Es folgt eine neue Portion Lesestoff, „Lieferungen“, Teil 9 der phantastischen Kurzgeschichte mit feinem Gebäck, manipulierter Lotterie und rosa Ballkleid. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8.

Lesestoff - Lieferungen

Der Dämonenbeschwörer!“, rief Ondar. „Was ist denn aus ihm geworden?“

Getanzt hat er, er konnte gar nicht anders.“ Suso sang: „… und der Schwarzbart in der Kutte musste auch mit, musste auch mit in das Höllenloch hinein.“ Seine Stimme brach. „Verzeih“, sagte er zur Prinzessin. „Ich bin noch etwas heiser von diesem Streich.“

Estarelo fragte nicht mehr. Aus dem Wirt würde er keine vernünftige Antwort herausbekommen.

Dann kann er uns auch nicht verfolgen?“, wollte Ondar wissen.

Nein“, antwortete Suso. „Der kommt so schnell nicht wieder.“

Wie sieht es inzwischen in der Stadt aus?“ Sie schaute zur Tür, wo Cachi stand, als hätte sie den Raum nie verlassen.

Es scheint alles ruhig“, erwiderte das Mädchen. „Graf Nakhmir wird bald das Fest eröffnen und alle Geladenen empfangen.“

Aber der Fürst …“, begann Estarelo.

Ist vorübergehend unpässlich“, antwortete die Cachi. „Der Graf wird ihn vertreten, bis die Familie eine Lösung gefunden hat.“

Die Familie.“ Das Gespräch wanderte weiter, Estarelo hörte nicht mehr zu. So war es nicht geplant gewesen. Sie hätten beim Fest, mitten unter allen Gästen, Ihre Hoheit befreien und den Fürsten gefangen nehmen sollen. Dann wäre ein Aufstand losgebrochen, und der Kardinal wäre in die Stadt einmarschiert, um die Sicherheit der Prinzessin zu gewährleisten.

Estarelo schaute den Wirt an. Der lehnte an der Wand und grinste wie ein Schwachsinniger ins Leere. Suso hatte sie zu früh in den Palast geschickt. Suso hatte die Prinzessin befreit. Susos Leute hielten den Fürsten versteckt.

Nur die Anwesenheit Ihrer Hoheit hielt Estarelo davon ab, den Kerl einfach zu erschlagen.

E N D E

Bild: Adriaen van Ostade, gemeinfrei