Geschichten und Musik

Schlagwort: Schalmei

Lesestoff – Die Spange 10

Es folgt die heutige Portion Lesestoff: „Die Spange“, Teil 10 (und Ende) der historischen Kurzgeschichte mit Kurzweil, Pfeffersack und Nachtgespenst. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 und 9.

Lesestoff - Die Spange

Alheit erwartete die beiden aufgeregt in ihrem Quartier. „Was hast du erfahren?“, fragte sie, kaum dass Franz eingetreten war.

Er setzte sich ins Stroh und langte nach der Weinkanne. Alheit schenkte ihm ein. „Von unserem Gastgeber“, sagte sie. „Dafür sollen wir morgen Abend für seine Gäste spielen.“

Franz nickte. Am liebsten hätte er gleich mit den Plänen für diesen Auftritt angefangen.

Jetzt erzähl endlich“, murrte Stefan, der wie schlafend dalag.

Franz tat ihm den Gefallen. Am Ende des Berichts saß Stefan aufrecht und mit offenem Mund da.

Was sagst du dazu, Pater?“, wandte sich Alheit an Baldwin.

Ich kann euch sagen, was die Kirche lehrt“, erwiderte der. „Er braucht einen Fürsprecher bei Gott, bevor er die nächste arme Seele in Versuchung führen kann.“

Ob unsere Gebete ihm da helfen?“, fragte Stefan. „So fromm sind wir doch nicht.“

Doch“, entgegnete Baldwin. „Maria hilft, auch wenn Spielleute sie anrufen.“

Stefan nickte und summte das passende Lied dazu.

Alheit sah ihn zweifelnd an. „Können wir nicht …“ Sie unterbrach sich. „Nein. Wir haben keinen Beweis dafür, dass Ulrich ermordet wurde.“

Nur das Wort eines Geistes“, sagte Baldwin.

Und das gilt noch weniger als das eines Spielmanns.“ Franz setzte sich auf. „Aber er hat meinen Namen genannt, gleich ein paarmal. Das …“

Das verheißt nichts Gutes“, sagte Baldwin. „Er wird dich weiter verfolgen und plagen, bis du seinen Auftrag ausgeführt hast.“

Franz betrachtete Alheits verbundene Hand. So konnte es nicht weitergehen. „Den Geist werden wir nicht los“, sagte er nachdenklich. „Aber vielleicht dieses verfluchte Ding.“

* * *

Er wog die Messingspanne in der Hand. Sie musste an einen Ort, wo ein ruheloser Geist keine Macht über sie hatte. Wo konnte das sein?

Bis jetzt war sie jeden Morgen wieder da“, erinnerte Alheit.

Willst du sie jetzt doch verkaufen?“, fragte Stefan.

Wie oft soll ich dir noch sagen, dass das nicht geht?“, erwiderte Alheit. „Wirf sie besser in einen Abort.“

Franz schüttelte den Kopf. Vor Gestank würde der Geist gewiss nicht zurückschrecken. „Wenn der eine Franz nicht helfen kann, dann vielleicht ein anderer“, sagte er schließlich. Er beschloss, dass es draußen hell genug war. Und sollten gute Mönche nicht ohnehin einen Großteil der Nacht im Gebet verbringen?

Mühsam kam er auf die Beine, steckte die Fibel innen an seinen Ärmel. Dann nahm er die Kiepe mit den Instrumenten auf. „Vielleicht weiß der heilige Franz ja auch ein Ständchen zu schätzen?“

E N D E

Bild: aus der Schedelschen Weltchronik, gemeinfrei

Lesestoff – Die Spange 9

Es folgt die heutige Portion Lesestoff: „Die Spange“, Teil 9 der historischen Kurzgeschichte mit Kurzweil, Pfeffersack und Nachtgespenst. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8.

Lesestoff - Die Spange

Ihr habt vor ein paar Tagen hier gespielt?“, fragte Baldwin auf dem Weg zum Friedhof.

Es hatte keinen Sinn, das abzustreiten. Laut genug waren sie gewesen.

Der eine oder andere Präzentor hier in der Stadt würde dich mit Freuden in seinen Chor aufnehmen.“

Dafür ist es zu spät“, meinte Franz und wechselte das Thema. „Hier, aus diesem Grab ist er gekommen.“

Dann wollen wir heute Nacht hier auf ihn warten.“

* * *

An einer Stelle auf dem Gelände erschien eine schwach leuchtende Kugel. Es hätte ein Pilz sein können, der sein kränkliches Licht verbreitete. Franz musste mehrmals hinsehen, um sich zu vergewissern, dass der Schein stärker wurde. Die Kugel wuchs, zog sich in die Länge. Nach und nach nahm sie die Gestalt von Ulrich an. In ein Leichentuch gehüllt hob er die Hand, als ob er Franz segnen wollte.

Du bist gekommen. Franz.

Alle guten Geister loben Gott, den Herrn.“

Darauf kam keine Antwort. Vielleicht dauerte es länger, bis der Geist den Satz verstanden hatte. „Kann ich etwas für dich tun?“, fragte Franz weiter.

Wieder blieb es eine Weile still.

Warum ist der andere da?

Er will mir helfen.“

Gut. Dann wirst du mit ihm fertig.

Mit wem?“

Hermann.

Was soll ich tun?“

Räche mich. Franz.

Für was denn? Und wie?“ Dass der Geist seinen Namen nannte, ließ ihm kalte Schauer über den Rücken rinnen. Bekam dieses Wesen dadurch Macht über ihn?

Die Frage war offenbar zu schwierig, denn der Geist antwortete wieder einmal nicht.

Er hat mich umgebracht. Bring du ihn auch um. Franz.

Ach was.“ Hoffentlich bemerkte der Geist sein Erschrecken nicht. „Hast du es nicht selbst getan?“

Nein. Ich wollte, aber im letzten Augenblick ging es doch nicht. Da kam Hermann vorbei.

Und?“

Was und? Jetzt bin ich tot.

Ich lasse mir etwas einfallen“, versprach Franz. Das konnte er ohne weiteres versprechen. Auch wenn er sicher wusste, dass er keinen Menschen umbringen würde.

Dann geh und tu, was ich dir aufgetragen habe.

Franz ging. Er fühlte sich leer, wie ausgesaugt, ohne Kraft. Selbst wen er gewollt hätte, könnte er jetzt niemanden töten.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: aus der Schedelschen Weltchronik, gemeinfrei

Lesestoff – Die Spange 8

Es folgt die heutige Portion Lesestoff: „Die Spange“, Teil 8 der historischen Kurzgeschichte mit Kurzweil, Pfeffersack und Nachtgespenst. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7.

Lesestoff - Die Spange

Vor dem Marienaltar saß ein Mann mit dichtem schwarzem Haarkranz und leinengrauer Kutte. Der Kopf war ihm auf die Brust gesunken, hin und wieder erklang ein leises Schnarchen.

He, Lotterpfaffe, da will einer zu dir!“ Der Diakon rüttelte den anderen an der Schulter.

Was gibts?“ Der graue Pater erschien mit einem Mal hellwach und betrachtete Franz aufmerksam. „Willst du unserer lieben Frau ein Ständchen bringen?“

Gern“, sagte Franz, „aber vor allem brauche ich deine Hilfe.“

Meine?“

Wie heißt du überhaupt, Spielmann?“, unterbrach der Diakon, als ob er sich an ein Versäumnis erinnerte.

Franz nannte seinen Namen.

Baldwin“, erwiderte der Pater unwirsch. „Aus Erfurt.“

Franz verbeugte sich.

Der Diakon murmelte etwas, das nach: „Wers glaubt“, klang. „Dann könnt ihr eure Verhandlungen ja jetzt ohne mich fortsetzen“, sagte er laut.

Als Baldwin nickte, strebte er eilig einer Gruppe Frauen entgegen, die eben zur Tür hereinkam.

Von denen wird er mehr Almosen bekommen“, sagte Baldwin. „Aber was hast du auf dem Herzen, Spielmann?“

* * *

Franz erzählte die Geschichte von Ulrich, der Meistertochter Käthe und Hermann dem Krämer. Baldwin nickte, fragte an manchen Stellen nach. Dann kam der Teil mit der Spange und den wilden Träumen.

Der Pater wehrte nicht ab, sagte nichts von sündigem Lebenswandel und vergessenen Gebeten. „Hast du deinen Geist auch einmal im Wachen gesehen?“, fragte er. „Traumgesichte können uns in die Irre führen.“

Nein. Kann er überhaupt am Tag erscheinen?“

Oh ja, Geister können das. Hat er etwas zu dir gesagt?“

Er will Rache“, antwortete Franz leise. „Aber ich weiß nicht, wofür und an wem.“

Willst du sie denn ausführen?“

Franz schüttelte heftig den Kopf.

Und du sagst, er liegt hier auf dem Friedhof?“

An der Mauer.“

Ja, natürlich. Lass uns nachsehen, was wir dort finden.“ Baldwin hob seinen Pilgerstab auf und ging mit Franz hinaus, an dem Diakon und seinen Beichtkindern vorbei.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: aus der Schedelschen Weltchronik, gemeinfrei

Lesestoff – Die Spange 7

Es folgt die heutige Portion Lesestoff: „Die Spange“, Teil 7 der historischen Kurzgeschichte mit Kurzweil, Pfeffersack und Nachtgespenst. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, 3, 4, 5 und 6.

Lesestoff - Die Spange

Du bist tot!“, wiederholte Franz.

Er musste laut gerufen haben, denn Alheit rüttelte an seinem Arm. „Wach auf! Niemand ist tot!“

Hm?“ Er versuchte, sich aufzusetzen. „Was ist?“

Du hattest einen Albtraum“, sagte Alheit. „Vergiss ihn und schlaf noch ein Stück.“

Unwillig schüttelte Franz den Kopf. So leicht würde er die Geister nicht vergessen. Aber sie blieben aus. Am anderen Morgen erwachte er wie aus tiefer Dunkelheit, mit nur einer schwachen Erinnerung an Ulrichs bleiches Gesicht.

* * *

Alheit packte an diesem Tag besonders vorsichtig. Auf den ersten Blick lag nichts in der Kiepe, was nicht hineingehörte. Als sie die Schalmei in den Korb stellte, bohrte sich ein Messingdorn in ihre Hand.

Zischend fuhr sie zurück. „Was soll das?“

Will uns dieser Hermann was anhängen?“, vermutete Stefan.

Franz schüttelte den Kopf. Jetzt fand er keine Ausflüchte mehr. „Ich fürchte, es ist noch schlimmer.“

Noch schlimmer?“ Alheit hatte einen Fetzen Stoff gefunden und hielt ihn Franz hin, damit er ihr die Hand verbinden konnte.

Ein Geist“, sagte er kleinlaut. „Eine ruhelose Seele.“

Unsinn“, erwiderte Alheit. „Wer soll uns denn heimsuchen?“

Ulrich.“

Dieser andere Geselle, von dem du erzählt hast? Hast du deshalb so geschrien?“, fragte Alheit.

Er nickte.

Dann rede mit einem Priester. Das kann so nicht weitergehen.“

* * *

Der Diakon in der Peterskirche musterte Franz von oben bis unten. „Was willst du, Spielmann?“

Es gibt einen Totengeist, der mich plagt.“ Er hatte sich die Sätze genau überlegt und immer wieder vorgesagt.

Warum? Hast du ihn betrogen? Oder nicht für seine Seele gebetet, wie du versprochen hast?“

Franz schüttelte den Kopf. „Ich habe ihn kaum gekannt. Seit ich weiß, dass er tot ist, bete ich für ihn.“

Der Diakon hob den Finger. „Das ist gut, dann wird er dich bald in Ruhe lassen.“

Wieder schüttelte Franz den Kopf. „Er plagt jetzt auch die, die mit mir reisen, und er kann uns gefährlich werden.“

Warum? Glaubst du, er will auch eure verlorenen Seelen in die Hölle ziehen?“

Franz gab auf. „Ja, das hat er wohl vor.“

Und du willst, dass ich ihn austreibe?“

Franz nickte. „Ich habe von Priestern gehört, die mit diesen armen Seelen reden können und erfahren, was ihnen fehlt, damit sie Ruhe finden.“

Ja, von denen habe ich auch gehört.“ Wieder maß er Franz mit den Augen. „Kannst du seine Dienste denn bezahlen?“

Franz nickte langsam. Das kam natürlich darauf an, was der Mann verlangen würde.

Sein Gesprächspartner grinste. „Dann weiß ich einen für dich. Komm nur mal mit.“

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: aus der Schedelschen Weltchronik, gemeinfrei

Lesestoff – Die Spange 6

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Die Spange“, Teil 6 der historischen Kurzgeschichte mit Kurzweil, Pfeffersack und Nachtgespenst. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, 3, 4 und 5.

Lesestoff - Die Spange

Ob das Ding wirklich so viel wert ist?“, fragte Alheit, als sie wieder draußen auf der Straße standen.

Mehr!“, rief Stefan. „Er hätte ruhig das Doppelte geben können.“

Franz schüttelte den Kopf. „Sie wollte es nur wiederhaben, ohne dass jemand weitere Fragen stellt.“

Gib’s zu, du weißt etwas darüber“, erwiderte Alheit streng.

Ich …“ Franz zögerte. „Ich habe die Spange schon einmal gefunden.“ Er erzählte kurz, wann das gewesen war. „Der andere Geselle im Haus hatte sie beiseite geschafft und wollte sie Hermann unterschieben. Der Meister sollte ihn für einen Dieb halten.“

Alheit kniff die Augen zusammen. „Das ist doch eine alte Pilgergeschichte. Ist darauf wirklich noch jemand hereingefallen?“

Ich habe ihm die Sache ausgeredet. Wir haben die Spange an einem ganz gewöhnlichen Ort gefunden und zurückgegeben.“

Dann ist ja gut.“

Davon, dass der andere Geselle inzwischen tot war und angeblich umging, sagte er nichts.

Aber das hat doch nichts damit zu tun, dass das Ding zu uns zurückgekommen ist, oder?“, fragte Stefan.

Franz tat, als hätte er ihn nicht gehört. „Wir suchen uns wieder einen Platz in der Stadt“, verkündete er. „Am Spital vielleicht oder am Franziskanerkloster. Da kommen genug Leute vorbei.“

* * *

In der dritten Nacht spielte Franz nicht mehr auf dem Friedhof, sondern in den Gassen der Stadt rund um den Marktplatz. Alheit war nirgends zu sehen, er hörte nur ihre Melodie. Die Leute tanzten zur Musik, und immer mehr Totengerippe schlossen sich der Reihe an. Sie machten gewagte Sprünge, ihre Knochen klapperten, dass es in der engen Gasse hallte.

Franz wartete dieses Mal nicht so lange. „Ulrich!“, rief er der Schlange hinterher. „Du bist tot!“

Der Anführer der Tanzenden lachte hohl und bog in ein niedriges Fachwerkhaus ein.

Nicht!“, rief Franz. „Wo willst du hin? Ihr gehört auf den Friedhof!“ Seie Glieder bewegten sich ohne sein Zutun, als ob ein unsichtbarer Puppenspieler an den Fäden zöge.

Wieder lachten die Toten unheimlich. Franz glaubte sogar, sie leise singen zu hören. Er setzte sein Instrument noch einmal an und spielte weiter.

Die Reihe der Tanzenden kam wieder aus dem Haus. Wie eine Schlinge hatte sie sich um die Meisterstochter Käthe gelegt und schob sie mit zur Tür hinaus auf die Straße. Sie stolperte, als ob sie Franz zu Füßen fallen würde.

Ulrich!“, rief er noch einmal. „Du bist tot! Hör auf mit dem Unsinn!“

Das ist kein Unsinn, Spielmann. Ich will Rache! Und du sollst die ausführen!“

Du bist tot!“, wiederholte Franz.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: aus der Schedelschen Weltchronik, gemeinfrei

Lesestoff – Die Spange 5

Es folgt die heutige Portion Lesestoff: „Die Spange“, Teil 5 meiner historischen Kurzgeschichte mit Kurzweil, Pfeffersack und Nachtgespenst. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, 3 und 4.

Lesestoff - Die Spange

Am nächsten Morgen räumte Alheit wieder die Instrumente in die Kiepe. „Was soll das?“, rief sie ärgerlich. „Das ist kein Scherz mehr!“

Was ist?“, fragte Franz. Dabei hatte er ein ungutes Gefühl im Bauch, noch bevor ihm Alheit auf der flachen Hand die Spange hinhielt, die sie am Vortag zu Meister Johann gebracht hatten.

Wie kommt die hierher?“ Sie hob die Stimme: „Stefan?“

Der Junge rappelte sich auf. „Was gibt’s?“

Sollten sie glauben, er hätte noch geschlafen?

Alheit zeigte ihm das Schmuckstück.

Die haben wir doch gestern bei diesem Täschner abgeliefert?“, sagte Stefan.

Und jetzt ist sie wieder da.“

Stefan zuckte die Schultern. „Dann hat er wohl auch nicht gewusst, wem sie gehört.“

Und dann?“

Er gab keine Antwort mehr.

Franz schluckte. „Ich weiß, wem sie gehört. Ich kann sie den Leuten selbst zurückbringen.“

Käthe?“ Alheit sah ihn fragend an.

Woher …“ Er brach ab. Er hatte selbst von ihr erzählt.

Die Alte mit dem roten Kleid?“, fragte Stefan. „Die kann sich ja wohl eine neue kaufen“, unterbrach Stefan.

Darauf ging Alheit gar nicht ein. „Du weißt, wo sie wohnt.“

Franz nickte.

Dann los.“ Sie steckte die Fibel in ihrem Ärmel fest.

* * *

Hermann und Käthe lebten in einem hohen, schmalen Haus an der Hauptstraße. Die Tür stand offen, Knechte liefen mit Ware ein und aus. Der Markt lohnte sich offenbar für ihn.

Einer Knecht, der gerade ohne Last zurückkam, sprach Franz an. „Wen suchst du hier, Spielmann?“

Deinen Herrn“, antwortete Franz.

Der andere musterte ihn von oben bis unten. „Du siehst nicht aus, als ob du von ihm kaufen könntest.“

Wir wollen ihm etwas bringen“, erwiderte Franz.

Ah so. Ich sag Bescheid, warte hier.“ Mit langen Schritten verschwand er im Haus.

Mit was handelt er überhaupt?“, fragte Stefan mürrisch.

Mit Gewürzen jedenfalls“, sagte Alheit und schnupperte. „Sie könnten sogar echt sein.“

Und dafür findet er hier Abnehmer?“

Bei so einem Fest …“ Franz beobachtete das Treiben rund um das Haus. Sollte er den Kaufmann nach Ulrich fragen?

Der Knecht trat wieder aus dem Haus. „Der Herr erwartet dich, Spielmann.“

Franz nickte Alheit und Stefan zu, die drei folgten dem Mann in einen Lagerraum, wo Hermann auf einer Kiste saß. Er trug eine einfache graue Cotte, mit der er sich gewiss nicht auf dem Markt sehen lassen würde.

Nun, Spielmann, was führt dich zu mir? Hat der Täschner deinen Lohn unterschlagen?“

Aber nein“, erwiderte Franz. „Ist deine Frau zu sprechen?“

Was willst du von ihr?“

Ich habe etwas für sie.“

Hermann zuckte zusammen. Oder schien es nur so? „Willst du ihr Geschenke machen? Das kannst du dir nicht leisten.“

Wir werden sehen.“

Immerhin schickte der Kaufmann einen Knecht los, seine Frau zu holen.

Sie war schnell zur Stelle und schüttelte leise den Kopf, als sie eintrat. Franz bemerkte es trotzdem. Was wollte sie ihrem Mann damit sagen?

Franz grüßte sie höflich. „Wir haben etwas gefunden, was dir gehört“, erklärte er dann.

So?“, erwiderte sie. „Und jetzt hoffst du auf eine reiche Belohnung?“

Er schüttelte den Kopf und legte die Fibel auf seine Handfläche.

Käthe wurde blass. „Wo?“

Sie lag im Korb mit unseren Instrumenten“, sagte Franz. „Vielleicht ist sie vorgestern beim Tanz hineingefallen.“

Ich habe dir doch gesagt, du sollst mit der Nadel aufpassen“, schimpfte ihr Mann. Seine Empörung klang nicht echt. Er fischte eine Münze aus seinem Beutel und legte sie vor Franz auf den Tisch. Der steckte sie bedächtig ein.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: aus der Schedelschen Weltchronik, gemeinfrei

 

Lesestoff – Die Spange 4

Es folgt die heutige Portion Lesestoff: „Die Spange“, Teil 4 meiner historischen Kurzgeschichte mit Kurzweil, Pfeffersack und Nachtgespenst. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, und 3.

Lesestoff - Die Spange

Wo warst du?“, fragte Alheit, als er zu den anderen zurückkehrte. „Wir sollten langsam wieder anfangen.“

Ich habe jemanden getroffen.“ Viel genauer wollte er nicht werden.

Die Frau von gestern, mit dem roten Kleid?“, fragte Alheit.

Käthe?“

Kennst du sie etwa?“

Er nickte. „Ich war vor Jahren schon mal hier, habe eine Weile bei ihrem Vater gearbeitet.“

Die Frau, von der sie sprachen, ging über den Marktplatz. Auf ihrem Kleid prangte die goldfarbene Fibel, die Franz am Morgen bei Johann Täschner abgegeben hatte. Oder täuschten ihn seine Augen schon wieder?

Das muss lange her sein.“ Alheit holte ihn aus seinen Gedanken. „Was spielen wir?“

Nicht noch mal das langweilige Zeug von gestern“, meldete sich Stefan zu Wort.

Franz lachte gezwungen. „Nehmen wir was von vorgestern, wenn du dich daran noch erinnern kannst.“

* * *

In dieser Nacht träumte Franz vom Tanz auf dem Friedhof. Alheit und er spielten eine feierliche Melodie. Stefans Trommel rollte unheilverkündend. Ringsum öffneten sich die Gräber, Totengerippe stiegen heraus. Sie fassten einander an den Knochenhänden und zogen im Reigen über die Gräber. Franz spielte immer schneller, er konnte nicht anders. Die Toten sprangen umso wilder umher, bis die Gebeine klapperten.

Alheit und Stefan schienen von all dem nichts zu merken. Sie hielten ungerührt ihre Töne und den Takt, wie Franz sie vorgab. Vielleicht erlebten die beiden gerade völlig andere Träume, vielleicht von einem Fest auf der Burg.

Der Tote, der die Schlange von seinesgleichen anführte, kam ganz nah an Franz vorüber. Ein kalter Hauch wehte den Modergeruch der Leichen über die Spielleute. Franz erschauerte und blieb an einem schrecklich falschen Ton hängen, als er Ulrich erkannte.

Wie in der Nacht zuvor sagte er den Namen. Aber diesmal verschwand die unheimliche Gestalt nicht sofort. „Du bist tot“, stellte Franz fest.

Das schien den Geist zu beruhigen. Er schwenkte ab und tanzte mit seinen Gefährten zwischen den Kreuzen davon, bis alle in ihren Gräbern versunken waren. Die Musik wurde leiser, Franz konnte einschlafen.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: aus der Schedelschen Weltchronik, gemeinfrei

Lesestoff – Die Spange 3

Es folgt die heutige Portion Lesestoff: „Die Spange“, Teil 3 meiner historischen Kurzgeschichte mit Kurzweil, Pfeffersack und Nachtgespenst. Hier geht es zu den Teilen 1 und 2.

Lesestoff - Die Spange

Johann Täschner nahm die Spange erstaunt entgegen. „Ja, ich weiß, wem sie gehört. Habt ihr sie auf dem Friedhof gefunden?“

Franz öffnete den Mund, besann sich aber auf der Stelle. „Ja“, sagte er. „Da hat sie gelegen, zwischen den Gräbern.“

Der Handwerker schüttelte den Kopf. „So etwas zu verlieren und es noch nicht einmal zu merken … Aber ich bringe die Fibel wieder nach Hause. Nochmals vielen Dank, dass ihr gespielt habt.“

Damit schien die Sache erledigt. Die drei zogen mit ihren Instrumenten auf den Marktplatz und spielten dort für alle, die sie hören wollten.

Bei jedem Schritt wurde Franz der Klumpen in seinem Leib schwerer. Das Schmuckstück hatte Käthe der Meistertochter gehört. Eines Tages war es verschwunden gewesen, und sie hatten lange danach gesucht. Oder täuschte sich Franz? Wenn nicht, gehörte es wohl heute noch Käthe der Kaufmannsgattin. Warum hatte sie es ausgerechnet bei Franz verloren?

Er schüttelte sich. Der Albtraum der vergangenen Nacht machte ihm zu schaffen. Wenn er an diesem Tag den Wein mied, wenn sie auf dem Markt spielten und nicht auf dem Friedhof, würde sich das wieder legen.

Die Spielleute suchten sich einen Platz am Rand des Marktplatzes. An der Mauer der Heiliggeistkirche hofften die Höker aus der Umgebung, mit den Fremden, die zum Turnier gekommen waren, gute Geschäfte zu machen. Die Leute hörten eine Weile zu, manche tanzten oder fragten nach Stücken, die ihnen gefielen. Stefan sprang mit Begeisterung vor der Menge einher und vollführte Kunststücke mit der Trommel.

Franz ließ ihn gewähren. Er wartete, auch wenn er nicht wusste, worauf. Auf Hermann oder seine Frau? Sie mussten hier in der Nähe wohnen. Und der Krämer konnte sich die vielen Kunden kaum entgehen lassen.

* * *

Als die Spielleute eine Pause einlegten, nutzte Franz die Gelegenheit für einen Abstecher in eine Seitengasse. Er sah den Weg zur Werkstatt von Meister Eberhard vor sich, als ob ihn jemand für ihn aufgezeichnet hätte. Dabei war er so lange nicht mehr hier gewesen. Vielleicht arbeitete Ulrich noch dort, wenn nicht, mochte einer der jetzigen Gesellen wissen, wohin es ihn verschlagen hatte. Das redete Franz sich auf dem kurzen Weg ein und versuchte, das hohlwangige Gesicht aus seinem Albtraum zu verdrängen.

Er klopfte an die Tür des Fachwerkhauses. Nach einiger Zeit näherten sich schlurfende Schritte, die Tür ging auf und eine alte Frau schaute heraus. Das musste die Meisterin sein. Sie war krumm geworden, seit Franz sie zuletzt gesehen hatte. Aber sie würde seine Frage gewiss beantworten können.

Dreimal musste Franz den Namen des Gesellen rufen, bis er zu ihr durchdrang.

Ja, einen Ulrich hatten wir auch mal“, sagte die Frau wie zu sich selbst. „Aber der ist nicht mehr da. Der hat sich davongemacht, der Feigling. Hätte mir beinah die Käthe …“ Dann fiel ihr offenbar ein, wo der Knecht sich aufhielt. „Warum willst du das überhaupt wissen? Pack dich!“ Sie schlug die Tür zu.

Erschrocken trat Franz einen Schritt zurück. „Davongemacht?“ Sie konnte ihn natürlich nicht mehr hören.

Dafür kam ein Mann keuchend die Gasse herauf. „Suchst du jemanden?“

Franz wandte sich ihm zu. Nein, diesen Mann kannte er wirklich nicht, auch nicht aus einem Traum. „Gehörst du zu Meister Eberhard?“

Der andere nickte.

Er hatte einen Gesellen namens Ulrich …“

Ach, der.“ Der Mann warf einen Blick zurück, zum Fluss, wo er hergekommen war. „Keine schöne Geschichte. Kriegst du Geld von ihm?“

Franz schüttelte den Kopf. „Er ist weg, habe ich gehört.“

Jetzt deutete der Mann in die andere Richtung, zur Peterskirche hin. „Wie man’s nimmt … da oben liegt er. Und wenn man sich die Meisterin manchmal anschaut, geht er um.“

Er geht um.“ Franz folgte dem Fingerzeig des Mannes mit dem Blick. „Dann bekomme ich wirklich nichts mehr von ihm. – Vielen Dank“, brachte er noch heraus.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: aus der Schedelschen Weltchronik, gemeinfrei

Lesestoff – Die Spange 2

Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Die Spange“, Teil 2 der historischen Kurzgeschichte mit Kurzweil, Pfeffersack und Nachtgespenst. Hier geht es zu Teil 1.

Lesestoff - Die Spange

In der Nacht drückte Franz ein Alb. Das war noch nie vorgekommen. Vergeblich versuchte er, das Gewicht von seiner Brust zu schieben. Er rang nach Atem, drehte und wendete sich, aber die schwarze Last wollte nicht weichen.

Dafür sah er bei jeder Wendung ein Gesicht vor sich, lang und schmal, umrahmt von haselnussbraunen Locken. Der Mann sah ihn mit stechenden Augen an, als ob er auf eine Antwort wartete. Aber Franz konnte ihm keine geben. Er wusste noch nicht einmal, wie die Frage lautete.

Du bist Ulrich“, sagte er schließlich und setzte sich halb auf.

Was ihm bisher trotz aller Mühe nicht geglückt war, ergab sich nun ganz ohne Anstrengung. Der Alb rutschte von seiner Brust und verschwand im Stroh.

Franz lag trotzdem noch wach. Wo kam diese Erinnerung jetzt her? Ja, er war wieder einmal in Heidelberg, nicht weit von der Werkstatt, in der er sich damals für einen ganzen Winter verdingt hatte. Das war vor zehn Jahren gewesen, und Ulrich ein junger Geselle, der länger im Haus des Meisters bleiben wollte. Am liebsten gar als Schwiegersohn.

Franz hatte sich seinen Kummer um die Tochter des Meisters angehört – jene Käthe, die heute mit Hermann auf dem Friedhof getanzt hatte. Dann hatte Ulrich seine unbeholfene Werbung wohl doch aufgegeben.

Er schüttelte sich, um die verblassenden Bilder aus der Vergangenheit endgültig zu vertreiben und noch etwas Schlaf zu finden.

* * *

Am nächsten Morgen richtete Alheit die Kiepe mit den Instrumenten. Sie zuckte zusammen, als sie in die Tiefe des Korbes griff. „Was ist das?“, murmelte sie. „Das gehört nicht uns, oder?“

Zu viel Geld?“, fragte Stefan und reckte seine lange Gestalt in ihre Richtung. „Gib es mir.“

Sie hielt Franz die offene Hand hin. Darauf lag eine Messingspange, so groß wie ihre Handfläche, fast wie eine Blüte geformt und mit Emailtupfen verziert.

Schwer“, sagte Alheit. „Das ist keine billige.“

Wo hast du sie gefunden?“, fragte Franz.

Ganz unten in der Kiepe.“

Wie soll sie da hineingekommen sein?“ Er sah sich nicht nach Stefan um. Der Junge hatte ein unglaubliches Geschick, mit den Fingern an Sachen hängen zu bleiben, die ihm gut zupasskamen, dann aber bald von anderen vermisst wurden.

Alheit presste die Lippen aufeinander und zuckte die Schultern.

Das muss gestern Abend beim Tanz gewesen sein“, sagte Stefan. „Die waren doch alle aufgeputzt wie zur Hochzeit.“ Seinem Blick nach zu urteilen dachte er gerade an ein bestimmtes Mädchen. „Ich könnte …“

Alheit schloss schnell die Hand. „Wir bringen sie Meister Johann. Der wird wissen, welcher von seinen Gästen sie vermisst.“

Franz nickte. So war es sicher das Beste.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: aus der Schedelschen Weltchronik, gemeinfrei

Lesestoff – Die Spange 1

Wie versprochen gibt es jetzt etwas Lesestoff aus dem Mittelalter: „Die Spange“, Teil 1 meiner historischen Kurzgeschichte mit Kurzweil, Pfeffersack und Nachtgespenst. Mehr Historisches und Phantastisches zum Lesen findet sich auf der Seite Bibliothek – Geschriebenes. Ich wünsche gute Unterhaltung.

Lesestoff - Die Spange

Die Sonne näherte sich langsam dem Hügelkamm mit der oberen Burg. Die Tore der Stadt Heidelberg würden bald schließen, und in der Nacht gehörte der Friedhof den Toten. Noch sah es nicht danach aus. In dem ummauerten Bereich zu Füßen der Sandsteinkirche feierte eine Gesellschaft junger Leute aus der Stadt. Wein und Braten gingen zur Neige, dafür tanzten sie um so ausdauernder zwischen den Gräbern einher. Ihre Musikanten, ein Mann, eine Frau und ein schlaksiger junger Bursche, ließen sich zwar etwas bitten, aber dann fanden sie doch immer noch einen Reigen, den sie spielen konnten.

Wieder einmal rief der Mann in die Runde: „Das wird unser letztes Stück für heute. Danach überlassen wir das Singen dem Nachtwächter.“

Natürlich konnte die kleine Truppe jeden Heller gebrauchen, den der frischgebackene Meister Täschner ihnen zugesagt hatte, und auch alles, was die anderen Tänzer ihnen zuwarfen. Trotzdem hatte Franz keine Lust, die Nacht hier unter den Mauern der Peterskirche zu verbringen, wo ihnen ihr Auftraggeber doch ein Quartier im Haus eines Verwandten versprochen hatte.

Ach komm, Spielmann“, entgegnete einer der älteren Mittänzer im pelzbesetzten roten Surcot, „das sagst du jetzt schon zum dritten Mal.“

Es wird höchste Zeit, es wahr zu machen“, erwiderte Franz. „Sagt nicht, dass euch niemand zu Hause erwartet.“

Wer denn?“, fragte die Frau neben seinem Gegenüber spitz.

Franz schluckte. Die Stimme kannte er, das Gesicht … er war nur sicher, dass die Frau des Sprechers bei ihrer letzten Begegnung ein ärmlicheres Gewand mit weniger Schmuck getragen hatte. Und der Mann war längst nicht so wohl genährt gewesen. Die beiden dagegen schienen ihn jedoch nicht zu erkennen. Vielleicht irrte er sich ja.

Wir bringen die Gesellschaft schon hinein“, sagte der Mann jetzt. „Dich auch, Spielmann, wenn es sein muss.“

Noch dieser Tanz“, wiederholte Franz und sah seinen Auftraggeber an, „dann pfeifen wir Meister Johann zu seinem Haus.“

Einverstanden!“, rief der. „Wir müssen nicht schon am Abend vor dem Turnier mit den Wachen aneinander geraten.“

Das Paar lachte leise. „Ihr könnt ja bei uns weiterfeiern, wenn Johann sich lumpen lässt“, sagte der Mann.

Davon war keine Rede“, widersprach der Täschner. „Drinnen in der Stadt schmeckt der Wein genauso gut wie hier draußen.“

Franz hob die Schalmei, schaute Alheit an, sie nickten einander zu und bliesen den Tanz, den sie immer zum Abschluss spielten. Stefan schlug die Trommel, geistesabwesend wie so oft, als ob er schon das Opfer für seinen nächsten Streich auswählte.

Der wohlhabende Bürger und seine Frau schlossen sich dem Tanz der jungen Leute an. Sie sprangen fast noch lebhafter als alle anderen, als wollten sie beweisen, dass sie es noch konnten. Franz zog das Tempo an. Als die ersten Tänzer mit hochrotem Kopf aus der Reihe taumelten, trat er einen Schritt vor. Alheit und er brachten die Melodie zu Ende, der Kreis kam zum Stehen.

Er hatte einige Augenblicke Zeit zum Atem holen. „Und jetzt“, verkündete er dann, „geleiten wir Meister Johann Täschner feierlich nach Hause.“

Alheit stimmte eine Prozessionsmelodie an, zu der schon fromme Pilger das Lob der Muttergottes gesungen und fahrende Scholaren den Wein gepriesen hatten. Der eifrige Bürger kannte offenbar noch eine Variante. Als sie bei der zweiten Strophe das Speyerer Tor erreichten, hörte Franz den volltönenden Tenor von hinten: „Nimm dich nur sehr in Acht, wenn du hier in der Nacht mit dem Tod dich umgibst.“

Ungebeten kamen Franz Erinnerungen in den Sinn. Der Sänger hieß Hermann, ein Krämer … und die Frau …

Die Torwächter riefen ihnen hinterher, als sie in die Gasse zum Augustinerkloster einbogen. Franz beachtete sie nicht. Mochten die Eingesessenen ihnen erklären, was zu sagen war.

In der Stadt löste sich die Gesellschaft jedoch bald auf. Kaum ein Dutzend Leute zog mit bis zum Haus des Täschners, und dort bewiesen die Nachtwächter sogleich, dass sie ihren Dienst besonders ernst nahmen, wenn sich so viele Fremde in den Mauern aufhielten.

Hermann beschwerte sich bei dem jungen Meister, weil er seine Freunde so billig abfertigen wollte. Aber dieser ließ sich nicht mehr umstimmen. Er entlohnte der die Spielleute, mit einer Kanne Wein zusätzlich zu dem vereinbarten Geld, und schickte sie mit den Verwandten, die sie aufnehmen wollten, in ihr Quartier.

In gebührendem Abstand folgte die kleine Truppe ihren Gastgebern durch die Gassen, wo trotz aller Bemühungen der Nachtwächter etliche Leute umherwankten.

Es ist doch noch gar nicht richtig dunkel“, behauptete Stefan, ähnlich wie die Zecher, die mit den Wachen rechten wollten. „Wir finden bestimmt noch jemanden, der uns hören will.“

Morgen“, sagte Alheit. „Der Tag wird lang genug.“

Sie fanden ihre Unterkunft nicht weit vom Neckar. Der Hausherr ließ ihnen in einem Schuppen im Hof ein Strohlager richten. Als erster warf sich Stefan mit einem Seufzer hinein. Seine Pläne, an diesem Abend noch für andere Leute zu spielen, waren vergessen.

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: Schedelsche Weltchronik, gemeinfrei

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