Es folgt die heutige Portion Lesestoff: „Die Spange“, Teil 7 der historischen Kurzgeschichte mit Kurzweil, Pfeffersack und Nachtgespenst. Hier geht es zu den Teilen 1, 2, 3, 4, 5 und 6.

Lesestoff - Die Spange

Du bist tot!“, wiederholte Franz.

Er musste laut gerufen haben, denn Alheit rüttelte an seinem Arm. „Wach auf! Niemand ist tot!“

Hm?“ Er versuchte, sich aufzusetzen. „Was ist?“

Du hattest einen Albtraum“, sagte Alheit. „Vergiss ihn und schlaf noch ein Stück.“

Unwillig schüttelte Franz den Kopf. So leicht würde er die Geister nicht vergessen. Aber sie blieben aus. Am anderen Morgen erwachte er wie aus tiefer Dunkelheit, mit nur einer schwachen Erinnerung an Ulrichs bleiches Gesicht.

* * *

Alheit packte an diesem Tag besonders vorsichtig. Auf den ersten Blick lag nichts in der Kiepe, was nicht hineingehörte. Als sie die Schalmei in den Korb stellte, bohrte sich ein Messingdorn in ihre Hand.

Zischend fuhr sie zurück. „Was soll das?“

Will uns dieser Hermann was anhängen?“, vermutete Stefan.

Franz schüttelte den Kopf. Jetzt fand er keine Ausflüchte mehr. „Ich fürchte, es ist noch schlimmer.“

Noch schlimmer?“ Alheit hatte einen Fetzen Stoff gefunden und hielt ihn Franz hin, damit er ihr die Hand verbinden konnte.

Ein Geist“, sagte er kleinlaut. „Eine ruhelose Seele.“

Unsinn“, erwiderte Alheit. „Wer soll uns denn heimsuchen?“

Ulrich.“

Dieser andere Geselle, von dem du erzählt hast? Hast du deshalb so geschrien?“, fragte Alheit.

Er nickte.

Dann rede mit einem Priester. Das kann so nicht weitergehen.“

* * *

Der Diakon in der Peterskirche musterte Franz von oben bis unten. „Was willst du, Spielmann?“

Es gibt einen Totengeist, der mich plagt.“ Er hatte sich die Sätze genau überlegt und immer wieder vorgesagt.

Warum? Hast du ihn betrogen? Oder nicht für seine Seele gebetet, wie du versprochen hast?“

Franz schüttelte den Kopf. „Ich habe ihn kaum gekannt. Seit ich weiß, dass er tot ist, bete ich für ihn.“

Der Diakon hob den Finger. „Das ist gut, dann wird er dich bald in Ruhe lassen.“

Wieder schüttelte Franz den Kopf. „Er plagt jetzt auch die, die mit mir reisen, und er kann uns gefährlich werden.“

Warum? Glaubst du, er will auch eure verlorenen Seelen in die Hölle ziehen?“

Franz gab auf. „Ja, das hat er wohl vor.“

Und du willst, dass ich ihn austreibe?“

Franz nickte. „Ich habe von Priestern gehört, die mit diesen armen Seelen reden können und erfahren, was ihnen fehlt, damit sie Ruhe finden.“

Ja, von denen habe ich auch gehört.“ Wieder maß er Franz mit den Augen. „Kannst du seine Dienste denn bezahlen?“

Franz nickte langsam. Das kam natürlich darauf an, was der Mann verlangen würde.

Sein Gesprächspartner grinste. „Dann weiß ich einen für dich. Komm nur mal mit.“

* * *

Fortsetzung folgt.

Bild: aus der Schedelschen Weltchronik, gemeinfrei