Es folgt eine neue Portion Lesestoff: „Das Gold des Leprechauns“, Teil 10 der phantastischen Kurzgeschichte von Nora Meister. Es geht wieder ins Meer – und zurück an Land, bevor das Himbeereis schmilzt. Hier finden sich die Teile 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 und 9.

Lesestoff - Das Gold des Leprechauns

„Entschuldigung?“, ertönte eine zaghafte Stimme an der Tür, die noch immer am Boden herum plätscherte. Ein kleines Mädchen streckte den Kopf herein. „Eure Majestät, ich glaube, ich weiß, wo das Gold ist. Euer Sohn hat uns allen Süßigkeiten geschenkt. Ich glaube, er hat es dem Zuckerbäcker der Unterstadt überlassen.“

Gequält stöhnte der König auf: „Ja, das sieht ihm ähnlich. Kannst du einen Diener des Palasts hinführen? Ich bezahle die Unkosten, aber wir brauchen das Gold zurück.“ Das Mädchen nickte und verschwand.

„Ich schätze, es wird einige Zeit dauern, bis meine Männer das Gold aufgetrieben haben. Kann ich währenddessen etwas für dich tun? Hast du Hunger oder Durst? Darf ich dir unsere Stadt zeigen?“, fragte der Monarch.

Ich überlegte nicht lange und bat um einen kleinen Imbiss. Fast sofort wurde eine lange Tafel aufgebaut, auf der sich Speisen aller Art fanden: verschiedene Fischgerichte, Algengemüse, aber auch Dinge, die mir bekannt vorkamen, etwa Nudeln, die mit einem rötlichen Gewürz bestäubt waren, Klöße und allerlei mehr. Das war nicht ganz das, was ich unter einem Imbiss verstand. Ich probierte von verschiedenen Speisen, bis ich satt war, vom Wein und den anderen alkoholischen Getränken ließ ich aber die Finger. Stattdessen trank ich Wasser, das erstaunlicherweise süß war. Auf meine Frage, was nun mit all dem Essen geschehe, lachte der König nur: „Warte ab, das verkommt schon nicht.“

Tatsächlich stromerten die Kinder, die ich im Palast gesehen hatte, zum Tisch und holten sich ihren Teil. Eifrige Diener sammelten schnell die verschiedenen Getränke ein, bevor sie sich auch noch über den Wein und Ähnliches hermachen konnten.

Der König führte mich hinaus und zeigte mir Teile der Stadt. Er ließ sich auch über technische und magische Details aus, die ich mir allerdings nicht merken konnte, das klang sehr kompliziert. Stattdessen sog ich die Farben in mich auf und schwor, dieses Erlebnis nie zu vergessen.

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Fortsetzung folgt.

Weiteren optimistischen Eskapismus gibt es hier, hier und ab hier.

Die Autorin: Nora Meister, Baujahr 1992, konnte sich in frühen Jahren nicht allzu sehr fürs Lesen begeistern. Eigene Geschichten über schulpflichtige Schnecken verfasste sie allerdings schon im Grundschulalter. Im Laufe der Zeit gewann auch das Lesen für sie an Bedeutung, sodass sie nun Herrin über ein brechend volles Bücherregal ist. Ihr verworrenes Leben mit Studium, Judo, Ehemann und viel zu vielen Tieren entwirrt sie, indem sie noch immer Geschichten schreibt: mittlerweile ohne Schnecken, dafür mit (viel zu viel) Fantasie. Auch wenn sie von fernen Inseln träumt, lebt und schreibt sie doch am liebsten im schönen Odenwald, wo denn auch sonst?

Bild: via Wikipedia, CC BY-SA 3.0