Hier kommt die nächste Portion Lesestoff, das Tortenmärchen “Am 32. Nietember” Teil II.

Lesestoff - Am 32. Nietember

Aber der Bäcker im Nachbardorf, bei dem die struppige Tigerkatze ein und aus ging, neidete der Bäckerin ihr Geschäft und ihre Kinder. Denn die Leute kauften sein Brot nur dann, wenn sie nicht zu der Bäckerin im Nachbarort gehen konnten. Darum hatte er immer viel übrig. Manchmal machte er großes Aufhebens darum und schenkte es dem Kloster, damit dort die Armen gespeist würden. Öfter lag es jedoch einfach noch in den Körben, wenn das neue für diesen Tag fertig war. Deshalb fütterte er damit die Wolke Nimmersatt.

Das war sein Plan, seit er als Wandergeselle ins Dorf gekommen war und die Bäckerei gesehen hatte, in der nur eine struppige Tigerkatze zu Hause war. Erst recht, nachdem er gehört hatte, wie sehr die Leute in der Gegend die Wolke Nimmersatt fürchteten. Dabei hatte sie vor einiger Zeit doch gerade hier ihren ganzen dicken Bauch voll Gold, Silber und Edelsteinen abgeregnet. Auf dem Weg zu diesem Ort hatte der Bäcker immer wieder von Leuten gehört, die schnell hingelaufen waren und sich auf den Feldern und Weiden die Taschen und Schürzen und Säcke vollgesammelt hatten. Das müsste einmal passieren, wenn er in der Nähe war.

Also brachte er der Wolke Brot und Brötchen auf den Hochtisch, und dort verschlang sie es. In einer Nacht, in der sie den Vollmond ganz verdeckte, hatte er die Wolke dabei beobachtet und das Grummeln und Poltern in ihrem Bauch gehört. Das mussten die Reichtümer sein, die sie eines Tages abregnen würde. Aber dann war auch schon diese Fee mit ihrem spitzen Hut und dem Zauberstab gekommen, und die Wolke war schneller abgezogen, als der Wind sie treiben konnte.

Da kam die struppige Tigerkatze an, beklagte sich, dass die Bäckerin im Nachbarort sie vertrieben hatte, und erzählte dem Bäcker, was sie dort gehört hatte.

* * *

Inzwischen beschaffte die Tochter der Bäckerin das feinste Mehl und die beste Butter für ihre Torte, die helle und die dunkle Schokolade.

Der Sohn überlegte, wie er all die guten Sachen in einer Torte unterbringen konnte, und kam auf die Idee, daraus eine Blume zu formen: einen runden gelben Kuchen in der Mitte, blaue Herzen mit hellen Streifen als Blütenblätter, zwei grüne Blätter als Einfassung. Das passte genau für die Buttercreme in vielen schönen Farben. Ein Stiel mit Schokoladenglasur kam noch dazu

Das Jüngste streifte derweil draußen herum und sammelte Nüsse. Es pflückte gelbe Blüten und blaue Beeren und grüne Blätter für die schönen Farben. Und ganz früh am Morgen machte es sich auf, um die Fitzelbeeren zu holen, wie sie die gute Fee besonders gern mochte.

* * *

Da traf es den Morgenvogel, der als erster vor allen anderen sang, wenn die Sonne noch nicht recht wusste, ob sie aufgehen sollte.

Es sammelte Fitzelbeeren, bis der Vogel sein Lied beendet hatte, dann ging es zu dem Baum, auf dem er saß. „Vogel, ich muss dich etwas fragen.“

Frag nur zu, Menschenkind.“

Wann ist der zweiunddreißigste Nietember?“

Der Vogel legte den Kopf schräg. „Bring mir drei Körnchen von der dunklen Schokolade und drei von der hellen. Dann will ich es dir sagen.“

Das kannst du haben“, sagte das Kind. „Morgen bringe ich dir alles.“

Am nächsten Morgen ging es wieder hinaus, um Fitzelbeeren zu lesen, damit sie für die Torte reichten. In einem Döschen trug es drei Körnchen du.nkle Schokolade und drei von der hellen. Die gab es dem Morgenvogel, und er pickte sie mit Genuss auf.

Dann will ich dir sagen, wann der zweiunddreißigste Nietember ist.“ Der Vogel legte den Kopf in den Nacken und schaute in den Himmel, der sich gerade ein wenig rot färbte. „Übermorgen. Komm übermorgen um diese Zeit hierher, dann betrittst du den zweiunddreißigsten Nietember.“ Wie verärgert schlug der Vogel mit den Flügeln. „Und bring mir ja keine Katze mit.“

Katze?“ Das Kind schaute sich um, sah aber keine Katze, und als es sich wieder dem Vogel zuwenden wollte, war er weggeflogen.

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Fortsetzung folgt.

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