauberer, Weltenwanderer, Musikanten, totalitäre Herrscher und einen Showdown in Gottersdorf werde ich auf 230 Seiten – länger soll es für die Reihe nicht werden – nicht ordentlich verarbeiten können. Also wird möglicherweise noch mächtig umgeplottet. Vielleicht verschwindet auch die eine oder andere Figur wieder in der Versenkung. Bisher ist der eine oder die andere auch noch relativ leicht wiedererkennbar. Das wird hier bestimmt auch noch einmal Thema.

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