Etwas Lesestoff an einem Stück, meine fantastische Kurzgeschichte «Immer Ärger wegen Frizzycat», mit Raumfahrergarn und singenden Drachen.Lesestoff - Immer Ärger wegen Frizzycat

Ich saß in meiner Stammnische in dieser Kneipe zwischen allen Stühlen, äh, Welten, hielt mich an einem Wodkopad fest und scannte mit halber Aufmerksamkeit, was an der Bar und am Robokicker vor sich ging. So langsam hätte ich mal wieder Lust auf ein haarsträubendes Abenteuer. Dem Raumfahrergarn zuzuhören, das hier gesponnen wurde, war ganz nett, aber auf die Dauer etwas unbefriedigend.

«Weiß hier jemand, wo Vrisegad hingekommen ist? Ich dachte, in einer Kneipe wie dieser könnte ich eine Spur von ihr finden.»

«Wer ist das denn?»

«Ein Katzenwesen von Eula. Grau getigert mit einem bisschen Weiß.»

«Kenn ich nicht. Soll die hier gewesen sein?»

«Sie ist überall und nirgends. Habt ihr von der Quarantäne auf dem Ork gehört? Da war ich drin.»

Da spitzte ich doch einmal die Ohren. Die Ork-Affäre war mir ein Begriff. Die Stimme, die davon erzählte, gehörte zu einer Frau am Robokicker, in einem weiten, braugraunen Anzug, mit einem schlammfarbenen Tuch um den Kopf. Darunter ringelte sich eine kupferrote Locke hervor. Nie gesehen. Auch die Namen, die sie sonst noch nannte, sagten mir nichts.

«Keiner konnte hin, keiner kam raus. Bloß ein fetter Brocken Weltraumschrott, der hat uns zielstrebig gefunden. Und Vrisegad hat das Zeug abgelenkt. Wir wissen nicht, wie – Theorien gibt es viele. Tatsache ist, es hat funktioniert. Und danach ist dann auch bald die Quarantäne aufgehoben worden. Gibt Leute, die sagen, das war auch Vrisegad. Aber das gehört vielleicht schon zur Legende. Seitdem ist sie nämlich verschwunden, und natürlich spekulieren jetzt alle wie die Wilden: Wer war das überhaupt? Wer hat sie geschickt? Oder war alles nur Show? Deshalb frag ich überall, wo ich hinkomme, ob jemand was Genaueres über sie weiß.»

* * *

Ich hätte ihr etwas sagen können, zumindest über die Quarantäne, wer sie verhängte und wieder aufhob. Vielleicht auch über das Katzenwesen. Ich bin nämlich ein Weiser des Gottes der Pfade. Nein, ich bin der Weise des Gottes der Pfade. Varathor, den die Sosunen Golbatl, die Redenter von Aya aber Dusarvi Latati, den Edlen Wanderer, nennen. Der ganz allein den Planeten Tenkrav evakuiert hat, bevor ihn ein poetisch herausgeforderter Volksstamm in die Luft sprengte, um eine Hyperraum-Umgehungsstraße zu bauen. Das war ein riesiger Hype mit diesem Hyperraum damals, und der Chef war ziemlich lange ziemlich ungenießbar, bis sich das wieder legte.

Aber die Geschichte von Tenkrav habe ich hier schon ein paarmal erzählt, die kennt jeder, deshalb will ich sie nicht mehr aufwärmen. Schließlich habe ich auch danach noch große Abenteuer bestanden. Nachdem ich mich dort bewährt hatte, kamen Forscher und Entdecker zu mir und wollten mit mir reisen. Der Chef war davon nicht wirklich begeistert, denn er meint (auch heute noch), dass alle Verbindungen zwischen Welten von ihm genehmigt werden müssten. Einen Ort wie diese gemütliche Kneipe hier empfindet er als reine Blasphemie. Der Chef geht nur sehr widerstrebend mit der Zeit; das scheint bei Göttern ein generelles Problem zu sein.

Und dann war da noch meine Kollegin mit spitzen Öhrchen und Schnurrhaaren, die sich in ihren getigerten Schwanz einwickeln konnte – nicht unbedingt verwunderlich in unserem Geschäftszweig. Die könnte die Fremde vorhin gemeint haben mit ihren dumpfen Lauten. Ich würde den Namen ja eher Frizzycat aussprechen, aber obwohl ich an die zwölfhundert Sprachen und Dialekte beherrsche, bin ich mir da nicht so sicher. Und ob sie als Weise auf dem richtigen Posten ist, auch nicht.

Wo sie während der Umgehungsstraßen-Krise eingesetzt war, habe ich nicht mitbekommen. Sie war auf jeden Fall bei den Aufräumungsarbeiten aktiv. Dafür hatte ich auch einen Aufruf bekommen, aber ich war gerade mit der Sternenflotte für eine Expedition in unendliche Weiten ins Geschäft gekommen und zog diesen Auftrag vor. Dem Chef ging es damals um die singenden Drachen von Graol. Nichts Umwerfendes, Aufräumungsarbeiten eben. Mal schnell einen ganzen Planeten umzusiedeln, das gelang nicht jedem so nahtlos wie mir mit Tenkrav, da musste hinterher an manchen Stellen geglättet werden. Bei den singenden Drachen sollte Frizzycat das tun.

Seitdem hatte ich von ihr nichts mehr gehört, und von Graol und seinen Drachen manchmal als Beispiel dafür, wie großartig man etwas verbocken konnte.

* * *

Ich wurde aus meinen Überlegungen gerissen, als drei knapp über tischhohe braune Zottelkugeln in meine Ecke kamen und die hellste von ihnen mit tiefer Stimme nuschelte: «Ist bei dir noch frei?»

Die drei fuhren ihre Beine aus, bis sie auf der richtigen Höhe für die Bank waren, und rutschten herein. Kurz darauf kam Zottelkugel Numero vier, dunkler als die drei anderen, und brachte vier große Gläser mit einem Getränk, das wie Milchkaffee aussah.

«Sporran», sagte die Kugel. Der Tonlage nach war vielleicht eher «Sopran» gemeint.

«Sporran», sagte die nächste Kugel mit etwas helleren Zotteln, ungefähr im Alt.

«Sporran.» Noch ein bisschen heller, Tenor.

«Sporran.» Die Kugel, die nach dem Platz gefragt hatte, Bass.

Sie schauten mich erwartungsvoll an. «Und wer bist du?», fragte Tenor-Sporran schließlich direkt.

«Äh.» Sollte ich mich wirklich schon outen? «Der Name tut nichts zur Sache … Nennt mich Camino.»

Sie hoben ihre Gläser. «Auf dein Wohl, Camino», zwitscherte Sopran-Sporran, dann die anderen drei hinterher.

«Auf euer Wohl, äh, Sporran, Sporran, Sporran und Sporran», erwiderte ich. Mein Wodkopad war schon wieder ziemlich leer, aber zum Anstoßen reichte es.

«Wo kommt ihr denn her?», fragte ich routinemäßig. Solche Wesen hatte ich noch nie getroffen, und ich hatte schon viel gesehen.

Die Sporrans seufzten. «Von Teochnainn», sagte Alt-Sporran.

Musste ich diese Welt kennen? Irgendetwas klingelte da.

«Vom See», ergänzte Sopran-Sporran, und es klang, als hätte er dort nie weggehen wollen.

«Macht es kurz», sagte Bass-Sporran. «Erzählt von dem Ungeheuer.»

«Ja, das Ungeheuer.» Die vier seufzten in ihrer jeweiligen Tonlage und schauten in ihre Gläser.

Ich nickte ihnen aufmunternd zu. Ungeheuer waren oft gute Aufhänger für haarsträubende Abenteuer.

«Also, das war so», begann Tenor-Sporran. «Bei uns in der Gegend gibt es diesen langen, tiefen See …»

* * *

Die Sporrans beschrieben ihr Land mit viel Grün und wenig Blau, Wolkenballett über den Bergen und der Küste, Regenbogen am Himmel und schillernden Kieseln im Bach. Dort wanderten sie mit ihren ungleich langen Beinen über die Hügel und sangen, mindestens zu zweit, manchmal mit bis zu sechs Leuten. Sie sangen, dass im Frühjahr die Blumen aufblühten, dass im Sommer das Korn reifte, dass im Herbst das Laub von den Bäumen fiel. Im Winter wuchs ihnen ihr dichtes Zottelfell, damit sie dem Wind und dem Regen trotzen konnten. Manche zogen dann auf die höchsten Berge des Landes und sangen, dass der Schnee fiel.

Ein Teil des wenigen Blau in diesem Land war der schon erwähnte langgestreckte, tief eingeschnittene See. Wenn man ihn näher betrachtete, war er gar nicht so blau, sondern eher hellbraun, wie die Sporrans, die im Sommer, wenn ihre Zotteln nicht so lang waren, mit Begeisterung am Ufer planschten. Sie sangen fröhliche Melodien für den See und die Lachse, die darin schwammen.

Eines Frühjahrs kamen die vier Sporrans von den Bergen herunter, wo sie das Tauwetter gesungen hatten. Sie trafen sich mit ihren Freunden und Verwandten am Ufer des langen Sees und zogen einmal um das Gewässer herum. Überall sangen sie ihre Melodien für die Blumen und die Bienen, die Vögel, die aus dem Süden zurückkamen, und allerlei kleines Getier, das an den Hängen seine Nester baute.

Aus dem großen, tiefen See erklang eine Antwort. Tief und dröhnend.

Die Sporrans hielten sich die Ohren zu und suchten Deckung. Der Lärm hallte von den Bergen wider, als ob ein Hang dem anderen den Schall zuwerfen würde. Der Boden zitterte, Bäume schwankten.

Nach einer Weile riss der Ton ab. Was auch immer es war, rief noch stoßweise und immer seltener. Schließlich hörten die Sporrans, obwohl ihnen die Ohren klingelten, vom See her ein Rauschen. Dann war es still.

* * *

«Was war das?», fragte Tenor-Sporran.

«Ein Ungeheuer», antwortete Sopran-Sporran. «Etwas anderes kann es nicht gewesen sein.»

«Hier gibt es keine Ungeheuer», behauptete Alt-Sporran. «Wie soll das hier hergekommen sein?»

Bass-Sporran schaute mit großen Augen auf das Wasser hinaus. «Was für eine Stimme!»

Vorsichtig krabbelten sie aus ihrem Versteck. «Wir müssen es finden», flüsterte Sopran-Sporran, «und erlegen.»

«Das schaffen wir nicht», meinte Alt-Sporran. «Was muss das für ein riesiges Wesen sein, das so eine Stimme hat …»

Bass-Sporran strich sich über den Kugelbauch und erwiderte aus tiefstem Keller: «Nicht die Masse macht den Bass!»

«Nachschauen müssen wir auf jeden Fall», sagte Tenor-Sporran. «Wenn wir es mit unserem Gesang geweckt haben, müssen wir es auch wieder schlafen legen, bevor es Unheil anrichtet.»

«Wir haben noch nie mit unserem Gesang ein Ungeheuer geweckt», protestierte Alt-Sporran. «Hier hat es noch nie ein Ungeheuer gegeben. Das muss jemand von anderswo eingeschleppt haben.»

«Wer denn? Wie denn?», fragte Tenor-Sporran. «Du hast doch selbst gesagt, dass es riesig sein muss.»

«Pst», zischte Sopran-Sporran. «Streitet euch gefälligst leiser. Wenn das Ding uns hört …»

«Ein Ding könnte es auch sein, richtig», sagte Tenor-Sporran. «So etwas haben wir doch schon gehört, bei Nebel am Wasser.»

Die anderen schüttelten sich und stießen kleine Jammerlaute aus.

* * *

«Es war aber kein Ding», unterbrach ich die Erzählung.

«Nein», sagte Tenor-Sporran.

«Woher weißt du das?», zwitscherte Sopran-Sporran.

«Äh, ich meine nur … weil ihr gesagt habt: Ungeheuer.» Schnell trank ich an meinem Wodkopad. In mir setzte sich ein Verdacht fest, der mir nicht gefiel.

Es dauerte nicht mehr lange, und die Sporrans bekamen das Wesen mit der tiefen, dröhnenden Stimme auch zu sehen. Und es war riesig. Als sie das nächste Mal auszogen, um Gesundheit für ihre Leute zu singen, ragte ein baumdicker langer Hals über die Oberfläche des Sees, dahinter tauchte ein runder Buckel auf. Das Geschöpf stimmte in den Gesang der Sporrans ein und übertönte sie alle.

Sie brachen ab, denn nichts und niemand konnte sie hören. Aber sie mussten singen, denn einigen der Ihren ging es sehr schlecht nach dem Lärmangriff. Da half ein zweiter in der gleichen Lautstärke natürlich nicht.

Die Sporran-Sänger versuchten es trotzdem immer wieder, und jedes Mal sang das Ungeheuer mit. Es wurde nach und nach leiser und schien sich sogar an ihre Töne anzupassen. Davon war jedenfalls Tenor-Sporran überzeugt. Bass-Sporran, der kleinste von allen, fing daraufhin an, Tonhöhen anzuzeigen. Das Ungeheuer folgte mit dem kleinen – na ja, wohl immer noch kalbsgroßen – Kopf am langen Hals den Dirigierbewegungen von Bass-Sporrans dürren Armen, und sein Gesang passte sich dem der Sporrans an. So sangen sie mit einander Heilung für die Sporrans und anderen Uferbewohner, die von den welterschütternden Klängen des Ungeheuers verletzt worden waren.

Im Lauf des Sommers gelang das gemeinsame Singen immer besser. Die Tage wurden länger, die Sonne stand hoch am Himmel und wärmte das Wasser des langen, tiefen Sees. Manchmal schwamm das Ungeheuer in die Nähe des Ufers und aalte sich dort im besonders warmen Wasser. Dann liefen neugierige Sporrans zusammen und planschten mit dem Ungeheuer. Es konnte nicht sprechen, und wahrscheinlich verstand es nicht, was die Sporrans miteinander redeten, aber sie sangen einander kurze Melodiestückchen vor und hatten viel Spaß dabei. Das Ungeheuer sang noch immer sehr laut und tief, aber nicht mehr so, dass die Berge zitterten und die Sporrans sich kaum auf den Beinen halten konnten.

* * *

Zufrieden nippte ich an meinem Wodkopad. Der wie vielte war das eigentlich? Egal. Die Sache war ja offenbar gut ausgegangen. Aber wieso redeten die Sporrans dann von Ungeheuer? Es wurde doch niemand gefressen oder ersäuft oder Ähnliches.

Die vier schauten trüb in ihre Gläser mit dem milchkaffeeähnlichen Gebräu und seufzten. Ich wollte gar nicht so genau wissen, was sie da tranken. Vermutlich war noch etwas anderes drin als Koffein.

«Dann kam der Herbst», nahm Tenor-Sporran die Geschichte wieder auf. «Erst wurden die Schwarzbeeren schwarz, dann wurden die Blaubeeren blau. Wir sangen, dass die Nüsse braun und hart wurden und die Pilze aus dem Boden schossen …»

Bei einem dieser Gesänge drehte das Ungeheuer wieder auf. Vielleicht lag es an den Pilzen. Es reckte den langen Hals mit dem kleinen Kopf hoch über die Wasseroberfläche und röhrte laut und tief. Die Berge hallten wider, Steine kamen ins Rollen. Die Sporrans hielten sich die Ohren zu und rannten davon.

Ein paar besonders Tapfere formierten sich zum Chor und sagen gegen den Lärm an. Bass-Sporran dirigierte und lenkte die Gesellschaft zum See. Dort bezog er auch das Ungeheuer in seine Bewegungen ein.

Es heulte ein paarmal kläglich auf, dann ließ es seinen Kopf ins Wasser klatschen. Offenbar hatte es diesmal keine Lust, mit den anderen zu singen.

* * *

Von da an lärmte das Ungeheuer fast jede Nacht, umso lauter und ausdauernder, je voller der Mond am Himmel stand. Große und kleine Tiere verließen die Ufer des Sees, auch viele Sporrans machten sich auf in die Berge. Die vier, die jetzt in der Kneipe zwischen den Welten saßen, blieben vorerst.

«Wir müssen es zum Schweigen bringen», sagte Sopran-Sporran.

«Leiser machen reicht», murrte Bass-Sporran.

«Aber wie?», fragte Alt-Sporran.

«Wenn wir wüssten, was es plötzlich gegen uns hat …» Tenor-Sporran schaute geistesabwesend auf den See hinaus. «Kannst du es nicht fragen, Sporran? Dich versteht es doch anscheinend.»

Bass-Sporran schüttelte sich. «Gar nicht. Aber wir müssen es trotzdem versuchen.»

«Warum schreit man so herum?», fragte Tenor-Sporran weiter. «Wenn etwas weh tut …»

«Wenn man wütend ist», unterbrach Sopran-Sporran.

«So sieht es aber nicht aus», sagte Tenor-Sporran. «Es beißt ja auch nicht oder greift sonst irgendwie an.»

«Stimmt», sagte Alt-Sporran. «Aber was will es sonst?»

«Jemanden rufen», schlug Bass-Sporran vor. «Einen Freund.»

Sopran-Sporran machte einen Satz zurück. «Wir brauchen nicht noch eins von der Sorte. Stellt euch vor, die lärmen dann zu zweit.»

«Vielleicht lärmen sie dann ja nicht mehr», meinte Tenor-Sporran.

«Sondern bekommen Junge.» Sopran-Sporran ließ sich nicht so leicht beruhigen. «Und was dann?»

«Das sehen wir, wenn es so weit ist», rumpelte Bass-Sporran. «Wir können es jedenfalls nicht so weitermachen lassen.»

«Wenn alle von hier wegziehen …», setzte Alt-Sporran an.

«Auf keinen Fall! Das lassen wir uns nicht bieten!», rief Sopran-Sporran. «Lieber bringen wir das Vieh um!»

«Was?» Alt- und Tenor-Sporran schrien entsetzt auf.

«Wie willst du das denn anstellen?», fragte Bass-Sporran. «Gift in den See kippen? Da brauchst du aber viel …»

«Nur so viel, dass die Lachse sterben …»

* * *

Mosaiksteine rückten an ihren Platz. Ich hatte das dumpfe Gefühl im Bauch, dass das mein Einsatz gewesen wäre. So eine ähnliche Geschichte war über den göttlichen Funkkanal vom Chef gekommen. Aber da musste ich mich nach meinem letzten Abenteuer noch regene…, äh, umhören, Nachforschungen anstellen und so. Überhaupt ist der Empfang hier in der Kneipe schlecht, gerade für Göttliches.

Die Sporrans hatten sich auch ohne meine Hilfe auf eine andere Lösung verständigt.

«Ich bin ja immer noch dafür», piepste Sopran-Sporran. «Und wenn wir jetzt nicht weiterkommen, dann müssen wir es so machen.»

Tenor-Sporran verdrehte die Augen. «Das hatten wir doch schon tausendmal. Wenn wir den See vergiften, können wir dort genauso wenig leben wie das Ungeheuer …»

Bevor die Diskussion gar zu hitzig wurde, fasste Bass-Sporran zusammen: «Wir suchen also einen Weg, um noch ein Ungeheuer in unseren See zu holen. Und alle haben uns gesagt, dass wir in dieser Bar bestimmt einen finden.»

Dann hatte ich also hiermit Gelegenheit, die Scharte auszuwetzen, die Kollegin Frizzycat hinterlassen hatte. Noch dazu gegen eine angemessene Bezahlung statt für Gotteslohn vom Chef. Ich breitete die Arme aus. «Ihr habt ihn gefunden!»

Ich nannte meinen Preis, mit nur geringer Erschwerniszulage, denn ich musste als Edler Wanderer zwischen den Welten im Gespräch bleiben. Die Sporrans tauchten unter den Tisch und palaverten dort schnatternd. Bei solchen geräuschintensiven Äußerungen ließen mich meine Sprachkenntnisse dann doch im Stich. Als sie wieder auftauchten, versuchte nur Sopran-Sporran kurz zu feilschen, ehe wir uns auf einen geringfügig höheren Preis in zwei Raten einigten. Tenor-Sporran veranlasste alles Nötige, und bevor ich meinen Wodkopad ausgetrunken hatte, sah ich den Geldeingang auf meinem Konto.

Ich hängte meine Tasche um, setzte den breitkrempigen Hut auf und nahm den Wanderstab zur Hand. «Wisst ihr den Weg auch nicht, ich kenn ihn wohl», sagte ich feierlich. Der Chef legt Wert auf die richtigen Formeln. «So folgt mir denn.»

Ich marschierte los, und die Sporrans zogen der Größe nach aufgereiht hinter mir her, zwitscherten und tirilierten. Wahrscheinlich starrte uns die ganze Kneipe hinterher.

* * *

Und die Tür ging nicht auf. Wir standen ganz richtig vor den Dimensionsportalen. Dort, wo ich vor langer Zeit angekommen war. Oder etwa nicht? Die sahen doch gar nicht alle gleich aus, und jemand wie ich sollte sie nicht verwechseln. Das durfte nicht vorkommen. Mein untrügliches Gespür, das mich auf allen Pfaden leitete und nie verließ …

«Alles in Ordnung, alter Edellatscher?», fragte eine Stimme, die ich schon lange nicht mehr gehört hatte. Die ich an diesem blasphemischen Ort nie erwartet hätte.

«Meister …» – ich drehte mich um – «…in.» Vor mir stand eine Frau in einem weiten, braungrauen Anzug, ein schlammfarbenes Tuch um den Kopf. Darunter ringelte sich eine kupferrote Locke hervor.

«Ich … äh, ich wollte mit den Herrschaften nach Graol aufbrechen …»

Sie nickte.

«Und … von dort … zu ihrer Heimatwelt …» Ich musste mich zusammennehmen. Wenn ich so wirr daherredete, konnte ich keine Türen öffnen.

«Guter Plan. Nur tun sich für dich keine Pfade mehr auf. Keine, für die ich zuständig bin.» Jetzt klang die Stimme genau wie vorhin am 3D-Billard. «Vielleicht kennst du ja noch andere. Die sich für Geld öffnen.» Sie zwinkerte mir zu.

«Aber …»

Bevor ich das zweite Wort herausbrachte, nahm sie mir den Pilgerstab aus der Hand, stieß sich damit ab und ging davon, auf einem ihrer Pfade. Und ich stand vor vier kleinen, zottigen, sehr verärgerten Wesen mit langen, spitzen Zähnen.

E N D E

Bild: gemeinfrei, via Wikipedia