Es folgt eine neue Portion Lesestoff, “Dämlich, aber froh”, Teil 4 der fantastischen Kurzgeschichte mit ausgiebiger Eiersuche. Hier geht es zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

Lesestoff - Dämlich, aber froh

Das Radio kam ihm zu Hilfe. Zwischen dem Gedudel, mit dem Predrag und er sich die Arbeitszeit verkürzten, wunderte sich die Moderatorin über eine Firma namens „Miete ein Huhn“. Sie werde oft von Altenheimen oder Kitas nachgefragt. Im Altenheim weißten sie gerade, da war Rent-a-Chicken schon abgezogen. Harry würde sich ab sofort bei den Kindergärten der Umgebung auf die Lauer legen.

Bevor Harry morgens zur Arbeit ging, fuhr er bei den Einrichtungen vorbei, die ihm sein Navi anzeigte. Am dritten Tag entdeckte er den Wagen mit der bekannten Aufschrift zwischen Schaukel und Klettergerüst vor der Kita Sieben Zwerge. Sehr gut. Jetzt musste er nur noch seine Arbeit so organisieren, dass er die Anlage im Auge behalten konnte.

Weil er noch Urlaub übrig hatte und im Geist ohnehin schon an seiner Kündigung schrieb, nahm er ein paar Tage frei. Am Altenheim war sowieso nicht mehr viel zu tun. Von einer neuen Baustelle für die nächste Zeit hatte Harry noch nichts gehört.

Er legte sich bei der Kita auf die Lauer. Um nicht aufzufallen, wechselte er immer wieder den Standort. Wenn das Haus am frühen Abend verlassen war, stattete Harry dem Wagen und seiner Eierklappe einen Besuch ab.

Schon am zweiten Abend tat ihm eine der braunen Hennen den Gefallen und legte das erwartete goldene Ei. Harry steckte es schnell ein. Dann verfolgte er das Huhn, und als er es zu fassen bekam, schnitt er von zwei Schwanzfedern die Spitzen ab.

„Was machen Sie denn da?“, fragte eine Frauenstimme.

„Ich?“ Harry drehte sich um. „Äh, ich dachte, die Fassade da … ich bin nämlich Handwerker, wissen Sie … da müsste man mal was machen …“

Die Frau zog die Augenbrauen hoch. „So? Und was hat das …?“

„Sie können sich ja mal mit dem Chef in Verbindung setzen“, quatschte Harry weiter. „Moment, ich hab auch einen Flyer …“ Er wollte sich umdrehen und zum Auto laufen.

„Geben Sie sich keine Mühe“, sagte die Frau, „wir wissen, dass es reinregnet, und Geld für Reparaturen haben wir sowieso keins. Also lassen Sie unsere Hühner in Ruhe.“

„Die sind mir nachgelaufen …“

„Wenn ich Sie hier noch einmal sehe, rufe ich die Polizei.“

Es war eindeutig Zeit zu verduften.

* * *

Fortsetzung folgt.

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Bild: Simon Meyer, foto-x.ch, CC BY-SA 3.0