Haltet die Welt an, ich will aussteigen

Das meiste, was ich schreibe, ist Fantasy. Ja, da steckt auch Eskapismus drin, das Wegträumen in eine andere Welt. Den sehe ich allerdings genauso stark vertreten in Liebesromanen oder Thrillern, um nur mal zwei prominente Genres zu nennen.

In meinen Augen ist Phantastik mit allen dazugehörigen Spielarten eine Möglichkeit, die Welt mit etwas Abstand und aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Mal in Gedanken durchzuspielen, was wäre, wenn … Dazu gibt es bei so ziemlich jeder Weltlage Anlass genug.

Auf dieser Grundlage sind seit den Ureltern des Genres viele interessante Werke entstanden. Manche hat die Zeit überholt, andere sind aktuell wie eh und je. Wer das wissenschaftlich fundiert und mit vielen Beispielen belegt lesen möchte, besuche TOR online oder die Phantastische Bibliothek Wetzlar mit ihrem Projekt Future Life.

Fantasy Castle, Originally made by RL Fantasy Design Studio

Recherche zum Mondfahrtprogramm der Orks

Nun habe ich in Halle 3 (#obm2018halle3) behauptet, eins meiner Steckenpferde als Übersetzerin sei die Recherche. Die kann man sich beim Fantasy schreiben aber doch sparen … sagt ein beliebtes Vorurteil. Kann man in der Tat, muss man aber nicht.

Natürlich fliegt einem ein Recherchefehler in einem Roman, der in dieser unserer Welt spielt, schneller um die Ohren. Mich hat zum Beispiel ein Instrumentenbauer darauf angesprochen, dass der Held in meinem Mittelalter-Krimi noch keine Schnarre an seiner Drehleier haben kann … Dabei war ich ganz glücklich, weil mir im vorletzten Moment noch aufgefallen war, dass er eben Drehleier spielen sollte und nicht Schlüsselfiedel.

Wenn jetzt die Orks meiner aktuellen Fantasywelt zum Mond fliegen, kann ich allen, die da Fehler finden, erwidern: „Es geht um einen anderen Planeten mit einem anderen Mond. Was die NASA ihrerzeit angestellt hat, ist für mich völlig unerheblich.“ Stimmt. Es hilft mir und meinen Orks aber trotzdem beträchtlich weiter, wenn ich weiß, wie es „richtig“ geht. Welche Probleme auftreten können und wie man sie umgeht, welche man sich vorstellen konnte, die dann aber doch nicht eingetreten sind, etc.

Außerdem gab es auch in dieser unserer Welt schon Überlegungen zu Mondfahrten, bevor überhaupt jemand an die NASA gedacht hat. Auch darin stecken viele interessante Elemente, die meine Orks sich ebenso oder eben völlig anders vorstellen könnten.

Das ist für mich das Spannende an der Recherche für Fantasy: Die Quellen können aus allen Epochen, Kulturen und Sachgebieten stammen, und die Ergebnisse kann ich nicht nur sachlich analysieren, sondern kreativ, teilweise auch ziemlich wild, verarbeiten.

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